Masterarbeit, 2019
74 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Patrick Modiano
2.1 Leben und Werk
2.2 Literarische Einordnung
2.2.1 Nouveau Roman
2.2.2 Gegenwartsliteratur
3. Gedächtnis
3.1 Einführung
3.2 Kollektives Gedächtnis
3.2.1 Kulturelles Gedächtnis
3.2.2 Historisches Gedächtnis
3.3 Individuelles und kollektives Trauma
3.4 Individuelle und kollektive Identität
3.5 „Erinnerungsorte“ und „Nicht-Orte“
4. Vergessen
4.1 Die Dynamik des kulturellen Gedächtnisses
4.2 Techniken des Vergessens
4.3 Formen des Vergessens
4.3.1 Automatisches Vergessen
4.3.2 Verwahrensvergessen
4.3.3 Selektives Vergessen
4.3.4 Strafendes und repressives Vergessen
4.3.5 Defensives und komplizitäres Vergessen
4.3.6 Konstruktives Vergessen
4.3.7 Therapeutisches Vergessen
5. Gedächtnis in der Literatur
6. Dora Bruder
6.1 Inhalt
6.2 Historischer Kontext
6.3 Analyse
6.3.1 Erinnerungsträger
7. Pour que tu ne perdes pas dans le quartier
7.1 Inhalt
7.2 Analyse
7.2.1 Identität
7.2.2 Erinnerungsträger
7.2.3 Orte und Zeit
8. Fazit
Die Arbeit untersucht die Dialektik von Erinnern und Vergessen im literarischen Werk des Nobelpreisträgers Patrick Modiano, insbesondere mit Fokus auf die Romane Dora Bruder und Pour que tu ne perdes pas dans le quartier, um die Rolle der Gedächtnisarbeit bei der Rekonstruktion individueller und kollektiver Identität in einem von Trauma geprägten historischen Kontext zu beleuchten.
6.3.1.2 Dokumente, Fotos, Zeugen
Weiterhin bedient sich der Autor authentischer Dokumente, die er in seinem Roman genauso reproduziert/wiedergibt. Es handelt sich um Aufzeichnungen von der Polizei, Geburtsurkunden, Aufzeichnungen vom Lager Drancy, Archive kommunaler Schulen, Namen aus der Mémorial de la déportation des Juifs de France. Dabei läuft er Rathäuser ab, schreibt an die Direktoren umliegender Schulen, schreibt an das tribunal de grande instance und an die Schwestern des katholischen Internats, wo Dora untergebracht war, um Spuren von Dora und ihr nahe stehenden Personen aufzufinden. Hierfür wandert er von einer Behörde zur anderen und füllt zig Formulare aus (vgl. ebd. 14 ff.). Seine Empfindungen bei dieser mühseligen Suche beschreibt er folgendermaßen:
Il faut longtemps pour que resurgisse à la lumière ce qui a été effacé. Des traces subsistent dans des registres et l’on ignore où ils sont cachés et quels gardiens veillent sur eux et si ces gardiens consentiront à vous les montrer. Ou peut-être ont-ils oublié tout simplement que ces registres existaient. (ebd. 13).
Hierbei handelt es sich um die Form des Verwahrensvergessens. Informationen sind gespeichert, aber der Zugang zu ihnen ist limitiert, sie sind nicht Teil des aktiven Gedächtnisses der Gesellschaft. So benötigt er vier Jahre um das Geburtsdatum und weitere zwei Jahre um den genauen Geburtsort ausfindig zu machen:
J’ai mis quatre ans avant de découvrir la date exacte de sa naissance: le 25 février 1926. Et deux ans ont encore été nécessaires pour connaître le lieu de cette naissance: Paris, XIIe arrondissement. Mais je suis patient. Je peux attendre des heures sous la pluie. (Modiano 1997 :14).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des kollektiven Vergessens nach dem Holocaust ein und begründet die Relevanz von Modianos literarischer Erinnerungsarbeit.
2. Patrick Modiano: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das Leben des Autors und ordnet sein Werk in literarische Strömungen wie den Nouveau Roman ein.
3. Gedächtnis: Hier werden theoretische Grundlagen des Gedächtnisses diskutiert, darunter kollektives, kulturelles und historisches Gedächtnis sowie das Phänomen des Traumas.
4. Vergessen: Dieses Kapitel analysiert verschiedene Formen und Techniken des Vergessens, von automatischen Prozessen bis hin zu bewusster Repression und therapeutischem Vergessen.
5. Gedächtnis in der Literatur: Hier wird die Rolle der Literatur als Medium untersucht, das Erinnerungsprozesse inszeniert und neue Modelle der Gedächtniskonstruktion erschafft.
6. Dora Bruder: Dieses Kapitel widmet sich der Analyse des Romans Dora Bruder, wobei Fokus auf den historischen Kontext, die Rolle des Autors als Detektiv und die Bedeutung von Dokumenten liegt.
7. Pour que tu ne perdes pas dans le quartier: In diesem Kapitel wird das zweite Hauptwerk analysiert, mit Fokus auf die Identitätssuche des Protagonisten Daragane und die Funktion von Erinnerungsträgern.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und unterstreicht Modianos lebenslange Bestimmung, gegen das kollektive Vergessen anzuschreiben.
Patrick Modiano, Dora Bruder, Gedächtnisarbeit, Erinnerungskultur, Kollektives Gedächtnis, Trauma, Vergessen, Identitätskonstruktion, Nouveau Roman, Literaturwissenschaft, Holocaust, Paris, Archiv, Fakt und Fiktion, Postmemoir
Die Arbeit untersucht, wie Patrick Modiano in seinen Romanen das kollektive Vergessen der französischen Vergangenheit aufarbeitet und durch Literatur versucht, vergessene menschliche Schicksale ins Bewusstsein zurückzuholen.
Die zentralen Themen sind das Wechselspiel von Erinnern und Vergessen, die Konstruktion von Identität, der Einfluss von traumatischen historischen Ereignissen und die Rolle von Orten und Dokumenten als Träger von Erinnerung.
Ziel ist es, die narrative Strategie und die literarische Gedächtnisarbeit Modianos zu analysieren und aufzuzeigen, wie er Fakt und Fiktion nutzt, um eine "Archäologie" des Vergessenen zu betreiben.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die theoretische Konzepte (z.B. von Aleida und Jan Assmann, Pierre Nora, Marc Augé) auf die spezifischen Romane Modianos anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Gedächtnis und Vergessen sowie eine tiefgehende Analyse der Romane "Dora Bruder" und "Pour que tu ne perdes pas dans le quartier".
Typische Schlüsselbegriffe sind Erinnerungskultur, Kollektives Gedächtnis, Trauma, Identitätskonstruktion und der literarische Begriff des "Postmemoir".
Er füllt die historischen Leerstellen durch seine eigene Vorstellungskraft, das Studium von Archiven und den Vergleich mit eigenen biografischen Erfahrungen, um dem anonymen Opfer eine Identität zu geben.
Paris fungiert für Modiano als ein Palimpsest, in dem Orte, Straßen und Gebäude als "Erinnerungsträger" wirken, die beim Protagonisten (und Leser) vergangene Schichten des Gedächtnisses freilegen.
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