Masterarbeit, 2019
87 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Wenn die Hoffnung schwindet – Die Entwicklung literarischer Utopien und Dystopien
2.1. Was ist Utopie?
2.1.1. Thomas Mores Utopia als Grundlage utopischer Denkfiguren
2.1.2. Literarische Utopien und ihr Bezug zu Raum, Zeit und Gesellschaft
2.1.3. Feministische Utopien als Ausdruck weiblicher Hoffnung
2.2. Dystopie als Gegenentwurf zur Utopie
2.2.1. Anti-Utopie oder Dystopie – Gibt es einen Unterschied?
2.2.2. Merkmale literarischer Dystopien
2.2.3. Die literarische Dystopie als Grundlage einer feministischen Kritik
3. Totalitarismus als Grundlage politischer Systeme in literarischen Dystopien
3.2. Was ist Totalitarismus?
3.3. Der Zusammenhang von Totalitarismus und Dystopie
4. Wichtige feministische Theorien für die Auslegungen der gewählten Werke
5. Reproduktion und Mutterschaft – Aufhebung und Neuordnung von Rollenzuschreibungen in feministischen Dystopien
5.2. Reproduktion als Daseinsberechtigung und Unterdrückungsmechanismus der Frau
5.3. Die Bedeutung der Mutterschaft für das Rollenverständnis der Frau
6. The Handmaid's Tale – Religiöses Rollenverständnis als Grundlage eines totalitären Systems
6.2. Religion und strikte Hierarchie als Grundlage totalitärer Ordnung
6.3. Die „Handmaid“ und ihre Rolle als Gebärende
7. Das überlebende NS-Regime in Swastika Night
7.2. Geschichtliche Grundlagen des Nationalsozialismus und dessen Funktionsweise in dem totalitären Regime in Swastika Night
7.3. Die Frau und ihr Verlust der Menschlichkeit und Mütterlichkeit in einem radikal misogynen, patriarchalen System
8. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Mutterschaft und Reproduktion in feministischen Dystopien, um aufzuzeigen, wie totalitäre Systeme diese biologischen Aspekte nutzen, um patriarchale Unterdrückungsmechanismen zu etablieren und die weibliche Selbstbestimmung gezielt zu negieren.
2.1.3. Feministische Utopien als Ausdruck weiblicher Hoffnung
Wie bereits erwähnt, blieben Frauen in der Regel aus den Konzepten der Gleichheit und den von Männern dominierten literarischen Utopien in den ihnen zugedachten Geschlechterrollen. Ist die utopische Welt gleichzusetzen mit dem Paradies, in welchem der Mensch ein sorgenloses Leben führen kann, so ist die Frau wie die Sünderin, welche von der Frucht des Baumes der Erkenntnis aß und dadurch verantwortlich wurde, dass der Mensch aus dem Paradies vertrieben wurde. Dagegen scheint ihr verbergen durch verschweigen als einzig mögliche Lösung der Verdammung zu entkommen. Es wird keine Gleichheit der Geschlechter angestrebt, bei More sind Frauen sogar „von der Teilnahme an politischer Macht weitgehend ausgeschlossen.“ In Finstere neue Welten schafft Susanna Layh einen allgemeinen Überblick über die Rolle der Frau in den von Männern verfassten literarischen Utopien und findet dabei ein weitreichend statisches Frauenbild vor, in dem die Frau kaum einen Anteil am öffentlichen und politischen Leben hat. Sie verweist auf das Werk Christianopolis von Johann Valentin Andreae, eine religiöse Utopie, in welcher Frauen vollständig aus dem gesellschaftlichen Leben verbannt werden und ihnen die Verfügungsgewalt lediglich auf den Hausrat zugesprochen und sie „letztlich auf ihre Gebärfähigkeit reduziert wird“. Die Frau findet hier und in anderen patriarchalen Theorien und Gesellschaftsentwürfen ihre einzige Bestimmung im Gebären um den Fortbestand der Bevölkerung zu sichern. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern wird nie infrage gestellt und somit bleibt Layhs Fazit: „Sie [die Frauen] bleiben in letzter Konsequenz auf ihre angestammte Rolle als Mutter, Hausfrau und ergebene Partnerin an der Seite des Mannes reduziert und sind zudem als literarische Figuren kaum gestaltet.“
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Genre der literarischen Dystopien ein und begründet das Forschungsinteresse an der Rolle der Frau und der Reproduktion innerhalb feministischer dystopischer Literatur.
2. Wenn die Hoffnung schwindet – Die Entwicklung literarischer Utopien und Dystopien: Dieses Kapitel erarbeitet die begrifflichen Grundlagen von Utopie und Dystopie sowie deren historische und gesellschaftliche Relevanz als Spiegel politischer Strukturen.
3. Totalitarismus als Grundlage politischer Systeme in literarischen Dystopien: Der Abschnitt definiert den Begriff Totalitarismus und beleuchtet dessen konstitutive Bedeutung für die Entstehung und Aufrechterhaltung dystopischer Gesellschaftsordnungen.
4. Wichtige feministische Theorien für die Auslegungen der gewählten Werke: Hier werden theoretische Ansätze, insbesondere von de Beauvoir und Arendt, herangezogen, um die Unterdrückung der Frau im patriarchalen Kontext wissenschaftlich zu fundieren.
5. Reproduktion und Mutterschaft – Aufhebung und Neuordnung von Rollenzuschreibungen in feministischen Dystopien: Das Kapitel analysiert, wie die Reproduktion zur biologischen Legitimation der weiblichen Rolle und gleichzeitig zum Instrument staatlicher Kontrolle umgedeutet wird.
6. The Handmaid's Tale – Religiöses Rollenverständnis als Grundlage eines totalitären Systems: Eine detaillierte Untersuchung des Romans von Margaret Atwood unter besonderer Berücksichtigung der Verbindung von religiösem Fundamentalismus und der Ausbeutung des weiblichen Körpers.
7. Das überlebende NS-Regime in Swastika Night: Dieses Kapitel widmet sich der Analyse von Katharine Burdekins Roman und untersucht die extremen Formen patriarchaler Gewalt und Misogynie in einem fiktiven totalitären Regime.
8. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, welche bestätigt, dass die Unterdrückung der Frau in feministischen Dystopien untrennbar mit der staatlichen Kontrolle über ihre reproduktiven Fähigkeiten verbunden ist.
Feministische Dystopie, Totalitarismus, Reproduktion, Mutterschaft, Patriarchat, Literaturwissenschaft, Geschlechterrollen, Körperpolitik, Unterdrückungsmechanismen, Handmaid's Tale, Swastika Night, Selbstbestimmung, Kontrolle, Gesellschaftsordnung, Gender Studies.
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Frauen, Mutterschaft und Reproduktion innerhalb feministischer dystopischer Romane und deren Verbindung zu totalitären Machtstrukturen.
Die zentralen Themen umfassen die Theorie der literarischen Dystopie, die Definition und Anwendung von Totalitarismus sowie feministische Konzepte zur Geschlechterrollenverteilung und Körperlichkeit.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie dystopische Texte patriarchale Unterdrückung legitimieren, indem sie Frauen primär auf ihre biologische Funktion als Mütter reduzieren und sie so als politisches Subjekt ausschalten.
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die primär literarische Primärtexte mit einschlägigen soziopolitischen und feministischen Theorien in Beziehung setzt.
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Definitionen (Utopie/Dystopie, Totalitarismus) als auch detaillierte Fallanalysen der Werke "The Handmaid's Tale" und "Swastika Night" durchgeführt.
Wichtige Begriffe sind Feministische Dystopie, Totalitarismus, Reproduktionspolitik, patriarchale Unterdrückung und die Instrumentalisierung des weiblichen Körpers.
Während klassische Utopien Frauen oft ausschließen oder in traditionellen Rollen belassen, entlarven feministische Dystopien diese Rollenzuweisungen als aktiv konstruierte Unterdrückungsmechanismen.
Religion dient in dem fiktiven Staat Gilead als sakrale Rechtfertigung für eine rigide Hierarchie, die Frauen den Zugang zu Bildung, Arbeit und öffentlichem Leben entzieht und sie zur reinen "Gebärmaschine" degradiert.
Der Roman entwirft eine Welt, in der die absolute Dominanz des männlichen Prinzips durch ein NS-ähnliches Regime zementiert ist, was zu einem totalen Ausschluss von Frauen aus der menschlichen Gesellschaft und einer radikalen Entmenschlichung führt.
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