Magisterarbeit, 2002
62 Seiten, Note: 2,1
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1. Einleitung
2. Forschungsschwerpunkte und Ziele der Arbeit
3. Zum Inhalt der Kinobücher
3.1. Aktion, Perzeption, Affekt: Das Bewegungs-Bild
3.2. Vision, Traum, Halluzination: Das Zeit-Bild
4. Bergson und seine Rezeption bei Deleuze
5. Vom „Modell des Wahren als Totalisierung“ zum „Werden als eine Macht des Falschen“
5.1. Die Bewegung als Grundlage der Kommensurabilität
5.2. Erinnerung und Halluzination
5.3. Die Schöpfung der Wahrheit und die Kritik des Urteilssystems
5.4. Die fälschende Erzählung und das Fabulieren
5.5. Glauben statt Wissen
6. Von der Frage „Was ist Kino?“ zu „Was ist Philosophie“ – Schlüsse und Denkansätze
Das primäre Ziel dieser Magisterarbeit ist die systematische Herausarbeitung der philosophischen Voraussetzungen, auf denen Gilles Deleuzes theoretische Auseinandersetzung mit dem Film in seinen beiden Kinobüchern basiert. Dabei steht insbesondere die Untersuchung der Transformation vom „Modell des Wahren“ im klassischen Kino (Bewegungs-Bild) hin zur „Macht des Falschen“ im modernen Kino (Zeit-Bild) im Zentrum, wobei die Verbindungslinien zu den Theorien von Henri Bergson und Friedrich Nietzsche analysiert werden.
3.1. Aktion, Perzeption, Affekt: Das Bewegungs-Bild
Deleuze beginnt seine Analyse mit einem ersten Kommentar zu Henri Bergson und liefert damit eine Einführung in den Begriff des Bewegungsbildes. Er bezieht sich dabei auf drei grundlegende Thesen Bergsons zur Bewegung, die den Arbeiten Materie und Gedächtnis und Schöpferische Entwicklung entnommen sind. Dabei versucht Deleuze nachzuweisen, daß sich Bergson in gewisser Weise selbst widerspricht, wenn er die Übereinstimmung seines Bewegungskonzeptes mit dem gerade in den Anfängen befindlichen Kino ablehnt, wie dies in den Bemerkungen zum Kino in Schöpferische Entwicklung der Fall ist.
Dieses Mißtrauen Bergsons gegenüber dem Kino versucht Deleuze mit Hilfe von Bergsons eigenen Thesen aus Materie und Gedächtnis zu widerlegen.
Die erste Bergsonsche These zur Bewegung besagt, daß die „Bewegung mit dem Raum, den sie durchläuft, keine Verbindung“ eingeht, denn der Raum stellt sich dar als etwas, das vergangen, teilbar und homogen ist, während die Bewegung gegenwärtig, unteilbar und heterogen ist. Bewegung findet immer zwischen zwei Punkten, also in einem Intervall statt und hat somit stets eine eigene qualitative Dauer, die nicht meßbar ist.
1. Einleitung: Einführung in Deleuzes Beschäftigung mit dem Kino und die methodische Abgrenzung gegenüber einer reinen Filmgeschichtsschreibung.
2. Forschungsschwerpunkte und Ziele der Arbeit: Darstellung der zentralen philosophischen Bezugspunkte, insbesondere Bergsons und Nietzsches, für die Analyse von Deleuzes Kinotheorie.
3. Zum Inhalt der Kinobücher: Systematische Untersuchung des Bewegungs-Bildes und des Übergangs zum Zeit-Bild, unterteilt in die jeweiligen Bildtypen.
4. Bergson und seine Rezeption bei Deleuze: Kritische Auseinandersetzung mit der Verwendung Bergsonscher Begriffe und der Modifikation durch Deleuze für seine spezifische Kinotheorie.
5. Vom „Modell des Wahren als Totalisierung“ zum „Werden als eine Macht des Falschen“: Untersuchung der Wahrheitskritik, des Urteilssystems und der neuen Bedeutung des Fabulierens im Kontext des modernen Kinos.
6. Von der Frage „Was ist Kino?“ zu „Was ist Philosophie“ – Schlüsse und Denkansätze: Fazit über die Notwendigkeit einer neuen philosophischen Praxis zur Einordnung moderner medialer Bilder.
Gilles Deleuze, Henri Bergson, Friedrich Nietzsche, Bewegungs-Bild, Zeit-Bild, Kino, Philosophie, Wahrheitsbegriff, Macht des Falschen, Fabulieren, Wahrnehmung, Dauer, Materie und Gedächtnis, Bildtheorie, Montage.
Die Arbeit analysiert die philosophischen Grundlegungen von Gilles Deleuzes zwei bedeutenden Werken über das Kino, wobei der Fokus auf dem Einfluss von Henri Bergson und Friedrich Nietzsche liegt.
Im Zentrum stehen die Kategorien der Bilder und Zeichen, der Wahrheitsbegriff, die Zeitlichkeit sowie die Rolle des Subjekts und der Realität im klassischen und modernen Kino.
Ziel ist es, die Entwicklung von Deleuzes Kinotheorie vom „Modell des Wahren“ (Bewegungs-Bild) hin zur „Macht des Falschen“ (Zeit-Bild) präzise herauszuarbeiten und die philosophischen Implikationen dieser Transformation aufzuzeigen.
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-theoretische Analysemethode, die auf einer intensiven Textlektüre und Interpretation der Primärtexte von Deleuze sowie der einschlägigen philosophischen Bezugsliteratur (Bergson, Nietzsche) beruht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Bergsonschen Thesen zur Bewegung, die Typologie der verschiedenen Bildarten (Wahrnehmungs-, Affekt-, Aktionsbild) sowie die darauffolgende Kritik am klassischen Wahrheitssystem durch den Fälscher und das schöpferische Fabulieren.
Zentrale Begriffe sind Deleuze, Bergson, Nietzsche, Bewegungs-Bild, Zeit-Bild, Wahrheit, Macht des Falschen und Fabulieren.
Das Bewegungs-Bild basiert auf einer organischen, sensomotorischen Verknüpfung in einem geschlossenen Ganzen, während das Zeit-Bild durch die Auflösung dieser Bindungen, durch Traum, Erinnerung und die ununterscheidbare Grenze zwischen Realem und Imaginärem gekennzeichnet ist.
Es ersetzt das traditionelle Streben nach einer objektiven Wahrheit, da Deleuze (in Anlehnung an Nietzsche) zeigt, dass das moderne Kino durch das Fabulieren und die Legendenbildung eine neue, schöpferische Wahrheit jenseits des klassischen Urteilssystems erschafft.
Das Kino produziert nicht nur Unterhaltung, sondern Begriffe, die eine eigene philosophische Einordnung erfordern; es fungiert als Spiegel einer Gesellschaft, in der die philosophische Reflexion das Leben in seiner ganzen Komplexität neu deuten muss.
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