Examensarbeit, 1994
150 Seiten, Note: 1,8
1. Einleitung
2. Die historisch - technische Entwicklung der Textilindustrie im Münsterland in ihrem gesellschaftlichen Kontext
2.1 Die Uranfänge: Produktion von Textilien im Münsterland für den Eigenbedarf bis in das 16. Jahrhundert
2.1.1 Einfache Spinn- und Webverfahren
2.1.1.1 Die Handspindel
2.1.1.2 Der Gewichtswebstuhl
2.1.1.3 Der Trittwebstuhl
2.1.2 Natürliche Textilrohstoffe
2.2 Die Produktion für Kunden und den Export durch das städtische Handwerk und die im Verlag organisierte Hausindustrie (bis etwa 1800)
2.2.1 Die Eröffnung des Baumwollseidenamtes in Bocholt: Organisation des städtischen Handwerks
2.2.2 Das Verlagsystem und die Hausindustrie auf dem Lande
2.2.3 Die Weiterentwicklung des Spinnens: vom Handspinnrad zum kontinuierlichen Flügelspinnrad
2.2.4 Die Weiterentwicklung des Webens: der Handwebstuhl mit Schnellschützen
2.2.5 Weitere wichtige technische Entwicklungen im Textilgewerbe (Walkmühlen, Pressen, Rauhmaschinen...)
2.2.6 Gründe für die technischen Veränderungen im Textilgewerbe
2.3 Textile Massenproduktion für wachsende Märkte: die Industrialisierung des Münsterlandes ab etwa 1850
2.3.1 Die Mechanisierung des Spinnprozesses
2.3.1.1 Die Entwicklung der Spinning Jenny
2.3.1.2 Die Entwicklung der Waterframe
2.3.1.3 Die "Synthese" zur Spinning Mule
2.3.1.4 Der Selfactor
2.3.1.5 Die Ringspinnmaschine
2.3.2 Die Mechanisierung des Webverfahrens
2.3.2.1 Mechanischer Webstuhl
2.3.2.2 Jacquard-Webstuhl
2.3.2.2 Northrop-Automaten (automatischer Schußspulenwechsel)
2.3.3 Vom Faden zum fertigen Stoff: der Fertigungsprozeß in einer typischen münsterländischen Textilfabrik um 1920
2.3.4 Die neue gesellschaftliche Situation der Bevölkerung (Situation der Arbeiter, Gründung von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden, Streiks)
2.3.5 Gründe für die technische Entwicklung in der Textilindustrie (Warum wurden die technischen Neuerungen im Münsterland des 19. Jahrhunderts vergleichsweise spät eingeführt?)
2.4 Die Situation der münsterländischen Textilindustrie von 1914-1945
2.5 Die Entwicklung der Textilindustrie nach dem 2. Weltkrieg (technisch und ökonomisch)
2.6 Die heutige Situatíon der Texilindustrie im Münsterland
2.6.1 Moderne Fertigungsverfahren der Spinnerei (Rotorspinnmaschine)
2.6.2 Moderne Fertigungsverfahren der Weberei
2.6.2.1 Sulzer-Webmaschine
2.6.2.2 Greifer-Webmaschine
2.6.2.3 Luftdüsen-Webmaschine
2.6.3 Chemiefaserstoffe - die neuen Textilrohstoffe
2.6.4 Andere Verfahren zur Herstellung flächenförmiger Textilien
2.6.4.1 Wirken
2.6.4.2 Stricken
2.6.4.3 Verkleben
2.6.5 Veredeln von Textilien
2.7 Derzeitige Probleme und Entwicklungstendenzen der Textilindustrie
3. Der Bezug zum Unterricht der allgemeinbildenden Schule
3.1 "Bildungstheoretischer Aspekt": Technikgeschichte - warum?
3.2 Einordnung dieser Thematik in den Lehrplan Technik
3.3 Das museumspädagogische Programm des Bocholter Textilmuseums
Die Arbeit untersucht die historisch-technische Entwicklung der Textilindustrie im Münsterland in ihrem gesellschaftlichen Kontext und erörtert deren Bedeutung für den Unterricht an allgemeinbildenden Schulen, wobei insbesondere der bildungstheoretische Wert der Technikgeschichte und die museumspädagogische Arbeit am Beispiel des Bocholter Textilmuseums analysiert werden.
2.1.1.2 Der Gewichtswebstuhl
Weben bedeutet, zwei rechtwinklig zueinander verlaufende Fadensysteme nach einer bestimmten Ordnung zu einem Gewebe zu verkreuzen. In die parallel gespannten Kettfäden wird dann der Querfaden, der sogenannte Schußfaden, eingebracht. Die einfachste und auch wohl älteste Bindungsart ist die Leinwandbindung. Bei dieser Bindungsart wird der Schußfaden so eingetragen, daß abwechselnd ein Kettfaden über und ein Kettfaden unter ihm liegt. Kompliziertere Bindungsarten, die später mit mechanischen Webstühlen praktiziert wurden, sollen später erläutert werden. Natürlich kann man, um ein Gewebe herzustellen, mehrere Fäden parallel auf einen Rahmen spannen, und den Querfaden dann - ähnlich wie beim Stopfen einbringen. Diese sehr alte und mühselige Art des Herstellens von Geweben wird allerdings noch nicht als "Vollweberei" bezeichnet. Charakteristisch für die entwickelte Weberei ist die mechanische Fachbildung. Dabei werden jeweils verschiedene Kettfäden gleichzeitig angehoben oder gesenkt, so daß in den so entstehenden Zwischenraum ein Querfaden "eingeschossen" werden kann. Den Zwischenraum nennt man "Fach"; der Querfaden hat durch die Art des Fadeneintrags seinen Namen bekommen: "Schußfaden"
Die älteste uns bekannte Webvorrichtung unserer germanischen Vorfahren heißt wegen der Gewichte, die die Kettfäden strafften, Gewichtswebstuhl. Der Name ist irreführend, weil man zum Weben an dieser Vorrichtung stand und nicht saß. Ein Webstuhl, auf dem man zum Weben sitzt, ist erst viel später entwickelt worden. Der einfachste Gewichtswebstand, den unsere Vorfahren benutzten, sah wahrscheinlich folgendermaßen aus: zwei Baumstämme, die senkrecht in den Boden versenkt wurden, trugen an ihrem oberen Ende einen darüberliegenden Stamm. Von diesem Stamm hingen durch Gewichte gestraffte Kettfäden herab, wobei der Fadenabstand jeweils in etwa gleich war. Die Beschwerung der Kettfäden mit Gewichten aus Ton oder Stein brachte gegenüber einer festen Verknotung der Kettfäden an einem Rahmen außerdem den Vorteil mit sich, daß sie bei der Fachbildung nicht so beansprucht wurden, also auch nicht so schnell rissen.
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die historisch-technische Entwicklung der münsterländischen Textilindustrie im gesellschaftlichen Kontext zu analysieren und deren Stellenwert für den Technikunterricht an allgemeinbildenden Schulen aufzuzeigen.
2. Die historisch - technische Entwicklung der Textilindustrie im Münsterland in ihrem gesellschaftlichen Kontext: Dieses Kapitel zeichnet die technologische Entwicklung von den urzeitlichen Spinn- und Webverfahren bis zur modernen, automatisierten Produktion nach und beleuchtet die damit einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen im Münsterland.
3. Der Bezug zum Unterricht der allgemeinbildenden Schule: Dieser Abschnitt untersucht, wie Technikgeschichte didaktisch sinnvoll in den Lehrplan verschiedener Schulformen integriert werden kann und inwieweit das Bocholter Textilmuseum als außerschulischer Lernort zur Erreichung dieser Lernziele beitragen kann.
Textilindustrie, Münsterland, Technikgeschichte, Webtechnik, Spinntechnik, Industrialisierung, Technikunterricht, Gewichtswebstuhl, Handspinnrad, Flügelspinnrad, Fabriksystem, Arbeitsteilung, Museumspädagogik, Automatisierung, Industriegeschichte.
Die Arbeit analysiert die historisch-technische Entwicklung der Textilindustrie im Münsterland und untersucht deren Eignung und Anwendungsmöglichkeiten als Unterrichtsthema an allgemeinbildenden Schulen.
Die zentralen Felder sind die Evolution textiler Fertigungstechniken, die sozio-ökonomische Transformation des Münsterlandes von der Hausindustrie zur Fabrikproduktion sowie die didaktische Verankerung der Technikgeschichte im Unterricht.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Technikgeschichte durch die Betrachtung regionaler industrieller Entwicklungen das Verständnis der Lernenden für die Wechselwirkung zwischen Mensch, Gesellschaft und Technik fördern kann.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse historischer und technisch-didaktischer Quellen sowie einer empirischen Untersuchung der museumspädagogischen Programme des Bocholter Textilmuseums.
Im Hauptteil werden die technischen Entwicklungsstufen (Spinnen und Weben), der Übergang vom städtischen Handwerk zum Verlagsystem und zur fabrikmäßigen Produktion sowie der Einfluss der Industrialisierung auf die Lebenswelt der Arbeiterschaft detailliert dargelegt.
Die wichtigsten Begriffe sind Textilindustrie, Industrialisierung, Technikgeschichte, Spinn- und Webtechnik, Didaktik der Technik, Arbeitslehre und Industriekultur.
Dieser Ansatz ermöglicht es Schülern, die Gestaltbarkeit von Technik zu verstehen, da er das Beziehungsgeflecht zwischen Technik, Gesellschaft und Individuum durch einen Rückgriff auf geschichtliche Entwicklungen transparent macht.
Das Museum dient als Beispiel für einen außerschulischen Lernort, dessen museumspädagogische Angebote (z.B. "Wilhelms Arbeitstag in der Fabrik") handlungsorientiertes Lernen und ein tiefgreifendes Verständnis für historische Arbeitsbedingungen ermöglichen.
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