Magisterarbeit, 2004
161 Seiten, Note: 1,0
I. Exposition
II. Dekonstruktion
II. 1. Die Erzählung
II. 1.1. Ordnung und Dauer
II. 1.2. Frequenz
II. 1.3. Aporien durch repetitives Erzählen
II.2. Poetik
II.2.1. Allegorien des Lesens
II.2.2. Norbert Gstreins Poetologie
II.2.3. Pauls Romankonzeption
II.2.3.1. Recherche
II.2.3.2. Genese eines nicht vorhandenen Romans
II.2.3.3. Konzeption hermeneutischer Sinnstiftung
II.2.3.4. Fiktionalisieren der Wirklichkeit
II.2.4. Die Dekonstruktion durch den Ich-Erzähler
II.2.4.1. Referentielle Bezüge
II.2.4.1.1. Geschichte und Plot
II.2.4.1.2. Tropen
II.2.4.1.3. Film
II.2.4.1.4. Journalismus
II.2.4.2. Dekonstruktion des Sprechakts
II.3. Resümee
III. Intertextualität
III.1. Widmung
III.1.1. Gabriel Grüner
III.1.2. Bezüge zu Gabriel Grüners Veröffentlichungen
III.1.3. Ich bin ein Mädchen aus Sarajevo
III.1.4. Peter Handke
III.1.5. Juli Zeh
III.2. Titel und Zwischentitel
III.2.1. Das Handwerk des Tötens
III.2.2. Stories & Shots
III.2.3. Traumstrassen in Jugoslawien
III.2.4. Miss Slavonski Brod
III.2.5. Eine schöne Geschichte
III.3. Resümee
IV. Resümee
Diese Arbeit untersucht Norbert Gstreins Roman "Das Handwerk des Tötens" unter Anwendung dekonstruktivistischer und intertextueller Analyseansätze, um die Möglichkeiten und Grenzen literarischen Schreibens über den Krieg im ehemaligen Jugoslawien kritisch zu hinterfragen.
II. Dekonstruktion
Läsen wir die schreckliche Kriegswirklichkeit auf dem Territorium des ehemaligen Jugoslawien als literarischen Text, könnten wir ein ganzes Repertoire narrativer Strategien, ein ganzes Lexikon stilistischer Methoden, Tropen und Figuren zusammenstellen.
Das ideologiekritische Moment der Dekonstruktion liegt in seiner Grundlage in dem Verneinen des hegelschen Systems der Dialektik, ein Verfahren der Sinnkonstitution, in dem die Welt durch These, Antithese und deren Aufhebung in der Synthese erfasst wird. Nach Peter V. Zima hat die hegelsche Annahme zur Folge, „daß die gesamte Wirklichkeit mit Hilfe von eindeutig definierten Begriffen durchsichtig gemacht werden kann.“ Alles Ontologische und Metaphysische kann somit der Herrschaft des Begriffs untergeordnet werden. Dabei werden die Begriffe nicht bewusst gebildet, sondern schreiten in ihrer Genese dialektisch fort, indem einer aus dem anderen entsteht. Dieses absolute Eindeutigkeit erzeugende, hierarchische Verfahren wird von den Dekonstruktivisten negiert, die in dem Verhältnis zwischen Signifikant und Signifikat keineswegs eine eindeutige Beziehung gegeben sehen. Grundlegend für die dekonstruktivistischen Annahmen ist die Sprachphilosophie Friedrich Nietzsches; im besonderen Maße seine Schrift „Ueber Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne“, in der die Willkürlichkeit der Begriffsbildung betont wird:
I. Exposition: Einführung in die Thematik der literarischen Auseinandersetzung mit den Balkankriegen am Beispiel von Norbert Gstreins Roman "Das Handwerk des Tötens".
II. Dekonstruktion: Untersuchung der narrativen Konstruktion und der Erzähltechniken des Romans sowie deren dekonstruktivistischer Analyse durch den Ich-Erzähler.
III. Intertextualität: Analyse der intertextuellen Verweise im Roman auf journalistische Berichterstattung und andere literarische Texte, um die Konstruktion von Wirklichkeit und die Rolle des Autors zu erörtern.
IV. Resümee: Synthese der Ergebnisse, wobei die ethischen und poetologischen Herausforderungen des Schreibens über den Krieg zusammenfassend reflektiert werden.
Norbert Gstrein, Das Handwerk des Tötens, Balkankrieg, Dekonstruktion, Intertextualität, Wahrheit, Fiktionalität, Erzählstruktur, Gabriel Grüner, Kriegsliteratur, Sprachkritik, Aporie, Paul de Man, Jacques Derrida, Wirklichkeitskonstruktion.
Die Arbeit analysiert, wie der Autor Norbert Gstrein in seinem Roman "Das Handwerk des Tötens" die Darstellung von Krieg im ehemaligen Jugoslawien literarisch problematisiert und dekonstruiert.
Die zentralen Themen umfassen die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, "Wahrheit" über den Krieg zu schreiben, das Spannungsfeld zwischen journalistischer Realität und literarischer Fiktion sowie die Kritik an ideologisierten Erzählmustern.
Ziel ist es zu untersuchen, ob Gstrein einen Diskurs darüber eröffnen kann, welche Möglichkeiten des Schreibens über Krieg existieren, wenn traditionelle Formen der Sinnstiftung dekonstruiert werden.
Die Analyse stützt sich maßgeblich auf die Methode der Dekonstruktion (inspiriert durch Derrida und de Man) sowie auf Konzepte der Intertextualität und Genettes Narratologie.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Dekonstruktion der Erzählstruktur (Ordnung, Dauer, Frequenz) sowie eine Untersuchung der Poetologie Gstreins und intertextueller Bezüge, insbesondere zu journalistischen Artikeln von Gabriel Grüner.
Wichtige Begriffe sind Dekonstruktion, Aporie, Intertextualität, Fiktionalisierung der Wirklichkeit, polyphone Erzählstruktur und ideologiekritische Literaturanalyse.
Der Ich-Erzähler wird als Instanz verstanden, die das Romanvorhaben der Figur "Paul" dekonstruiert, indem er die Widersprüchlichkeit und die Konstruiertheit von dessen "Wahrheit" aufdeckt.
Die Arbeit reflektiert die moralischen Vorwürfe der Rezensenten gegen Gstrein, ordnet diese jedoch in den poetologischen Kontext des Autors ein, anstatt sie rein ethisch zu bewerten.
Die Artikel von Gabriel Grüner dienen als Referenzmaterial, an dem Gstrein die Problematik medialer Bilder und die Gefahr ihrer fiktionalen "Ästhetisierung" durch Literatur aufzeigt.
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