Magisterarbeit, 2006
95 Seiten, Note: 2,7
I. Einleitung
II. Sherwood Anderson - Eine kurze Biographie
1. Die Zeit vor dem Schreiben
2. Seine Schriftstellerlaufbahn
III. Der Begriff des Grotesken
1. Allgemeine Begriffsbestimmung
2. Darstellung grotesker Charaktere in der Literatur
IV. Winesburg, Ohio - Das Werk
1. Allgemeines zum Werk
2. Der Zyklus als Ganzes
3. Eine Revolte gegen die Gesellschaft
V. Die grotesken Charaktere in Winesburg, Ohio
1. „The Book of the Grotesque“
2. „Hands“
2.1 Die Geschichte
2.2 Das Physisch-Groteske
2.3 Das Psychisch-Groteske
2.4 Die Ursache - Die Vertreibung
2.5 Die Kritik an der Gesellschaft - Die Ängste der Menschen
2.6 Fazit
3. „The Philosopher“
3.1 Die Geschichte
3.2 Das Physisch-Groteske
3.3 Das Psychisch-Groteske
3.4 Die Ursache - Seine Familie
3.5 Die Kritik an der Gesellschaft - Die Folgen der Modernisierung
3.6 Fazit
4. „Adventure“
4.1 Die Geschichte
4.2 Das Physisch-Groteske
4.3 Das Psychisch-Groteske
4.4 Die Ursache - Eine verlorene Liebe
4.5 Die Kritik an der Gesellschaft - Die „Victorian Gender Codes“
4.6 Fazit
5. „Respectability“
5.1 Die Geschichte
5.2 Das Physisch-Groteske
5.3 Das Psychisch-Groteske
5.4 Die Ursache - Der Vertrauensbruch
5.5 Die Kritik an der Gesellschaft - Die hohen Ansprüche der Gesellschaft an jeden Einzelnen
5.6 Fazit
6. „Queer“
6.1 Die Geschichte
6.2 Das Physisch-Groteske
6.3 Das Psychisch-Groteske
6.4 Die Ursache - Die Konfrontation mit der Gesellschaft
6.5 Die Kritik an der Gesellschaft - Der Druck auf wirtschaftlichen und sozialen Erfolg
6.6 Fazit
VI. Interpretativer Blick auf die Geschichten und Resümee
Die vorliegende Arbeit analysiert die Darstellung grotesker Charaktere in Sherwood Andersons Kurzgeschichtenzyklus Winesburg, Ohio. Dabei wird untersucht, wie soziale Einwirkungen und gesellschaftlicher Druck die Protagonisten in physisch und psychisch deformierte, einsame Figuren verwandeln, die an ihrer Unfähigkeit zur Kommunikation leiden.
2.1 Die Geschichte
„Hands“ stellt das Leben von Wing Biddlebaum dar, einem kleinen glatzköpfigen dicken Mann mit nervösen Händen, der am Stadtrand von Winesburg lebt. Sein einziger sozialer Kontakt ist der junge Zeitungsreporter George Willard, der ihn gelegentlich besucht. Wenn die beiden gemeinsam spazieren gehen, wird der kleine Mann plötzlich lebendig und beginnt zu erzählen was seit Jahren in ihm schlummert. Wing Biddlebaum hat seine eigene Lebensphilosophie, und er möchte sie seinem jungen Freund gern mitteilen. Er wünscht sich für George, dass dieser alles was er gelernt hat vergisst, so dass er anfangen kann zu träumen. Während eines Spaziergangs mit dem Jungen spricht Wing Biddlebaum dieses Thema an, dabei machen sich plötzlich seine Hände selbstständig und er berührt George am Kopf. Davon ist Wing so schockiert, dass er aufspringt, schnell seine Hände in die Hosentaschen steckt und geht. Der junge Zeitungsreporter ist verwundert und weiß nicht so recht, was er davon halten soll. Er hatte eigentlich aus Neugier beabsichtigt, den einsamen Mann einmal nach der auffallenden Emsigkeit seiner Hände zu fragen. Nachdem er aber den Schrecken in dessen Augen gesehen hat, entscheidet er sich, dies nicht zu tun. Nach diesem Ereignis beginnt der Erzähler der Geschichte, aus der Vergangenheit von Wing Biddlebaum zu berichten.
Wing Biddlebaum hieß früher Adolf Myers und lebte in einer Stadt in Pennsylvania, in der er als Lehrer an einer Schule unterrichtete. Er hatte aber nicht nur in der Schule zu seinen Schülern Kontakt, sondern ging auch abends oft mit den Jungen spazieren oder saß mit ihnen vor der Schule und redete mit ihnen. Seine Hände waren, während er mit den Jungen zusammen war, immer rastlos, und er berührte sie häufig an den Schultern oder spielte ihnen an den Haaren herum. Die Jungen hatten Vertrauen zu dem Lehrer und verbrachten gern Zeit mit ihm. Die Situation veränderte sich, als sich ein zurückgebliebener Junge in den Lehrer verliebte und nachts davon träumte, dass der Lehrer ihn sexuell berührt hätte.
I. Einleitung: Einführung in das Werk Sherwood Andersons und Erläuterung der Relevanz von Winesburg, Ohio für die moderne amerikanische Kurzgeschichte.
II. Sherwood Anderson - Eine kurze Biographie: Überblick über das Leben des Autors, unterteilt in die Zeit vor dem Schreiben und seine spätere Schriftstellerlaufbahn.
III. Der Begriff des Grotesken: Theoretische Herleitung des Begriffs sowie dessen literarische Bedeutung und Anwendung auf die Charakterdarstellung.
IV. Winesburg, Ohio - Das Werk: Analyse des Werkes als Kurzgeschichtenzyklus, des Einflusses der Kleinstadtumgebung und der Intention hinter der grotesken Darstellung.
V. Die grotesken Charaktere in Winesburg, Ohio: Detaillierte Fallstudien zu fünf ausgewählten Geschichten ("Hands", "The Philosopher", "Adventure", "Respectability", "Queer"), jeweils mit Fokus auf physische/psychische Groteske, Ursachen und Gesellschaftskritik.
VI. Interpretativer Blick auf die Geschichten und Resümee: Synthese der Einzelergebnisse und Diskussion der gesellschaftskritischen Relevanz des Werkes bis in die Gegenwart.
Sherwood Anderson, Winesburg Ohio, Groteske, Kurzgeschichte, Kleinstadt, Isolation, Entfremdung, Gesellschaftskritik, Moderne, Kommunikation, Identität, Psychologie, Wahrheitskonstruktion, Sozialkritik, Einsamkeit
Die Arbeit untersucht die Darstellung grotesker Charaktere in Sherwood Andersons berühmtem Kurzgeschichtenzyklus Winesburg, Ohio und analysiert, wie diese Figuren durch gesellschaftliche Zwänge und individuelle Traumata zu Außenseitern werden.
Zentrale Themen sind die Entfremdung des Individuums in der amerikanischen Kleinstadt, der Einfluss puritanischer Tabus, die Rolle von Kommunikation (oder deren Fehlen) sowie die psychische Deformation als Folge verpasster Lebensentwürfe.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Andersons groteske Charaktere nicht "von Natur aus" grotesk sind, sondern durch Einwirkungen ihrer unmittelbaren Umgebung und der restriktiven Gesellschaft geformt wurden, um Kritik an starren gesellschaftlichen Normen zu üben.
Die Arbeit nutzt eine komparative und textanalytische Methode, indem sie fünf spezifische Kurzgeschichten systematisch nach Aufbau, physischer und psychischer Groteske, Ursachen der Deformation und gesellschaftskritischen Aspekten untersucht.
Der Hauptteil widmet sich ausführlich fünf Fallbeispielen: „Hands“, „The Philosopher“, „Adventure“, „Respectability“ und „Queer“. Jedes dieser Kapitel beleuchtet das physische und psychische Groteske der jeweiligen Hauptfigur sowie die spezifischen Ursachen ihrer Isolation.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „groteske Charaktere“, „Isolation“, „gesellschaftlicher Druck“, „Wahrheitskonstruktion“, „Entfremdung“ und „Kommunikationsdefizit“ charakterisiert.
Elmer Cowley unterscheidet sich dadurch, dass seine groteske Entwicklung stärker in der Gegenwart verortet ist (der Umzug in die Stadt und der damit verbundene Erfolgsdruck) und nicht primär durch ein singuläres traumatisches Ereignis in der fernen Vergangenheit ausgelöst wird.
George Willard fungiert als zentraler Zeitungsreporter, der für die anderen Charaktere oft als Vertrauter dient. Er ist die Schnittstelle zwischen der isolierten Welt der „Grotesken“ und dem sozialen Leben der Stadt.
Es dient als Prolog und philosophische Einleitung, in der Anderson seine Theorie der „Wahrheitskonstruktionen“ darlegt – die Idee, dass Menschen durch das Festhalten an starren Ideologien ihr natürliches Potenzial verlieren und grotesk werden.
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