Diplomarbeit, 2007
96 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Tiergestützte Therapie
2.1. Therapie
2.2. Tiergestützte Therapie (TT)
2.2.1. Animal-Assisted-Activities (AAA)
2.2.2. Animal-Assisted-Therapie (AAT)
2.2.3. Tiergestützte Pädagogik
2.3. Entstehungsgeschichte der TT
2.4. Einsatzbereiche von TA und TT
3. Die Mensch-Tier-Beziehung
3.1 Die Mensch-Tier-Beziehung – historischer Abriss
3.2. Positive Wirkung der Mensch-Tier-Beziehung
3.2.1. Physische/physiologische Wirkung
3.2.2. Mentale und psychologische Wirkungen
3.2.3. Soziale Wirkungen
3.3. Biophilie
3.4. Du-Evidenz
3.5. Bindungstheorie
3.6. Schichtenlehre der Person nach Rothacker
3.7. Zusammenfassung
4. Kommunikation und Interaktion
4.1. Die menschliche Kommunikation
4.2. Tierische Kommunikation
4.3. Mensch-Tier-Kommunikation
4.4. Mensch-Tier-Interaktion
4.5. Taktile Reize in der Mensch-Tier-Interaktion
4.6. Zusammenfassung
5. Praktische Mensch-Tier-Interaktion
5.1. Für welche Klientel ist TT besonders geeignet?
5.2. Für welche Klientel ist TT nicht geeignet?
5.3. Welche Tiere sind besonders geeignet?
5.4. Gedanken zum Tierschutz
5.5. Hygiene-Aspekt
5.6. Beispiele für angewandte Mensch-Tier-Interaktionen
5.6.1 Freie Mensch-Tier-Begegnung
5.6.2 Tierbesuchsdienst
5.6.3 Entwicklungsfördernde Therapie
5.6.4 Kurzzeittherapie in einer Schäferei
6. Theoretische und konzeptionelle Einbindung in die Soziale Arbeit
6.1. TT im Handlungsfeld der Sozialen Arbeit
6.2. Kritik an TT
6.3. Einheitliche Ausbildungsstandards für TT
7. Schlussbetrachtung und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht den „heilsamen Prozess“ innerhalb der Mensch-Tier-Interaktion im Kontext der Sozialen Arbeit. Sie geht der zentralen Forschungsfrage nach, was diesen Prozess ausmacht, welche Faktoren dabei wirken und wie Tiere als therapeutische Begleiter systematisch und ethisch vertretbar eingesetzt werden können, um individuelle Entwicklung und Wohlbefinden zu fördern.
3.1. Die Mensch-Tierbeziehung – historischer Abriss
Menschen und Tiere waren zu allen Zeiten miteinander verbunden. Schon die frühen Hochkulturen glaubten an Götter in Tiergestalten, bzw. lebten mit der Vorstellung, dass Tiere Mittler zwischen Menschen und Göttern seien. Für viele heute noch lebenden Naturvölker und religiösen Gruppen bildet diese Vorstellung die Basis ihrer ethisch-religiösen Sozialordnung. Im Hinduismus und im Buddhismus wurden Normen entwickelt, die die Nichtverletzung von Tieren achten. Im Janismus wird das Töten oder die Schädigung lebender Wesen strikt verboten.
Bei vielen anderen Naturvölkern ist die Mensch-Tier-Beziehung vom mythischen Denken und einer Ordnungsstruktur beeinflusst. So finden nach einem Fehlverhalten – etwa einer Tiertötung – anschließend Beschwörungs- oder Entschuldigungsriten statt. „Naturvölker haben Tiere immer mit großem Interesse und Bewunderung betrachtet und sie als Mitgeschöpfe gesehen, welche uns Lehren erteilen, an denen wir wachsen sollen.“
Nach Otterstedt „...ist es aber vor allem die menschliche Vorstellung vom Wesen des Tieres, welche die emotionale Grundlage der Mensch-Tier-Beziehung innerhalb einer geschichtlichen Entwicklung sichtbar werden lässt. Die Mensch-Tier-Beziehung kann somit nicht losgelöst von dem Gesamtkontext menschlicher Kultur und Gesellschaft gesehen werden.“
Die Mensch-Tier-Beziehung hat also im Laufe der menschlichen Entwicklungsgeschichte unterschiedliche Ausprägungen und Gewichtungen erfahren. Diese Einschätzung wird von Lehne geteilt: „Kulturgeschichtlich gesehen war das Verhältnis von Mensch und Tier schon immer von religiösen, kulturellen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und psychologischen Rahmenbedingungen mitbestimmt.“ Nach Lehne sind den Tieren im Laufe der Jahrhunderte jeweils unterschiedliche Rollen zugeschrieben worden: „Tiere sind zunächst in gleicher Weise nützlich wie heilig. Sie waren Tauschgegenstände ebenso wie Objekte der Selbstdarstellung, Sündenböcke und Verdammte ebenso wie geliebte Freunde.“ Nach Rheinz sei an der jeweils aktuell zugeschriebenen Tierrolle der psychische Entwicklungsstand des Menschen abzulesen: „Die Rolle, die der Mensch auf den verschiedenen Stufen seiner Kulturentwicklung dem Tier zuwies, gibt Aufschluss über seine eigene seelische Entwicklung. Die Geschichte des Tieres ist ein Schlüssel der Psychohistorie.“
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert den Einsatz von Tieren in der Sozialen Arbeit und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach den Wirkmechanismen des heilsamen Prozesses in der Mensch-Tier-Interaktion.
2. Tiergestützte Therapie: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie AAA, AAT und tiergestützte Pädagogik und gibt einen Überblick über die Entstehungsgeschichte und Einsatzbereiche.
3. Die Mensch-Tier-Beziehung: Es werden die historische Entwicklung, die positive Wirkung auf den Menschen sowie theoretische Erklärungsmodelle wie die Biophilie-Hypothese und Bindungstheorie beleuchtet.
4. Kommunikation und Interaktion: Hier steht die nonverbale/analoge Kommunikation zwischen Mensch und Tier im Mittelpunkt, inklusive taktiler Reize und deren Bedeutung für den heilenden Prozess.
5. Praktische Mensch-Tier-Interaktion: Dieses Kapitel behandelt die Eignung für bestimmte Klientengruppen, Tierschutzaspekte, Hygienefragen und stellt beispielhafte Praxisprojekte vor.
6. Theoretische und konzeptionelle Einbindung in die Soziale Arbeit: Das Kapitel diskutiert die Relevanz der tiergestützten Therapie für die Soziale Arbeit, reflektiert kritisch die aktuelle Diskussionslage und thematisiert notwendige Ausbildungsstandards.
7. Schlussbetrachtung und Ausblick: Eine kritische Reflexion der Untersuchungsergebnisse und Überlegungen zur zukünftigen Etablierung der tiergestützten Therapie als eigenständige Behandlungsmethode.
Tiergestützte Therapie, Mensch-Tier-Beziehung, Soziale Arbeit, Bindungstheorie, Biophilie, Nonverbale Kommunikation, Tierschutz, Therapiebegleithunde, Heilender Prozess, Co-Therapeuten, Psychoanalyse, Entwicklungsförderung, Psychohygiene, Pädagogik.
Die Diplomarbeit untersucht die Bedeutung und Wirksamkeit der tiergestützten Therapie im Kontext der Sozialen Arbeit, insbesondere den sogenannten heilsamen Prozess in der Mensch-Tier-Interaktion.
Die Arbeit deckt die theoretischen Grundlagen der Mensch-Tier-Bindung, Kommunikationsmodelle, praktische Einsatzgebiete in der Sozialen Arbeit, ethische Tierschutzaspekte sowie Qualitätsstandards in der Ausbildung ab.
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Was genau macht den heilsamen Prozess in der Mensch-Tier-Interaktion aus, was wirkt warum und wie kann dies therapeutisch genutzt werden?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die Konzepte aus Biologie, Psychologie und Sozialwissenschaften integriert, um die Wirkung der tiergestützten Therapie zu theoretisieren.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Analysen (Bindungstheorie, Schichtenlehre, Biophilie) und die Darstellung praktischer Anwendungsbeispiele sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Studienlage.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Tiergestützte Therapie, Bindungstheorie, Mensch-Tier-Beziehung, Kommunikation und Soziale Arbeit geprägt.
Lamas werden als Beispiel für eine effektive tiergestützte Arbeit angeführt, insbesondere aufgrund ihres freundlichen Wesens und ihrer Fähigkeit zur Anpassung in der freien Begegnung.
Der Tierschutz ist von zentraler Bedeutung, da die Arbeit betont, dass Tiere keine bloßen „Werkzeuge“ sind. Es müssen hohe Standards in Haltung, Einsatzdauer und Wohlbefinden eingehalten werden.
Die Autorin weist darauf hin, dass es an einem kritischen Diskurs mangelt und viele Studien methodische Schwächen aufweisen, da sie oft eher deskriptiv als wissenschaftlich fundiert sind.
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