Diplomarbeit, 2002
180 Seiten, Note: 2,00
1. Einleitung
2. Von der Verwahrung zur Selbstbestimmung
2.1. Psychiatrische Anstalten – Orte der Verwahrung
2.2. Enthospitalisierung
2.2.1. Formale und inhaltliche Aspekte
2.2.2. Erfolge und Probleme
2.2.3. Kritik an gemeindeintegriertem Wohnen
2.3. Das Normalisierungsprinzip
2.3.1. Entwicklung in Skandinavien und in den USA
2.3.2. Umsetzung in Deutschland
2.4. Integration
2.5. Selbstbestimmung
3. Das Empowerment-Konzept
3.1. Begriffliche Auseinandersetzung
3.2. Geschichtliche Entwicklung
3.3. Menschenbild – Leitlinien – Wertebasis
3.3.1. Selbstbestimmung
3.3.2. Kollaborative und demokratische Partizipation
3.3.3. Verteilungsgerechtigkeit
3.4. Die Rolle der professionellen Helfer
3.5. Self Advocacy
4. Die SIVUS-Methode als Instrument von Empowerment
4.1. Die Entstehungsgeschichte der SIVUS-Methode
4.2. Grundlagen der SIVUS-Methode
4.2.1. Das Menschenbild nach SIVUS
4.2.2. Die Rolle der Begleiter
4.2.3. Die Zielsetzungen
4.2.4. Der individuelle und soziale Reifungsprozess
4.2.4.1. Die vier grundlegenden Fähigkeiten
4.2.4.2. Die zwei Dimensionen des sozialen Reifens
4.2.5. Arbeitsorganisation
4.3. SIVUS und Kommunikation
4.4. SIVUS im Bereich der Arbeit
4.5. SIVUS im Wohnbereich
4.6. SIVUS im Bereich Freizeit und Erwachsenenbildung
4.7. SIVUS bei Menschen mit intensiver geistiger Behinderung
4.8. SIVUS als Mittel zur Qualitätssicherung
5. Empirischer Teil
5.1. Gegenstand der Studie und zentrale Fragestellungen
5.2. Die Forschungsmethode
5.3. Auswahl der Interviewpartner
5.4. Vorbereitung und Durchführung der Interviews
5.5. Auswertung der Interviews
6. Abschließende Gedanken
7. Literatur
Die Diplomarbeit untersucht die SIVUS-Methode als praxisorientiertes Instrument zur Förderung von Empowerment bei Menschen mit geistiger Behinderung. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die in Schweden entwickelte Methode zur Stärkung von Selbstbestimmung, individueller und sozialer Kompetenz in der Behindertenarbeit beitragen kann und welche Herausforderungen bei der Implementierung in Deutschland bestehen.
4.2.1. Das Menschenbild nach SIVUS
Eine zentrale Aussage des Menschenbildes nach SIVUS ist, dass Menschen mit Behinderungen Mitmenschen sind, mit denen wir zusammen leben und arbeiten und nicht zu betreuende Objekte (vgl. WALUJO/ MALMSTRÖM 1996, S.158). Menschen mit geistiger Behinderung sind soziale Wesen und benötigen darum Kontakt mit anderen. Dabei gilt es, den Mensch so anzunehmen und zu akzeptieren wie er ist und ihn wertzuschätzen (vgl. ebd., S.13f.). Menschen mit geistiger Behinderung sind Menschen in Entwicklung. Sie entwickeln sich wie alle Menschen vom Kind zum Erwachsenen. Dabei erfolgt die Entwicklung wie bei anderen Menschen aus eigenem inneren Antrieb und durch eigenständiges Handeln. Entwicklung vollzieht sich von einem Bedürfnis über das eigene Handeln hin zur persönlichen Reifung. Oder anders gesagt: von der Praxis (dem Erleben) zur Theorie (dem Verstehen) zurück zur Praxis (der Aktivität). Hier kommt schon zum Ausdruck, dass sich der Mensch nicht nur über konkrete Tätigkeiten weiterentwickelt, sondern auch durch zuschauen und beobachten. Daraus folgt auch die Bedeutung des sozialen Kontaktes mit anderen Menschen (vgl. ebd.; SIVUS-Arbeitsmappe (Das Menschenbild) 2001).
SIVUS geht davon aus, dass Menschen mit geistiger Behinderung sehr wohl in der Lage sind, eigene Bedürfnisse zu erkennen und diese mit (mehr oder weniger) Unterstützung zu befriedigen. Die SIVUS-Methode geht dabei, ähnlich wie das Empowerment-Konzept, von einer Stärkenperspektive aus. Die Defizit-Sichtweise wird darum konsequent abgelehnt. In der SIVUS-Methode wird jedem Menschen sein Recht auf Selbstbestimmung zugestanden (vgl. ebd.).
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Paradigmenwechsel in der Behindertenarbeit von der Verwahrung hin zur Selbstbestimmung und führt die SIVUS-Methode als Instrument zur Umsetzung dieses Anspruchs ein.
2. Von der Verwahrung zur Selbstbestimmung: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Behindertenhilfe nach, insbesondere die Prozesse der Enthospitalisierung, die Bedeutung des Normalisierungsprinzips und die Entwicklung der Selbstbestimmungsforderungen.
3. Das Empowerment-Konzept: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Empowerment-Konzepts, sein Menschenbild und die Leitwerte wie Selbstbestimmung, Partizipation und Verteilungsgerechtigkeit ausführlich dargelegt.
4. Die SIVUS-Methode als Instrument von Empowerment: Der Hauptteil erläutert die Entstehung, das Menschenbild, die methodischen Grundlagen sowie die Anwendung von SIVUS in verschiedenen Lebensbereichen und als Qualitätssicherungsinstrument.
5. Empirischer Teil: Die Arbeit schließt mit einer empirischen Studie ab, in der durch Experteninterviews die Chancen, Probleme und Rahmenbedingungen für die Arbeit mit der SIVUS-Methode in Deutschland beleuchtet werden.
6. Abschließende Gedanken: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert ein gesellschaftspolitisches Umdenken sowie eine stärkere finanzielle und strukturelle Förderung der Behindertenarbeit nach SIVUS-Prinzipien.
7. Literatur: Detailliertes Verzeichnis der verwendeten Quellen.
SIVUS-Methode, Empowerment, Geistige Behinderung, Selbstbestimmung, Normalisierungsprinzip, Enthospitalisierung, Gruppenarbeit, Behindertenhilfe, Qualitätssicherung, Soziale Entwicklung, Kompetenzförderung, Assistenzmodell, Inklusion, Experteninterviews, Sozialpädagogik
Die Diplomarbeit beschäftigt sich mit der SIVUS-Methode als einem praxisorientierten Ansatz zur Förderung von Selbstbestimmung und Empowerment bei Menschen mit geistiger Behinderung.
Die Arbeit behandelt die historische Entwicklung der Behindertenarbeit, das Empowerment-Konzept, gruppendynamische Entwicklungsprozesse und die praktische Implementierung von SIVUS in verschiedenen Lebensbereichen.
Ziel ist es, die Eignung der SIVUS-Methode als Instrument für ein selbstbestimmtes Leben zu prüfen und die Bedingungen für ihre Anwendung in der deutschen Behindertenhilfe kritisch zu analysieren.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einem empirischen Teil, bestehend aus problemzentrierten Leitfadeninterviews mit Fachleuten, die mit der SIVUS-Methode arbeiten.
Der Hauptteil widmet sich ausführlich den Grundlagen der SIVUS-Methode, wie dem Menschenbild, der Rolle der Begleiter, den Zielsetzungen, dem Reifungsprozess und der praktischen Anwendung in Arbeit, Freizeit und Wohnen.
Die wichtigsten Begriffe sind SIVUS-Methode, Empowerment, Selbstbestimmung, Inklusion, Normalisierung und Behindertenpädagogik.
Im Gegensatz zur Defizitorientierung setzt SIVUS konsequent auf die Stärken des Einzelnen und auf gruppendynamische Prozesse statt auf fremdbestimmte Therapieprogramme.
Als Gründe werden unter anderem die Dominanz von Großeinrichtungen, die starke institutionelle Verankerung traditioneller Strukturen und ein hoher Anspruch an Flexibilität und Engagement der Mitarbeiter genannt.
Alle Befragten schätzen die Methode als eindeutige Bereicherung ein, heben jedoch hervor, dass sie anspruchsvoll in der Umsetzung ist und professionelle Begleitung sowie Supervision erfordert.
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