Magisterarbeit, 2006
104 Seiten, Note: 1,1
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Einbindung in die Forschungsdiskussion
2.1.1 Zur Konjunktur des Regionsbegriffs innerhalb und außerhalb der Wissenschaft
2.1.2 Substantialistische und konstruktivistische Ansätze
2.1.3 Kulturwissenschaftliche Regionenforschung: Region als Sinnordnung
2.1.4 Möglichkeiten regionaler Sinnordnung
2.1.4.1 Akteurstypen und Handlungslogiken
2.1.4.2 Regionskonzepte und Arten der Raumstrukturierung
2.2 Begriffsklärung
2.2.1 Kernbegriffe: Raum, Region, Heimat
2.2.2 Hilfsbegriffe: Moderne, Identität, Erzählungen
2.3 Erklärungsansätze und Theorien zu Region und Regionsbezug
2.3.1 Zur Aktualität des Raumbezugs in Zeiten der „Globalisierung“
2.3.2 Zum Raumbezug auf verschiedenen Ebenen: Region, Nation, Europa
2.3.3 Raumbezug als Möglichkeit der Selbstverortung und Sinnstiftung: Regionale Identität und Identifizierung mit der Region
2.4 Zusammenfassung und Folgerungen
3 Vorgehensweise
3.1 Untersuchungsgegenstand: Die Rhön und die Akteure Rhönklub und Biosphärenreservat
3.2 Verfahren zur Bearbeitung der Fragestellungen
3.2.1 Die Diskursanalyse
3.2.2 Der Vergleich und vergleichendes Vorgehen
3.3 Methode
3.3.1 Filterfragen: Unter welchen Gesichtspunkten werden Quellen ausgewählt?
3.3.2 Korpusbildung: Welches sind die relevanten Dokumente?
3.3.3 Analyseraster: Was sind diskursive Elemente?
4 Untersuchung: Die Konstruktion der Region Rhön
4.1 Kontext der Untersuchung: Beschreibung der Akteure
4.1.1 Der Rhönklub
4.1.2 Das Biosphärenreservat
4.1.3 Zuordnung zu Akteurstypen und Regionskonzepten
4.2 Untersuchung: Beschreibung der Regionskonzepte
4.2.1 Gründungserzählungen und Selbstdarstellungen – Hintergründe der Regionalisierung
4.2.1.1 Der Rhönklub
4.2.1.2 Das Biosphärenreservat
4.2.1.3 Zusammenfassung und Eckpunkte für die weitere Analyse
4.2.2 Darstellung der Rhön und ihrer Bewohner – Strategien der Regionalisierung
4.2.2.1 Räumliche Abgrenzung: Gemeinsame Aspekte statt eindeutige Grenzen (topografischer, ordnungspolitischer und kultureller Raum)
4.2.2.2 Die Rhön als Grenzland und Raum der Grenzüberschreitung (ordnungspolitischer und kultureller Raum)
4.2.2.3 Die Rhön als Kulturlandschaft zwischen Wirtschaftsraum und Schutzgebiet (ökonomischer und topografischer Raum)
4.2.2.4 Die Rhön als Refugium und Qualitätsregion (ökonomischer und kultureller Raum)
4.2.2.5 Der Begriff „Rhöner“: Gattungsname und Qualitätsattribut (kultureller und ökonomischer Raum)
5 Fazit
Die Arbeit untersucht, wie die Region Rhön durch die zwei Akteure Verein Rhönklub (RK) und Biosphärenreservat Rhön (BRR) konstruiert und in ihrer regionalen Identität geprägt wird. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Strategien und Diskursen dieser Organisationen über einen langen Zeitraum (1876 bis 2006) zu identifizieren und diese in den theoretischen Kontext der kulturwissenschaftlichen Regionenforschung einzuordnen.
4.2.2.1 RÄUMLICHE ABGRENZUNG: GEMEINSAME ASPEKTE STATT EINDEUTIGE GRENZEN (TOPOGRAFISCHER, ORDNUNGSPOLITISCHER UND KULTURELLER RAUM)
Eine Annahme der kulturwissenschaftlichen Regionenforschung lautet, dass Regionen als Sinnordnungen durch ein klar bestimmtes Zentrum gekennzeichnet sind, jedoch keine klar definierten Grenzen haben und somit territorial nicht eindeutig zu definieren sind.222 Hier soll geklärt werden, wie es sich damit bei RK und BRR verhält.
Auf den ersten Blick wird die Rhön von den hier untersuchten Akteuren vor allem über naturräumliche Gesichtspunkte definiert. Sie ist „Mittelgebirge“ oder in früheren Schriften des RK, der sich z.T. selbst als Gebirgsverein223 bezeichnet, sogar „Gebirge“224. Bei genauerer Betrachtung stellt sich allerdings heraus, dass weder für den RK noch für das BRR dies die einzig relevante Kategorie ist. Der RK umfasst mit seinen Zweigvereinen nicht genau das Gebiet des Mittelgebirges, sondern orientiert sich an „allmählich gewachsenen“ Strukturen des Vereins.225 Als Markierung werden hier Flüsse verwendet: Die Rhön liegt im Herzen Deutschlands, „eingebettet zwischen Thüringer Wald und Vogelsberg, umtost von Saale und Sinn, von Werra und Fulda“.226 Selbst wenn man von „auswärtigen“ Zweigvereinen, etwa in Würzburg absieht, wird die Rhön „von Gemünden im Südwesten bis Vacha im Norden“ und „von Fulda im Westen bis Meiningen im Osten“ definiert.227
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Regionsbegriffs und die Relevanz der kulturwissenschaftlichen Regionenforschung ein und stellt die zentrale Forschungsfrage zur Konstruktion der Region Rhön durch den Rhönklub und das Biosphärenreservat.
2 Grundlagen: Dieses Kapitel systematisiert theoretische Ansätze zu Region, Regionalisierung und Identität, ordnet diese in einen wissenschaftlichen Kontext ein und definiert zentrale Begriffe für die Analyse.
3 Vorgehensweise: Die methodische Vorgehensweise, bestehend aus Diskursanalyse und historischem Vergleich, wird begründet und die Auswahl des Quellenkorpus sowie das Analyseraster dargelegt.
4 Untersuchung: Die Konstruktion der Region Rhön: Der Hauptteil analysiert die historischen Gründungskontexte und die inhaltlichen Regionskonzepte beider Akteure, wobei besonders Strategien der Grenzziehung, Identitätsstiftung und Darstellung von Natur und Kultur im Fokus stehen.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und zeigt auf, dass beide Akteure trotz unterschiedlicher Hintergründe und Strukturen ähnliche Diskurse zur Rhön führen, um regionale Identität zu stiften und wirtschaftliche sowie soziale Herausforderungen zu bewältigen.
Rhön, Rhönklub, Biosphärenreservat, Regionalisierung, Region, Identität, Heimat, Diskursanalyse, Konstruktivismus, Kulturlandschaft, Heimatbewegung, Regionalentwicklung, Raumbezug, Sinnordnung, Nachhaltigkeit
Die Magisterarbeit untersucht, wie die Region Rhön durch zwei zentrale Akteure – den Rhönklub und das Biosphärenreservat Rhön – als Region konstruiert und in der Öffentlichkeit dargestellt wird.
Die Untersuchung fokussiert sich auf den Verein Rhönklub (RK), der seit 1876 existiert, und das in den 1990er Jahren gegründete Biosphärenreservat Rhön (BRR).
Ziel ist es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Darstellung der Rhön sowie die Strategien zur Regionalförderung und Identitätsstiftung durch diese Akteure im historischen Längsschnitt zu verstehen.
Die Arbeit nutzt schwerpunktmäßig die Diskursanalyse in Kombination mit einem vergleichenden Vorgehen, um Schriftzeugnisse und Konzepte der Akteure systematisch auszuwerten.
Der Hauptteil befasst sich mit den Gründungserzählungen der Akteure sowie deren Strategien, die Rhön als Grenzland, Kulturlandschaft und Qualitätsregion darzustellen.
Die zentralen Schlüsselbegriffe sind Rhön, Regionalisierung, Identität, Konstruktivismus, Heimat und Nachhaltigkeit.
Die Teilung und die anschließende Wiedervereinigung werden als entscheidende Zäsuren wahrgenommen, die das Narrativ der Rhön maßgeblich prägten – von der "Zerstückelung" bis hin zur "Modellregion" nach der Wiedervereinigung.
Der RK wird eher als Beziehungsnetzwerk mit starkem Heimatbezug eingeordnet, während das BRR als komplexeres Innovationsnetzwerk fungiert, das ökologische und ökonomische Ziele globaler einbettet.
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