Magisterarbeit, 2000
73 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Sprachkritik vs. Sprachwissenschaft: Aufgaben und Ziele linguistisch begründeter Sprachkritik
2.1 Das Verhältnis von Sprachkritik und Sprachwissenschaft
2.2 Zum systematischen Ort einer linguistisch fundierten Sprachkritik
2.3 Zum sprachkritischen Selbstverständnis dieser Arbeit
3. Die Sprache der RAF
3.1 Zur kommunikativen Situation
3.2 Die kommunikativen Ziele der RAF
3.2.1 1970 – 1992
3.2.2 1992 – 1998
3.3 Die persuasive Strategie der RAF
3.3.1 Die Texte der RAF als argumentativ strukturierte monologische Äußerungen
3.3.2 Zur Bewertung von Argumentation
3.3.2.1 Die Relevanz des propositionalen Gehalts
3.3.2.2 Der Status der Schlußregel
3.3.3 Die argumentative Struktur der RAF-Texte
3.3.3.1 (Arg.1): Moralische Legitimation des Widerstandes gegen Unfreiheit und menschenunwürdige Lebensbedingungen
3.3.3.2 (Arg.2): Beschreibung von Unfreiheit und menschenunwürdigen Bedingungen als ursächlich durch das kapitalistische System bedingte Erscheinungen
3.3.3.3 (Arg.3): Bewaffneter Kampf als angemessenste Form des Widerstandes gegen das System
3.3.3.4 (Arg.4): Rechtfertigung von Anschlägen auf Personen und Institutionen
3.3.4 Mittel der Affektsteuerung
3.3.4.1 Verwendung von Metaphern
3.3.4.2 Verwendung von Schlagwörtern
3.3.4.3 Verwendung von Plastikwörtern
4. Schlußwort
5. Bibliographie
Die vorliegende Magisterarbeit verfolgt das Ziel, einen sprachwissenschaftlichen Bezugsrahmen für sprachkritische Bewertungshandlungen zu entwickeln, um die Sprachverwendung der Roten Armee Fraktion (RAF) fundiert zu analysieren. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie die RAF durch ihre Texte versucht, Wirklichkeit in den Köpfen der Rezipienten zu konstruieren und durch welche persuasiven Strategien sie ihre revolutionäre Praxis legitimiert.
3.1 Zur kommunikativen Situation
Anders als in der Alltagskommunikation, die durch eine eindeutig dialogische Kommunikationssituation gekennzeichnet ist, fehlt in der von der RAF gewählten Kommunikationsform Text der Gesprächspartner, der die Geltungsansprüche einer Äußerung direkt bestreiten oder anzweifeln kann und der den Sprecher durch seine Gegenrede dazu nötigt, seine strittige Äußerung argumentativ zu erhärten. Der Text stellt also eine monologische Kommunikationsform dar, die sich durch ein wesentliches Element von der dialogischen Form unterscheidet: Während in der dialogischen Kommunikation die Strittigkeit eines Sachverhalts durch die Gegenrede des Opponenten erkennbar wird, tritt diese Strittigkeit in der monologischen Form in sehr viel indirekterer Form auf.
Inhaltliche Dialogizität der Sprachverwendung ergibt sich demnach aus der grundsätzlichen Gerichtetheit von Sprache, die als natürliches Phänomen immer der Verständigung dient. Kommunikative Äußerungen, wie die der RAF, die unter formalen und situativen Gesichtspunkten als monologische gelten, lassen sich also genauso wie sog. dialogische Äußerungen als „verständigungsorientiertes dialogisches Handeln“ (Ebd.: 6) beschreiben. Grundsätzlich ist also eine jede monologische Äußerung (und dies gilt insbesondere für persuasiv strukturierte Äußerungen) in eine ‚dialogische‘ Situation eingebettet, denn „der monologisch agierende Redner reagiert immer schon auf Reden anderer Redner vor ihm oder hat zumindest die Reaktion des Publikums zu berücksichtigen, der Verfasser eines Textes muß prinzipiell damit rechnen, daß Gegenpositionen publiziert werden“ (Ottmers 1996: 70).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, definiert den Begriff "radikal" im Kontext der RAF und erläutert die Problematik der bisherigen, oft undifferenzierten Auseinandersetzung mit der RAF-Sprache.
2. Sprachkritik vs. Sprachwissenschaft: Aufgaben und Ziele linguistisch begründeter Sprachkritik: In diesem Kapitel wird der historische Streit zwischen Sprachkritik und strukturalistischer Sprachwissenschaft skizziert und eine Brücke zu einer neuen, pragmalinguistisch fundierten Sprachkritik geschlagen.
3. Die Sprache der RAF: Dieser Hauptteil analysiert die kommunikativen Ziele, die persuasive Strategie, die argumentative Struktur sowie die spezifischen sprachlichen Mittel wie Metaphern und Schlagwörter, die von der RAF eingesetzt wurden.
4. Schlußwort: Das Schlußwort resümiert, dass die Sprache der RAF einer quasi-argumentativen Struktur folgt, die darauf abzielte, ein geschlossenes Weltbild zu festigen, statt einen rationalen Konsens zu suchen.
5. Bibliographie: Dieses Verzeichnis listet sämtliche in der Arbeit verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen auf.
Rote Armee Fraktion, RAF, Sprachkritik, Linguistik, Argumentationsstruktur, Persuasion, politischer Terrorismus, Agitation, Propaganda, Plastikwörter, Schlagwörter, Metaphern, revolutionäre Praxis, Kommunikationstheorie, Ideologiekritik.
Die Arbeit untersucht den Sprachgebrauch und die Argumentationsstrukturen in den Texten der Rote Armee Fraktion (RAF) aus linguistischer Sicht.
Die Arbeit beleuchtet das Verhältnis von Sprachkritik und Sprachwissenschaft, die kommunikativen Ziele der RAF, deren persuasive Strategien sowie spezifische sprachliche Instrumente zur Affektsteuerung.
Ziel ist es, einen sprachwissenschaftlichen Bezugsrahmen zu schaffen, um die wirklichkeitskonstituierende und persuasive Funktion der Sprache der RAF zu analysieren und deren Argumentationsgefüge kritisch zu bewerten.
Die Arbeit nutzt einen pragmalinguistischen Ansatz und deskriptive Argumentationstheorien (u.a. nach Kienpointner und Toulmin), um die Struktur der RAF-Texte zu erfassen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der kommunikativen Situation, eine Untersuchung der argumentativen Makrostruktur anhand zentraler Argumentationsschritte (Legitimation, Kausalität, Widerstand, Rechtfertigung von Anschlägen) und eine detaillierte Betrachtung rhetorischer Mittel wie Metaphern und Plastikwörter.
Zu den zentralen Begriffen gehören RAF, Sprachkritik, Argumentationsstruktur, persuasive Strategie, Agitation, Ideologiekritik und Plastikwörter.
Weil die RAF in ihren Texten eine dialogische Auseinandersetzung mit Kritikern verweigerte und ihre Texte als autarke, auf Indoktrination ausgerichtete Form der politischen Rede konzipierte, die keinen Raum für echten diskursiven Konsens bot.
Die Texte vor 1992 sind primär von agitatorischem Duktus und Rechtfertigungen des bewaffneten Kampfes geprägt; nach 1992 findet ein Bruch statt, bei dem die RAF ankündigt, ihre Geschichte kritisch reflektieren zu wollen, obwohl die zugrundeliegenden Sprach- und Denkmuster weitgehend bestehen bleiben.
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