Examensarbeit, 2005
144 Seiten, Note: 1,0
1. Vorwort
2 Einleitung
2.1. Eingrenzung des Analysegegenstands
2.2. Erläuterung der Vorgehensweise
3. Definition: Mädchenliteratur
3.1. Allgemeine Definition
3.2. Die Geschichte der Mädchenliteratur
3.3. Kritik am Mädchenbuch
4. Das „typische” Mädchenbuch
4.1. Zielgruppe
4.2. Themen
4.3. Funktion
4.4. Erzählstrukturen
4.5. Mädchenbild
5 Das Frauenbild in der Gesellschaft
6. Rollenspezifische Sozialisation
6.1 Erziehung
6.2. Bildung
6.3 Abweichen von traditioneller Geschlechtersozialisation
6.4. Aktuelle Veränderungen
7 Analyse
7.1 Clementine Helm: Backfischchens Freuden und Leiden
7.2 Else Ury: Nesthäkchen - Serie
7.3 Emma Gündel: Elke der Schlingel
7.4 Enid Blyton: Hanni und Nanni
7.5 Dagmar Chidolue: Aber ich werde alles anders machen
7.6 Christian Bienik: Knutschen erlaubt
8 Fazit und Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und inhaltliche Transformation des Mädchen- und Frauenbildes in der deutschsprachigen Mädchenliteratur über einen Zeitraum von 150 Jahren. Im Zentrum steht dabei die Frage, inwieweit diese Literatur traditionelle Rollenmuster und geschlechtsspezifische Stereotype perpetuiert oder durch emanzipatorische Tendenzen aufbricht und alternative Lebensentwürfe für junge Leserinnen entwirft.
4.2. Themen
Die Erzählung im „typischen“ Mädchenbuch ist immer eine Einfügungs- und Wandlungsgeschichte sowie auch eine Liebesgeschichte. Unter Einfügungs- oder Wandlungsgeschichte versteht man das Motiv des unangepassten und trotzigen Mädchens mit männlich-aktiven Zügen, welches seinen Trotz zumindest partiell überwinden muss, um am Ende der Erzählung als junge Frau hervorzugehen, die ein der weiblichen Rolle angemessenes Verhalten an den Tag legt und damit als Mitglied der Gesellschaft ihren Platz einnimmt.
Interessant ist meines Erachtens, dass die Mädchen im Trotzkopf eine Schulaufführung gestalten, die das o.a. Motiv der Wandlungsgeschichte thematisiert: „Es handelt sich [...] um die Besserung eines widerspenstigen Mädchens“ (S. 249). Die Hauptfigur in diesem Theaterstück spielt – wie könnte es anders sein - die Protagonistin des Buches, Ilse Macket.
Die Liebe zwischen Vater und Tochter erhält im Mädchenbuch einen immens hohen Stellenwert, was in der emotionalen Aufladung der Eltern-Kind-Beziehung in der bürgerlichen Kleinfamilie seinen Ursprung hat. Die erforderliche Ablösung vom Vater fällt den Mädchen um so schwerer, wenn der Vater im Gegensatz zur Mutter als der Garant für größere Freiräume des Mädchens steht und sich dadurch zwischen den beiden eine Art Komplizenschaft ausbildet.
Als klassische Konstellation gilt die konfliktträchtige Dreieckskomposition zwischen Vater, Tochter und (Stief-)Mutter, die den Verlauf der Geschichte maßgeblich beeinflusst:
„Anfangspunkt der Erzählhandlung ist [...] eine Komplikation, die das Weiterleben in den gewohnten Bahnen unmöglich macht.”
1. Vorwort: Die Autorin reflektiert ihre eigene Leseerfahrung und begründet die Relevanz der Untersuchung von Mädchenliteratur für die weibliche Sozialisation.
2 Einleitung: Hier werden der Analysegegenstand eingegrenzt und die methodische Vorgehensweise sowie die Zielsetzung der Hausarbeit erläutert.
3. Definition: Mädchenliteratur: Das Kapitel definiert den Begriff der Mädchenliteratur, skizziert deren historische Entwicklung und beleuchtet die langjährige Kritik an diesem Genre.
4. Das „typische” Mädchenbuch: Es werden die zentralen Gattungsmerkmale, Zielgruppen, Themen, Erzählstrukturen und das vorherrschende Mädchenbild im klassischen Backfischbuch analysiert.
5 Das Frauenbild in der Gesellschaft: Dieses Kapitel betrachtet das historische Frauenbild in der bürgerlichen Gesellschaft und dessen Einfluss auf die zeitgenössische Literatur.
6. Rollenspezifische Sozialisation: Es werden sozialwissenschaftliche und pädagogische Aspekte der Erziehung und Bildung sowie das Abweichen von traditionellen Geschlechterrollen thematisiert.
7 Analyse: Der Hauptteil bietet eine vertiefende Untersuchung und Interpretation von sechs spezifischen Werken der Mädchenliteratur im Hinblick auf deren Frauen- und Mädchenbild.
8 Fazit und Schlussbemerkung: Die Arbeit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und beantwortet die Kernfrage zur Entwicklung des Mädchen- und Frauenbildes über die letzten 150 Jahre.
Mädchenliteratur, Frauenbild, Sozialisation, Rollenverständnis, Backfischbuch, Erziehung, Bildung, Emanzipation, Geschlechterrollen, Pubertät, Identitätsfindung, Tradition, Moderne, Liebesheirat, Literaturanalyse
Die Arbeit untersucht, wie Mädchen und Frauen in der Mädchenliteratur der letzten 150 Jahre dargestellt werden und welche gesellschaftlichen Vorstellungen dieses Bild geprägt haben.
Zentrale Themen sind die Entwicklung des Genres „Mädchenbuch“, die Bedeutung von Sozialisation und Bildung für junge Frauen sowie der Wandel von traditionellen Rollenbildern hin zu moderner Selbstfindung.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob und inwieweit sich das Frauen- und Mädchenbild im Laufe der Zeit in der Literatur gewandelt hat oder ob alte Muster in moderner Form fortbestehen.
Die Autorin kombiniert literaturwissenschaftliche Textanalysen mit soziologischen und pädagogischen Ansätzen, um die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlicher Realität und literarischer Darstellung zu ergründen.
Der Hauptteil analysiert sechs exemplarische Werke – von klassischen Backfischromanen bis hin zu modernen Adoleszenzromanen – hinsichtlich ihrer Protagonistinnen, Erzählstrukturen und zugrunde liegenden Werte.
Wichtige Begriffe sind Mädchenliteratur, Sozialisation, Rollenverständnis, Emanzipation, Geschlechterrollen und Identitätsfindung.
Die Autorin stellt fest, dass die Stiefmutter in der älteren Literatur oft als notwendiges „Gegenbild“ zur idealisierten Mutter dient, um das Tabu der Mutter-Tochter-Liebe in der Literatur nicht zu verletzen.
In modernen Werken tritt das Rollenmodell der „perfekten zukünftigen Ehefrau“ in den Hintergrund; stattdessen stehen die Individualität, humorvolle Distanz zur Umwelt und die Herausbildung einer eigenständigen Geschlechtsidentität im Vordergrund.
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