Magisterarbeit, 2004
102 Seiten, Note: 1,0
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1 Einleitung
2 Der Konsequentialismus
2.1 Die Struktur des Konsequentialismus
2.1.1 Handlungsalternativen
2.1.2 Handlungsumstände und ihre Wahrscheinlichkeit
2.1.3 Handlungsfolgen und ihre Bewertung
2.1.4 Probleme des Konsequentialismus in der Anwendung
2.1.5 Klugheitsdilemmata
2.2 Deontologismus und Regelkonsequentialismus
2.2.1 Der Deontologismus
2.2.2 Der Regelkonsequentialismus
2.2.3 Der Konsequentialismus und die Individualrechte
2.3 Fazit
3 Der Utilitarismus
3.1 Das individuelle summum bonum
3.1.1 Das Glück
3.1.2 Effektiv- und Eigeninteressen
3.1.3 Zentrale oder dezentrale Bewertung
3.2 Das soziale summum bonum
3.2.1 Der interpersonale Nutzenvergleich
3.2.2 Das universalistische Prinzip
3.2.3 Das Glückskalkül
3.3 Der Utilitarismus in der Praxis
4 Der Gerechtigkeitsutilitarismus
4.1 Der Nutzen im Gerechtigkeitsutilitarismus
4.1.1 Die Bestimmung der reinen Nutzenwerte
4.1.2 Die Berücksichtigungswürdigkeit
4.2 Die Aggregationsfunktion des Gerechtigkeitsutilitarismus
4.2.1 Die mathematischen Eigenschaften der Funktion
4.2.2 Die ethischen Eigenschaften des Kalküls
4.3 Zusammenfassung
5 Der Gerechtigkeitsutilitarismus als Makroethik
5.1 Die Nutzenwerte
5.2 Die Berücksichtigungswürdigkeit
5.3 Anwendung des Gerechtigkeitsutilitarismus in der Politik
5.4 Ein gerechtigkeitsutilitaristisches Staatsmodell
6 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern konsequentialistische Ethiken wie der Gerechtigkeitsutilitarismus als Makroethik eingesetzt werden können, um Entscheidungsfindungen auf eine rationale Basis zu stellen und bestehende Wertvorstellungen in Entscheidungsprozesse zu integrieren.
2.1.1 Handlungsalternativen
Die Analyse einer Entscheidungssituation beginnt mit der Betrachtung der zur Verfügung stehenden Handlungsalternativen. Damit überhaupt eine Entscheidungssituation vorliegt, muss es mindestens zwei Handlungsalternativen geben. Im einfachsten Fall hat man die Wahl, eine Handlung zu tätigen oder sie zu unterlassen. Zum Beispiel, wenn man mit dem Auto unterwegs ist und am Straßenrand einen Unfall sieht, kann man entweder anhalten oder weiterfahren.
An diesem einfachen Beispiel wird bereits deutlich, dass die Menge der Handlungsalternativen in der Regel natürlich mehr als zwei Handlungen umfasst. So könnte zusätzlich die Handlungsalternative, ›langsamer werden und schauen, ob Hilfe gebraucht wird‹ der Handlungsalternativenmenge des Beispiels hinzugefügt werden. Dies zeigt, dass zu einer umfassenden Analyse eines Problems, alle möglichen Handlungsalternativen in Betracht gezogen werden sollten. Möglich sind für den Entscheider aber nur solche Handlungen, die ihm auch zur Verfügung stehen. Das heißt dass ihm die Handlungsalternative sowohl bewusst sein muss, als auch, dass er fähig sein muss die Handlung auszuführen.
Die Handlungsalternativen müssen sich darüber hinaus ausschließen, da sie sonst keine echten Alternativen sind. So wäre in unserem Beispiel von oben die Handlungsalternativenmenge H {anhalten; weiterfahren; weiterfahren und telefonisch Hilfe verständigen} nicht zulässig, da sich die Alternativen ›weiterfahren‹ und ›weiterfahren und telefonisch Hilfe verständigen‹ nicht gegenseitig ausschließen. Zulässig wäre die Menge der Handlungsalternativen, würde man die Handlung ›weiterfahren‹ durch die Handlung ›weiterfahren und keine Hilfe verständigen‹ ersetzen.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob konsequentialistische Ethiken als Makroethik geeignet sind, und skizziert den weiteren Aufbau der Arbeit.
2 Der Konsequentialismus: Das Kapitel analysiert die Struktur konsequentialistischer Ethiken, grenzt sie vom Deontologismus ab und untersucht Anwendungsbereiche sowie Herausforderungen wie Klugheitsdilemmata.
3 Der Utilitarismus: Hier wird der Utilitarismus als spezielle Form des Konsequentialismus beleuchtet, wobei Themen wie individuelles Glück, Nutzenaggregation und kritische Aspekte in der Praxis behandelt werden.
4 Der Gerechtigkeitsutilitarismus: Dieses Kapitel führt den Gerechtigkeitsutilitarismus als weiterentwickelte Theorie ein, die insbesondere externe Werte und die Streuung von Nutzenwerten in die Analyse einbezieht.
5 Der Gerechtigkeitsutilitarismus als Makroethik: Die praktische Anwendung der Theorie auf makroethische Fragestellungen, insbesondere im politischen Bereich und bei der Staatsmodellierung, steht hier im Fokus.
6 Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen Ergebnisse zusammen und bewertet die Eignung des Gerechtigkeitsutilitarismus für komplexe politische Entscheidungsprozesse.
Konsequentialismus, Utilitarismus, Gerechtigkeitsutilitarismus, Makroethik, Handlungstheorie, Entscheidungstheorie, Nutzenbegriff, Wertvorstellungen, Politische Ethik, Individualrechte, Nutzenaggregation, Moralische Bewertung, Deontologismus.
Die Arbeit untersucht die theoretische Fundierung und praktische Anwendbarkeit von konsequentialistischen Ethikkonzeptionen, speziell des Gerechtigkeitsutilitarismus, als Makroethik für komplexe gesellschaftliche und politische Entscheidungen.
Die Arbeit deckt die Struktur des Konsequentialismus, utilitaristische Kalküle, die Theorie des Gerechtigkeitsutilitarismus nach Trapp, sowie die praktische Anwendung dieser Konzepte auf Staatsmodelle und politische Gesetzgebung ab.
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass konsequentialistische Ethiken wie der Gerechtigkeitsutilitarismus prinzipiell als Makroethik einsetzbar sind, um Entscheidungsfindungen auf eine rationale und transparente Basis zu stellen.
Die Arbeit nutzt entscheidungstheoretische Modelle, formale mathematische Ansätze zur Nutzenaggregation und eine analytische Untersuchung ethischer Kriterien, ergänzt durch Fallbeispiele und vergleichende Literaturanalysen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine strukturierte Untersuchung des klassischen Konsequentialismus, des Utilitarismus, der theoretischen Erweiterung zum Gerechtigkeitsutilitarismus und schließlich dessen praktische Anwendung als Makroethik.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Konsequentialismus, Utilitarismus, Gerechtigkeitsutilitarismus, Makroethik, Handlungsfolgen, Nutzenaggregation und Verdienstparameter.
Der Gerechtigkeitsutilitarismus erweitert den klassischen Utilitarismus um Parameter zur Berücksichtigung der Streuung von Nutzenwerten, der Ausgangsniveaus der Betroffenen sowie die Integration externer, kultureller Wertvorstellungen durch einen Verdienstparameter.
Der Verdienstparameter ermöglicht es, die Präferenzen von Betroffenen moralisch zu gewichten, was es erlaubt, kulturelle Normen, Verdienste und Bedürfnisse – wie etwa bei der Berücksichtigung zukünftiger Generationen – in den Entscheidungsprozess zu integrieren.
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