Examensarbeit, 2004
95 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Begriffe und Definitionen
2.1. Behinderung
2.2. Hörschädigung
3. Aspekte und Theorien von Identität
3.1. Identität nach Krappmann
3.2. Identität und Hörschädigung
3.2.1. Bedeutung identitätsfördernder Maßnahmen
3.2.2. Leben in zwei Welten
3.2.3. Die Anwendung der Identitätstheorie Krappmanns auf die spezielle Situation der Hörgeschädigten
3.2.4. Einstellungen zu Menschen mit Behinderung und insbesondere Hörgeschädigten in der Gesellschaft
3.3. Identitätsförderung durch Literatur
3.4. Zusammenfassung
4. Zur Darstellung von Hörgeschädigten im Kinderbuch
4.1. Das Kinderbuch
4.1.1. Begriffsbestimmung und Einteilung
4.1.2. Historische Entwicklung
4.2. Hörgeschädigte Menschen im Kinderbuch
4.2.1. Historischer Abriss der Darstellung von Menschen mit Behinderung unter besonderer Berücksichtigung von Hörgeschädigten
4.2.2. Darstellung von Menschen mit Behinderung im Kinder- und Jugendbuch
4.2.3. Darstellung von Hörgeschädigten im Kinder- und Jugendbuch
4.3. Zusammenfassung
5. Das Kinderbuch im Unterricht für Hörgeschädigte
5.1. Das Kinderbuch und Fremdverstehen
5.2. Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht
5.3. Das Kinderbuch und Identität
5.4. Gehörlosigkeit als Unterrichtsthema
5.5. Zusammenfassung
6. Kritische Betrachtung verschiedener Kinderbücher
6.1. Suchkriterien
6.2. Kurzbeschreibungen der einzelnen Bücher
6.2.1. P. N. Bercovitch: Das Lächeln des Delphins
6.2.2. S. Breitschwerdt: Hörwins erster Erdenflug
6.2.3. V. Carin: Marjanzas Fohlen
6.2.4. G. Christersson: Adams Buch
6.2.5. J. Croser: Der sprechende Stein
6.2.6. E. Gänger: Ein Fest für Merle
6.2.7. Der Guckkasten: Nicht hören können
6.2.8. D. Peter: Heike und Jutta können nicht hören
6.2.9. L. Rosen: Greller Blitz und stummer Donner
6.2.10. V. Smith: Martins Pony
6.2.11. A. Wellm: Das Mädchen mit der Katze
6.2.12. M. Woolley: Hören ohne Töne
6.3. Zusammenfassung
7. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Kinderbücher mit hörgeschädigten Identifikationsfiguren zur Identitätsförderung im Unterricht eingesetzt werden können. Dabei wird insbesondere beleuchtet, wie Literatur genutzt werden kann, um hörgeschädigten Schülern Unterstützung in ihrer Identitätsbildung zu bieten und die Auseinandersetzung mit ihrer Lebensrealität in der Welt der Gehörlosen und der Hörenden zu erleichtern.
3.2.2. Leben in zwei Welten
Gehörlose bewegen sich in zwei Welten. Dem hörenden Umfeld können sie sich nicht entziehen: Die meisten hörgeschädigten Kinder haben hörende Eltern, die meisten Pädagogen sind hörend, Hörgeschädigte arbeiten mit Hörenden zusammen. Zudem bedienen sich die Massenmedien der Lautsprache in ihrer geschriebenen und gesprochenen Form. Aufgrund der kommunikativen Schwierigkeiten in der Interaktion mit Hörenden fühlen sich viele Gehörlose aber zu anderen Gehörlosen, mit denen sie gebärdensprachlich kommunizieren können, hingezogen. Werden die Welt der Hörenden und die Welt der Gehörlosen als gleichberechtigt angesehen, wie es von der Gehörlosengemeinschaft gefordert und durch die Identitätsentwicklung begründet wird, muss auch die Gebärdensprache anerkannt und müssen Identifikationsmöglichkeiten mit Gehörlosen geschaffen werden (vgl. Ahrbeck 1997, S. 28f).
Im Folgenden soll nicht die Diskussion geführt werden, inwieweit die Gebärdensprache Bestandteil des Unterrichts für Hörgeschädigte sein soll. Vielmehr wird die Bedeutung von Sprache an sich für die Identitätsbildung dargestellt. Es wird dabei davon ausgegangen, dass es in den meisten Fällen Schwierigkeiten in der Kommunikation zwischen Hörenden und Gehörlosen gibt, sich Gehörlose untereinander jedoch mittels Gebärdensprache zumeist problemlos verständigen können. Die Wichtigkeit der Lautsprache und insbesondere der Schriftsprache für die Lebensgestaltung Gehörloser, z.B. im Kontakt zu Hörenden und bezüglich der Informationsaufnahme, sei hier nicht bestritten. Dennoch möchte ich Ahrbeck in seinen Ausführungen folgen und festhalten, dass die Gebärdensprache für die Identitätsbildung Gehörloser dieselben Funktionen übernehmen kann wie die Lautsprache für Hörende.
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die besondere Lebenssituation hörgeschädigter Kinder dar und begründet die Relevanz von Kinderbüchern für deren Identitätsbildung und den Unterricht.
2. Begriffe und Definitionen: In diesem Kapitel werden grundlegende Termini wie Behinderung, Hörschädigung, Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit sowie weitere fachspezifische Bezeichnungen definiert und in ihren Kontext eingeordnet.
3. Aspekte und Theorien von Identität: Hier werden theoretische Grundlagen der Identitätsbildung erläutert, insbesondere auf Basis der Theorie von Krappmann, und deren Anwendung auf die Situation von Hörgeschädigten sowie die identitätsfördernde Wirkung von Literatur diskutiert.
4. Zur Darstellung von Hörgeschädigten im Kinderbuch: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über Kinder- und Jugendliteratur allgemein und analysiert kritisch, wie Menschen mit Behinderung und speziell Hörgeschädigte historisch und aktuell in Kinderbüchern dargestellt werden.
5. Das Kinderbuch im Unterricht für Hörgeschädigte: Hier werden praktische Anregungen für den Literaturunterricht, einschließlich methodischer Ansätze wie des handlungs- und produktionsorientierten Lernens, zur gezielten Identitätsförderung entwickelt.
6. Kritische Betrachtung verschiedener Kinderbücher: Dieses Kapitel stellt eine Auswahl spezifischer Kinder- und Jugendbücher mit hörgeschädigten Charakteren vor und bewertet deren Eignung für den Einsatz im Unterricht.
7. Schlussbetrachtung: Die abschließende Betrachtung fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, hörgeschädigte Kinder bei der Identitätsbildung in beiden Welten – der hörenden und der gehörlosen – gezielt zu unterstützen.
Identitätsbildung, Hörschädigung, Gehörlosigkeit, Kinderliteratur, Literaturunterricht, Identitätsförderung, Inklusion, Gebärdensprache, Fremdverstehen, Menschen mit Behinderung, Sozialisation, Identifikationsfiguren, Sonderpädagogik, Lebenswelt
Die Arbeit untersucht den Einsatz von Kinderbüchern mit hörgeschädigten Protagonisten im Unterricht, um die Identitätsbildung hörgeschädigter Schüler zu fördern und ihr Verständnis für ihre Lebensrealität zu stärken.
Zentrale Themen sind die Theorie der Identitätsbildung (insb. nach Krappmann), die Bedeutung der Sprache für Hörgeschädigte, die Analyse der Darstellung von Behinderung in der Jugendliteratur sowie didaktische Ansätze für den Literaturunterricht.
Das Ziel ist es zu ermitteln, wie Kinderbücher als Medium zur Identitätsförderung bei hörgeschädigten Schülern eingesetzt werden können und welche Rolle dabei die Darstellung von Hörgeschädigten in der Literatur spielt.
Es handelt sich um eine literatur- und theoriebasierte Untersuchung, bei der bestehende Fachliteratur zur Identitätsbildung und Literaturdidaktik ausgewertet sowie eine kritische Sichtung und Bewertung spezifischer Kinder- und Jugendbücher vorgenommen wird.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Begriffe, Identitätstheorien), die Analyse der Literaturdarstellung und die praktische didaktische Umsetzung, ergänzt durch eine konkrete Vorstellung und Kritik verschiedener Kinderbücher.
Wichtige Begriffe sind Identitätsbildung, Hörschädigung, Literaturunterricht, Gehörlosigkeit, Fremdverstehen und handlungs- und produktionsorientierter Unterricht.
Die Arbeit stellt fest, dass Darstellungen oft ungenau oder klischeebehaftet sind und Hörgeschädigte häufig als "taubstumm" oder "defizitär" beschrieben werden, wobei moderne, realistischere Werke und solche von hörgeschädigten Autoren noch selten sind.
Es ist entscheidend, da Hörgeschädigte oft zwischen der hörenden und der gehörlosen Welt vermitteln müssen; eine Identitätsbildung gelingt am besten, wenn beide Welten anerkannt werden und das Kind lernt, sich autonom in beiden zu bewegen.
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