Diplomarbeit, 2007
110 Seiten, Note: 2
1. Einführung in das Thema Piercing
1.1. Definition des Piercings
1.2. Einblick in die historische Entwicklung des Piercings
1.2.1. Die Anfänge des Piercings
1.2.2. Die Entwicklung des Piecings in der westlichen modernen Gesellschaft
1.2.2.1. Die Gay- Community/ SM- Szene
1.2.2.2. Die Punks
1.2.2.3. Die Modern-Primitives
1.2.2.4. Der Durchbruch des Piercings an die Öffentlichkeit
2. Das Piercing als eine Form der nonverbalen Kommunikation
2.1. Die Inszenierung des Körpers durch Piercing
2.1.1. Stil
2.1.2. Theatralität
2.1.3. Selbstdarstellung
2.1.4. Korporalität und Körperzeichen
2.1.4.1. Individualitätszeichen
2.1.4.2. Ästhetische Prestigesymbole
2.1.4.2.1. Die Schmuck-Theorie
2.1.4.2.2. Symbole der Dekoration
2.1.4.3. Statuszeichen
2.1.4.4. Distinktions- und (Gruppen-)Zugehörigkeitszeichen
2.1.4.5. Persönlichkeitsmerkmale
2.1.4.5.1. Die Theorie der symbolischen Selbstergänzung
2.1.4.6. Zeichen interpersonaler Einstellung
2.1.4.6.1. Sexualität
2.1.4.6.2. Aggression
2.1.4.6.3. Aufsässigkeit
2.1.4.7. Normalitätszeichen und Stigmata
2.1.4.8. Rahmungszeichen und Authentizitätszeichen
2.1.4.9. Soziale Geschlechtszeichen
2.1.4.10. Alterszeichen
2.2. Die Authentizität des Piercings
2.3. Zusammenfassung
3. Piercing unter pathologischen Aspekten: Die Persönlichkeitsstörung
3.1. Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS)
3.1.1. Selbstverletzendes Verhalten bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung
3.1.1.1. Kurzer Exkurs zur Bedeutung des Masochismus
3.1.2. Empirische Studie zu Selbstverletzung und Piercing von Anke Schneider
3.1.3. Bedeutung der Körpergrenzen bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung
3.1.3.1. Die Bedeutung der menschlichen Haut
3.1.3.1.1. Das Haut-Ich
3.1.4. Schlußfolgerung
3.2. Die narzisstische Persönlichkeitsstörung
3.2.1. Schlußfolgerung
3.3. Die Neurose
3.3.1. Piercing als eine Form der Zwangsneurose (Zwangsstörung) oder der Sucht?
3.3.2. Schlußfolgerung
3.4. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die sozialpsychologischen und pathologischen Aspekte von Piercing in Deutschland. Ziel ist es, das Piercing als komplexes Phänomen der nonverbalen Kommunikation und Identitätsarbeit zu beleuchten und gleichzeitig das wissenschaftliche Verständnis für pädagogische Kontexte zu schärfen, ohne dabei vorschnell zu pathologisieren.
Die Bedeutung der menschlichen Haut
Der Körper und noch beträchtlicher die Haut sind ein vernachlässigtes Thema. Die Haut wird meist als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt und spielt, wenn überhaupt, nur eine marginale Rolle. Sie wird kaum wahrgenommen, obwohl oder gerade weil sie allgegenwärtig ist. Ihre Gewichtigkeit wird jedoch bereits an einer Vielzahl von Redewendungen deutlich:
Nicht aus seiner Haut können
Nicht in jemandes Haut stecken mögen
Mit heiler Haut davonkommen
Mit Haut und Haaren
Jemandem unter die Haut gehen
Sich nicht wohl in seiner Haut fühlen
Eine dicke Haut haben
Eine ehrliche Haut sein
Nichts als Haut und Knochen sein
Seine Haut zu Markte tragen
Seine Haut retten
Seine Haut so teuer wie möglich verkaufen
Sich seiner Haut wehren
Sich auf die faule Haut legen
Dünnhäutig sein
Aus der Haut fahren
1. Einführung in das Thema Piercing: Definition und historischer Abriss der Entwicklung von Piercing als Körperschmuck in westlichen Industrienationen.
2. Das Piercing als eine Form der nonverbalen Kommunikation: Analyse des Piercings als Mittel der Inszenierung, Selbstdarstellung und als soziales Zeichen in der Kommunikation.
3. Piercing unter pathologischen Aspekten: Die Persönlichkeitsstörung: Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Körpermilieu, Borderline-Persönlichkeitsstörung und dem Potenzial zur Suchtbildung.
Piercing, Körpermodifikation, Nonverbale Kommunikation, Borderline-Persönlichkeitsstörung, Narzisstische Persönlichkeitsstörung, Haut-Ich, Selbstdarstellung, Identität, Soziale Stigmatisierung, Automanipulation, Körperschmuck, Psychologie, Jugendkultur, Authentizität, Pathologie.
Die Arbeit behandelt Piercing als ein soziologisch und pädagogisch relevantes Phänomen in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung sozialpsychologischer und pathologischer Aspekte.
Im Zentrum stehen die historische Entwicklung des Piercings, dessen Funktion als nonverbales Kommunikationsmittel sowie seine Bedeutung im Rahmen von Persönlichkeitsstörungen.
Das Ziel ist es, Piercing tiefergehend zu verstehen, seine soziale Funktion zu hinterfragen und eine fundierte Grundlage für Pädagogen zu schaffen, um mit diesem Phänomen bei Jugendlichen angemessen umzugehen.
Die Arbeit stützt sich auf eine historisch-analytische Betrachtung und Literaturrecherche, wobei sozialpsychologische Theorien und medizinisch-psychologische Klassifikationssysteme wie DSM-IV und ICD-10 integriert werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-kulturelle Einordnung, die Analyse von Piercing als Kommunikationsmittel (inklusive Theorien zu Habitus und Theatralität) sowie eine Untersuchung pathologischer Aspekte, insbesondere im Hinblick auf Borderline- und narzisstische Persönlichkeitsstörungen.
Die wichtigsten Begriffe sind Piercing, Körpermodifikation, nonverbale Kommunikation, Borderline, Haut-Ich, Selbstdarstellung, Authentizität und Stigmatisierung.
Die Autorin bezieht sich hier kritisch auf eine Studie von Anke Schneider, welche Piercings an Zunge, Lippe, Brust oder Genitalbereich als "auffällig" definiert, während andere Stellen als "unauffällig" gelten.
Das Haut-Ich nach Anzieu beschreibt die Haut als psychische Hülle, die die Psyche zusammenhält und nach außen abgrenzt. Bei Patienten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung kann das Piercing als stützende "Hautprothese" dienen.
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