Magisterarbeit, 2007
106 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung, Methoden, Zielstellung
2 Zum Wesen des Schlagworts
2.1 Der Begriff des Schlagworts
2.1.1 Vorbemerkungen
2.1.2 Formale Gesichtspunkte
2.1.3 Semantische Gesichtspunkte
2.1.4 Pragmatische Gesichtspunkte
2.2 Abgrenzung des Schlagworts von verwandten Konzepten
2.2.1 Zum Verhältnis von Schlag- und Symbolwort
2.2.2 Zum Verhältnis von Schlag- und Modewort
2.3 Klassifikation von Schlagwörtern
2.3.1 Herleitung einer Klassifikation
2.3.2 Klassifikation anhand der evaluativen Bedeutung – Miranda und Anti-Miranda
2.3.3 Klassifikation anhand des Gruppenbezugs – Fahnenwörter und Stigmawörter
2.4 Schlagwörter in der politischen und kommerziellen Werbung – ein Vergleich
3 Zur Varianz politischer Schlagwörter
3.1 Der Varianzbegriff aus linguistischer Sicht
3.2 Varianz im Bereich der politischen Kommunikation
4 Das „Besetzen von Begriffen“ – Der Kampf um politische Schlagwörter
4.1 Bedeutungsebenen politischer Schlagwörter
4.2 Typen des „Kampfes um Wörter“
4.2.1 Vorbemerkungen
4.2.2 Konkurrenz denotativer Lesarten
4.2.3 Konkurrenz evaluativer Lesarten
4.2.4 Nominationskonkurrenz
4.2.5 Begriffsprägung
4.3 Tagespolitischer Exkurs: Der Kampf um Gerechtigkeit
5 Die Verwendung von Schlagwörtern im SPD-Bundestagswahlkampf 2005
5.1 Die politischen Rahmenbedingungen
5.2 Die Eigendarstellung der SPD im Rahmen der Wahlkampf-kommunikation
5.3 Der politische Gegner im Fokus des SPD-Wahlkampfes
6 Die Verwendung von Schlagwörtern im SPD-Bundestags-wahlkampf 1969
6.1 Die politischen Rahmenbedingungen
6.2 Die Eigendarstellung der SPD im Rahmen der Wahlkampf-kommunikation
6.3 Der politische Gegner im Fokus des SPD-Wahlkampfes
7 Der politische Schlagwortgebrauch im Wandel der Zeit? – Die SPD Bundestagswahlkämpfe 2005 und 1969 im Vergleich
7.1 Vergleich der politischen Rahmenbedingungen
7.2 Vergleich der Eigendarstellung der SPD im Rahmen der jeweiligen Wahlkampfkommunikation
7.3 Vergleich der Darstellung des politischen Gegners im Rahmen der jeweiligen Wahlkampfkommunikation
8 Schlussbemerkungen, Fazit, Ausblick
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht die Rolle und Funktionen von Schlagwörtern in der politischen Kommunikation, insbesondere im Kontext von Wahlkämpfen. Ziel ist es, anhand der Bundestagswahlkämpfe der SPD 2005 und 1969 aufzuzeigen, wie Parteien durch den strategischen Einsatz von Schlagwörtern versuchen, ihre politischen Inhalte zu prägen, den politischen Gegner zu diskreditieren und die Deutungshoheit über zentrale Begriffe zu erlangen.
4.2.2 Konkurrenz denotativer Lesarten
Weitgehend Einigkeit besteht in der linguistischen Forschung dahingehend, dass die Konkurrenz denotativer Lesarten – auch als „Umdeuten (Klein 1995, 51) oder „Umprägung“ (Felbick 2003, 38) bezeichnet – den wohl wichtigsten und am häufigsten auftretenden Bereich des „Kampfes um Wörter“ darstellt (vgl. Girnth 2002, 63). Dieser Ansicht folgt auch Klein, dem zufolge „vor allem die Bedeutungen von tendenziell parteiübergreifend verwendeten Hochwertwörtern“ (Klein 1989, 21) umkämpft seien, da diese „die einer Gesellschaft gemeinsamen Überzeugungen und Werthaltungen“ (Girnth 2002, 53) repräsentierten.
Diese sprachlichen Ausdrücke sind gruppenübergreifend mit positiv konnotierten, d.h. mit weitgehend einheitlichen evaluativen und deontischen Bedeutungsmerkmalen versehen. Dementsprechend behält eine konkurrierende Verwendungsweise sowohl die Wortform als auch den „Meinungsgehalt bei, versucht jedoch, ihn auf einen veränderten Begriff und Bedeutungsumfang zu lenken“ (Felbick 2003, 38). Mögliche Bedeutungskonkurrenz bzw. ideologische Polysemie bezieht sich bei Vertretern dieses Strategietyps auf die denotative Bedeutungskomponente (vgl. Girnth 2002, 54), die – in Abhängigkeit von den jeweiligen programmatischen Schwerpunkten der Parteien – mehr oder weniger deutlich variieren kann.
Politische Kommunikationsstrategien müssen somit bei der Frage ansetzen, auf welchen Sachverhalt bzw. welches Referenzobjekt gruppenübergreifend verwendete politische Schlagwörter im Gebrauch einzelner Gruppen referieren bzw. referieren sollen. Auf den ersten Blick nämlich scheinen sich diese Hochwertwörter bzw. zumindest positiv konnotierten sprachlichen Ausdrücke durch eine gruppenübergreifend identische Verwendungsweise auszuzeichnen. So benennt Bergsdorf etwa die – unumstritten positiv bewerteten – Schlagwörter Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität als die „drei obersten Programmvokabeln der beiden großen Volksparteien“ (Bergsdorf 1991, 23). Wenn es also tatsächlich eine Schnittmenge von gemeinsamen, parteiübergreifenden Schlagwörtern gibt, so scheint eine bedeutungsidentische Verwendungsweise von Schlagwörtern über die Grenzen politischer Gruppenzugehörigkeit hinaus durchaus denkbar.
1 Einleitung, Methoden, Zielstellung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Schlagwortgebrauchs im politischen Wahlkampf ein und definiert die wissenschaftliche Zielsetzung der Arbeit.
2 Zum Wesen des Schlagworts: Hier erfolgt eine theoretische Fundierung des Schlagwortbegriffs durch die Unterscheidung formaler, semantischer und pragmatischer Ebenen sowie deren Abgrenzung zu verwandten Konzepten.
3 Zur Varianz politischer Schlagwörter: Das Kapitel erläutert den Varianzbegriff aus linguistischer Sicht und dessen Relevanz für das Verständnis der semantischen Instabilität politischer Kommunikation.
4 Das „Besetzen von Begriffen“ – Der Kampf um politische Schlagwörter: Hier werden die verschiedenen Typen des „Kampfes um Wörter“ analysiert, insbesondere die Strategien des Begriff-Besetzens und der Konkurrenz verschiedener Lesarten.
5 Die Verwendung von Schlagwörtern im SPD-Bundestagswahlkampf 2005: Eine detaillierte Untersuchung der SPD-Kampagne 2005 unter besonderer Berücksichtigung der Polarisierungsstrategien gegenüber der CDU.
6 Die Verwendung von Schlagwörtern im SPD-Bundestags-wahlkampf 1969: Eine Analyse der sozialdemokratischen Wahlkampfkommunikation 1969, wobei die Eigendarstellung innerhalb der Großen Koalition im Vordergrund steht.
7 Der politische Schlagwortgebrauch im Wandel der Zeit? – Die SPD Bundestagswahlkämpfe 2005 und 1969 im Vergleich: Dieser Abschnitt vergleicht die Ergebnisse der beiden Fallbeispiele vor dem Hintergrund geänderter politischer Rahmenbedingungen.
8 Schlussbemerkungen, Fazit, Ausblick: Das Fazit fasst die zentrale Bedeutung von Schlagwörtern für die politische Meinungsbildung zusammen und reflektiert über die Persistenz dieser Strategien.
Schlagwort, politische Kommunikation, Wahlkampf, SPD, CDU, Semantik, Varianz, Fahnenwort, Stigmawort, Miranda, Anti-Miranda, politische Werbung, Mehrfachadressiertheit, Polarisierung, Begriffsprägung.
Die Arbeit analysiert die strategische Verwendung politischer Schlagwörter in Wahlkämpfen, speziell am Beispiel der SPD in den Jahren 2005 und 1969.
Die zentralen Felder sind die Bedeutungsebenen von Schlagwörtern, die Möglichkeiten der semantischen Varianz und die Techniken, mit denen politische Gegner durch Wörter „besetzt“ oder stigmatisiert werden.
Die Arbeit untersucht, welche Aufgaben und Funktionen Schlagwörter im Wahlkampf übernehmen, insbesondere um Wähler zu mobilisieren und die Konkurrenz zu differenzieren.
Es wird eine linguistische Analyse angewandt, die auf zeichentheoretischen Kommunikationsmodellen und diskursanalytischen Ansätzen basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in das Wesen des Schlagworts und eine praxisorientierte Analyse der SPD-Wahlkampagnen 2005 und 1969.
Begriffe wie Schlagwort, politische Kommunikation, Fahnenwörter, Stigmawörter, Miranda und semantische Varianz bilden den theoretischen Kern.
Im Jahr 2005 lag ein stärkerer Fokus auf aggressiveren Stigmatisierungsstrategien (z.B. Merkelsteuer), während 1969 die Eigendarstellung als verlässliche Regierungspartei innerhalb der Großen Koalition dominierte.
Als sogenanntes "Miranda" ist "Gerechtigkeit" ein positiv konnotierter Grundwert, um den Parteien im Wahlkampf kämpfen, um ihn mit ihren spezifischen programmatischen Inhalten zu besetzen.
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