Magisterarbeit, 2005
75 Seiten, Note: 2,3
EINFÜHRUNG
I EMOTIONEN – DER PHILOSOPHISCHE BLICK RONALD DE SOUSAS AUF EIN KOMPLEXES PHÄNOMEN
Übersicht
1 Das Buch
2 Die Kernideen
3 Aspekte des Gefühls
3.1 Die Biologie der Gefühle
3.2 Die Objekte der Gefühle
3.3 Die Objektivität der Gefühle
3.4. Die Rationalität der Gefühle
3.4.1 Rationalitätskriterien und ihre Anwendung auf Gefühle
3.4.2 Die axiologische Ebene
3.4.3 Schlüsselszenarien
3.5 Die Funktion der Gefühle
3.5.1 Eine neue biologische Hypothese
3.5.2 Was Gefühle leisten
4 ‚bootstrapping’
5 Schlusssatz
II RELIGION, RELIGIOSITÄT UND RELIGIÖSE EMOTIONEN
Übersicht
1 Die Religion und das Göttliche
1.1 Begriff und Wesen der Religion
1.2 Das Göttliche bzw. Heilige
2 Religiöse Emotionen
2.1 Die Struktur religiöser Gefühle
2.1.1 Die Dimension der Objektwahrnehmung
2.1.2 Die Dimension der Tiefe
2.1.3 Die Dimension der Pragmatik
2.1.4 Zusammenfassung
2.2 Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Mitleid
2.2.1 Szenario
2.2.2 Allgemeines zum Gefühl des Mitleids
2.2.3 Mitleid als religiöse Emotion
3 Schlusssatz
III RELIGIÖSE GEFÜHLE IM LICHT VON DE SOUSAS EMOTIONSKONZEPTION
Übersicht
1 Was mit de Sousas Ansatz erkennbar ist
1.1 Die biologische Seite religiöser Gefühle
1.2 Die kognitive Seite religiöser Gefühle
1.2.1 Die Objekte religiöser Gefühle
1.2.2 Die Frage nach der Objektivität religiöser Gefühle
1.2.3 Die Frage nach der Rationalität religiöser Gefühle
1.3 Zusammenfassung
1.4 Was religiöse Gefühle leisten
1.5 Religiöse Emotionen und ‚bootstrapping’
2 Was de Sousas Ansatz entgehen muss – Das Problem des Außen und Innen
SCHLUSS
Die Arbeit untersucht, inwieweit eine zeitgenössische, säkular ausgerichtete Emotionskonzeption – konkret der Ansatz von Ronald de Sousa – geeignet ist, das Wesen religiöser Gefühle adäquat zu erfassen und zu interpretieren, und wo dabei die Grenzen einer solchen areligiösen Betrachtungsweise liegen.
2.2.1 Szenario
Es war schon dunkel, als er aus dem Haus trat. Unwillkürlich zog Jan den Kopf ein, zögerte und dachte einen Augenblick lang daran, wieder umzukehren, zurück in die warme Wohnung – denn wer mochte bei diesem kalten Nieselregenwetter auch nur einen Moment freiwillig vor die Tür gehen! Ein jäher feuchtkalter Windstoß traf ihn seitlich und er stöhnte leise auf: es half nichts, es musste sein. Während er mit eiligen Schritten und den Pfützen ausweichend die glänzende, von mattgelbem Laternenlicht erhellte Straße hinunter Richtung Supermarkt ging, ärgerte er sich zunehmend über seine Vergesslichkeit; warum hatte er nicht bereits am Nachmittag daran gedacht, dass sie etwas zu essen brauchten, wenn sie morgen ganz früh ans Meer fahren wollten...?
Tief versunken in seine kreisenden Gedanken und den Groll gegen sich selbst, nahm er zunächst die Gestalt nicht wahr, die, aus dem Schatten der Häuser kommend, mit schleppenden, stolpernden Schritten auf ihn zuwankte. Erst als die Frau schon ganz dicht bei ihm war und haltsuchend ihre Hand nach ihm ausstreckte, bemerkte er sie. Er erschrak zutiefst über den Anblick, der sich ihm da plötzlich bot: ihr wirres, nasses Haar, das einmal eine Frisur gewesen sein musste, ihr von Tränen und zerlaufenem Make-up verschmiertes Gesicht mit den weit aufgerissenen Augen und dem roten Mund, der irgendetwas zu sagen versuchte, ihr durchweichtes Kleid, dessen Träger ihr von der linken Schulter gerutscht war und die nackten Füße mit den rotlackierten Zehennägeln... Die Frau strauchelte und fiel gegen Jan, und er konnte sie gerade noch auffangen. Er hatte Mühe, sie festzuhalten, aber schließlich gelang es ihm doch und er richtete sie auf. Verblüfft und fragend sah er in ihr Gesicht. Sie schaute zurück, diese arme fremde Frau und aus ihren verwirrten und nach Orientierung suchenden Blicken flutete ihm die Botschaft „Bitte…Hilfe“ entgegen. Jan holte tief Luft und spürte sein Herz bis zum Hals schlagen… und ihn ergriff in diesem Augenblick ein unglaublich tiefes Mitgefühl…
EINFÜHRUNG: Die Einleitung umreißt die philosophische Problematik religiöser Gefühle und setzt die Forschungsfrage nach der Anwendbarkeit einer säkularen Emotionskonzeption auf religiöse Phänomene.
I EMOTIONEN – DER PHILOSOPHISCHE BLICK RONALD DE SOUSAS AUF EIN KOMPLEXES PHÄNOMEN: Dieses Kapitel stellt das theoretische Fundament der Arbeit dar und analysiert die Emotionskonzeption von Ronald de Sousa in Bezug auf Biologie, Rationalität, axiologische Ebene und Schlüsselszenarien.
II RELIGION, RELIGIOSITÄT UND RELIGIÖSE EMOTIONEN: Hier erfolgt eine systematische Definition und Strukturierung religiöser Emotionen unter Heranziehung von Petri Järveläinens Kriterien, ergänzt durch ein exemplarisches Szenario des Mitleids.
III RELIGIÖSE GEFÜHLE IM LICHT VON DE SOUSAS EMOTIONSKONZEPTION: Das Hauptkapitel führt die Erkenntnisse zusammen und diskutiert das Spannungsfeld zwischen de Sousas säkularer Sicht und der spezifischen religiösen Dimension der Gefühle sowie das daraus resultierende „Problem des Außen und Innen“.
Religiöse Gefühle, Emotionstheorie, Ronald de Sousa, Petri Järveläinen, axiologische Rationalität, Schlüsselszenarien, Mitleid, Religionsphilosophie, Kognition, Subjektivität, Objektivität, bootstrapping, religiöses Erleben, Intentionalität, Weltwahrnehmung
Die Arbeit untersucht, wie moderne, säkulare Theorien über Gefühle – insbesondere die von Ronald de Sousa – genutzt werden können, um religiöse Gefühle zu erklären und zu verstehen.
Die Themen umfassen Emotionsphilosophie, Religionsphänomenologie, das Verständnis von Rationalität in Bezug auf Gefühle und die Rolle des sozialen und individuellen Kontextes bei der Entstehung von Emotionen.
Die zentrale Frage ist, ob eine areligiös ausgerichtete Emotionskonzeption das Wesen religiöser Gefühle tatsächlich adäquat erfassen kann oder ob sie an systembedingte Grenzen stößt.
Es handelt sich um eine philosophische Arbeit, die einen Theorievergleich anstellt und eine systematische Analyse von Begriffsstrukturen vornimmt, ergänzt durch phänomenologische Fallbeispiele.
Im Hauptteil werden de Sousas rationale Emotionskonzeption und Järveläinens Strukturmerkmale religiöser Emotionen aufeinander bezogen, um die Möglichkeiten und Grenzen einer säkularen Deutung religiöser Erfahrung aufzuzeigen.
Die zentralen Begriffe sind religiöse Gefühle, axiologische Rationalität, Schlüsselszenarien, Objektivität, Subjektivität und das spezifische "Problem des Außen und Innen".
Das Beispiel dient der Veranschaulichung, wie de Sousas Objekttypen (Gegenstand, Fokus, motivierender Aspekt, formales Objekt) funktionieren, um Gefühle als "Wahrnehmungen von Werten" zu erklären.
Der Unterschied liegt primär in der kognitiven Einbettung: Während natürliches Mitleid sich auf menschliches Leid bezieht, integriert religiöses Mitleid das Leid als "Gottesgeschöpf" in einen religiösen Sinnzusammenhang.
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