Wissenschaftlicher Aufsatz, 2003
11 Seiten
Ausgangspunkt: Vico
Protoevolutionisten
Väter des Evolutionismus
Evolutionisten
Evolutionistische "Antievolutionisten"
Neoevolutionisten
Wo stehen wir heute?
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung evolutionistischer Konzepte in den Kulturwissenschaften, von ihren frühen Ansätzen bei Vico bis hin zu modernen, teils pseudowissenschaftlichen Neuauflagen, und setzt diese kritisch in Bezug zu gesellschaftlichen sowie politischen Strömungen.
Väter des Evolutionismus
1852 erscheinen "The Development Hypothesis" und "Theory of Population, Deduced from the General Law of Animal Fertility" (16) des Theologen Herbert Spencer, 1859 Carles Darwin's "On the Origin of Species by Means of Natural Selection or the Preservation of Favoured Races in the Natural Struggle for Life", (17) 1871 sein "The Descent of Man, and Selection in Relation to Sex", (18) 1876 - 96 Herbert Spencer's 3 Bände "The Principles of Sociology". (19) Darwin's Aussage "natural selection follows from the struggle for existence" (20) ist wohl der Schlüsselsatz, doch Darwin und Spencer verstehen darunter Verschiedenes.
Während Darwin betont, dass "struggle for Existence" für ihn nur eine Metapher sei, bezogen auf die beste Anpassung und die höchste Fortpflanzungsquote (21), bedeutet "struggle for existence" für Spencer tatsächlichen Kampf und Krieg in allen und zwischen allen Gesellschaften, die auch unbedingt nötig seien: "Das Endresultat des Schutzes der Menschheit vor ihrer eigenen Dummheit ist die Bevölkerung der Welt mit Narren". (22) Für Spencer ist der Kampf ums Dasein ein individueller Kampf, für Darwin ist er auf die Gruppe bezogen. Darwins "survival of the fittest" (im Plural) steht Spencers "survival of the best" (im Singular) gegenüber.
Ausgangspunkt: Vico: Vicos Werk markiert den Beginn eines proto-evolutionistischen Denkens, das die Unterschiede zwischen Kulturen auf verschiedene Entwicklungsstufen statt auf die Natur ihrer Träger zurückführt.
Protoevolutionisten: Hier werden Denker wie Herder, Forster und Comte vorgestellt, die verschiedene Phasen der menschlichen Entwicklung definierten und erste Verbindungen zwischen Umweltfaktoren und gesellschaftlicher Evolution herstellten.
Väter des Evolutionismus: Dieser Abschnitt differenziert zwischen den Konzepten von Darwin und Spencer und zeigt auf, dass der sogenannte Sozialdarwinismus historisch eher auf Spencer als auf Darwin zurückzuführen ist.
Evolutionisten: Anhand der Arbeit von Morgan wird dargelegt, wie die Menschheitsgeschichte in Stufen wie Wildheit, Barbarei und Zivilisation unterteilt wurde, wobei Morgan auch zivilisationskritische Aspekte einbrachte.
Evolutionistische "Antievolutionisten": Die Kulturhistorische Schule, begründet durch Wilhelm Schmidt, wird als eine Bewegung analysiert, die trotz ihrer Ablehnung der Evolutionisten selbst evolutionistischen, wenn auch nicht historischen, methodischen Mustern folgt.
Neoevolutionisten: Dieser Teil beleuchtet Ansätze des 20. Jahrhunderts, die unter multilinearen Gesichtspunkten oder marxistischem Einfluss Sequenzen von Kulturtypen neu bewerteten.
Wo stehen wir heute?: Eine kritische Bestandsaufnahme aktueller Tendenzen in der Humanethologie und Politikwissenschaft, die evolutionistische Argumentationsmuster zur Gruppenabgrenzung oder zur Begründung von "Kulturkreisen" nutzen.
Evolutionismus, Kulturwissenschaften, Vico, Sozialdarwinismus, Stufenmodell, Kulturkreislehre, Humanethologie, Gesellschaftsformationen, Lewis Henry Morgan, Herbert Spencer, Charles Darwin, Kulturwandel, Ethnologie, Zivilisation, Barbarei
Die Arbeit analysiert die Entstehung und den Wandel evolutionistischer Theorien in den Kulturwissenschaften sowie deren kritische Hinterfragung.
Zu den Feldern zählen die Philosophie der Geschichte, die Evolution von Religion und Familie sowie die kritische Reflexion politischer und ethologischer Missbrauchsformen evolutionistischer Theorien.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich Konzepte über die Entwicklung von Kulturen gewandelt haben und welche ideologischen Implikationen diese Theorien historisch und aktuell tragen.
Die Arbeit nutzt eine wissenschaftshistorische Perspektive, um die Konzepte der verschiedenen Autoren einzuordnen, zu vergleichen und auf ihre zugrunde liegenden Annahmen zu prüfen.
Der Hauptteil analysiert chronologisch verschiedene Denker und Schulen: von Vico über die Väter des Evolutionismus (Darwin/Spencer) bis hin zu Morgan, der Kulturhistorischen Schule und modernen Neoevolutionisten.
Evolutionismus, Stufenmodelle, Kulturkreislehre, Zivilisation und Gesellschaftstheorie stehen im Zentrum der begrifflichen Analyse.
Die Differenzierung ist entscheidend, da der oft als "Sozialdarwinismus" bezeichnete Kampf ums Dasein in der Form der sozialen Selektion primär auf Spencer zurückgeht, während Darwin die Selektion eher auf einer gruppendynamischen und sittlichen Ebene verstand.
Der Autor ordnet die Kulturkreislehre kritisch ein, indem er aufzeigt, dass ihr Zeitbegriff nicht historisch, sondern evolutionär konstruiert ist, und hinterfragt ihre wissenschaftliche Validität.
Der Autor sieht in Huntingtons "Kampf der Kulturen" eine neue, moderne Form der Kulturkreislehre, die Kulturen als monadische, abgrenzbare Einheiten betrachtet, und plädiert stattdessen für ein Verständnis von Kulturen als Prozesse ständigen Wandels.
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