Diplomarbeit, 2005
131 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
Kapitel I – Historischer Teil – Die „alte“ Eugenik und die „neue“ Eugenik
2. Was ist Eugenik?
2.1 Einleitung
2.2 Galtons eugenisches Konzept
2.3 Darwins Evolutionstheorie und der Sozialdarwinismus
2.4 Die These von der Degeneration der Menschheit
2.5 Die Anfänge einer eugenischen Bewegung
2.6 Die Rassenhygiene in Deutschland und die eugenischen Verbrechen im Dritten Reich
2.6.1 Die Sterilisierung Minderwertiger
2.6.2 Die Massenmorde im Namen der Euthanasie
2.7 Zusammenfassung
3. Von der „alten“ Eugenik zur „neuen“ Eugenik
3.1 Einleitung
3.2 Entwicklung von der Eugenik zur Humangenetik
3.2.1 Das eugenische Gedankengut nach 1945
3.2.2 Das CIBA-Symposium als Beispiel unveränderten Gedankenguts nach 1945
3.3 Höhepunkte der humangenetischen Wissenschaft
3.4 Das Konzept einer liberalen Eugenik – „Genetics & Justice“ von Buchanan et al.
3.4.1 Einleitung in das Konzept
3.4.2 Leitgedanken
3.4.3 Wer entscheidet, was perfekt ist?
3.4.3.1 Genetische Beratung
3.4.3.2 Was ist „wrongful life“ oder „wrongful disability”?
3.4.3.3 Was bedeutet Selbstbestimmung im Kontext reproduktiver Freiheit?
3.5 Zusammenfassung
Kapitel II – Vorstellung zweier Verfahren der neuen Reproduktionstechnologien – die Pränataldiagnostik (PND) und die Präimplantationsdiagnostik (PID)
4. Pränatale Diagnostik – eugenische Methoden im HUMANgenetischen Gewand?
4.1 Einleitung
4.2 Geschichte der Pränatalen Diagnostik
4.2.2 Der Tenor der „neuen“ Eugenik
4.2.2.1 Die deutschen Humangenetiker Wendt und Vogel
4.2.2.2 Das Postulat der Selbstbestimmung
4.3 Ziele und Möglichkeiten der Pränataldiagnostik
4.3.1 Der Triple-Test
4.3.2 Die Amniozentese
4.3.3 Die Chorionzottenbiopsie
4.3.4 Diskurs zu einigen Schwangerschaftsratgeber-Dokumenten
4.4 Zielstellungen für die Pränatale Diagnostik nach den Richtlinien der Bundesärztekammer
4.4.1 Erkennung von Störungen der embryonalen und fetalen Entwicklung
4.4.2 Durch Früherkennung von Fehlentwicklungen eine optimale Behandlung der Schwangeren und des (ungeborenen) Kindes zu ermöglichen
4.4.3 Befürchtungen der Schwangeren objektivieren (abbauen)
4.4.4 Schwangeren Hilfe bei der Entscheidung über die Fortsetzung oder den Abbruch der Schwangerschaft zu geben
4.5 Zum Problem statistischer Wahrscheinlichkeiten über komplexes menschliches Leben
4.5.1 Einleitende Gedanken zur Wahrscheinlichkeit
4.5.2 Statistische Wahrscheinlichkeiten innerhalb der Pränatalen Diagnostik
4.6 Die genetische Beratung
4.7 Wissenschaftliche Errungenschaften und die Ausweitung der Pränatalen Diagnostik
4.7.1 Der Paragraph 218a
4.7.2 Das Kind als Schaden
4.8 Fazit
5. Präimplantationsdiagnostik – Vorgelagerte Pränataldiagnostik oder optimierte Variante der medizinischen Schwangerschaftsvorsorge?
5.1 Einleitende Gedanken zur Präimplantationsdiagnostik
5.2 Das Verfahren der Präimplantationsdiagnostik
5.3 Die Rechtslage in Deutschland
5.3.1 Der moralische Status des Embryos
5.3.2 Des Kindes Rechte
5.4 Fazit
KAPITEL III – Was ist neu an der „neuen“ Eugenik?
6. PND und PID – Methoden einer „neuen“ Eugenik?
6.1 Kritische Analyse der Zielstellungen innerhalb der Pränatalen Diagnostik hinsichtlich der eugenischen Bestimmung
6.1.1 Selektion durch Schwangerschaftsabbruch
6.1.2 Die verschiedenen Varianten der Eugenik
6.1.3 Konformitätsdruck
6.1.4 Fazit
6.2 Kritische Analyse der Präimplantationsdiagnostik hinsichtlich der eugenischen Bestimmung
6.2.1 Das Recht auf ein gesundes Kind
6.2.2 Problemskizze
6.3 Die Eugenik, die uns heute „droht“
7. Schlussbetrachtungen
Die Arbeit untersucht kritisch, was unter dem Begriff der „neuen“ Eugenik zu verstehen ist, insbesondere im Kontext moderner Reproduktionstechnologien wie der Pränataldiagnostik (PND) und der Präimplantationsdiagnostik (PID). Dabei wird hinterfragt, ob die medizinischen Methoden als eugenisch klassifiziert werden können und inwieweit das Postulat der individuellen Selbstbestimmung einen Wandel gegenüber der historisch belasteten „alten“ Eugenik darstellt.
2. Was ist Eugenik?
Die Geschichte der Eugenik reicht bis in die Antike zurück und ergibt ein facettenreiches Bild. Allen Facetten gemeinsam ist die Vorstellung von der Verbesserung der Menschheit anhand ihres genetischen Erbes, wobei „Die Kontrolle der menschlichen Sexualität und die Steuerung der Fortpflanzung … das durchgängige Thema.“ (Weingart/Kroll/Bayertz, 1988, S. 27) ist. Diese Lenkung der menschlichen Fortpflanzung soll anhand bestimmter erwünschter Eigenschaften eine gezielte Auswahl unter den Menschen treffen, die sich fortpflanzen dürfen (vgl. Kevles, 1995, S. 20).
Der Begriff Eugenik ist erst im Jahre 1883 von Francis Galton (1822-1911) geprägt worden, der diesen von dem griechischen Wort eugenes, was soviel wie edelgeboren oder von guten Stamm bedeutet, ableitete (vgl. Schmuhl, 2001, S. 7). Eine der ersten eugenischen Utopien lässt sich in Platons (427/428-347/348 v. Chr.) Staat entdecken.
„Schon bei Platon trifft man auf eine große Zahl der institutionellen Vorkehrungen zur Sicherung einer eugenischen Fortpflanzung, die fortan in allen Utopien zu finden sind und schließlich in die konkreten Vorschläge der Eugeniker eingehen.“ (Weingart/Kroll/Bayertz, 1988, S. 28f.).
Kapitel I – Historischer Teil – Die „alte“ Eugenik und die „neue“ Eugenik: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge der Eugenik bei Francis Galton und Charles Darwin sowie die degenerationsbiologischen Konzepte, die in die nationalsozialistische Rassenhygiene mündeten.
Kapitel II – Vorstellung zweier Verfahren der neuen Reproduktionstechnologien – die Pränataldiagnostik (PND) und die Präimplantationsdiagnostik (PID): Hier werden die technischen Grundlagen, die medizinischen Ziele und die rechtlichen Rahmenbedingungen der Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik detailliert analysiert.
Kapitel III – Was ist neu an der „neuen“ Eugenik?: Das letzte Kapitel führt eine kritische Analyse durch, inwieweit die moderne PND und PID eugenische Züge tragen und ob das Argument der Freiwilligkeit und Selbstbestimmung die Praktiken rechtfertigt.
Eugenik, Rassenhygiene, Pränataldiagnostik, Präimplantationsdiagnostik, Humangenetik, Selbstbestimmung, Bioethik, Reproduktionstechnologien, genetische Beratung, Selektion, Sozialdarwinismus, Degenerationsthese, medizinische Indikation.
Die Arbeit analysiert kritisch, ob und inwiefern moderne medizinische Verfahren wie die PND und PID als „neue“ Form der Eugenik betrachtet werden müssen, nachdem die historisch belastete Eugenik nach 1945 diskreditiert wurde.
Die Themenfelder umfassen die Geschichte der Eugenik, die Theorieentwicklung des Sozialdarwinismus, die Entwicklung humangenetischer Verfahren sowie die kritische Auseinandersetzung mit den ethischen Postulaten von Freiwilligkeit und Selbstbestimmung im modernen medizinischen Kontext.
Das Ziel ist es, zu ergründen, was tatsächlich „neu“ an der heutigen „neuen“ Eugenik ist und ob die Veränderungen in den Zugangsvoraussetzungen (von Zwang zu vermeintlicher Freiwilligkeit) eine inhaltliche Wende markieren.
Die Arbeit basiert auf einer interpretativen Textanalyse wissenschaftlicher Quellen und Dokumente, um die eugenischen Argumentationsmuster historisch und aktuell nachzuzeichnen.
Der Hauptteil setzt sich mit den Verfahren der PND und PID auseinander, analysiert die Rolle statistischer Wahrscheinlichkeiten und untersucht den Konformitätsdruck, dem schwangere Frauen und Paare in der genetischen Beratung ausgesetzt sein können.
Die zentralen Begriffe sind Eugenik, Rassenhygiene, Pränataldiagnostik, Präimplantationsdiagnostik, Selbstbestimmung, Humangenetik und Selektion.
Die Autorin verdeutlicht, dass statistische Wahrscheinlichkeiten als Grundlage medizinischer Diagnosen oft irreführend wirken, da sie keine individuellen Risiken abzubilden vermögen, jedoch bei Patienten zu massiver Verunsicherung führen können.
Der Begriff „schleichende Eugenik“ bezieht sich darauf, dass die heutige eugenische Praxis nicht durch staatlichen Zwang erfolgt, sondern in den Alltag der Gesundheitsvorsorge integriert ist, wodurch der eugenische Charakter hinter den guten Absichten medizinischer Fürsorge verborgen bleibt.
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