Diplomarbeit, 2006
115 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung
2.1. soziale Bewegung
2.2. Bürgerinitiative
3. Entstehungsgründe der Bürgerinitiativen
3.1. Entwicklung in der BRD
3.1.1. Politische Entwicklungen, Bürgeraufstand und Studentenbewegungen
3.1.2. Historische Entwicklung der Bürgerinitiativen
3.1.3. Lokalpolitische Veränderungen, Entstehungsbedingungen und Wertewandel
3.2. Entwicklung in der DDR
4. Arbeitsweise und Organisation von Bürgerinitiativen
5. Medien- und Öffentlichkeitsarbeit von Bürgerinitiativen
5.1. Die Lokalpresse
5.2. Lokalfernsehen und Hörfunk
5.3. Zusammenarbeit zwischen Kommunalverwaltung und Medien
5.4. Öffentlichkeit
5.4.1. Der Begriff Öffentlichkeit
5.4.2. Die politische Öffentlichkeit
5.4.3. Merkmale der Öffentlichkeit
5.4.4. Funktion der Öffentlichkeit
5.4.5. Die Wirkung der Medien auf die Öffentlichkeit
5.5. Die Funktion der Medien und der Öffentlichkeit für Bürgerinitiativen
6. Die Bedeutung von Bürgerinitiativen in der Kommune
6.1. Die politische Bedeutung der Bürgerinitiative
6.2. Die Bedeutung der Bürgerinitiativen für die Bürger
7. Zwischenfazit
8. Das Fallbeispiel
8.1. Die Stadt Hennigsdorf
8.1.1. Bevölkerungsstruktur
8.1.2.Die politische Struktur
8.1.3. Medienstruktur
8.1.3.1. Die Märkische Allgemeine Zeitung
8.1.3.2. Der Oranienburger Generalanzeiger
8.1.3.3. Lokalfernsehen- OHT TV
8.2. Der Beschluss des Kreistages des Baus einer Müllverbrennungsanlage in der Stadt Hennigsdorf
8.3. Der Anbieter „Energos”
8.4. Auswirkungen für die Stadt Hennigsdorf und deren Einwohner
8.5. Vorstellen der Bürgerinitiative Contra MVA
8.6. Die Untersuchung
8.6.1 Konstruktion der Fragebögen
8.6.1.1. Fragebogen für Experteninterviews mit Mitgliedern der Bürgerinitiative
8.6.1.2. Fragebogen für Experteninterviews mit dem Bürgermeister und Stadtverordneten
8.6.2. Ergebnisse der Interviews
8.6.3 Schlussfolgerung- der Einfluss der Bürgerinitiativen auf den kommunalpolitischen Entscheidungsprozess im Fall Hennigsdorf
9. Bezug zwischen Theorie und Empirie
9.1. Arbeitsweise und Organisation
9.2. Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
9.3. Bedeutung von Bürgerinitiativen
10. Fazit
Diese Arbeit untersucht den Einfluss von Bürgerinitiativen auf kommunalpolitische Entscheidungsprozesse. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie Bürgerinitiativen durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit und politische Partizipation tatsächlich in der Lage sind, Verwaltungsentscheidungen zu beeinflussen oder zu korrigieren, wobei das konkrete Fallbeispiel der verhinderten Müllverbrennungsanlage in Hennigsdorf als empirische Grundlage dient.
Die Bedeutung von Bürgerinitiativen in der Kommune
Zu Beginn der Bürgerinitiativbewegung Ende der 60er Jahre hatten Bürgerinitiativen zusätzlich noch einen Überraschungseffekt, der ihnen in der heutigen Zeit nicht mehr zugesprochen werden kann, da sie mittlerweile zum politischen Leben einer Kommune gehören. In vielen Kommunen gibt es sogar mehrere Bürgerinitiativen zu vielen verschiedenen Themenfeldern, wie beispielsweise die Verhinderung des Baus einer neuen Straße oder die Errichtung einer weiteren Fußgängerampel auf einer viel befahrenen Straße.
Bürgerinitiativen entstehen in den Kommunen meistens dann, wenn die Politiker und/oder die Verwaltung eine Entscheidung getroffenen haben, mit der die Bürger nicht einverstanden sind, oder wenn eine für die Bürger wichtig erscheinende Angelegenheit von der Politik oder Verwaltung nicht in Angriff genommen wird. Bürgerinitiativen entstehen also immer durch den Unmut von Bürgern. Diese haben nun die Möglichkeit, als geschlossene Gruppe dagegen vorzugehen und können in dieser Form durchaus großen Einfluss auf das kommunale Geschehen haben. Einzelne Bürger haben kaum eine Möglichkeit etwas zu bewirken, aber eine Bürgerinitiative kann durch verschiedene Faktoren Einfluss geltend machen.
Ein erster bedeutender Einflussfaktor zeigt sich in Phase 4 (vgl. Abbildung 1, S.18) und liegt in der Informationsarbeit, die Bürgerinitiativen leisten. So entwerfen viele Initiativen Flugblätter oder sogar Broschüren, um die Bevölkerung auf ihr Vorhaben aufmerksam zu machen. Des Weiteren leisten Bürgerinitiativen Pressearbeit, nehmen Kontakt zu den kommunalen Medien auf, die über die Bürgerinitiative und ihre Ziele berichten. Die Medien informieren so eine breite Öffentlichkeit. Fühlen sich viele Bürger von dem Vorhaben der Bürgerinitiative selbst betroffen oder angesprochen und schließen sich der Initiative an oder unterstützen sie in anderer Form, dann ist es der Bürgerinitiative gelungen, eine ihrer wichtigsten Einflussfaktoren zu aktivieren, nämlich die Mobilisierung der Öffentlichkeit. Positioniert sich eine breite Öffentlichkeit hinter der Bürgerinitiative, dann entsteht öffentlicher Druck, der auf die Parteien und/oder die Verwaltung wirkt. Nimmt dieser Druck zu, entsteht politischer Druck auf die Administration. Ist dieser Druck groß genug, dann stellt sich meist ein Erfolg bzw. Teilerfolg für die Bürgerinitiative ein.
1. Einleitung: Beschreibt die Entstehung von Bürgerinitiativen als Reaktion auf die zunehmende Entfremdung zwischen Bürgern und Politik in komplexen politischen Strukturen.
2. Begriffsbestimmung: Definiert soziale Bewegungen im Allgemeinen und grenzt Bürgerinitiativen als spezifische Form der Bürgerbeteiligung und Selbsthilfe davon ab.
3. Entstehungsgründe der Bürgerinitiativen: Untersucht die historischen und soziopolitischen Wurzeln von Bürgerprotesten in der BRD sowie die andersartige Entwicklung in der DDR.
4. Arbeitsweise und Organisation von Bürgerinitiativen: Erläutert die typischen Phasen der Entstehung und Organisation, von der Problemerkennung bis zum Umgang mit Kompromissen.
5. Medien- und Öffentlichkeitsarbeit von Bürgerinitiativen: Analysiert die zentrale Funktion lokaler Medien und der Öffentlichkeitsarbeit als Instrument zur Legitimierung und Durchsetzung der Initiativziele.
6. Die Bedeutung von Bürgerinitiativen in der Kommune: Diskutiert die politische Rolle von Bürgerinitiativen und deren Bedeutung für die Partizipation der Bürger im lokalen Umfeld.
7. Zwischenfazit: Fasst das politische Potenzial von Bürgerinitiativen in Form eines Positiv- und Negativkatalogs zusammen.
8. Das Fallbeispiel: Präsentiert die empirische Untersuchung zum Bau der Müllverbrennungsanlage in Hennigsdorf und den Einfluss der Bürgerinitiative „Contra MVA“.
9. Bezug zwischen Theorie und Empirie: Vergleicht die theoretischen Erkenntnisse zu Arbeitsweise, Medienarbeit und Bedeutung mit den tatsächlichen Ergebnissen aus dem Fallbeispiel.
10. Fazit: Zieht ein Resümee über die Wirkungsmöglichkeiten von Bürgerinitiativen als Korrektiv in der repräsentativen Demokratie.
Bürgerinitiative, Kommunalpolitik, Partizipation, Öffentlichkeit, Müllverbrennungsanlage, Hennigsdorf, Protest, politische Willensbildung, Medienarbeit, Bürgerbeteiligung, lokale Demokratie, Einflussnahme, Contra MVA, Experteninterviews, Entscheidungsprozess.
Die Arbeit analysiert den Einfluss von Bürgerinitiativen auf kommunalpolitische Entscheidungsprozesse, beispielhaft dargestellt am Fall der Müllverbrennungsanlage in Hennigsdorf.
Die Themenfelder umfassen die Definition von Bürgerinitiativen, die Rolle der Medien bei der Öffentlichkeitsarbeit, die Entstehungsgründe für bürgerschaftliches Engagement und die empirische Messung der Wirksamkeit von Bürgerprotesten.
Das Ziel ist es, den tatsächlichen politischen Einfluss von Bürgerinitiativen zu erörtern und zu hinterfragen, unter welchen Bedingungen sie erfolgreich Druck auf lokale Entscheidungsträger ausüben können.
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus theoretischer Literaturanalyse und einer empirischen Untersuchung durch Leitfaden-Experteninterviews mit betroffenen Politikern, dem Bürgermeister und Mitgliedern der Bürgerinitiative.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Bürgerinitiativen und deren Medienarbeit sowie eine detaillierte Fallstudie, die den gesamten Prozess vom Bekanntwerden des MVA-Projekts bis zur schließlichen Entscheidung gegen den Bau in Hennigsdorf beleuchtet.
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Bürgerinitiative, Kommunalpolitik, Partizipation, lokale Medien und der konkrete Fall der Müllverbrennungsanlage (Contra MVA) in Hennigsdorf.
Die Arbeit verdeutlicht, dass eine Bürgerinitiative ohne Medienpräsenz faktisch „nicht stattfindet“. Medien sind essenziell, um die Bevölkerung zu mobilisieren und so den notwendigen öffentlichen Druck auf die politischen Entscheidungsträger zu erzeugen.
Das Beispiel zeigt, dass eine gut organisierte Bürgerinitiative durch Informationsarbeit und Mobilisierung der Öffentlichkeit den Bau der MVA verhindern konnte, selbst wenn die Verwaltung zunächst an dem Vorhaben festhalten wollte.
Ja, bei den Experteninterviews bestand das Risiko von Ergebnisverzerrungen durch den sogenannten „Good-Will-Effect“ oder die selektive Auslegung von Antworten durch den Interviewer.
Die meisten befragten Politiker räumten ein, dass die Bürgerinitiative einen entscheidenden Einfluss auf ihre Meinungsänderung hatte, kritisierten jedoch teilweise die scharfen, bisweilen provokanten Aktionsformen der Gruppe.
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