Diplomarbeit, 2006
149 Seiten, Note: 2,0
1 Vorwort
2 Die Interviews und die Mitarbeit im Hospiz
2.1 Die Interviews
2.1.1 Die Vorbereitung
2.1.2 Der Ablauf
2.1.3 Die Auswertungsmethode
2.2 Die Mitarbeit im Hospiz
3 Einführende Gedanken zu Sterben und Tod
3.1 Heranführung an die Themen Sterben und Tod
3.2 Sind Sterben und Tod tabuisiert?
3.3 Der Umgang mit Sterben und Tod
4 Handlungsoptionen für Gespräche über Sterben und Tod
4.1 Der Klient und seine Bedürfnisse
4.1.1 Das Bild vom Gegenüber
4.1.2 Die Bedürfnisse des Gegenübers in Bezug auf ein Gespräch
4.2 Die bedingungsfreie Akzeptanz und Wertschätzung
4.2.1 Das aktive Zuhören
4.2.2 Verbaler und nonverbaler Ausdruck von Wertschätzung
4.3 Das einfühlende Verstehen
4.3.1 Schweigen und Betrübnis
4.3.2 Das Nachfragen
4.3.3 Die Rückmeldung des Wahrgenommenen
5 Die Selbstwahrnehmung des sozialberuflich Tätigen
5.1 Die Selbstkongruenz
5.2 Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Sterben
5.3 Die Beziehung zum Klient
5.4 Das Spannungsverhältnis von Nähe und Distanz
5.5 Die Selbstreflexion
6 Der persönliche Gewinn
7 Schlusswort
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, Möglichkeiten und Handlungsoptionen für sozialberuflich Tätige zu ergründen, um angemessene Gespräche mit alten und kranken Menschen über deren Sterben und Tod zu führen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie professionelle Helfer den Herausforderungen dieser intimen Gespräche begegnen, wie sie die Bedürfnisse ihrer Klienten erfassen und wie sie eine professionelle, aber dennoch menschliche Beziehung unter Wahrung notwendiger Distanz aufbauen können.
Zuhören als besondere Fähigkeit
„Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war: Zuhören. Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig.
Momo konnte so zuhören, daß dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas fragte oder sagte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, daß sie in ihm steckten.
Sie konnte so zuhören, daß ratlose und unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wußten, was sie wollten. Oder daß Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder daß Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf den es überhaupt nicht ankommt und der ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf – und er ging hin und erzählte alles das der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, daß er sich gründlich irrte, daß es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und daß er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war. So konnte Momo zuhören.“
1 Vorwort: Die Autorin erläutert ihre persönliche Motivation, sich den Themen Sterben und Tod im Rahmen ihrer Diplomarbeit zu widmen, um die eigene Unbeholfenheit in Gesprächen mit alten Menschen zu überwinden.
2 Die Interviews und die Mitarbeit im Hospiz: Es wird die methodische Grundlage der Arbeit beschrieben, die auf qualitativen Interviews mit betroffenen Zielgruppen und einer Hospitation im Hospiz basiert.
3 Einführende Gedanken zu Sterben und Tod: Das Kapitel beleuchtet theoretische Aspekte, wie die Tabuisierung des Sterbens in der modernen Gesellschaft und die unterschiedlichen individuellen Umgangsweisen mit dem Tod.
4 Handlungsoptionen für Gespräche über Sterben und Tod: Hier werden praktische Strategien vorgestellt, wie Bedürfnisse des Gegenübers erkannt und durch Methoden wie aktives Zuhören und Wertschätzung respektvoll adressiert werden können.
5 Die Selbstwahrnehmung des sozialberuflich Tätigen: Die Autorin reflektiert die notwendige professionelle Distanz, die Selbstkongruenz und die Bedeutung der Supervision zur psychischen Entlastung des Helfers.
6 Der persönliche Gewinn: Dieses Kapitel fasst die persönlichen Bereicherungen zusammen, die aus der intensiven Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des Lebens resultieren und wie dies die eigene Lebensgestaltung positiv beeinflussen kann.
7 Schlusswort: Die Autorin zieht ein Fazit über ihre erworbenen Erfahrungen und betont die Übertragbarkeit der gewonnenen Erkenntnisse auf die sozialpädagogische Praxis.
Sterbebegleitung, Tod, Gesprächsführung, aktive Zuhören, Wertschätzung, Empathie, Sozialarbeit, Hospiz, Selbstreflexion, Tabu, Endlichkeit, Kommunikation, professionelle Distanz, Biografiearbeit
Die Diplomarbeit befasst sich mit der sozialpädagogischen Begleitung alter und kranker Menschen im Kontext von Sterben und Tod, insbesondere mit der Frage, wie man mit ihnen konstruktiv und wertschätzend über diese intimen Themen sprechen kann.
Die Arbeit deckt die theoretische Einordnung des Sterbens, die Bedürfnisse alter Menschen in dieser Lebensphase, professionelle Kommunikationstechniken und die psychische Selbstpflege der helfenden Fachkräfte ab.
Das Ziel ist es, sozialberuflich Tätigen Orientierung und Handlungsoptionen an die Hand zu geben, um Ängste abzubauen und Gespräche zu ermöglichen, die den Betroffenen ein würdevolles Abschiednehmen erleichtern.
Die Autorin führte eine qualitative Untersuchung durch, die sich auf eine Literaturanalyse, eine einwöchige Hospitation in einem Hospiz sowie auf neun qualitative Interviews mit sozialberuflich Tätigen, Angehörigen und älteren Menschen stützt.
Der Hauptteil konzentriert sich auf die praktischen Handlungsoptionen in der Gesprächsführung, die Bedeutung der Selbstwahrnehmung des Helfers sowie das Spannungsfeld zwischen Nähe und professioneller Distanz.
Die zentralen Begriffe umfassen Sterbebegleitung, Gesprächsführung, Empathie, Tabuisierung, professionelle Distanz, Selbstreflexion und Lebensqualität.
Es dient dazu, dem Gegenüber Aufmerksamkeit, Interesse und Akzeptanz zu signalisieren, ohne den Gesprächspartner durch Ratschläge oder Bewertungen in seiner persönlichen Prozessgestaltung zu unterbrechen.
Da die Konfrontation mit Sterben und Tod hohe Anforderungen an die psychische Stabilität stellt, ist Selbstreflexion notwendig, um die eigene Lebensenergie zu schützen und nicht Gefahr zu laufen, emotional zu überlasten oder sich mit den Klienten zu identifizieren.
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