Diplomarbeit, 2006
103 Seiten, Note: 1,7
1. Theoretischer Hintergrund
1.1. Partnerwahl
1.1.1 Die Theorie des asymmetrischen Investments
1.1.2 Kontrollverhalten und Täuschungen beim Kennenlernen
1.1.3 Weibliches nonverbales Kontrollverhalten beim gegengeschlechtlichen Werben
1.1.4 Weibliche nonverbale Signale, die auf ein echtes Interesse am Gegenüber hindeuten
1.2. Raumverhalten
1.2.1 Raumverhalten als nonverbale Kommunikationsform
1.2.2 Einfluss von Soziosexualität auf das Raumverhalten
1.3 Methoden der Raumverhaltensforschung
1.3.1 Verschiedene Methoden der Bild- und Bewegungsanalyse
1.3.1.1 Manuelle Bewegungsanalyse
1.3.1.2 Automatische markerbasierte Bewegungsanalyse
1.3.1.3 Automatische markerfreie Bewegungsanalyse
1.4 Fragestellung und Ableitung der Hypothesen
2. Methode
2.1 Beschreibung der Stichprobe
2.2 Angewandte Verfahren
2.2.1 Manuelle Bewegungsanalyse
2.2.2 Computersoftware
2.2.3 Fragebögen
2.3 Kontrolle von Störvariablen
2.3.1 Berechnung und Standardisierung des Drehwinkels
2.4 Versuchsdurchführung
2.5 Versuchsdesign
3. Ergebnisse
3.1 Voraussetzungen für eine Regressionsanalyse
3.1.1 Normalverteilungsannahme
3.1.2 Multikollinearität
3.1.3 Autokorrelation der Residuen
3.2 Ergebnisse der Untersuchung über die Moderatorvariablen des Raumverhaltens
3.2.1 Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 1.1
3.2.2 Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 1.2
3.3 Ergebnisse der Untersuchung über Raumverhalten als mögliches weibliches Kontrollverhalten
3.3.1 Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 2.1
3.3.2 Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 2.2
3.4 Ergebnisse der Untersuchung über die Vorhersage weiblicher Kontaktbereitschaft durch das beobachtete Raumverhalten
3.4.1 Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 3.1
3.4.2 Extraktion und Interpretation von Posen für Frauen in heterosexueller Interaktion
3.4.3 Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 3.2
3.4.4 Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 3.3
3.5 Ergebnisse der Untersuchung zur Testgüte von EyesWeb
3.5.1 Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 4.1
3.5.2 Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 4.2
4. Diskussion
5. Zusammenfassung
6. Literaturverzeichnis
Die Diplomarbeit untersucht das weibliche Raumverhalten bei der Partnerwahl in heterosexuellen Interaktionen, um zu klären, ob räumliche Nähe als nonverbales Kontrollsignal eingesetzt wird und ob sich die Kontaktbereitschaft der Frau durch spezifische Bewegungsmuster vorhersagen lässt. Zudem wird die Eignung der Bewegungsanalysesoftware "EyesWeb" für wissenschaftliche Zwecke überprüft.
1.1.1 Die Theorie des asymmetrischen Investments
Wer macht bei einer Begegnung mit dem anderen Geschlecht „den ersten Schritt“? Sind es die Männer, wie der Volksmund behauptet (Bruch, Giordano & Pearl, 1986)? Und wer hat die Kontrolle bei einer solchen ersten Begegnung? Wer bestimmt, wie sie verläuft und wann sie beendet wird? Evolutionsforscher haben diesbezüglich die Theorie des asymmetrischen Investments (asymmetric investment theory) entwickelt, die dazu verwendet werden kann, Vorhersagen über geschlechtsspezifisches Verhalten beim Zusammentreffen von Mann und Frau zu treffen. Die Theorie des asymmetrischen Investments besagt, dass Frauen zwangsläufig mehr Zeit und Energie in ihren Nachwuchs investieren müssen und somit mehr zu verlieren hätten, wenn sie eine schlechte Partnerwahl treffen sollten. Das bedeutet, dass Frauen viel stärker als Männer dazu neigen, Kontrolle über eine heterosexuelle Begegnung auszuüben und somit mehr Kontrollverhalten zeigen. Dieses Kontrollverhalten äußert sich dabei in einer aktiven Steuerung und Strukturierung des Gesprächs. Überdies wird postuliert, dass Frauen öfter die Männer in ihrem Verhalten manipulieren als umgekehrt. Deshalb könnte man auf Basis dieser Theorie Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Kontrollverhalten (z.B. Grad der Manipulation des anderen oder Art der Selbstdarstellung) bei Begegnungen mit unbekannten Personen des anderen Geschlechts erwarten (Trivers,1972 in Grammer, Kruck, Jütte & Fink, 2000). Im folgenden Abschnitt wird nun besonders auf das Täuschen und Tarnen beim gegengeschlechtlichen Werben und das daraus resultierende weibliche Kontrollverhalten bei der Partnerwahl eingegangen.
1. Theoretischer Hintergrund: Es werden evolutionspsychologische Theorien zur Partnerwahl, das Konzept des Raumverhaltens nach Hall sowie Methoden der Bewegungsforschung erläutert.
2. Methode: Dieser Abschnitt beschreibt die Stichprobenzusammensetzung, die Anwendung der manuellen und automatischen Bewegungsanalyse sowie die verwendeten psychometrischen Fragebögen.
3. Ergebnisse: Die statistische Auswertung der Hypothesen wird präsentiert, wobei insbesondere die Vorhersagekraft von Bewegungsmustern für die Kontaktbereitschaft analysiert wird.
4. Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert, Limitationen der Studie aufgezeigt und der Ausblick für zukünftige Forschung im Bereich Mensch-Maschine-Kommunikation gegeben.
5. Zusammenfassung: Eine komprimierte Darstellung der Ziele, Vorgehensweise und wesentlichen Befunde der Untersuchung.
Partnerwahl, Raumverhalten, Soziosexualität, Nicht-verbale Kommunikation, Bewegungsanalyse, EyesWeb, Kontrollverhalten, Kontaktbereitschaft, Hauptkomponentenanalyse, Kommunikationsparadoxon, Evolutionspsychologie, Interaktionsanalyse, Distanzzonen, Affekt, Validität.
Die Arbeit untersucht das Raumverhalten von Frauen in heterosexuellen Interaktionen, um festzustellen, wie sie Nähe nutzen, um Kontaktbereitschaft auszudrücken oder ihr Gegenüber zu beeinflussen.
Die zentralen Felder sind die Evolutionspsychologie der Partnerwahl, die Analyse nonverbaler Kommunikationssignale (Proxemik) und die computergestützte Bewegungsanalyse.
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob räumliche Nähe als "Kontrollverhalten" fungiert und ob spezifische Gliedmaßenabstände oder Posen das Interesse einer Frau an einem Mann vorhersagen können.
Es werden eine manuelle sowie eine automatisierte digitale Bewegungsanalyse der Interaktionen sowie verschiedene psychologische Skalen (PANAS, SOI, eine entwickelte Skala zur Kontaktbereitschaft) eingesetzt.
Der Hauptteil befasst sich mit der Aufstellung und Überprüfung von Hypothesen zu Moderatorvariablen, der Vorhersage von Kontaktbereitschaft durch Körperbewegungen sowie der technischen Evaluation der Software EyesWeb.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Raumverhalten, soziosexuelle Orientierung, nonverbale Signalgebung, Bewegungsanalyse und Partnerwahlstrategien.
Die Analyse ergab eine unzureichende Konstruktvalidität und Retestreliabilität der Software-Algorithmen, weshalb sie für wissenschaftliche psychologische Untersuchungen in diesem Bereich derzeit nicht empfohlen werden kann.
Der Autor hinterfragt die gängige Lehrmeinung, dass Distanzverringerung immer ein Wunsch nach Kontakt ist; in der persönlichen Zone korreliert ein größerer Abstand teilweise paradoxerweise mit einer höheren Kontaktbereitschaft, möglicherweise bedingt durch vermehrte Gestik.
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