Bachelorarbeit, 2005
39 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Der institutionelle Anschluss an den Westen
2.1 Das Assoziierungsabkommen 1963
2.2 Der Antrag auf die EG Vollmitgliedschaft
2.3 Die Zollunion
3 Der optimale europäische Wirtschaftsraum
3.1 Die EU-Osterweiterung
3.2 Überlastet ein Beitritt der Türkei die EU?
4 Wann wird die türkische Volkswirtschaft Europa reif sein?
4.1 Die Verschuldungssituation der Türkei
4.2 Das Problem der wirtschaftlichen Rückständigkeit
4.3 Sind die Reformen ausreichend?
4.3.1 Das erste ökonomische Kriterium: Funktionsfähige Marktwirtschaft
4.3.2 Das zweite ökonomische Kriterium: Wettbewerbsfähigkeit
5 Die europäische Perspektive
5.1 Arbeitslosigkeit durch Massenmigration
5.2 Die Türkei als Grossmarkt der Zukunft
6 Was erhofft sich die Türkei aus einem EU-Beitritt?
6.1 Anstieg der Direktinvestitionen und Stabilitätseffekte
6.2 Wirkung eines EU-Beitrittes auf die türkische Agrarwirtschaft
7 Diskussion über eine Sonderpartnerschaft
8 Schlusswort
Die vorliegende Arbeit analysiert die ökonomischen Aspekte eines möglichen EU-Beitritts der Türkei unter Ausklammerung politischer Fragen. Ziel ist es, die ökonomische Beitrittsreife der Türkei zu bewerten, die Auswirkungen einer Integration auf die EU und die Türkei zu untersuchen sowie die Argumente für und gegen eine Vollmitgliedschaft im Kontext der europäischen Wirtschaftspolitik kritisch zu vergleichen.
4.1 Die Verschuldungssituation der Türkei
Die Verschuldungsquote ist ein Beurteilungskriterium für die Tragfähigkeit der Verschuldung eines Landes. Sie stellt das Verhältnis zwischen dem Schuldenstand und dem nominalen BIP dar. Als kritisch gilt eine Verschuldungsquote von über 30 %. Wichtig ist vor allem auch ob die Verschuldungsquote weiter steigt. Da die in fremder Währung verschuldeten Banken und Unternehmen des Landes bei einer Abwertung der eigenen Währung in Schwierigkeiten geraten könnten, ist die Verschuldungsquote auch für die Krisenanfälligkeit einer Volkswirtschaft von Bedeutung.
Neben Brasilien ist die Türkei der grösste Schuldner des IWF. Ende 2003 betrug das Kreditvolumen der Türkei 22,189 Mrd. Dollar und sie wies eine Auslandsverschuldung von insgesamt 142,9 Mrd. Dollar auf. Dies entsprach 60,6 Prozent des türkischen BIP, was weit über dem international kritisch geltenden Bereich liegt. Die enorme Wachstumsrate der Verschuldung und die Suche nach geeigneten Massnahmen zur Lösung dieses Problems, waren in den letzten Jahren unter anderem die wichtigsten Diskussionsthemen in der Türkei. Die Inlandschulden haben einen Grossteil der öffentlichen Ausgaben ausgemacht, was einerseits eine wirtschaftliche Ineffizienz zur Folge hatte und andererseits verhinderte, dass die Inländischen Ersparnisse in Festes Kapital angelegt wurden, was wiederum das Wachstumspotenzial der Volkswirtschaft beschränkte.
1 Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die langjährige, von Höhen und Tiefen geprägte Geschichte der EU-Türkei-Beziehungen und definiert den Fokus der Arbeit auf die ökonomischen Argumente der Beitrittsdebatte.
2 Der institutionelle Anschluss an den Westen: Dieses Kapitel zeichnet den Weg der Türkei in die institutionelle Anbindung an Europa nach, von der Assoziierung 1963 bis zur Zollunion 1996.
3 Der optimale europäische Wirtschaftsraum: Hier wird untersucht, ob eine Erweiterung der EU um die Türkei ökonomisch vertretbar ist, wobei Parallelen und Unterschiede zur EU-Osterweiterung aufgezeigt werden.
4 Wann wird die türkische Volkswirtschaft Europa reif sein?: Dieses Kapitel analysiert die aktuellen ökonomischen Herausforderungen der Türkei, insbesondere in Bezug auf Verschuldung, wirtschaftliche Rückständigkeit und die Erfüllung der Kopenhagener Kriterien.
5 Die europäische Perspektive: Hier werden die Auswirkungen aus Sicht der EU betrachtet, wobei die Problematik der Migration sowie die ökonomischen Chancen der Türkei als Markt der Zukunft im Mittelpunkt stehen.
6 Was erhofft sich die Türkei aus einem EU-Beitritt?: Dieses Kapitel beleuchtet die türkischen Erwartungen an eine Vollmitgliedschaft, insbesondere bezüglich der Anziehung ausländischer Direktinvestitionen und der Auswirkungen auf die heimische Agrarwirtschaft.
7 Diskussion über eine Sonderpartnerschaft: Diese Sektion diskutiert das Konzept einer privilegierten Partnerschaft als Alternative zur Vollmitgliedschaft, unter Berücksichtigung der türkischen Position und machtpolitischer Interessen in der EU.
8 Schlusswort: Das Schlusswort fasst zusammen, dass ein Beitritt für die Türkei wirtschaftlich vorteilhaft wäre, die ökonomischen Argumente für die EU jedoch weniger eindeutig sind, und betont die Bedeutung weiterer Strukturreformen.
EU-Beitritt, Türkei, Zollunion, Europäische Union, Wirtschaftsraum, Makroökonomie, Staatsverschuldung, Inflation, Strukturreformen, Direktinvestitionen, Agrarwirtschaft, Kopenhagener Kriterien, Migration, Personenfreizügigkeit, Sonderpartnerschaft.
Die Arbeit untersucht die ökonomischen Dimensionen und Auswirkungen eines möglichen EU-Beitritts der Türkei und analysiert, ob das Land die ökonomischen Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft erfüllt.
Die zentralen Themen sind die institutionelle Anbindung, die Analyse der türkischen Finanz- und Wirtschaftslage, die Auswirkungen auf den EU-Binnenmarkt und die Erwartungen beider Seiten.
Das primäre Ziel ist es, die ökonomische Beitrittsreife der Türkei wissenschaftlich zu bewerten und die ökonomischen Argumente pro und contra einer EU-Vollmitgliedschaft gegenüberzustellen.
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie den Vergleich von Wirtschaftsdaten und Stellungnahmen von Politikern, Ökonomen und internationalen Institutionen wie der EU-Kommission und dem IWF.
Der Hauptteil befasst sich mit der Osterweiterung als Vergleichsmodell, der türkischen Verschuldungssituation, der Inflationsbekämpfung und den Potenzialen des türkischen Binnenmarktes.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie EU-Beitritt, ökonomische Stabilität, Zollunion, Direktinvestitionen und Reformpolitik charakterisiert.
Die Zollunion hat zwar den Handel mit Industriegütern erleichtert, belastet die Türkei jedoch durch Handelsbilanzdefizite und schränkt ihre Souveränität bei der Gestaltung von Handelsbeziehungen mit Drittstaaten ein.
Die Regierung betrachtet eine Sonderpartnerschaft als Rückschritt gegenüber der bereits bestehenden Zollunion und hält an dem seit Jahrzehnten angestrebten Ziel der vollen politischen und ökonomischen Integration in die EU fest.
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