Diplomarbeit, 2007
108 Seiten, Note: 1,5
1. Lebenswelten
1.1 Theorien zur Lebenswelt
1.1.1 Der Lebensweltbegriff in der Soziologie von Schütz und Habermas
1.1.1.1 Organisation der Wahrnehmung durch Deutungsmuster
1.1.1.2 Deutungsmusteranalyse – Erfassung des sozialen Sinns
1.1.2 Der Habitusbegriff nach Bourdieu
1.1.3 Die Theorie sozialer Ungleichheit nach Hradil
1.1.4 Der Etikettierungsansatz – Labeling als eine Folge von Ungleichheiten in den Lebenswelten
1.2 Lebenswelten marginalisierter Jugendlicher
1.2.1 Forschungsstand zu den Lebenslagen von Jugendlichen
1.2.2 Strukturierung von Lebensläufen
1.2.2.1 Auswirkungen der postindustriellen Sozialstruktur auf die Lebenswelten marginalisierter Jugendlicher
1.2.3 Armutslagen von Jugendlichen
1.2.4 Lebenslagen von Migrantenjugendlichen
1.2.4.1 Zur sozialen Identität türkischstämmiger Jugendlicher
1.2.5 Migrationsfamilien und Einkommensarmut
1.3 Die Negierung der Lebenswelt durch pädagogische Institutionen
1.3.1 Vorstellungen Jugendlicher über deren Lebenswelt aus Sicht von PädagogInnen
2. Empirischer Teil Lebenswelten Jugendlicher aus Sicht von PädagogInnen
2.1 Erkenntnisinteresse
2.2 Konzeption der Studie
2.3 Datenerhebung
2.3.1 Problemzentriertes Interview
2.3.2 Zu den interviewten PädagogInnen
2.3.3 Zur Aufbereitung der Daten
2.4 Datenauswertung I
2.4.1 Zirkuläres Dekonstruieren
2.4.2 Auswertung der Einzelinterviews
2.4.2.1 Robert „Man kann den Kindern etwas vorleben“
2.4.1.2 Paul „Die Schüler leben in Traumwelten“
2.4.1.3 Else „Ich finde, dass wir nicht sehr unterschiedlich sind“
2.5 Datenauswertung II
2.5.1 Der systematische Vergleich der Interviews
2.5.2 Die komparative Paraphrasierung
2.5.2.1 Gespräche als subjektive Informationsquellen
2.5.2.2 Pädagogenlebenswelt als Kontrast zu Schülerlebenswelt
2.5.2.3 Die Sinnhaftigkeit der „eigenen Welt“
2.5.2.4 Separation als pädagogische Chance
3. Interpretation der Ergebnisse
3.1 Die Bedeutung der Sicht von PädagogInnen auf die Lebenswelten der Klientel für pädagogische Arbeit
3.2 Grenzen und Möglichkeiten pädagogischer Einflussnahme im Hinblick auf divergente Lebenswelten
4. Pädagogisch- professionelles Handeln in Form von Verstehen von Lebenswelt
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Lebenswelten marginalisierter Jugendlicher aus der Sicht von PädagogInnen und analysiert deren Relevanz für pädagogisch-professionelles Handeln. Das primäre Ziel ist es, zu klären, wie PädagogInnen die ihnen oft fremden Lebenswelten ihrer Klientel wahrnehmen, bewerten und welche Bedeutung diese Sichtweise für die Gestaltung der pädagogischen Arbeit hat, insbesondere im Kontext von Differenzen zwischen den Lebenswelten von PädagogInnen und Klientel.
1.1.1.1 Organisation der Wahrnehmung durch Deutungsmuster
Da Kommunikation, nach SCHÜTZ und HABERMAS, geprägt ist durch Deutungsprozesse, deren Ursprung der jeweiligen Lebenswelt der Kommunikationsteilnehmer zuzuordnen ist, wird an diese Stelle die Organisation der individuellen Wahrnehmung durch Deutungsmuster beschrieben, um dann deren Anwendung in dem methodischen Verfahren der Deutungsmusteranalyse zu beleuchten. Diese stellt zwar nicht die Vorgehensweise der hier durchgeführten Studie dar, verdeutlich jedoch den Umgang mit Deutungsmustern in seiner praktischen Umsetzung, wie sie auch für pädagogische Arbeit relevant ist.
Als verwandte Begriffe zu Deutungsmuster sind Handlungsmuster, Orientierungsmuster, script, Alltagstheorien u.a. zu nennen.
Deutungsmuster im Allgemeinen meint die „Organisation der Wahrnehmung von sozialer und natürlicher Umwelt in der Lebenswelt des Alltags.“ (LÜDERS/ MEUSER zit. nach HITZLER/ HONER, 1997, 58) Im dem weniger umfassenden Sinn von SCHÜTZ, auf den das Konzept der Deutungsmuster zurückgeht, ist der Begriff der Typisierungen mit eingeschlossen. Er geht davon aus, dass sich der alltägliche Wissensvorrat aus Typisierungen von Erfahrungen und bewährten Problemlösungen zusammensetzt, die in der Erfahrung immer wieder aktualisiert werden. (vgl. SCHÜTZ, 2003, 49)
Deutungsschemata bilden Sinnzusammenhänge und Typen, die die Wahrnehmung strukturieren, wodurch nur diejenigen Deutungsmöglichkeiten aufgerufen werden, die in der jeweiligen Situation relevant sind. Diese Selektivität ist vor allem sozial bedingt, da sie durch soziales Lernen erworben und auf gesellschaftliche Handlungsprobleme bezogen sind. (vgl. SCHÜTZ, 2003, 347f.) Erlebnisse werden so immer im Rahmen bereits vorgeformter Sinnzusammenhänge wahrgenommen und gedeutet.
1. Lebenswelten: Theoretische Fundierung des Lebensweltbegriffs und Analyse der Lebenslagen marginalisierter Jugendlicher sowie deren Problematisierung in pädagogischen Institutionen.
2. Empirischer Teil Lebenswelten Jugendlicher aus Sicht von PädagogInnen: Darstellung der methodischen Konzeption, Datenerhebung sowie der zirkulären Datenauswertung durch Einzelinterviews und deren systematischer Vergleich.
3. Interpretation der Ergebnisse: Zusammenführende Analyse der gewonnenen Erkenntnisse hinsichtlich der Bedeutung der pädagogischen Sichtweise auf Lebenswelten und der Grenzen pädagogischer Einflussnahme.
4. Pädagogisch- professionelles Handeln in Form von Verstehen von Lebenswelt: Einordnung der Ergebnisse in eine Diskussion über professionelles Handeln durch ein reflektiertes Theorie-Praxis-Verhältnis.
Lebenswelt, Marginalisierung, pädagogisches Handeln, Deutungsmuster, Habitus, soziale Ungleichheit, Etikettierungsansatz, Problemzentriertes Interview, Sozialisation, Identitätsbildung, pädagogische Professionalität, Schulerziehung, soziale Schichtung, Lebenslage, Verständnis.
Die Diplomarbeit untersucht, wie PädagogInnen die Lebenswelten marginalisierter Jugendlicher wahrnehmen und welche Auswirkungen diese Sichtweise auf ihre professionelle pädagogische Arbeit hat.
Die Schwerpunkte liegen auf soziologischen Theorien zur Lebenswelt, der Lebenssituation marginalisierter Jugendlicher (einschließlich Armut und Migration) sowie der Reflexion pädagogischen Handelns in Bildungsinstitutionen.
Das Ziel ist es, den Einfluss von PädagogInnen-Sichtweisen auf die pädagogische Beziehung und Praxis zu beleuchten, insbesondere vor dem Hintergrund von Differenzen in Lebenswelt und Habitus zwischen PädagogInnen und Klientel.
Die Studie nutzt die qualitative Methodik, konkret das problemzentrierte Interview sowie die Auswertungsmethode des Zirkulären Dekonstruierens, angelehnt an die Grounded Theory.
Neben der theoretischen Herleitung werden die Ergebnisse der geführten Interviews detailliert dargestellt, kategorisiert und systematisch vergleichend analysiert.
Wichtige Begriffe sind Lebenswelt, Marginalisierung, Habitus, soziale Ungleichheit, pädagogisches Handeln, Identitätsbildung und pädagogische Professionalität.
Die Wahl fiel auf eine Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung, um eine spezifische Klientel zu untersuchen, bei der der professionelle Abstand zur Lebenswelt der Jugendlichen zur Verdeutlichung der Forschungsthematik besonders geeignet ist.
Die PädagogInnen nutzen das Wissen primär dazu, um die Klientel "dort abzuholen, wo sie stehen". Dabei zeigt sich oft eine Ambivalenz zwischen dem Versuch empathischen Verstehens und der (oft stratifikatorisch geprägten) normativen Bewertung der Schüler-Lebenswelt als "defizitär".
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