Magisterarbeit, 2006
127 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Theoretische Konzeption des Finanzmarktkapitalismus
2.1 Begriffsdefinition
2.1.1 Die Verkehrung der originären industriellen Wirtschaftslogik
2.1.2 Wandel unternehmenspolitischer Handlungsparameter
2.2 Auswirkungen auf das arbeitspolitische Feld
3. Mittel der Shareholder Value Orientierung
3.1 Der „deutsche Sonderfall“
3.1.1 Merkmale der Deutschland AG
3.1.2 Der irreversible Zerfall der Deutschland AG und seine Folgen
3.2 „Usurpation“ durch die Shareholder?
4. Kapitalmarktbezogene Rationalisierungsmethoden in der Automobilindustrie
4.1 Positionsbestimmung: Die Lage auf dem Automobilmarkt
4.1.1 Produktion, Absatz, Umsatz
4.1.2 Beschäftigtenentwicklung
4.2 Produzieren unter globalisierten Bedingungen
4.3 Dimensionen der Unternehmensrestrukturierung
4.3.1 Vermarktlichung- Wandlung der Unternehmenskoordination
4.3.2 Abflachung der Unternehmenshierarchie
4.3.3 Integrationsbedarf für neue Aufgaben am „shop floor“
4.4 Beschäftigtenstruktur zwischen Konstanz und Wandel
4.4.1 Entgrenzung der Arbeit
4.4.2 Systematischer Raubbau an der Innovationskraft?
5. Explikation der Fallbeispiele Opel und Volkswagen
5.1 Methode
5.1.1 Gründe für die Auswahl der Fallbeispiele
5.1.2 Forschungsmaterial
5.1.3 Untersuchungsdaten
5.1.4 Untersuchungszeitraum
5.2 Die Adam Opel GmbH
5.2.1 Konzernentwicklung
5.2.1.1 Restrukturierungskonzepte
5.2.1.2 Standardisierung der Produktion und deren Auswirkungen auf die Beschäftigtenentwicklung
5.2.2 Analyse der Daten
5.2.2.1 Überprüfung der vier Shareholder Value-Indikatoren
5.2.2.2 Auswertung
5.3 Volkswagen
5.3.1 Unternehmensentwicklung
5.3.1.1 Arbeitsbeziehungen unter globalisierten Bedingungen
5.3.1.2 Kostendruck und Beschäftigtenentwicklung
5.3.3 Analyse der Daten
5.3.3.1 Überprüfung der vier Shareholder Value- Indikatoren
5.3.3.2 Auswertung
5.4 Evaluierung der Fallbeispiele
6. Diskussion zur Moral einer Wirtschaftsweise unter finanzmarktbestimmten Bedingungen
Die Arbeit untersucht den Kausalzusammenhang zwischen der zunehmenden Orientierung an Shareholder-Value-Strategien im Finanzmarktkapitalismus und der Beschäftigtenentwicklung in großen Automobilkonzernen. Ziel ist es, die unternehmerischen Handlungsspielräume und deren Konsequenzen für die Arbeitnehmer an den Standorten der Automobilhersteller Opel und Volkswagen zu analysieren.
3.1.1 Merkmale der Deutschland AG
Der Begriff Deutschland AG umschreibt die Verflechtung zwischen deutschen Großunternehmen, die einerseits der Kapitalbeschaffung diente, andererseits der Kontrolle und Mitbestimmung durch die Kapitalgeber, „wobei den Unternehmensmanagern im Dichtezentrum dieses Verflechtungsnetzwerkes […] Steuerungspotentiale zugeschrieben werden, die über die eigenen Unternehmens- bzw. Konzerngrenzen hinausreichen“ (Beyer 2002).
Schon während der Zeit der Industrialisierung hatte sich in Deutschland ein Kapitalbeschaffungsproblem der Industrie bemerkbar gemacht. Dieses fand seine Lösung in der Gründung der Deutschen Bank und einiger Privatbanken (Dresdner Bank, Commerzbank) Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts. So konnte sich die Kreditfinanzierung in Deutschland weitestgehend etablieren, deren Vergabe-Risiken für die Banken wiederum durch staatliche Regulationen und den engen personellen Vernetzungsgrad, d.h. durch Aufsichtsratsmandate der Banken für die Unternehmen, minimiert wurden. Zwar existierte auch in Deutschland ein Markt für Wertpapiere, doch die Banken hielten die großen Aktienpakete und profitierten ihrerseits von den Renditen (Streeck/ Höpner 2003, S.23).
Der Vorteil für die Banken gegenüber ausländischen Konkurrenten lag zweifelsohne im Informationsvorsprung, der sich aus den engen Beziehungen zu den einzelnen Firmen ergab (Aufsichtsratsmandate). Dieser konnte auch zur Entschärfung des Wettbewerbes deutscher Firmen genutzt werden, m.a.W. das Kreditsicherungsinteresse der Banken und die intimen Beziehungen zu sehr vielen Konzernen gipfelte in der „strategische[n] Orientierung zu Gunsten der ‚Koordinierung’ bzw. ‚Regulierung’ von Konkurrenzverhältnissen zwischen Industrieunternehmen“ (Beyer 2002). Dementsprechend gewannen sie in doppelter Weise: durch die Einnahmen aus dem Kreditgeschäft und über die relativ sichere Aktionärsrendite.
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die ambivalente Situation der deutschen Wirtschaft zwischen Rekordgewinnen und massivem Stellenabbau und stellt die Forschungsfrage nach der negativen Korrelation zwischen Gewinn- und Beschäftigtenentwicklung.
2. Theoretische Konzeption des Finanzmarktkapitalismus: Es wird der Wandel zu einem finanzdominierten Produktionsregime analysiert, das durch den Fokus auf Shareholder Value und eine veränderte Eigentümerstruktur gekennzeichnet ist.
3. Mittel der Shareholder Value Orientierung: Dieses Kapitel erläutert den Zerfall der „Deutschland AG“ und die zunehmende Ausrichtung an internationalen Kapitalmarktlogiken.
4. Kapitalmarktbezogene Rationalisierungsmethoden in der Automobilindustrie: Untersuchung der verschiedenen Strategien der Unternehmensrestrukturierung, wie etwa die „schlanke Produktion“ und die Auswirkungen auf die Arbeitsorganisation.
5. Explikation der Fallbeispiele Opel und Volkswagen: Empirischer Vergleich der beiden Automobilhersteller hinsichtlich ihrer spezifischen Reaktionen auf globale Marktdruckverhältnisse und deren Auswirkungen auf die Belegschaft.
6. Diskussion zur Moral einer Wirtschaftsweise unter finanzmarktbestimmten Bedingungen: Abschließende ethische Betrachtung, inwiefern die gewinnmaximierende Wirtschaftsweise soziale Verantwortung in der Gesellschaft vernachlässigt.
Finanzmarktkapitalismus, Shareholder Value, Automobilindustrie, Beschäftigtenentwicklung, Unternehmensrestrukturierung, Globalisierung, Deutschland AG, Kapitalrendite, Betriebsräte, Arbeitsorganisation, Lean Production, Fallbeispiele, Opel, Volkswagen, Kapitalakkumulation.
Die Arbeit analysiert den Einfluss der Shareholder-Value-Orientierung auf die Beschäftigtenentwicklung in deutschen Industriekonzernen, insbesondere in der Automobilbranche.
Die Themen umfassen den Wandel der Kapitalmarktfinanzierung, Rationalisierungsmethoden unter dem Druck des Finanzmarktes und die Auswirkungen auf die industriellen Beziehungen sowie die Arbeitsbedingungen.
Das Hauptziel ist es zu prüfen, ob ein verallgemeinerbarer negativer Kausalzusammenhang zwischen der Gewinnentwicklung global agierender Konzerne und der Beschäftigtenentwicklung an deutschen Standorten besteht.
Es wird eine qualitative Analyse durchgeführt, die durch den empirischen Vergleich der Fallbeispiele Opel und Volkswagen unter Verwendung von Geschäftsberichten, Industriedaten und Experteninterviews mit Betriebsräten gestützt wird.
Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Fundierung des Finanzmarktkapitalismus, der Analyse der Automobilindustrie sowie der detaillierten Untersuchung der Strategien und Folgen bei Opel und Volkswagen.
Zentrale Begriffe sind Finanzmarktkapitalismus, Shareholder Value, Unternehmensrestrukturierung, Beschäftigtenentwicklung und industrielle Beziehungen.
Volkswagen agiert aufgrund seiner Eigentümerstruktur und Historie aus einer stärkeren Position, während Opel als Tochterkonzern von General Motors stärker zentralistischen Vorgaben aus Detroit unterworfen ist, was die Handlungsspielräume lokal einschränkt.
Der Begriff hinterfragt die Machtverschiebung zugunsten der Shareholder, bei der die Interessen der Kapitaleigner zunehmend die unternehmerischen Entscheidungen und das Managementverhalten dominieren.
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