Magisterarbeit, 2005
80 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
1.1. Definition der verwendeten Begriffe
1.2. Einleitende Gedanken zu Träumen in epischen Texte
1.3. Vorgehensweise
2. Klassifizierung der Träume
2.1. Der Traum teilt dem Publikum Wissen mit
2.1.1. Ignoranz gegenüber dem Traum
Wolfram von Eschenbach: Parzival
Der Traum Parzivals
Fazit
2.2. Der Traum teilt der Figur Wissen mit
2.2.1. Der Traum als auslösendes Moment
Moriz von Craûn
Fazit
2.2.2. Der Traum als Aufklärer
Gottfried von Straßburg
Der Traum Marjodos
Fazit
2.3. Der Traum teilt Publikum und Figur gleichzeitig Wissen mit
2.3.1. Sowohl Reaktion als auch Ignoranz
Wernher der Gartenære: Helmbrecht
Erster Traum
Zweiter Traum
Dritter Traum
Vierter Traum
Fazit
2.3.2. Ängstigung und Handlung
Nibelungenlied
Erster Traum (Falkentraum)
Zweiter Traum
Dritter Traum
Fazit
2.3.3. Verstehendes Ignorieren
Der Traum der Herzeloyde
Fazit
2.3.4. Glückverheißende Träume
Wiener Genesis
Erster Traum Josephs
Zweiter Traum Josephs
Der Traum des Mundschenken
Fazit
3. Zusammenfassung
3.1. Forschungsausblick
Die vorliegende Magisterarbeit analysiert die narrativen Funktionen und die Darstellung von fiktiven Träumen in ausgewählten Werken der höfischen Epik des Hochmittelalters. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die träumenden Akteure auf ihre nächtlichen Botschaften reagieren und inwiefern diese Reaktionen den Handlungsverlauf beeinflussen oder spiegeln.
Der Traum Parzivals
Als erstes soll hier der Traum des Helden Parzival (245,1-245,18) untersucht werden. Dieser Traum befindet sich im fünften der insgesamt sechzehn Bücher des „Parzival“, das den ersten Besuch des Helden in der Gralsburg und seine versäumte Frage an Anfortas und den Rest der Gralsgemeinschaft behandelt. Wie bereits oben angemerkt, ließ sich keine ausführliche Interpretation dieses Traumes finden. Die Forscher scheinen in der Traumbotschaft Parzivals keine große interpretatorische Herausforderung zu sehen. Daß sie tatsächlich vergleichsweise schnell gedeutet ist, wird sich gleich zeigen.
Parzival träumt:
sus wart gesteppet im sîn troum
mit swertslegen umbe den soum,
dervor mit maneger tjoste rîch (245,9-11).
Und diese Kämpfe sind keine leichten, denn er leit in slâfe etslîche nôt (245,13), sodaß
er [möhte] drîzecstunt sîn tôt,
daz hete er wachende ê gedolt:
sus teilte im ungemach den solt (245,14-16).
Parzival sieht also in seinem Traum keine Folge von Bildern, sondern nur ein Bild: arabeskenhaft umsäumte schwierige Schwertkämpfe.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Traumforschung und Definition der Zielsetzung, Träume als narratives Mittel der Vorausdeutung in der höfischen Epik zu untersuchen.
2. Klassifizierung der Träume: Systematische Einteilung der Träume nach ihrer Wissensvermittlung (an Publikum, Figur oder beide) und Analyse spezifischer Textbeispiele.
3. Zusammenfassung: Resümee der wichtigsten Erkenntnisse über die narrative Rolle von Träumen als atmosphärisches Gestaltungsmittel oder handlungsauslösender Wendepunkt.
Höfische Epik, Hochmittelalter, Traumforschung, Narrative Funktion, Vorausdeutung, Figurenanalyse, Parzival, Tristan, Nibelungenlied, Helmbrecht, Wissensvermittlung, Allegorie, Traumdeutung, Literaturwissenschaft, Epische Dichtung.
Die Arbeit untersucht die Funktion, Bedeutung und Rezeption von Träumen in epischen Texten des deutschen Hochmittelalters.
Im Zentrum stehen die Konzepte der Vorausdeutung, die Wissensverteilung zwischen Erzähler, Figur und Publikum sowie die psychologische Reaktion der Akteure auf Traumbilder.
Die Untersuchung fragt, wie literarische Figuren auf ihre Träume reagieren und ob diese Träume als notwendiger Impuls für den Fortgang der Handlung dienen.
Es wird ein textanalytischer Ansatz gewählt, der einen spezifischen Fragenkatalog auf vierzehn ausgewählte Träume anwendet, um Typologien der Traumdarstellung zu entwickeln.
Der Hauptteil klassifiziert Träume in drei Gruppen: solche, die nur dem Publikum, solche, die nur der Figur und solche, die beiden Parteien Wissen vermitteln.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Traumfunktion, epische Vorausdeutung, höfische Epik, Figurenanalyse und narrative Allegorie.
Die Reaktion der Figur bestimmt, ob ein Traum lediglich atmosphärisch bleibt oder eine Zäsur markiert, die die weitere Erzählung maßgeblich verändert.
Im Gegensatz zu den meist unheilverkündenden Träumen der höfischen Epen bietet die "Wiener Genesis" glückverheißende Träume, die eine Vorrangstellung Josephs vor seiner Familie legitimieren.
Hier zeigt sich ein Kontrast zwischen Vater und Sohn: Der Vater deutet die Warnträume korrekt, während der Sohn sie ignoriert, was die Unabwendbarkeit seines Scheiterns unterstreicht.
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