Diplomarbeit, 2001
122 Seiten, Note: 1.7
1 Einleitung
2 Der Konflikt im Überblick
2.1 Die Positionen der Akteure
2.1.1 Vorüberlegungen zu den Konfliktlinien
2.1.2 Die Positionen und Argumente der Akteure
2.2 Überblick über die Regulierungsverfahren
2.3 Konkurrierende Erklärungsmodelle
3 Theoretischer Rahmen
3.1 Risiko und Risikoperzeption
3.2 Risiko und Ideen: Die reflexive Risikotheorie
3.2.1 Die Risikoperzeption im reflexiven Ansatz
3.2.2 Die Risikopolitik im reflexiven Ansatz
3.3 Zusammenfassung und Präzisierung der Hypothese
4 Operationalisierung
4.1 Zur Rekonstruktion der Verbraucherschutzparadigmen
4.2 Methodik: Zur Analyse der Risikodiskurse
5 Empirische Analyse
5.1 Risikoperzeption in der EU und den USA
5.1.1 Die grundlegenden Unterschiede im Überblick
5.1.2 Risikoperzeptionen in der EU: „Discourse of Natural Perfection“
5.1.2.1 Die Risikoperzeption in der EU im Hormonfleisch-Fall
5.1.2.2 Die Risikoperzeption in der EU im GMO-Fall
5.1.2.3 Die Risikoperzeption in der EU im Rohmilchkäse-Fall
5.1.3 Risikoperzeptionen in den USA: „Discourse of Deficiency“
5.1.3.1 Die Risikoperzeption in den USA im Hormonfleisch-Fall
5.1.3.2 Die Risikoperzeption in den USA im GMO-Fall
5.1.3.3 Die Risikoperzeption in den USA im Rohmilchkäse-Fall
5.2 Risikopolitik-Prinzipien in der EU und den USA
5.2.1 Die grundlegenden Unterschiede im Überblick
5.2.2 Die Risikopolitik-Prinzipien in der EU: Politisierung als Prinzip
5.2.3 Die Risikopolitik-Prinzipien in den USA: „Sound Science“
6 Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen des seit fast zwei Jahrzehnten andauernden transatlantischen Konflikts im Bereich des Verbraucherschutzes, insbesondere am Beispiel von hormonbehandeltem Fleisch, genmanipulierten Organismen (GMOs) und Rohmilchkäse. Das primäre Ziel ist es, mithilfe einer konstruktivistischen, reflexiven Risikotheorie zu erklären, warum EU und USA grundlegend unterschiedliche Risikoperzeptionen und Risikopolitik-Prinzipien verfolgen, anstatt rein ökonomische Interessen als alleinige Konfliktursache anzunehmen.
Die Positionen und Argumente der Akteure
Zunächst zum ersten Konfliktthema und der Frage, unter welchen Umständen eine Vorsorgepolitik legitim ist. Wie im vorigen Kapitel angedeutet, trifft die amerikanische Kritik die europäische Vorsorgepolitik nicht im generellen, sondern bezüglich der Anlässe für diese Vorsicht. Die Bedenken der EU gegenüber GMOs und hormonbehandeltem Fleisch seien durch keinerlei tatsächlich bestehenden Risiken gerechtfertigt. Die Forderung der EU, erst alle Risiken auszuschließen, bevor die Technologien angewendet und dem Verbraucher zugemutet werden könnten, sei unsinnig, da alle neuen Technologien Unabwägbarkeiten und Risiken enthielten und die Konsequenz des Null-Risiko-Ansatzes der EU der Verzicht auf jeglichen Fortschritt sei. Von Seiten der USA wird argumentiert, dass die von der EU angeführten Bedenken in Wirklichkeit Scheinargumente seien und vor allem ökonomische Interessen verbürgen. Da GMOs und hormonbehandeltes Fleisch in ihrer Substanz den konventionellen Sorten entsprächen und so auch keine erhöhten Risiken für den Verbraucher enthielten, sollten die Produkte entsprechend gleich behandelt werden. Diese Gleichbehandlung schließe eine Kennzeichnung von GMOs und hormonbehandeltem Fleisch aus – dies käme einer ungerechtfertigten Diskriminierung gleich.
1 Einleitung: Die Arbeit führt in den transatlantischen Verbraucherschutzkonflikt ein, skizziert dessen Bedeutung und formuliert die forschungsleitende Hypothese, die den Konflikt auf kognitive Risikoperzeptionen und unterschiedliche Politikprinzipien zurückführt.
2 Der Konflikt im Überblick: Dieses Kapitel beschreibt die Akteurspositionen und Regulierungsverfahren sowie die konkurrierenden Erklärungsmodelle des Protektionismus und des "technology race" als Ausgangspunkt der Analyse.
3 Theoretischer Rahmen: Es wird der reflexive Risikobegriff erarbeitet, der Risiko nicht als objektive Eigenschaft, sondern als Spiegel gesellschaftlicher Ideen definiert und als unabhängige Variable für die Untersuchung eingeführt.
4 Operationalisierung: Hier wird die Methodik der Inhaltsanalyse dargelegt, mit der die diskursiven "Codes" der Risikoperzeption und Risikopolitik für beide Akteure induktiv ermittelt werden sollen.
5 Empirische Analyse: Der Hauptteil analysiert detailliert die Diskurse zu Hormonfleisch, GMOs und Rohmilchkäse und belegt die unterschiedlichen Paradigmen der Natürlichkeit bzw. Effizienz.
6 Zusammenfassung: Die Ergebnisse werden synthetisiert, die "Unlösbarkeit" des Konflikts konstatiert und konkrete Handlungsoptionen ("Containment"-Strategien) für die Politikgestaltung diskutiert.
Transatlantischer Konflikt, Verbraucherschutz, Risikoperzeption, Risikopolitik, Vorsorgeprinzip, Sound Science, Gentechnologie, Hormone, Rohmilchkäse, Konstruktivismus, Politische Ökonomie, Internationale Beziehungen, Regulatorische Standards, Diskursanalyse, Ideenforschung.
Die Arbeit analysiert die Ursachen der langjährigen transatlantischen Handelskonflikte im Verbraucherschutzbereich, die sich nicht allein durch ökonomische Interessen erklären lassen, sondern durch unterschiedliche gesellschaftliche Sichtweisen auf Risiken und Regulierung.
Die zentralen Felder sind die Regulierung von hormonbehandeltem Fleisch, genmanipulierten Organismen (GMOs) und Rohmilchkäse im transatlantischen Vergleich.
Das Ziel ist der Nachweis, dass der Konflikt aus unterschiedlichen "Verbraucherschutzparadigmen" resultiert, die auf gegensätzlichen Ideen über Natur, Technik und die Rolle wissenschaftlicher Expertise basieren.
Es wird eine systematische Inhaltsanalyse von Regierungsdokumenten, Parlamentsdebatten und Stellungnahmen der Exekutiven durchgeführt, um die "hegemonialen" Konzepte der Risikoperzeption und Risikopolitik induktiv zu erschließen.
Der Hauptteil ("Empirische Analyse") untersucht detailliert, wie in der EU die "Natürlichkeit" als Ideal dient und eine Politisierung der Risikopolitik rechtfertigt, während in den USA die "technische Verbesserung" (Enhancement) dominiert und eine wissenschaftsbasierte "Sound Science"-Politik forciert.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Risikoperzeption, Vorsorgeprinzip, Sound Science, Konstruktivismus, diskursive Leitunterscheidungen und das Verhältnis von Politik und Wissenschaft.
In der EU wird Rohmilchkäse als Ausdruck kultureller Vielfalt und Tradition gesehen, wobei die mit ihm assoziierte "Natürlichkeit" als Garant für Sicherheit gilt, während technische Eingriffe wie Pasteurisierung als störende Manipulation des natürlichen Gleichgewichts wahrgenommen werden.
Während die EU Natürlichkeit als den risikoarmen Idealzustand definiert, betrachten die USA die Natur als unvollkommen ("Discourse of Natural Deficiency"), weshalb technische Eingriffe wie Genmanipulation als notwendige und positive "Enhancements" zur Qualitätssteigerung und Risikominderung angesehen werden.
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