Diplomarbeit, 2007
133 Seiten, Note: 1
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Adoleszenz – eine „stürmische“ Phase
2.1 Begriffsbestimmungen: Jugend – Adoleszenz – Pubertät
2.2 Biologische Veränderungen in der Pubertät
2.2.1 Wachstumsprozesse
2.2.2 Veränderungen der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale
2.2.3 Hormonelle Veränderungen
2.3 Kognitive Veränderungen
2.4 Entwicklungsaufgaben im Jugendalter
2.5 Sexualität und Liebesbeziehungen in der Adoleszenz
2.6 Selbstkonzept und Identität
2.7 Störungen in der Adoleszenz
2.7.1 Depressionen
2.7.2 Suizid bzw. Selbstmordgedanken
2.7.3 Essstörungen
2.8 Zwischenfazit
3 Selbstverletzendes Verhalten
3.1 Begriffliche Annäherungen – Selbstverletzung, Selbstschädigung, Autoaggression
3.2 Formen der Selbstverletzung
3.2.1 ‚Akzeptierte’ Formen der Selbstverletzung
3.2.2 Krankhafte Formen von Selbstverletzung
3.2.2.1 „Offene“ Selbstverletzung
3.2.2.2 Artifizielle Erkrankungen
3.2.2.2.1 Exkurs: Das Borderline-Syndrom
3.3 Prävalenz und Verbreitung von selbstverletzendem Verhalten
4 Theorien von selbstverletzendem Verhalten
4.1 Biologische Ursachen
4.2 Entwicklungspsychologische Ursachen
4.3 Lerntheoretische Erklärungsansätze
4.4 Psychoanalytische Theorien
5 Weibliches Körpererleben – warum sich adoleszente Mädchen selbst verletzen?
5.1 Konflikte in der Entwicklung des Mädchens beim Übergang zur Frau
5.1.1 Die Mutter-Tochter-Beziehung
5.1.2 Die Wichtigkeit von Mädchenfreundschaften
5.1.3 „Sauber und Diskret“ – Die Bedeutung der Menstruation
5.2 Ursachen die selbstverletzendes Verhalten auslösen können
5.2.1 Körperliche und seelische Misshandlungen
5.2.2 Sexueller Missbrauch
5.3 Welche Funktionen besitzt die Selbstverletzung?
5.3.1 Gefühle vor der Selbstverletzung
5.3.2 Gefühle während der Selbstverletzung
5.3.3 Gefühle nach der Selbstverletzung
5.3.4 Die „Abspaltung“ vom eigenen Körper
5.4 Der weibliche Körper als Austragungsort für Probleme
5.4.1 Sprachlos – der Körper als Ersatz
5.4.2 Selbstverletzendes Verhalten als eine Form des sozialen Widerstands
5.4.3 Essstörungen – Analog zur Selbstverletzung?
6 Mögliche Therapieformen
6.1.1 Körpertherapie
6.1.2 Selbstfürsorglicher Umgang mit dem Körper
6.1.3 Traumabearbeitung
7 Forschungsmethodik
7.1 Erkenntnisinteresse
7.2 Methodische Vorgehensweise
7.3 Beschreibung der Stichprobe und der Forschungsstrategie
8 Professionelle Erfahrungen von Personen die sich mit der Selbstverletzung beschäftigen
8.1 Meinungen von ExpertInnen über selbstverletzendes Verhalten
8.2 Erfahrungsberichte von Mädchen die sich selbst verletzen
8.3 Vorhandene Maßnahmen und Angebote der sozialpädagogischen Arbeit
8.4 Interpretation der Interviews
9 Fazit und pädagogische Handlungsperspektiven für die therapeutische Arbeit mit Mädchen, die sich selbst verletzen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Hintergründe für selbstverletzendes Verhalten bei weiblichen Jugendlichen zu erforschen, die psychischen und körperlichen Funktionen dieses Verhaltens zu analysieren und bestehende sozialpädagogische sowie therapeutische Interventionsmöglichkeiten zu beleuchten.
3.1 Begriffliche Annäherungen – Selbstverletzung, Selbstschädigung, Autoaggression
Selbstverletzendes Verhalten ist keineswegs nur eine Modeerscheinung. Es gibt mehrere historische Berichte von Selbstgeißelungen, hauptsächlich um sich von religiöser Schuld zu befreien. In der Mitte des 13. Jahrhunderts entstand in Italien eine Bruderschaft aus sich selbst verletzenden Geistlichen, sowie auch aus Männern und Frauen aus der breiten Bevölkerung. Diese Praktiken der Selbstverletzung verbreiteten sich bis nach Deutschland und die Niederlande (vgl. Levenkron 2006, S. 18). Männer schlugen ihren entblößten Oberkörper an öffentlichen Plätzen, meist vor Kirchen, zweimal täglich, bis dieser blutüberströmt war. Im Jahre 1417 wurde diese Selbstgeißler-Bewegung schließlich verboten und bekämpft. Durch Formen des extremen Fastens und anderer Selbstkasteiungen glaubten christliche Märtyrerinnen und Märtyrer, dass sie Gott näher kommen und eine höhere Form des Daseins erlangen würden (vgl. Eckhardt 1994, S. 14 ff.).
Der Sozialpsychologe Hans Dieter Mummendey (vgl. 2000, S. 53 ff.) versteht unter Selbstschädigungen hauptsächlich Verhaltensweisen, die gegen die eigene Person gerichtet sind. Er sieht den Begriff der Selbstschädigung unter verschiedenen Perspektiven. Einerseits muss analysiert werden, welchen Nutzen dieses Verhalten für einen selbst hat. Er spricht von einer „Nutzen-Kosten-Relation“. Auf der anderen Seite ist auch die „Zeitperspektive“ entscheidend, um ein Verhalten als selbstschädigend zu deklarieren. Es kommt hierbei immer darauf an, in welchem Zeitraum man dieses Verhalten betrachtet, denn auf der einen Seite kann es kurzfristig tatsächlich Vorteile verschaffen, mittelfristig bzw. langfristig jedoch schädigend sein. Weiters spricht Mummendey davon, dass die soziale Umwelt eines Menschen mitbestimmt, ob eine gewisse selbstschädigende Verhaltensweise als „normal“ bzw. „nicht normal“ eingestuft wird. Die Grenzen zwischen „normal“ und „krankhaft“ verlaufen für ihn fließend und es gibt in der Fachliteratur keine verbindliche Grenzziehung.
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Problemstellung und begründet die Relevanz des Themas durch die persönlichen Erfahrungen der Autorin im sozialpädagogischen Kontext.
2 Adoleszenz – eine „stürmische“ Phase: Dieses Kapitel definiert die Entwicklungsphase der Jugend und beschreibt die biologischen, kognitiven und psychologischen Veränderungen sowie die daraus resultierenden Störungen.
3 Selbstverletzendes Verhalten: Es erfolgt eine begriffliche Abgrenzung und eine differenzierte Darstellung verschiedener Formen der Selbstverletzung, inklusive eines Exkurses zum Borderline-Syndrom.
4 Theorien von selbstverletzendem Verhalten: Das Kapitel bietet einen Überblick über biologische, entwicklungspsychologische, lerntheoretische und psychoanalytische Erklärungsansätze für das Phänomen.
5 Weibliches Körpererleben – warum sich adoleszente Mädchen selbst verletzen?: Hier werden die spezifischen weiblichen Entwicklungskonflikte, der Einfluss der Mutter-Tochter-Beziehung und die Funktion des Körpers als Austragungsort von Problemen analysiert.
6 Mögliche Therapieformen: Das Kapitel behandelt therapeutische Ansätze wie Körpertherapie, Förderung der Selbstfürsorge und Methoden der Traumabearbeitung.
7 Forschungsmethodik: Die Autorin legt ihre qualitative Forschungsstrategie dar, einschließlich der Auswahl der Stichprobe und der Durchführung problemzentrierter Interviews.
8 Professionelle Erfahrungen von Personen die sich mit der Selbstverletzung beschäftigen: Die Ergebnisse der Experten- und Betroffeneninterviews werden präsentiert und interpretiert.
9 Fazit und pädagogische Handlungsperspektiven für die therapeutische Arbeit mit Mädchen, die sich selbst verletzen: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Erkenntnisse und leitet daraus konkrete pädagogische Anforderungen ab.
Selbstverletzendes Verhalten, Adoleszenz, Pubertät, Mädchen, Sozialpädagogik, Körperbild, Trauma, Borderline, Magersucht, Identität, Coping, Körpertherapie, Menstruation, Mutter-Tochter-Beziehung, Suizidalität.
Die Diplomarbeit untersucht die Ursachen, Funktionen und therapeutischen Handlungsweisen im Umgang mit selbstverletzendem Verhalten bei adoleszenten Mädchen.
Die zentralen Themen umfassen die Entwicklungspsychologie der Adoleszenz, das weibliche Körpererleben, verschiedene Erklärungsansätze für Selbstverletzung (biologisch, psychoanalytisch, lerntheoretisch) sowie die Praxis sozialpädagogischer Unterstützung.
Das Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die Beweggründe selbstverletzender Mädchen zu entwickeln, um daraus pädagogische Perspektiven für eine erfolgreichere therapeutische Unterstützung abzuleiten.
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf problemzentrierten Interviews mit Betreuerinnen, einer Psychotherapeutin und betroffenen Jugendlichen basiert.
Der Hauptteil analysiert theoretische Modelle, die Bedeutung von Kindheitstraumata, geschlechtsspezifische Sozialisationsbedingungen und die Rolle von Essstörungen als analoge Verhaltensweisen.
Schlüsselwörter wie Selbstverletzendes Verhalten, Körperbild, Adoleszenz, Trauma, Identitätskrise und Sozialpädagogik beschreiben den fachlichen Fokus der Arbeit.
Die Arbeit legt dar, dass eine gestörte oder symbiotische Mutter-Tochter-Beziehung die Identitätsfindung erschweren kann, was dazu führen kann, dass Mädchen Schwierigkeiten haben, ihren eigenen Körper als wertvoll und getrennt von der Mutter zu begreifen.
Viele betroffene Mädchen haben Schwierigkeiten, ihre inneren, oft traumatischen Belastungen verbal auszudrücken; die Verletzung des Körpers dient somit als visuelles und physisches Ventil, um Emotionen sichtbar zu machen.
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