Magisterarbeit, 2006
91 Seiten, Note: 2,1
1 Einleitung
2 Theoretische Vorbemerkung
3 Relationen von Rezeptionsprozessen
3.1 Die epochalen Besonderheiten von Exilliteratur
3.2 Die wechselseitige Verantwortung des Rezeptionsprozesses
4 Kritische Entstehungs- und Druckgeschichte der Romane
4.1 Das siebte Kreuz
4.1.1 Entstehung – Flucht vor den Nationalsozialisten
4.1.2 Druckgeschichte – vom Kriegskind zum Bestseller
4.2 Transit
4.2.1 Entstehung – Bleiben im dritten Raum
4.2.2 Druckgeschichte – als Fortsetzung missverstanden
4.3 Zusammenfassung – Rückschlüsse auf das Wirkungspotential
5 Rezeption bis zum Zusammenbruch des Deutschen Reichs 1945
5.1 Das siebte Kreuz
5.2 Transit
6 Probleme der Verbreitung von Exilliteratur nach 1945 in Deutschland
6.1 Überblick – Reduktion in Ost- und Westdeutschland
6.2 Die DDR zwischen Solidarität, Ästhetik und Ignoranz
6.3 BRD – Der Feind des kommunistischen Gedanken
6.3.1 Das siebte Kreuz
6.3.2 Transit
6.3.3 Zusammenfassung
7 Analyse zu Bibliotheksbeständen
8 Der Fall Walter Janka und dessen Auswirkung auf die Seghers - Rezeption
9 Präsenz der Romane in Lesebüchern Ost- und Westdeutschlandes
9.1 Analyse von Lesebüchern der sechziger Jahre
9.2 Antipathie seitens der Literaturdidaktik in den siebziger Jahren
9.3 Auffällige Starre der Präsenz in den achtziger und neunziger Jahren
9.4 Resümee
10 Rezeption nach 1968
10.1 Mainz und seine ungeliebte Tochter
11 Kreative Rezeption im Wiedervereinten Deutschland ab 1990
11.1 Schwerpunkt: Mythen, Märchen- und Sagenmotive
11.1.1 Religiös motivierte Elemente
11.1.2 Zwischenfazit
11.2 Schwerpunkt: Die Zentralmotive Imstichlassen versus Solidarität
11.2.1 Die dialektische Wechselwirkung von Zufall und Notwendigkeit
11.2.2 Warten auf das Bleiben – Identitätsfindung im Zwischenraum
11.3 Zu Anna Seghers´ hundertsten Geburtstag
11.4 Zwischenfazit
11.5 Kommentar zur Werkausgabe des Romans Das siebte Kreuz
11.6 Kommentar zur Werkausgabe von Transit 2001
12 Faktisches und Fiktionalisierung in Das siebte Kreuz am Beispiel Westhofen
13 Adaptionen der Romane
13.1 Das siebte Kreuz im Kino
13.2 Transit im Fernsehen
14.3 Das siebte Kreuz als Hörspiel
13.4 Das siebte Kreuz auf der Bühne
14 Zum Schluss – Die Frage nach der Aktualität
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die historische Rezeptionsgeschichte der Exilromane "Das siebte Kreuz" und "Transit" von Anna Seghers zu untersuchen und dabei die wechselseitige Verantwortung von Autor und Leser sowie die Rolle gesellschaftspolitischer Rahmenbedingungen im Nachkriegsdeutschland zu analysieren.
4.1.2 Druckgeschichte – vom Kriegskind zum Bestseller
Die Bemühungen einen Verleger für Das siebte Kreuz zu finden fallen in das erste Jahr des zweiten Weltkrieges. Dieser Zeit entsprechend stellt es sich als sehr schwierig heraus den Roman, der Anna Seghers sehr am Herzen liegt, veröffentlichen zu lassen. Fast fällt der Roman den Wirren des Krieges zum Opfer. Als Anna Seghers die Odyssee von Marseille nach Mexiko antritt hat sie kein Exemplar mehr im Gepäck. Die folgende Aufzählung der Stationen von Verlegern und Verlagsorten ist verschiedensten Quellen entnommen, die sich gegenseitig ergänzen. Widersprüchliche Aussagen sind nicht getroffen worden, also kann davon ausgegangen werden, dass die Rezeption mit den folgenden Stationen der Veröffentlichung beginnt.
Schon ein Jahr nach dem Beginn der Arbeit an dem Roman werden ab Juni 1939 erste Kapitel in der in Moskau erscheinenden Internationalen Literatur gedruckt. Zu diesem Zeitpunkt kann Anna Seghers nicht wissen, dass der Druck nach den ersten beiden Kapiteln eingestellt wird. Nach dem Abschluss des deutsch-sowjetischen Nichtangriffpaktes erwartet sie keine weitere Veröffentlichung in der Sowjetunion. Die politischen Umstände, dass Polen von Deutschland erobert ist, Hitler durch Verträge mit Stalin absichert keinen Angriff über die Ostfront befürchten zu muss und der Kriegsausbruch an der deutschen Westfront bevor steht, macht eine Veröffentlichung in Europa erst einmal unwahrscheinlich bis unmöglich. Umso dringlicher wendet sich Anna Seghers an ihre Freunde in New York, dort einen Übersetzer und Verleger für sie zu finden.
1941 erscheint eine russische Übersetzung in der Zeitschrift Oktjabr, die den Roman bis zum vierten Kapitel, Abschnitt V wiedergibt. Die Erfolgsgeschichte der Rezeption des Romans Das siebte Kreuz beginnt aber mit dessen Vermarktung im amerikanischen Buchgeschäft. 1942 erscheint die Erstausgabe im Bostoner Verlag Little Brown & Company, es verkaufen sich innerhalb von vier Wochen ca. 340.000 Exemplare, und auf Empfehlung von Erich Maria Remarque wird das Buch noch im selben Jahr in dem 300.000 Mitglieder zählenden Book-of-the-Month-Club als Buch des Monats herausgebracht.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle des Lesers bei der Bedeutungskonstitution von Texten und definiert das Ziel der Arbeit, die Rezeptionsgeschichte von "Das siebte Kreuz" und "Transit" zu analysieren.
2 Theoretische Vorbemerkung: Dieses Kapitel erörtert die Schwierigkeiten bei der Bestimmung des Rezeptionsbegriffs und führt in die Grundlagen der Rezeptionsforschung ein, wobei die Bedeutung des Erwartungshorizonts hervorgehoben wird.
3 Relationen von Rezeptionsprozessen: Es werden die epochenspezifischen Faktoren der Exilliteratur und die wechselseitige Verantwortung im Rezeptionsprozess diskutiert, die bestimmen, wie ein Werk vom Leser aufgenommen wird.
4 Kritische Entstehungs- und Druckgeschichte der Romane: Dieses Kapitel beschreibt die komplexen Umstände der Entstehung und Erstveröffentlichung beider Romane vor dem Hintergrund des Exils und der Kriegsereignisse.
5 Rezeption bis zum Zusammenbruch des Deutschen Reichs 1945: Hier wird die Rezeption der Werke im Ausland während der NS-Zeit sowie die unterschiedliche Aufnahme der beiden Romane in den USA analysiert.
6 Probleme der Verbreitung von Exilliteratur nach 1945 in Deutschland: Das Kapitel analysiert die politische Instrumentalisierung der Exilliteratur in Ost- und Westdeutschland und die daraus resultierenden Unterschiede in der Aufnahme der Werke.
7 Analyse zu Bibliotheksbeständen: Hier wird untersucht, wie Bibliotheks-Referenten die Werke von Anna Seghers in den Regalen platzierten, wobei der Fokus stärker auf der literarischen Qualität als auf politischer Denunziation lag.
8 Der Fall Walter Janka und dessen Auswirkung auf die Seghers - Rezeption: Das Kapitel beleuchtet den Einfluss des Schauprozesses gegen den Verleger Walter Janka auf die öffentliche Wahrnehmung von Anna Seghers.
9 Präsenz der Romane in Lesebüchern Ost- und Westdeutschlandes: Es wird analysiert, wie die Romane in Schulbüchern vertreten waren und welche didaktischen Strategien dabei zur Anwendung kamen.
10 Rezeption nach 1968: Dieses Kapitel beschreibt den Wandel in der politischen und kulturellen Situation nach 1968 und dessen Auswirkungen auf das Interesse an Anna Seghers' Werk.
11 Kreative Rezeption im Wiedervereinten Deutschland ab 1990: Hier werden die neuen Schwerpunkte in der Rezeption, wie mythische Motive und Identitätsfragen, nach der Wiedervereinigung untersucht.
12 Faktisches und Fiktionalisierung in Das siebte Kreuz am Beispiel Westhofen: Das Kapitel setzt sich mit der Frage auseinander, inwieweit das fiktive Lager Westhofen auf realen Orten und Geschehnissen basiert.
13 Adaptionen der Romane: Es werden verschiedene Adaptionen in Kino, Fernsehen, Hörspiel und auf der Bühne betrachtet.
14 Zum Schluss – Die Frage nach der Aktualität: Das abschließende Kapitel reflektiert die bleibende Bedeutung von Anna Seghers' Werk und die Möglichkeiten, ihre Texte einer neuen Generation zu vermitteln.
15 Bibliographie: Ein umfassendes Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen sowie Zeitungsartikel.
Anna Seghers, Das siebte Kreuz, Transit, Rezeptionsgeschichte, Exilliteratur, DDR, BRD, Walter Janka, literarische Qualität, Antifaschismus, Lesebücher, Mythos, Solidarität, Literaturdidaktik, Identitätsfindung.
Die Arbeit untersucht die historische Rezeptionsgeschichte der beiden Exilromane "Das siebte Kreuz" und "Transit" von Anna Seghers in Deutschland über verschiedene Epochen hinweg.
Im Zentrum stehen der Einfluss politischer Systeme auf die literarische Wahrnehmung, die Rezeption im Schulunterricht sowie die mythischen und strukturellen Qualitäten der Romane.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Rezeption der Werke Anna Seghers' in Ost- und Westdeutschland aufgrund ideologischer Unterschiede historisch entwickelte und veränderte.
Die Arbeit stützt sich auf eine rezeptionsgeschichtliche Untersuchung, die quantitative und qualitative Daten wie Auflagenzahlen, Literaturkritiken und Lehrpläne auswertet.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Entstehungsgeschichte, den politischen Problemen der Verbreitung nach 1945, dem Einfluss des Falls Walter Janka und verschiedenen medialen Adaptionen.
Wichtige Begriffe sind Rezeptionsästhetik, Exilliteratur, politische Instrumentalisierung, Identitätsfindung und die ästhetische Qualität der Seghers'schen Prosa.
Der Fall Janka führte zu einer anhaltenden kritischen Debatte, da Seghers' Zurückhaltung während des Schauprozesses oft gegen ihre politische Integrität als Schriftstellerin ausgelegt wurde.
Während "Das siebte Kreuz" als Fluchtgeschichte und Antifaschismus-Roman eine breitere, wenn auch oft ideologisch gefärbte Anerkennung fand, galt "Transit" aufgrund seiner komplexen Struktur und der diffusen Identität des Protagonisten lange als enttäuschend.
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