Diplomarbeit, 2005
69 Seiten, Note: 2,1
1 Einführung
2 Der deutsche Bankenmarkt – eine Charakteristik
2.1 Das Dreisäulensystem des deutschen Bankenmarktes
2.2 Historie und Besonderheit des deutschen Sparkassenwesens
2.2.1 Entstehung des Sparkassenwesens in Deutschland
2.2.2 Regionalprinzip und öffentlicher Auftrag
2.3 Darstellung von Anstaltslast und Gewährträgerhaftung im Sparkassensektor bis 18. Juli 2005
2.4 Brüsseler Konsens – die Modifizierung von Anstaltslast und der Wegfall der Gewährträgerhaftung im Sparkassensektor ab dem 19. Juli 2005
2.5 Ursachen der Strukturprobleme im deutschen Bankenmarkt
2.5.1 Die Rolle des Internationalen Währungsfonds für den deutschen Bankenmarkt
2.5.2 Privatbanken – Ertragsdruck als Nebeneffekt von Strukturproblemen im deutschen Bankenmarkt
2.5.3 Genossenschaftsbanken als Konkurrenz zu den Sparkassen
3 Konsolidierungen im europäischen Bankensektor
3.1 Privatisierung von Sparkassen im italienischen Bankensektor
3.2 Eingliederung von Sparkassen in den Genossenschaftsbereich des französischen Bankensektors
3.3 Bankensektor in Großbritannien – hohe Rentabilität und Effizienz der Kreditinstitute
3.4 Konsolidierung des spanischen Bankensektors – Beständigkeit der Sparkassen
4 Die Bedeutung der Sparkassen-Finanzgruppe für die Sparkassen und für die Bundesrepublik Deutschland
5 Gedanken zur zukünftigen Umgestaltung des Bankensystems in Deutschland
5.1 Implizite Staatshaftung im deutschen Sparkassensektor – Privatbanken in Deutschland „Too big to fail“
5.1.1 Implizite Staatshaftung bei den Landesbanken
5.1.2 „Too big to fail” Status im Privatbanksektor
5.2 Ertragslage des deutschen Bankenmarktes und Möglichkeiten zur Ertragssteigerung im Sparkassensektor
5.3 Säulenübergreifende Konsolidierung als Lösung
5.4 Umwandlung von Sparkassen in Genossenschaftsbanken – die Umsetzung des französischen Modells für den deutschen Bankenmarkt
5.5 Sachsen-Finanzgruppe – strukturelle Veränderungen im Sparkassensektor
5.6 Wandel von der Universalbank zur Vertriebssparkasse
6 Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit analysiert den Strukturwandel im deutschen Bankenmarkt unter besonderer Berücksichtigung der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute. Ziel ist es, die Auswirkungen der geänderten Rahmenbedingungen, insbesondere des Wegfalls der Gewährträgerhaftung, auf die strategische Marktposition von Sparkassen und Landesbanken zu untersuchen und Lösungsansätze für eine zukunftsfähige Umgestaltung des Systems aufzuzeigen.
3.1 Privatisierung von Sparkassen im italienischen Bankensektor
Der Strukturwandel im italienischen Bankensystem begann bereits Anfang der neunziger Jahre. Bis dahin hatten die staatlichen Banken mit einem Anteil von über 60 Prozent (1992) an der Bankaktiva eine große Bedeutung. Durch gesetzliche Barrieren bezüglich Kundenstruktur, Größe und Region wurde der Wettbewerb zwischen den heimischen Banken eingeschränkt. Somit konnten die Institute nicht die gesamte Breite des Marktes abdecken, sondern waren durch das Regionalprinzip an ihr zulässiges Geschäftsgebiet gebunden. Mit Bedacht auf die geringe Effizienz und Wirtschaftlichkeit wurde befürchtet, dass sich die italienischen Banken im europäischen Wettbewerb nicht behaupten können. Daraufhin wurde 1990 das Amato-Gesetz verabschiedet und somit der Reformprozess begonnen. Dieses Gesetz verlangte von den Sparkassen eine strikte Trennung von gemeinwohlorientierten Aufgaben und konventionellen Bankgeschäften. Die Umsetzung erfolgte durch die Umwandlung der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute in Aktiengesellschaften. Deren zukünftige Aufgabe war es, die üblichen Bankgeschäfte zu betreiben. Die öffentlichen und sozialen Aufgaben übertrugen die Sparkassen an die neu gegründeten Stiftungen des privaten Rechts. Das Eigentum an den Aktiengesellschaften wurde zu 100 Prozent an die Stiftungen übertragen. Da der Staat Eigentümer der Stiftungen war, blieb er auch automatisch Eigentümer der Aktiengesellschaft, die für das Bankgeschäft zuständig war. Somit fand lediglich eine formale und keine materielle Privatisierung statt. Bei dieser hätte die Unternehmenskontrolle auf marktwirtschaftlich orientierte Eigner übertragen werden müssen. Die Folge war, dass keine positiven Tendenzen im Hinblick auf Effizienz und Wirtschaftlichkeit zu erkennen waren.
Erst 1998 wurde mit der Verabschiedung des Ciampi-Gesetzes eine Verbesserung der Effizienz erreicht. Dieses Gesetz sah vor, dass Stiftungen ihren Anteil an der Aktiengesellschaft auf unter 50 Prozent senken mussten, um eine materielle Privatisierung zu erreichen. Gleichzeitig wurde den Stiftungen verboten, neue Anteile an Banken zu erwerben und die Auflage erteilt, nur noch im soziokulturellen Bereich tätig zu sein. Wie die nachfolgende Grafik verdeutlicht, hat sich das Ciampi-Gesetz positiv auf die Verzinsung des Eigenkapitals (Eigenkapitalrendite) und auf das Aufwand-Ertrags-Relation (Cost-Income-Ratio) italienischer Banken ausgewirkt.
1 Einführung: Diese Einleitung stellt die aktuelle Dynamik und die Umstrukturierungsprozesse im deutschen Bankenmarkt dar und umreißt das Ziel der Arbeit.
2 Der deutsche Bankenmarkt – eine Charakteristik: Dieses Kapitel erläutert das Dreisäulensystem, die Historie des Sparkassenwesens und die regulatorischen Rahmenbedingungen vor und nach dem Brüsseler Konsens.
3 Konsolidierungen im europäischen Bankensektor: Eine vergleichende Analyse der Bankenlandschaften in Italien, Frankreich, Großbritannien und Spanien dient als Grundlage für die Identifikation von Lösungsansätzen für den deutschen Markt.
4 Die Bedeutung der Sparkassen-Finanzgruppe für die Sparkassen und für die Bundesrepublik Deutschland: Hier wird der Aufbau, die wirtschaftliche Rolle und die strategische Bedeutung des Verbundes beleuchtet.
5 Gedanken zur zukünftigen Umgestaltung des Bankensystems in Deutschland: Dieser Teil analysiert die implizite Staatshaftung, Ertragsstrategien und Konzepte wie die säulenübergreifende Konsolidierung.
6 Zusammenfassung: Abschließende Betrachtung der Ergebnisse zur Notwendigkeit der Konsolidierung und der Wettbewerbsfähigkeit des Sparkassensektors.
Bankenmarkt, Sparkassen, Landesbanken, Konsolidierung, Gewährträgerhaftung, Anstaltslast, Dreisäulensystem, Brüsseler Konsens, Wettbewerbsfähigkeit, Strukturprobleme, Finanzdienstleistungen, Teilbetriebsergebnis, Retailbanking, Sachsen-Finanzgruppe, Bankenregulierung
Die Arbeit befasst sich mit dem Wandel des deutschen Bankenmarktes, speziell vor dem Hintergrund der wegfallenden staatlichen Haftungsgrundlagen für öffentlich-rechtliche Institute und der daraus resultierenden Notwendigkeit zur Konsolidierung.
Zentrale Themen sind das deutsche Dreisäulensystem, die Auswirkungen des Brüsseler Konsenses, Vergleiche mit europäischen Bankensystemen sowie die strategische Ausrichtung der Sparkassen-Finanzgruppe.
Ziel ist es, Strategien und Möglichkeiten für den deutschen Sparkassensektor aufzuzeigen, um sich nach dem Wegfall von Anstaltslast und Gewährträgerhaftung in einem wettbewerbsorientierten Umfeld erfolgreich zu behaupten.
Die Arbeit nutzt eine detaillierte Literatur- und Dokumentenanalyse sowie einen internationalen Vergleich von Bankensystemen, um Lösungsmodelle für den deutschen Bankensektor abzuleiten.
Der Hauptteil analysiert die Ursachen der Strukturprobleme im deutschen Bankenmarkt, wertet europäische Konsolidierungsbeispiele aus und diskutiert spezifische Reformkonzepte wie die säulenübergreifende Konsolidierung.
Die zentralen Begriffe sind Konsolidierung, Gewährträgerhaftung, Anstaltslast, Dreisäulensystem und Wettbewerbsfähigkeit.
Der Brüsseler Konsens markiert die regulatorische Wende, die den Wegfall der staatlichen Gewährträgerhaftung und die Modifizierung der Anstaltslast für Sparkassen und Landesbanken ab dem 19. Juli 2005 festlegte.
Der Status impliziert, dass bei großen Instituten im Falle einer Schieflage von einer staatlichen Rettung ausgegangen wird, um eine Kettenreaktion im Finanzsystem zu verhindern, was faktisch einer impliziten Staatsgarantie gleichkommt.
Die Sachsen-Finanzgruppe dient als Fallbeispiel für eine proaktive strukturelle Veränderung im öffentlich-rechtlichen Sektor, um durch Kompetenzzentren und engere Verbundarbeit wettbewerbsfähiger zu agieren.
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