Magisterarbeit, 2002
91 Seiten, Note: 2,3
Vorwort 4
ERSTES KAPITEL
Nietzsches Denkbewegungen – der Versuch einer Experimentalphilosophie 14
ZWEITES KAPITEL
Der Perspektivismus als Erkenntnisprinzip 23
DRITTES KAPITEL
Nietzsches Moralkritik
I. Die Perspektivierung der Moral 33
II. Was bedeutet Moral in Nietzsches Denken ? 43
III. Nietzsches Kritik der Moral 54
IV. Das Problem des Immoralismus 71
V. Die analytische und synthetische Aufgabe der Moralkritik 74
VIERTES KAPITEL
Der Wille zur Macht als Erklärungsprinzip 78
Schlussbetrachtung 87
Die vorliegende Arbeit untersucht Nietzsches Moralkritik unter Einbeziehung seiner zentralen erkenntnistheoretischen Säulen, insbesondere des Perspektivismus und der Experimentalphilosophie, um die Notwendigkeit einer werte-theoretischen Umkehrung aufzuzeigen. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, wie Nietzsche die Moral aus ihrer dogmatischen Herrschaft befreit und als lebensorientiertes Instrument sowie als Ausdruck des Willens zur Macht dekonstruiert.
Nietzsches Denkbewegungen – der Versuch einer Experimentalphilosophie
„In media vita. – Nein! Das Leben hat mich nicht enttäuscht! Von Jahr zu Jahr finde ich es vielmehr wahrer, begehrenswerther und geheimnissvoller, - von jenem Tage an, wo der grosse Befreier über mich kam, jener Gedanke, dass das Leben ein Experiment des Erkennenden sein dürfe – und nicht eine Pflicht, nicht ein Verhängnis, nicht eine Betrügerei![...] Das Leben ein Mittel der Erkenntnis [...]“
Dieser Aphorismus enthält drei wichtige Termini in Nietzsches Denken: nämlich (a) die Befreiung des Geistes, die durch die Erkenntnis geschürt wird, (b) dass das Leben als Experiment fungieren darf. Gleichzeitig eröffnet sich Nietzsche (c) die Möglichkeit das Leben als Mittel der Erkenntnis zu betrachten.
Der Begriff des Experiments findet sich häufig in Nietzsches späteren Schriften. In seiner Frühphase war er, beeinflusst von seinem „Lehrer“ Schopenhauer, ein Anhänger von Systemen. Schopenhauer richtete sein System in >Die Welt als Wille und Vorstellung< nach zwei Eckpfeilern, der Idealität der Welt und der Realität der Willensfreiheit aus. Der Wille als das Primäre (wie später bei Nietzsche) bedingt die Vorstellung und ordnet den Intellekt als Träger der Anschauung als Äußerung des Willens dem Willen unter.
ERSTES KAPITEL: Erläutert Nietzsches Übergang von Schopenhauers Systematik zu einer freien Experimentalphilosophie, die das Leben als Mittel der Erkenntnis begreift.
ZWEITES KAPITEL: Analysiert den Perspektivismus als Erkenntnisprinzip und zeigt, warum Nietzsche objektive Wahrheitsansprüche zugunsten interpretativer Lebens-Perspektiven ablehnt.
DRITTES KAPITEL: Untersucht Nietzsches Moralkritik, insbesondere die Perspektivierung der Moral, die Problematik des Immoralismus und die Unterscheidung von Herren- und Sklavenmoral.
VIERTES KAPITEL: Beleuchtet den Willen zur Macht als zentrales, irrationalistisches Erklärungsprinzip, auf das Nietzsche sämtliche menschliche Sinngebung und Handlungsweisen reduziert.
Friedrich Nietzsche, Moral, Moralkritik, Perspektivismus, Experimentalphilosophie, Wille zur Macht, Nihilismus, Sklavenmoral, Herrenmoral, Dekonstruktion, Interpretation, Wahrheit, Dasein, Lebensbejahung, Selbstüberwindung.
Die Arbeit analysiert kritisch das Verhältnis Nietzsches zur Moral und stellt seine methodische Herangehensweise dar, welche die Moral nicht als feststehende Wahrheit, sondern als zeitlich bedingtes Konstrukt entlarvt.
Die zentralen Felder sind die Erkenntnistheorie (Perspektivismus), die moralphilosophische Kritik (Genealogie der Moral) und die anthropologische Fundierung durch den Willen zur Macht.
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Nietzsche durch die „Umwertung der Werte“ die Moral als Instrument der Macht demaskiert und den Weg für eine neue, individualistische Ethik ebnet.
Die Arbeit nutzt einen hermeneutischen Ansatz, um Nietzsches Aphorismen und Schriften im Kontext seiner eigenen „Experimentalphilosophie“ zu deuten und systematisch zu ordnen.
Im Hauptteil werden Nietzsches Denkbewegungen, der Perspektivismus, die detaillierte Moralkritik sowie der Wille zur Macht als ontologisches und psychologisches Erklärungsmodell aufeinander aufbauend analysiert.
Zu den prägenden Begriffen gehören Perspektivismus, Wille zur Macht, Moral, Sklavenmoral, Herrenmoral, Nihilismus und Experimentalphilosophie.
Nietzsche lehnt Systeme ab, weil sie seiner Ansicht nach immer auf unbewiesenen Voraussetzungen basieren und die Komplexität des Lebens durch starre Dogmen reduzieren, statt sie durch „furchtlose Fragen“ zu ergründen.
Die Vornehmheit beschreibt bei Nietzsche die Fähigkeit eines Individuums, jenseits der „Sklavenmoral“ der Herde zu stehen, eigene Werte zu setzen und die Verantwortung für das eigene Dasein ohne fremde moralische Krücken zu tragen.
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