Diplomarbeit, 2003
108 Seiten, Note: 2,8
Einleitung
1. Soziale Netzwerke
1.1. Definition
1.2. Bedeutung und Formen sozialer Netzwerke
1.2.1. Partnerbeziehungen
1.2.2. Familie, Verwandtschaft
1.2.3. Freunde, Bekannte
1.2.4. Kollegen
1.3. Effektivität sozialer Unterstützung
1.4. Entstehung und Erhaltung sozialer Netzwerke- Austauschtheorie (nach Kelley, Blau, Thibaut)
1.4.1. Psychologischer Ansatz der Austauschtheorie
1.5. Eigenschaften sozialer Netzwerke
1.5.1. Strukturmerkmale
1.5.2. Interaktionskriterien
1.5.3. Qualität
1.6. Funktion sozialer Netzwerke
2. Soziale Unterstützung
2.1. Definition
2.2. Inhaltliche Typologie sozialer Unterstützung
2.2.1. Konkrete Interaktionen - Verhaltensaspekt
2.2.2. Vermittlung von Kognitionen
2.2.3. Vermittlung von Emotionen
2.3. Reziprozität
2.4. Wirkungen sozialer Unterstützung
2.4.1. Haupteffekt
2.4.2. Puffereffekt
2.4.3. Negative Aspekte sozialer Unterstützung
2.5 Zusammenfassung
3. Einführung in die qualitative Forschung
3.1. Grenzen qualitativer Forschung
3.2. Forschungsmethode der Biographieforschung
4. Setting Konzentrationslager
4.1 Entstehung der nationalsozialistischen Konzentrationslager
4.2. Die Massengesellschaft der Häftlinge
4.3. Einrichtung der Lager
4.3.1. Grenze
4.3.2. Tor
4.4. Die Häftlingsselbstverwaltung
4.4.1. Unterbringung
4.4.2. Verpflegung
4.5. Formen des Terrors
4.5.1. Die Zeit im Lager
4.5.2. Dauer des Aufenthaltes
4.5.3. Vernichtung des Handelns
4.6. Klassifikation der Häftlinge
4.6.1. Funktionshäftlinge und Häftlingsprominenz
4.7. Arbeit als Form des Terrors
4.8. Widerstand
4.8.1. Formen des Widerstands in den Lagern
5. Auswertung der Zeitzeugenberichte
5.1. Verhältnis zwischen Häftlingen und SS-Personal
5.2. Verhalten der Häftlinge untereinander
5.3. Unterstützungsformen
5.3.1. Praktische Unterstützung
5.3.2. Kognitive Unterstützung
5.3.3. Emotionale Unterstützung
5.4. Unterstützungsbeziehungen
5.4.1. Eltern – Kind
5.4.2. Geschwister
5.4.3. Verwandtschaft
5.4.4. Freunde und Bekannte
5.4.5. Kollegen
5.4.6. Fremde
5.5. Hilfemotivation
5.6. Funktion der Funktion
5.7. Moralischer Konflikt der Häftlinge
5.8. Reziprozität
Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht die informelle soziale Unterstützung zwischen Häftlingen in nationalsozialistischen Konzentrationslagern, um zu analysieren, ob und in welcher Form trotz der extremen Bedingungen solidarische Hilfe existierte, welche Motivation dahinterstand und ob sie auf Gegenseitigkeit (Reziprozität) basierte.
4.5.1. Die Zeit im Lager
Auch die Zeit wurde von der SS als Machtinstrument benutzt, indem sie sie durch unvorhersehbare Ereignisse mal schneller, mal langsamer vergehen ließ. So fehlte den Häftlingen der notwendige Ablauf von Ereignissen. Sie unterlagen dem ständigen Wechsel zwischen Dauer und Plötzlichkeit, Hektik und Warten, Ruhe und Schock. Die Häftlinge konnten demzufolge keine Handlungspläne entwerfen und sich an ihnen orientieren.
Nur die minimale Organisation des Lageralltags war durch einen Zeitplan abgesichert, nur der grobe Tagesablauf ein wiederkehrendes Schema. Sicherheiten, die durch zyklische Zeitstrukturen entstehen, wurden zerstört. Einzig der arbeitsfreie Sonntagnachmittag konnte als Zeiteinheit genutzt werden (vgl. Sofski, 1997).
1. Soziale Netzwerke: Erläutert theoretische Definitionen, Formen und Funktionen sozialer Netzwerke als Basis für soziale Unterstützung.
2. Soziale Unterstützung: Beschreibt inhaltliche Typologien und die Wirkmechanismen (Haupteffekt, Puffereffekt) von Unterstützung sowie deren Grenzen.
3. Einführung in die qualitative Forschung: Legt die methodischen Grundlagen der Biographieforschung dar, die als Analysewerkzeug für den empirischen Teil dienen.
4. Setting Konzentrationslager: Bietet einen historischen und soziologischen Einblick in das System der Konzentrationslager, um die Ausgangslage der Häftlinge zu verstehen.
5. Auswertung der Zeitzeugenberichte: Analysiert auf Basis von (Auto-)Biographien, wie Häftlinge untereinander informelle Hilfe leisteten, welche Rollen dabei soziale Beziehungen spielten und vor welchen moralischen Konflikten sie standen.
Soziale Netzwerke, soziale Unterstützung, Konzentrationslager, Zeitzeugenberichte, Biographieforschung, informelle Hilfe, Reziprozität, Häftlingsselbstverwaltung, Extremsituation, Solidarität, NS-Terror, Überlebensstrategien, moralischer Konflikt, Funktionshäftlinge, Hilfemotivation.
Die Arbeit untersucht das Phänomen informeller sozialer Unterstützung zwischen Häftlingen unter den extremen Lebensbedingungen nationalsozialistischer Konzentrationslager.
Die zentralen Themen sind soziale Netzwerke, die Wirkungsweise sozialer Unterstützung, das Setting Konzentrationslager, verschiedene Formen des Widerstands sowie die moralischen Dilemmata der Inhaftierten.
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob und in welcher Form in dieser Extremsituation soziale Hilfe geleistet wurde und ob diese dem Prinzip der Reziprozität (Gegenseitigkeit) unterlag.
Die Arbeit nutzt die qualitative Forschung, insbesondere die Kontingenzanalyse auf der Basis von (Auto-)Biographien und Zeitzeugenberichten ehemaliger Häftlinge.
Der Hauptteil befasst sich nach der theoretischen Einbettung (Soziale Netzwerke und Unterstützung) mit den spezifischen Lagerbedingungen und wertet detailliert Zeugenberichte bezüglich Unterstützungsformen und -beziehungen aus.
Wichtige Begriffe sind Soziale Unterstützung, Konzentrationslager, Reziprozität, Häftlingsselbstverwaltung, Extremsituation und moralischer Konflikt.
Die Häftlingsselbstverwaltung schuf eine Hierarchie, die Häftlingen in Funktionspositionen (wie Kapos) sowohl Macht zur Unterdrückung als auch Möglichkeiten zur (begrenzten) Hilfe für andere Häftlinge ermöglichte.
Die Arbeit verdeutlicht das Paradoxon, dass moralisch richtiges Handeln oft lebensgefährlich war, während das Überleben oft Funktionen erforderte, die mit persönlichen Prinzipien im Konflikt standen.
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