Diplomarbeit, 2006
175 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
1.1. Hintergrund und Problemstellung
1.2. Ziel und Aufbau der Arbeit
2. Theoretische Perspektiven
2.1. Verhalten in Organisationen
2.1.1. Arbeitszufriedenheit
2.1.2. Verbundenheit mit dem Unternehmen
2.2. Abweichendes Verhalten in Organisationen
2.2.1. Kontraproduktives Verhalten
2.2.2. „Dunkles Verhalten“
2.2.3. Diebstahlverhalten
2.2.3.1. Diebstahlbegriff
2.2.3.2. Individualistische Erklärungsansätze
2.2.3.3. Sozialpsychologische Erklärungsansätze
2.3. Fairness in Organisationen
2.3.1. Fairness als Heuristik
2.3.2. Dimensionen der Fairness
2.3.2.1. Distributive Fairness
2.3.2.2. Prozedurale Fairness
2.3.2.3. Informationelle Fairness
2.3.2.4. Interpersonelle Fairness
2.3.3. Bedeutung von Fairness für Einstellungs- und Verhaltensänderung
2.4. Theorie des geplanten Verhaltens
2.4.1. Einstellung
2.4.2. Normativer Druck
2.4.3. Wahrgenommene Verhaltenskontrolle
3. Stand der Forschung
3.1. Methoden der Erfassung von Diebstahlverhalten
3.1.1. Nicht-reaktive Messverfahren
3.1.2. Selbstberichte und Fremdbeurteilungen
3.1.3. Schwere der Schäden und Häufigkeit des Auftretens
3.2. Determinanten von Diebstahlverhalten
3.2.1. Wahrgenommene Möglichkeiten
3.2.2. Formelle und informelle Normen
3.2.3. Unfaire Behandlung
3.2.4. Verbundenheit mit dem Unternehmen und Arbeitszufriedenheit
3.2.5. Einstellung zu Diebstahlverhalten
3.2.6. Persönlichkeitseigenschaften
3.2.7. Selbstkontrolle
3.3. Zielgerichtetes Verhalten
3.3.1. Zielgerichtetes Verhalten in organisationsexternen Verhaltenskontexten
3.3.2. Zielgerichtetes Verhalten im Unternehmenskontext
3.3.3. Zielgerichtetes Vergeltungsverhalten im Unternehmenskontext
3.4. Diskussion zum Stand der Forschung
3.4.1. Selbstkontrolle oder Selbstkonzept?
3.4.2. Diebstahlverhalten als zielgerichtetes Verhalten
3.4.3. Bildung der Einstellung gegenüber Diebstahlverhalten
4. Modelle und Hypothesen
4.1. Das Modell des geplanten Diebstahls
4.2. Hypothesen zu Normativem Druck
4.3. Das Modell der Bildung der Einstellung gegenüber Diebstahlverhalten
4.4. Weiterführende Hypothesen zur Bildung der Einstellung gegenüber Diebstahlverhalten
4.4.1. Rolle von Persönlichkeitseigenschaften
4.4.2. Aufenthalt im Unternehmen
4.4.3. Rolle verschiedener Fairnessdimensionen
4.4.4. Finanzielle Lage
4.4.5. Hierarchischer Status
5. Empirische Prüfung der Modelle und Hypothesen
5.1. Methodisches Vorgehen
5.1.1. Ablauf der Datenerhebung
5.1.2. Aufbau des Fragebogens
5.1.3. Stichprobe
5.1.4. Methoden der Datenauswertung
5.1.5. Instrumente und Skalen
5.2. Deskriptive Beschreibung
5.2.1. Unternehmensaktivitäten
5.2.2. Diebstahlverhalten in Unternehmen
5.3. Verfahren zur Prüfung der theoretischen Modelle
5.4. Das Modell des geplanten Diebstahls
5.4.1. Skalen und Messmodelle
5.4.2. Strukturmodell
5.4.3. Analyse
5.4.4. Ergebnisse
5.4.4.1. Messmodelle
5.4.4.2. Strukturmodell
5.4.4.3. Stabilität der Parameterschätzung
5.4.4.4. Beurteilung der Gesamtstruktur
5.5. Hypothesen zu Normativen Druck
5.6. Das Modell der Bildung der Einstellung gegenüber Diebstahl
5.6.1. Skalen und Voruntersuchungen
5.6.2. Ergebnis
5.7. Ergebnisse der Prüfung weiterführender Hypothesen zur Bildung der Einstellung gegenüber Diebstahlverhalten
5.7.1. Persönlichkeitseigenschaften
5.7.2. Aufenthalt im Unternehmen
5.7.3. Finanzielle Lage
5.7.4. Hierarchischer Status
5.8. Ein alternatives Modell zu Fairness und Diebstahl
5.8.1. Messmodelle und Strukturmodell
5.8.2. Analyse
5.8.3. Ergebnisse
5.8.3.1. Messmodelle und Strukturmodell
5.8.3.2. Stabilität der Parameterschätzung
5.8.3.3. Beurteilung der Gesamtstruktur
5.9. Zusätzliche Analysen
6. Diskussion der Ergebnisse
6.1. Bestätigung und Ergänzung des Forschungsstandes
6.1.1. Das Modell des geplanten Diebstahls
6.1.2. Das Modell der Bildung der Einstellung gegenüber Diebstahl
6.1.3. Rolle von Persönlichkeitseigenschaften, finanzielle Lage und hierarchischem Status bei der Einstellungsbildung
6.1.4. Fairness, Arbeitszufriedenheit, Commitment und Diebstahlverhalten
6.1.5. Bedürfnis nach Anerkennung, Identifikation, Verbundenheitsgefühle, informelle und formelle Normen
6.2. Probleme und Grenzen der Aussagefähigkeit der Ergebnisse
6.3. Ableitungen für theoretische Erklärungsansätze und zukünftige Forschung
6.4. Ableitungen für die unternehmerische Praxis
6.5. Schlussbetrachtungen
Die Diplomarbeit untersucht die psychologischen Determinanten von Mitarbeiterdiebstahl in Unternehmen. Ziel ist es, mithilfe theoretischer Modelle – insbesondere der Theorie des geplanten Verhaltens und der Fairness-Theorie – zu erklären, unter welchen Bedingungen Arbeitnehmer Firmeneigentum entwenden, veruntreuen oder missbrauchen, und diese theoretischen Annahmen empirisch mittels einer Fragebogenstudie und Strukturgleichungsmodellen zu überprüfen.
1.1. Hintergrund und Problemstellung
Im Oktober 2005 sorgten Führungskräfte eines deutschen Automobilkonzerns für Schlagzeilen in der Presse. Die Staatsanwaltschaft ermittelte aufgrund des Vorwurfes der Veruntreuung von Firmengeldern gegen Manager, Mitglieder des Personalvorstands und des Betriebsrats. Den Berichten zufolge wurden mehrfach und über Jahre hinweg die Kosten von Freizeitaktivitäten der Personen illegal von Firmengeldern ersetzt. Zu diesen Aktivitäten gehörten die Inanspruchnahme der Dienste von Prostituierten, einzeln und bei gemeinsamen Feiern. Dazu wurden Appartements gemietet und umgebaut. Auf Kosten des Konzerns wurden Potenzsteigerungsmittel benutzt, Urlaubsreisen auf ferne Inseln gemacht und sogar Schmuck für die betrogene Ehefrau bezahlt. So wurden innerhalb weniger Jahre systematisch Gelder in Höhe von mehreren hunderttausend Euro auf Kosten von Mitarbeitern, Aktionären und Kreditgebern missbraucht. Schadensersatzforderungen und Kündigungen waren die Folge (vgl. Späte Rechnung, 2005; Viagra auf, 2005).
Aber nicht immer wird Firmeneigentum in solchem Ausmaß missbraucht. Ende 2004 wurde eine Gruppe von Mitarbeitern einer Berliner Flughafengesellschaft überführt, die systematisch Sanitärmaterial wie Rohre, Armaturen und Schrauben in großem Stil für private Zwecke und zum Weiterverkauf entwendet sowie Materialbestellungen gefälscht hatten. Teilweise wurden Materialien auch über das Internet-Auktionshaus Ebay versteigert. Kündigungen waren die Folge (Flughafengesellschaft ertappt, 2005). Mitarbeiter gehen bei Diebstahl auch nicht immer in Gruppen oder systematisch vor. Während meines Praktikums bei einem Automobilzulieferer erfuhr ich von einem Diebstahlvorfall, welcher wohl weniger gut geplant wurde. Ein gewerblicher Mitarbeiter der Produktion stahl eine schwere Wasserpumpe aus einer Fertigungslinie. Er verriet sich einige Tage später selbst, indem er im Ersatzteillager nach Gummidichtungen fragte, welche nur für die von ihm gestohlene Wasserpumpe gebraucht wurden. Die Wasserpumpe wurde gefunden und zurückgebracht und ihm wurde gekündigt. Selbst kleinere Diebstähle am Arbeitsplatz rechtfertigen eine Kündigung.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problemstellung von Mitarbeiterdiebstahl in Unternehmen anhand von aktuellen Presseberichten und statistischen Daten, die die Relevanz des Themas verdeutlichen, und leitet die Forschungsfrage sowie den Aufbau der Diplomarbeit ab.
2. Theoretische Perspektiven: Dieses Kapitel erarbeitet den theoretischen Rahmen, indem es Konzepte wie Arbeitszufriedenheit, Unternehmensbindung, kontraproduktives Verhalten sowie die Theorie des geplanten Verhaltens und Fairness-Dimensionen in Organisationen fundiert darlegt.
3. Stand der Forschung: Hier werden bestehende empirische Methoden zur Messung von Diebstahlverhalten und Determinanten wie wahrgenommene Möglichkeiten, Normen und unfaire Behandlung diskutiert, um den Forschungsbedarf für die eigene Arbeit zu identifizieren.
4. Modelle und Hypothesen: Basierend auf den vorherigen Kapiteln werden Modelle zum "geplanten Diebstahl" und zur "Einstellungsbildung" erstellt und spezifische Hypothesen für die empirische Prüfung formuliert.
5. Empirische Prüfung der Modelle und Hypothesen: Dieser Teil beschreibt das methodische Vorgehen bei der Datenerhebung, die Stichprobengröße sowie die statistische Auswertung der Daten mittels Strukturgleichungsmodellen und präsentiert die detaillierten Ergebnisse der Modelltests.
6. Diskussion der Ergebnisse: Das letzte Kapitel integriert die Ergebnisse in den Forschungsstand, reflektiert Grenzen der Aussagefähigkeit, zieht Konsequenzen für die zukünftige Theoriebildung und gibt praxisnahe Empfehlungen für unternehmerische Strategien zur Prävention von Mitarbeiterdiebstahl.
Mitarbeiterdiebstahl, Unternehmenskriminalität, Arbeitszufriedenheit, Fairness in Organisationen, Theorie des geplanten Verhaltens, kontraproduktives Verhalten, Commitment, Arbeitsplatzbindung, Strukturgleichungsmodell, Prävention, Wirtschaftskriminalität, Normativer Druck, Selbstkontrolle, Integrität, Mitarbeiterverhalten.
Die Arbeit untersucht psychologische Faktoren, die Arbeitnehmer dazu bewegen, Firmeneigentum zu entwenden oder zu veruntreuen, und analysiert, wie Unternehmen diesem Verhalten präventiv begegnen können.
Zentrale Themen sind Fairness, Arbeitszufriedenheit, die Bindung an das Unternehmen (Commitment) und die Anwendung der Theorie des geplanten Verhaltens auf abweichendes Mitarbeiterverhalten.
Ziel ist es, die psychologischen Ursachen für Diebstahlverhalten im Unternehmenskontext durch fundierte Modelle zu erklären und diese Antworten empirisch zu überprüfen.
Der Autor führt eine Online-Fragebogenstudie durch und nutzt statistische Analysen, insbesondere Strukturgleichungsmodelle (SGM), um die aufgestellten Hypothesen zu prüfen.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung von Erklärungsansätzen, die Präsentation des Forschungsstands, die Modellbildung, die Durchführung der empirischen Studie sowie die abschließende Diskussion der Ergebnisse.
Typische Begriffe sind Mitarbeiterdiebstahl, Fairness, Arbeitszufriedenheit, Theorie des geplanten Verhaltens, Commitment und Unternehmenskriminalität.
Die Arbeit zeigt, dass Fairnessurteile (distributiv, prozedural, informationell, interpersonell) eine zentrale Rolle spielen. Fühlen sich Mitarbeiter unfair behandelt, kann dies die Absicht zu kontraproduktivem Verhalten oder Diebstahl verstärken.
Der Autor schlussfolgert, dass neben technischen Sicherheitskontrollen besonders vertrauensbildende Maßnahmen, eine faire Behandlung im täglichen Umgang und ein offener Austausch zwischen Führungskräften und Mitarbeitern essenziell sind, um Diebstahlverhalten zu verhindern.
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