Masterarbeit, 2006
48 Seiten, Note: 1,8
1 Einleitung
1.1 Begriffliche Unterscheidungen
2 Geschichtlicher Exkurs: Frühere Formen von Laienkritik
2.1 Friedrich Nicolais „Allgemeine Deutsche Bibliothek“
2.2 Wandel der Literaturkritik in der Weimarer Republik
2.3 Volkskritik in der DDR
3 Wirtschaftlicher Exkurs: Wachsende Bedeutung des Internet für Buchhandel und Verlagswesen
3.1 Trend zu individualisierten Angeboten im Buchhandel
4 Laienkritik im Internet
4.1 Laienkritik im Internet als Teilphänomen des Bürgerjournalismus
4.2 Voraussetzungen für die Laienkritik im Internet
4.3 Grenzen der Publikationsfreiheit im Internet
4.4 Formen der Internetkritik
4.4.1 Unterscheidung von Kritiken die für ein Prinmedium geschrieben wurden oder diesen Regeln folgen und genuiner Internetkritik
4.4.2 Literaturkritik in Rezensionsforen
4.4.3 Literaturkritiken als Teil der Internetangebote von traditionellen Medien
4.4.4 Literaturkritik auf den Seiten der Online-Buchhändler
4.4.4.1 Das Problem der Abgrenzung
4.4.4.2 Abgrenzung Profi und Laie
4.4.4.3 Funktionsweise und Nutzcharakter der Kundenrezensionen bei Amazon
5 Merkmale der Literaturkritik im Internet
5.1 Meinungspluralismus und Gesprächscharakter
5.2 Der Leser entscheidet selber, was er rezensiert
5.3 Aus der Momentaufnahme im Journalismus zur ständigen Verfügbarkeit
5.4 Vereinfachung und Verkürzung
5.5. Verstärkung des Mainstreams
5.6 Ausdifferenzierung des Angebots
5.7 Das Problem der Anonymität
5.8 Stilistische Analyse einer Kundenkritik
5.8.1 Persönlicher Stil
5.8.2 Servicecharakter
5.8.3 Oraler Stil
5.8.4 Selbstverständnis des Kritikers
5.8.5 Umfeldanalyse
6 Profi versus Amateur – Die Positionen im Überblick
7 Die Krise der professionellen Kritik
7.1 Dem Internet vorausgegangene Probleme der Literaturkritik
7.1.1 Indifferenz des pluralistischen Marktes
7.1.2 Relevanzverlust des klassischen Feuilletons
7.1.3 Krise des Kritiker-Selbstverständnisses
7.1.4 Schwund der Glaubwürdigkeit
7.1.5 Mangelnde Reaktion auf aktuelle Ereignisse
7.1.6 Konkurrenz durch neue Kunstformen
7.2 Reaktionen des klassischen Feuilletons
7.3 Zukunftsaussichten der professionellen Literaturkritik
8 Zusammenfassung und Schlussthese
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Laienkritik im Internet als eine Form der Demokratisierung der Literaturkritik, beleuchtet ihre historischen Wurzeln und analysiert die ökonomischen sowie ästhetischen Auswirkungen auf den Literaturbetrieb und die Rolle der professionellen Kritik.
4.4.4.3 Funktionsweise und Nutzcharakter der Kundenrezensionen bei Amazon
Die Hobbykritiken seiner Kunden nutzt Amazon für Werbung und Verkauf und animiert deswegen die Käufer ausdrücklich, die erworbenen Produkte zu kritisieren. Das System Amazon funktioniert nach folgendem Prinzip: Für jeden Kunden wird ein eigenes Profil angelegt, in dem festgehalten wird, welche Bücher ihn interessieren, welche er kauft, welche er nicht kauft. Dieses Profil wird mit dem Profil anderer Kunden abgeglichen. Was diese gekauft haben, wird auch dem Kunden empfohlen: „Kunden, die dieses Buch kauften, kauften auch dieses Buch.“ Damit der Kunde mit der schieren Masse an Empfehlungen nicht überfordert ist, greift an dieser Stelle ein System der Eingrenzung, das nur durch die freiwilligen Kritiker funktioniert: Bücher, die Rezensionen erhalten, werden zuerst angeboten. Doch nicht allein die Masse der Beurteilungen zählt: Jeder hat die Möglichkeit, eine Rezension nach „hilfreich“, „nicht hilfreich“ oder „unzumutbar“ zu bewerten. Der Kritiker, der besonders viele hilfreiche Rezensionen schreibt, das heißt, den Geschmack möglichst vieler Leser möglichst genau trifft, steigt in der Hierarchie der Rezensenten auf, er kann zum „Top-Rezensenten“ werden. Trotz der Anonymität der meisten Rezensenten kann so ein „funktionales Äquivalent zu dem sonst für Qualität und Glaubwürdigkeit bürgenden Renommee eines Kritikers oder eines Periodikums“42 erzeugt werden. Das Bewertungssystem anderer Online-Buchhändler wie Bol oder Booxtra funktioniert nach dem selben System, Amazon wurde an dieser Stelle als Erfinder dieses Verfahrens beispielhaft herausgegriffen.
Es kann vermutet werden, dass die dem Laienrezensenten zugeschriebene Glaubwürdigkeit die des Zeitungskritikers sogar übersteigt: Schließlich handelt es sich bei ersterem um einen gleich gesinnten Leser ohne finanzielle Bevorteilung oder solche Interessen.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die langjährige Krisendebatte der Literaturkritik und stellt das Internet als neues, blühendes Medium für die Laienkritik vor.
2 Geschichtlicher Exkurs: Frühere Formen von Laienkritik: Dieses Kapitel vergleicht aktuelle Entwicklungen mit historischen Vorläufern wie der Aufklärung, der Weimarer Republik und der DDR, um die heutige Laienkritik zu kontextualisieren.
3 Wirtschaftlicher Exkurs: Wachsende Bedeutung des Internet für Buchhandel und Verlagswesen: Es wird die ökonomische Relevanz des Internets für Verlage und Buchhändler erörtert und die Tendenz zu individualisierten Kundenangeboten analysiert.
4 Laienkritik im Internet: Dieser Teil definiert die verschiedenen Formen der Internetkritik, von Bürgerjournalismus bis hin zu spezifischen Kundenrezensionen bei Online-Buchhändlern.
5 Merkmale der Literaturkritik im Internet: Hier werden ästhetische und stilistische Besonderheiten sowie sozioökonomische Faktoren, etwa der Meinungspluralismus und das Problem der Anonymität, untersucht.
6 Profi versus Amateur – Die Positionen im Überblick: Eine Gegenüberstellung der kontroversen Positionen von professionellen Kritikern und ambitionierten Internet-Rezensenten wird hier zusammenfassend dargestellt.
7 Die Krise der professionellen Kritik: Dieses Kapitel analysiert die Ursachen für die Krise des Feuilletons, darunter den Relevanzverlust und den wachsenden Marktdruck.
8 Zusammenfassung und Schlussthese: Das Fazit resümiert die Demokratisierungstendenzen und stellt fest, dass das Internet zu einer Wiederbelebung der Kritik beigetragen hat.
Laienkritik, Literaturkritik, Internet, Demokratisierung, Online-Buchhandel, Feuilleton, Bürgerjournalismus, Kundenrezension, Meinungspluralismus, Literaturwissenschaft, Rezensionsforen, Medienrevolution, Buchmarkt, Professionalität, Authentizität
Die Arbeit analysiert die Demokratisierung der Literaturkritik durch das Internet und untersucht, wie Laienrezensionen die Rolle und Bedeutung der traditionellen, professionellen Literaturkritik verändern.
Im Fokus stehen der historische Vergleich von Laienkritik-Formen, die wirtschaftliche Bedeutung des Online-Buchhandels, die verschiedenen Ausprägungen der Internetkritik sowie der Diskurs zwischen Profis und Amateuren.
Das Ziel ist es, das Phänomen der Laienkritik im Netz nicht nur als Krise der professionellen Kritik zu verstehen, sondern als eigenständiges Genre mit neuen Regeln und einem Beitrag zur Meinungspluralität zu begreifen.
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse und führt einen historischen Vergleich durch, ergänzt durch die Untersuchung aktueller Medienbeiträge sowie empirischer Daten aus dem Buchhandel.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Formen der Internetkritik, die Analyse stilistischer Merkmale von Kundenrezensionen und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Krise des klassischen Feuilletons.
Die wichtigsten Begriffe sind Literaturkritik, Laienkritik, Internet, Demokratisierung, Feuilleton, Kundenrezension und Meinungspluralismus.
Amazon wird beispielhaft analysiert, da das Unternehmen mit seinem System der Kundenrezensionen das Internet als Marktplatz für eine demokratisierte Form der Literaturkritik erfolgreich etabliert hat.
Die Arbeit stellt fest, dass Internet-Rezensionen häufiger einen persönlichen, mündlichen („oralen“) Stil pflegen, der Authentizität vermittelt, während professionelle Kritiken oft einen literarischen, rhetorisch komplexeren Stil anstreben.
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