Diplomarbeit, 2003
154 Seiten, Note: 1,0
Vorwort
I. Einführung in die Thematik
II. Zu gesellschaftlichen Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber behinderten Menschen
1. Begriffsklärungen
2. Gesellschaftliche Einstellungen gegenüber behinderten Menschen
2.1 Zur Struktur der Einstellungen gegenüber behinderten Menschen
2.2 Exemplarische Darstellung ausgewählter empirischer Untersuchungs-ergebnisse
2.2.1 Informationsstand und Informationsquellen von nicht behinderten Menschen
2.2.2 Einstellungen gegenüber behinderten Menschen im Arbeits- und Berufsleben
2.2.3 Zum Bild der Sinnesbehinderung Gehörlosigkeit in der hörenden Gesellschaft
2.3 Ausgewählte Erklärungsansätze zur Entstehung der gesellschaftlichen Einstellungen
2.3.1 Soziologische Ansätze
2.3.2 Sozialpsychologische Ansätze
2.4 Zur methodischen Kritik an der Einstellungsforschung
3. Gesellschaftliche Verhaltensweisen gegenüber behinderten Menschen
3.1.1 Rangordnung und Schwere von Behinderungen
3.1.2 Visibilität und Auffälligkeit von Behinderungen
3.1.3 Ästhetische Beeinträchtigung
3.1.4 Funktionale Beeinträchtigung kommunikativer Fähigkeiten
3.1.5 Aspekt der zugeschriebenen (Eigen-) Verantwortlichkeit
3.2 Typische Reaktionsformen gegenüber behinderten Menschen
3.3 Theorien zur Entstehung der ablehnenden Tendenzen gegenüber behinderten Menschen
3.3.1 Sozialisationsvariablen
4. Zu Möglichkeiten der Veränderung der gesellschaftlichen Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber behinderten Menschen
4.1 Chancen und Grenzen von Informationsstrategien
4.2 Zur Kontakthypothese
4.3 Schlussfolgerungen für wirksame Änderungsstrategien im Kontext Arbeits- und Berufsleben
III. Die IFD Integrationsfachdienst gGmbH in Köln
1. Organisationsbeschreibung
2. Der Bereich Vermittlung von hörgeschädigten Arbeitsuchenden
3. Aspekte der Beschäftigung gehörloser Arbeitnehmer auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
3.1 Zu Aspekten der Beschäftigung gehörloser Arbeitnehmer aus Sicht der Arbeitgeber
3.1.1 Gesetzliche Rahmenbedingungen
3.1.2 Pauschalisierende Gründe für eine Nichtanstellung von gehörlosen Arbeitnehmern
3.1.3 Beurteilung der beruflichen Bewährung von gehörlosen Arbeitnehmern durch Vorgesetzte und Kollegen
3.2 Zum Themenkomplex Gehörlosigkeit und ihrer Auswirkungen
3.2.1 Abgrenzung des Personenkreises
3.2.2 Ursachen und Auswirkungen der besonderen kommunikativen Situation gehörloser Menschen
3.2.3 Grundsätzliches zum Leistungsvermögen und zur Eignung gehörloser Menschen im Berufsleben
3.2.4 Anforderungen an den Arbeitsplatz gehörloser Arbeitnehmer
3.3 Zur Rolle der Fachberater im Bereich Vermittlung von gehörlosen Arbeitsuchenden
IV. Schlussfolgerungen für Interventionen im Rahmen der Tätigkeit von Integrationsfachdiensten bei der Vermittlung von gehörlosen Arbeitsuchenden
1. Exemplarische Einzelfalldarstellung
2. Die Methode der Passgenauen Vermittlung
2.1 Interventionen auf Seiten der sozialen Kunden
2.1.1 Das Erstgespräch
2.1.2 Die Erstellung eines individuellen Bewerberprofils
2.1.3 Die Entwicklung eines beruflichen Perspektiven- oder Hilfeplanes
2.2 Interventionen auf Seiten der wirtschaftlichen Kunden
2.2.1 Zur Welt der wirtschaftlichen Kunden
2.2.2 Techniken des Auffindens geeigneter Stellen und Arbeitgeber
2.2.3 Der telefonische Erstkontakt
2.2.4 Die Erstellung eines betrieblichen Arbeitsplatz-/Anforderungsprofils
2.3 Die Vermittlung eines Bewerbers auf einen Arbeitsplatz
3. Informationsstrategien als Interventionen im Zuge der betrieblichen Integration gehörloser Arbeitnehmer
3.1 Zum Themenkomplex Hilfen für die Kommunikation mit gehörlosen Menschen
3.2 Zum Themenkomplex Technische Hilfen
3.3 Zum Themenkomplex Finanzielle Hilfen
4. Aspekte zur Gestaltung des (Erst-) Kontaktes von gehörlosen Arbeitnehmern und ihres hörenden betrieblichen Umfeldes
4.1 Zum Einsatz von Gebärdensprachdolmetschern
4.2 Zum Kontaktfeld Vorstellungsgespräch
4.3 Zum Kontaktfeld Einarbeitung am Arbeitsplatz
V. Kritische Anmerkungen zu den institutionellen Rahmenbedingungen der IFD gGmbH im Sinne weiterführender Problemaspekte im Zuge der betrieblichen und sozialen Integration gehörloser Arbeitnehmer
VI. Schlussbetrachtungen
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen der beruflichen Integration gehörloser Menschen durch Integrationsfachdienste (IFD). Das primäre Ziel ist es, auf Basis soziologischer und sozialpsychologischer Erkenntnisse über Einstellungen gegenüber behinderten Menschen wirksame Interventionsstrategien für die Vermittlung gehörloser Arbeitsuchender in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu entwickeln und diese praxisorientiert für die Arbeit des IFD Köln aufzubereiten.
3.1.2 Visibilität und Auffälligkeit von Behinderungen
Als bedeutendste Determinante der sozialen Reaktion gegenüber behinderten Menschen heben nahezu alle Autoren die Visibilität im Sinne von Sichtbarkeit und Auffälligkeit einer Behinderung hervor (Nickel 1999, 10; vgl. Brackhane 1982, 22ff.). Der Aspekt Sichtbarkeit ist hierbei keinesfalls mit dem Aspekt Auffälligkeit einer Behinderung gleichzusetzen, da die Auffälligkeit einer Behinderung mehr als ihre bloße Visibilität meint.
TRÖSTER (1990) differenziert in diesem Zusammenhang zwischen verschiedenen Stufen der Auffälligkeit einer Behinderung mit ihren jeweils spezifischen Konsequenzen für das hieraus resultierende Interaktionsverhalten von nicht behinderten Menschen (ebd., 24ff.):
1. Eine Behinderung ist bereits vor einer konkreten Kontaktaufnahme sichtbar, welches als Konsequenz häufig eine prophylaktische Interaktionsvermeidung nicht Betroffener nach sich zieht. Als Positivvariante ermöglicht die sofortige Sichtbarkeit einer Behinderung dem nicht behinderten Interaktionspartner, sich ggf. auf die Behinderung einstellen zu können.
2. Eine Behinderung drängt sich beim ersten Kontakt überraschend auf, wie es auch in der direkten Konfrontation mit gehörlosen Menschen überwiegend der Fall ist. Auffällig sind hierbei z.B. die veränderte Artikulationsweise, die befremdlich übersteigerte Mimik und Gestik wie auch andere „... sachlich durchaus angemessene Verhaltensweisen, wie das ‚Hängen-am-Mund’ eines Gesprächspartners [normalerweise ein Symptom sozialer Unterordnung; Anmerkung der Verfasserin] ...“ (KRÜGER 1999, 60), welche unvermutet auf eine Behinderung hindeuten.
3. Eine Behinderung kann zunächst verborgen werden, wobei sich bei längerem und intensivem Kontakt ggf. die Chance zu einer kontrollierten Darlegung sowie detaillierten Erläuterungen zu den individuellen Einschränkungen ergibt.
„Unmittelbar auffällige Behinderungen hemmen eine Kontaktaufnahme, während erst mittelbar auffällige ... Behinderungen [wie beim Vorliegen einer Gehörlosigkeit; Anmerkung der Verfasserin] die Fortführung des erfolgten Kontakts erschweren ...“ (NICKEL 1990, 11), sogar bisweilen zu einem sofortigen Kontaktabbruch aufgrund von spontan einsetzenden Vermeidungstendenzen beim Interaktionspartner führen können. Dieses ist in Bezug auf die Forderung nach einer offenen und ehrlichen Umgangsweise mit einer Gehörlosigkeit, auch im Zusammenhang mit der Akquise von vakanten Stellen bei Arbeitgebern, stets zu berücksichtigen.
I. Einführung in die Thematik: Diese Einleitung beschreibt den Wandel der Arbeitswelt und dessen erschwerte Auswirkungen auf die berufliche Integration schwer behinderter Menschen.
II. Zu gesellschaftlichen Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber behinderten Menschen: Dieser Abschnitt analysiert theoretisch, wie soziale Vorurteile entstehen, welche Rolle die Sichtbarkeit von Behinderungen spielt und wie Kommunikation als Barriere wirkt.
III. Die IFD Integrationsfachdienst gGmbH in Köln: Hier wird die Organisation, ihr gesetzlicher Auftrag sowie die spezifische Rolle der Fachberater bei der Vermittlung hörgeschädigter Menschen erläutert.
IV. Schlussfolgerungen für Interventionen im Rahmen der Tätigkeit von Integrationsfachdiensten bei der Vermittlung von gehörlosen Arbeitsuchenden: Dieses Kapitel liefert methodische Ansätze und Strategien (wie das Erstgespräch, die passgenaue Vermittlung und technische Hilfen) für die praktische Vermittlungsarbeit.
V. Kritische Anmerkungen zu den institutionellen Rahmenbedingungen der IFD gGmbH im Sinne weiterführender Problemaspekte im Zuge der betrieblichen und sozialen Integration gehörloser Arbeitnehmer: Die Autorin reflektiert hier kritisch die Finanzierungsstruktur und die schwierigen Rahmenbedingungen (Personalressourcen, Zeitdruck) der Arbeit des IFD.
VI. Schlussbetrachtungen: Eine zusammenfassende Reflexion über die Bedeutung der Arbeit und die Notwendigkeit, durch individuelle Unterstützung echte Integration zu ermöglichen.
Gehörlosigkeit, Integration, Integrationsfachdienst, Arbeitsvermittlung, berufliche Rehabilitation, Kommunikationsproblematik, Einstellungen, Vorurteile, Arbeitsplatzanalyse, Gebärdensprachdolmetscher, Schwerbehinderung, passgenaue Vermittlung, betriebliche Eingliederung, soziale Teilhabe, Arbeitsmarkt.
Die Arbeit befasst sich mit der beruflichen Integration gehörloser Menschen durch den Integrationsfachdienst (IFD) Köln unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Einstellungen und Barrieren.
Die Themen umfassen die Einstellungsforschung zu behinderten Menschen, die Spezifik der Gehörlosigkeit im Arbeitskontext sowie konkrete Vermittlungs- und Beratungsmethoden des IFD.
Das Ziel ist die Erarbeitung von Strategien zur erfolgreichen Vermittlung gehörloser Arbeitsuchender auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt durch eine reflektierte und methodisch fundierte Arbeitsweise des IFD.
Die Autorin kombiniert eine theoretische Fundierung (Soziologie/Sozialpsychologie) mit einer praxisorientierten Organisationsanalyse und einer exemplarischen Falldarstellung (Case Study).
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Analyse gesellschaftlicher Reaktionsmuster, eine detaillierte Beschreibung der Vermittlungspraxis des IFD und eine kritische Auseinandersetzung mit institutionellen Rahmenbedingungen.
Wichtige Begriffe sind u.a. Gehörlosigkeit, Integration, passgenaue Vermittlung, Kommunikationsbarrieren und das Arbeitsumfeld beim IFD.
Die Arbeit betont, dass nicht das Vorliegen einer Behinderung an sich das Problem ist, sondern die negative gesellschaftliche Bewertung (Stigmatisierung), die eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt oft erschwert.
Die Kommunikation wird als zentrale Barriere identifiziert. Die Arbeit zeigt auf, dass hierfür durch Gebärdensprachdolmetscher, technische Hilfsmittel und Schulungen des hörenden Umfelds aktiv interveniert werden muss.
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