Magisterarbeit, 2005
101 Seiten, Note: 2,0
1. Der Begriff Hysterie im historischen und kulturellen Kon-text – Einleitung
2. Das Krankheitsbild ‚Hysterie’ literarisch
2.1. Die Studien über Hysterie - Anfänge der Psychoanalyse
2.2. Freud als wissenschaftlicher ‚Interpret’ in seinen frühen Hysteriestudien
2.3. Schnitzler als „Analytiker“ der Wiener Gesellschaft des Fin de siècle
3. Freuds Fallbeispiel Frl. Elisabeth von R. und Schnitzlers Erzählung Frau Berta Garlan – Bilder hysterischer Frauenfiguren
3.1. Einführung in das „Rätsel der Weiblichkeit“
a) Die beiden Frauen als Geheimnisträgerinnen
Exkurs: Charcots ‚Hysterikerinnen – Theater’
b) Erzwungene Erinnerungen und Vergangenheitsbewältigung
3.2. Bürgerliches Elternhaus und Alltagsmonotonie
3.3. Ehe, Liebe, Sexualität
3.4. Inneres Konfliktpotenzial
3.5. Facetten von Hysterie: Symptombilder, Bewusstseinsbereiche, Träume
3.6. Frau als Objekt und Brüche durch weibliches Aufbegehren
4. Zum Vergleich: der ‚hysterische’ Anfall von Schnitzlers Fräulein Else
5. ‚Natürlich hysterisch!’ – die Unausweichlichkeit eines frauenspezifischen Krankheitsbildes – Schlussbemerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion des hysterischen Krankheitsbildes bei Sigmund Freud und Arthur Schnitzler um 1900, wobei der Fokus auf dem Vergleich zwischen Freuds klinischer Fallstudie und Schnitzlers literarischen Erzählungen liegt, um aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Normen und patriarchale Strukturen maßgeblich zur Pathologisierung weiblichen Verhaltens beitrugen.
3.1. Einführung in das „Rätsel der Weiblichkeit“
Die ‚Patientin Elisabeth’ ist vierundzwanzig Jahre alt und wird von ihrem Analytiker als ehrgeizig, intelligent und liebesbedürftig beschrieben. Mit den Worten des Vaters wird die junge Frau vom Erzähler durch indirekte Zitate, die jedoch als direkt vorgestellt werden, in ein anderes Licht gerückt: sie wird als kritisch–direkt, eigenständig und „scherzweise ‚keck und rechthaberisch’“ (SH, 158) dargestellt. Für den Leser geht sie, da sie für diesen durch den Zeitraum der psychoanalytischen Behandlung erfahren wird, mit noch differierender Wirkung aus dem Text hervor. Sie erscheint eher als schüchtern, verträumt und selbstlos die eigenen Interessen zu Gunsten der Familie zurückstellend. Elisabeth lebt zum Beginn der Behandlung im Herbst 1892 seit anderthalb Jahren, fast völlig isoliert, allein mit ihrer pflegebedürftigen Mutter – und ihren Schmerzen.
Für den Analytiker sind die Festlegung des Krankheitsbildes, einer Behandlungsmethode und die Ortung der Schmerzen wichtiger, als die Persönlichkeit der Patientin, die erst nach der gestellten ‚Diagnose’ des Krankheitsbildes Hysterie interessant wird.
1. Der Begriff Hysterie im historischen und kulturellen Kon-text – Einleitung: Historische Einordnung des Hysteriebegriffs als medizinisches Konstrukt, das die Konstruktion von Geschlecht und die Unterdrückung weiblicher Selbstständigkeit widerspiegelt.
2. Das Krankheitsbild ‚Hysterie’ literarisch: Analyse der Anfänge der Psychoanalyse durch Freud sowie Schnitzlers Rolle als kritischer Analytiker der Wiener Gesellschaft des Fin de siècle.
3. Freuds Fallbeispiel Frl. Elisabeth von R. und Schnitzlers Erzählung Frau Berta Garlan – Bilder hysterischer Frauenfiguren: Detaillierte Untersuchung des „Rätsels der Weiblichkeit“ anhand der Fallstudie Freuds und der fiktionalen Figur Schnitzlers, inklusive der Analyse von Elternhaus, Ehe und Konfliktpotenzial.
4. Zum Vergleich: der ‚hysterische’ Anfall von Schnitzlers Fräulein Else: Untersuchung der weiterentwickelten, vermeintlich hysterischen Züge der Figur Else und wie diese das soziale Umfeld als Auslöser für den psychischen Zusammenbruch kritisieren.
5. ‚Natürlich hysterisch!’ – die Unausweichlichkeit eines frauenspezifischen Krankheitsbildes – Schlussbemerkungen: Fazit über die Konstruktion des Krankheitsbildes und die Erkenntnis, dass die Protagonistinnen keine pathologischen Fälle, sondern durch soziale Zwänge geformte Frauen sind.
Hysterie, Psychoanalyse, Wiener Moderne, Sigmund Freud, Arthur Schnitzler, Weiblichkeit, Konstrukt, Geschlechterrollen, Elisabeth von R., Berta Garlan, Fräulein Else, Sexualität, Verdrängung, Konversion, Fallstudie
Die Magisterarbeit untersucht, wie Freud und Schnitzler Frauenbilder um 1900 entwerfen und inwiefern diese Entwürfe von medizinischen bzw. literarischen Vorstellungen über das Krankheitsbild der Hysterie geprägt sind.
Zentrale Themen sind die Geschichte der Hysterie, die Darstellung des Unbewussten, bürgerliche Moralvorstellungen, die Krise der Männlichkeit sowie die soziale Funktion von Krankheit zur Disziplinierung von Frauen.
Ziel ist es, den Konstruktcharakter der Diagnose „Hysterie“ aufzudecken und zu zeigen, dass diese oft dazu diente, weibliches Aufbegehren und eine eigenständige Sexualität als pathologisch zu stigmatisieren.
Die Arbeit basiert auf einer textnahen, literaturwissenschaftlichen Analyse von Fallstudien (Freud) und Erzählungen (Schnitzler) unter Einbeziehung interdisziplinärer Forschungsliteratur zu Gender-Studies und Medizingeschichte.
Der Hauptteil analysiert Freuds Fallbeispiel „Elisabeth von R.“ und Schnitzlers Erzählung „Frau Berta Garlan“ und vergleicht sie mit der Monolognovelle „Fräulein Else“, um die unterschiedlichen Darstellungsebenen von Hysterie herauszuarbeiten.
Hysterie, Psychoanalyse, Weiblichkeit, Geschlechterrollen, Konversion und psychologische Innenschau.
Schnitzlers „Fräulein Else“ dient als Kontrastfolie, da hier die Hysterie-Thematik in einer späteren Phase (1924) aufgegriffen wird, um die Abhängigkeit der Diagnose von sozio-kulturellen Umständen zu demonstrieren.
Während Freud versucht, das Krankheitsbild systematisch-objektiv (und oft suggestiv) zu konstruieren, nutzt Schnitzler die Technik des inneren Monologs, um die subjektive Leidenswelt der Frauen darzustellen und die sozialen Ursachen ihres psychischen Zustands kritisch zu beleuchten.
Die Arbeit übt Kritik an Freuds suggestiven Fragen und seiner Tendenz, den Patientinnen ein Krankheitsbild aufzudrängen, um seine Theorien über infantile Sexualität zu stützen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

