Diplomarbeit, 1999
186 Seiten, Note: 1,00
Geschichte Deutschlands - Erster Weltkrieg, Weimarer Republik
TEIL I
EINLEITUNG
1. Einleitende Worte
1 ) Vorweggenommene Kritik
2. Zur Methodologie
1 ) Vorverständnis
2 ) Zur Arbeitsmethodik
Zur Sprache
TEIL II
TIROL UND DIE ARBEITERBEWEGUNG
1. Das Kronland Tirol
1 ) Demographie:
A Das Verwaltungsterritorium der Statthalterei für Tirol und Vorarlberg
2 ) Verwaltung
3 ) Strukturen und Entwicklungsstränge:
2. Steiniger Boden
1 ) Die politische Landschaft in Tirol:
2 ) Zur These der ”Klassenharmonie” in Tirol:
3. Die Arbeiterbewegung und Tirol
1 ) Erste Schritte
2 ) Der Tiroler Klerus und die Sozialdemokratie
3 ) Landbevölkerung und Arbeiterbewegung
4 ) Parteipresse und Wahlrechtskampf
5 ) Die Russische Revolution von 1905
6 ) Wahlen
7 ) Frauenorganisation
8 ) Schwierigkeiten
9 ) Institutionen
10 ) Die Tiroler Arbeitergewerkschaft
11 ) Vor dem Krieg
4. Zentren der Arbeiterbewegung in Tirol
5. Die Christliche Arbeiterschaft
TEIL III
BURGFRIEDEN UND HUNGER
1. Der Burgfrieden
1 ) Die Tiroler Bewegung und der Burgfrieden
2. Lebensverhältnisse und Versorgungslage
1 ) Bevölkerungsverteilung
2 ) Landwirtschaft
3 ) Kriegseinflüsse
A Frauen und Kinder an der Heimatfront
B Soldaten und Standschützen
C Der Handel bricht zusammen
D Die Versorgung des Militärs
E Die Preissteigerungen
F Die Versorgungslage
3. Die Lage der Tiroler Arbeiterschaft
TEIL IV
DIE WIEDERBELEBUNG EINGESCHRÄNKTER POLITISCHER AKTIVITÄT
1. Das Zurückdrängen der Militärdiktatur
1 ) Die Ermordung des Ministerpräsidenten
2 ) Die Nachfolge Kaiser Karls
3 ) Die Aufhebung der Verordnung Nr. 156
4 ) Die Wiedereinberufung des Reichsrates
5 ) Die Lockerung der Zensur- und Versammlungsrichtlinien
A „Das verordnete Schweigen”
B Versammlungsrichtlinien
6 ) Die Russische Revolution
7 ) Die Beschwerdekommissionen
8 ) Der Allerhöchste Gnadenerlaß
2. Die Versammlungstätigkeit der Tiroler Arbeiterbewegung
1 ) Themenschwerpunkte der Versammlungen in Innsbruck
2 ) Grundlegende Positionen der Tiroler Sozialdemokraten
3 ) Positionen der Behörden zur Arbeiterbewegung
A Militär
B Statthalterei
C Andere
TEIL V
FRAUENBEWEGUNG – VORARLBERG – SÜDTIROL/TRENTINO
1. Die sozialdemokratische Frauenbewegung und der Krieg
2. Die Vorarlberger Arbeiterbewegung
1 ) Die wichtigste Figur der Vorarlberger Sozialdemokraten:
3. „Welschtirol”
1 ) Das Trentino
2 ) Der Krieg und Italienisch-Tirol
3 ) Sozialdemokratie im Trentino
4 ) Die Irredenta und die „Unerlöste Sozialdemokratie”
5 ) Politische Einschätzungen gegen Kriegsende
TEIL VI
HEXENJAGDEN
1. Überwachung
1 ) Anarchisten und Sozialdemokraten
2 ) Bolschewistische Agitation und Revolutionäre Sozialisten
3 ) Ein „roter Teufel”
A Landeck und die Bahn
4 ) Der Fall Masarich
2. Maifeiern
1 ) Der 1. Mai 1917
2 ) Der 1. Mai 1918
A Verlauf
TEIL VII
ZWISCHEN FRIEDENSBEWEGUNG UND HEIMATTREUE
1. Die Friedensbewegung
1 ) Internationale und österreichische Friedensbewegung
2. Der Feind im Inneren
3. Einflüsse von außen
TEIL VIII
DISZIPLINIERUNGSMASSNAHMEN UND STREIKBEWEGUNG
1. Die Militärdiktatur
2. Zuckerbrot und Peitsche
1 ) Die Beschwerdekommissionen
2 ) Die Militarisierung der Arbeiterschaft
3 ) Die Militarisierung der Eisenbahner
A Eisenbahnerstreik an der Innsbrucker Südbahn
3. Die Metallarbeiter und das Kriegsleistungsgesetz
4. Die Streikbewegung
1 ) Der Jännerstreik 1918
A Reaktionen
TEIL IX
TIROL ZERBRICHT: RADIKALISIERUNG UND DEUTSCHNATIONALISMUS
1. Die Fragmentierung der Gesellschaft und ihre Hintergründe und Auswirkungen
1 ) Die Wurzeln dieser sehr strukturellen Konfrontation
2 ) Die Hintergründe von kreierten Feindbildern
3 ) Die konkreten Auswirkungen
A Die Juden und die „Roten Horden”
B Tirol und die „Walschen”
C Stadt-Land
2. Der Fluch des übersteigerten Nationalismus
1 ) Arbeiterbewegung und Nationalismus
A Die Tiroler Arbeiterbewegungen und der Nationalismus
2 ) Die Mittelstandsbewegung
A Die vereinte Rechte
B Der Vorläufer
C Die Gründungsversammlung
D Gegnerschaft
E Die Reaktion auf die „Reaktion”
F Breite Zustimmung und Legitimation
G Die Statthalterei und die Mittelstandsbewegung – eine belastete Beziehung
H Die Obrigkeit und die Mittelstandsbewegung
I Weitere Veranstaltungen
J Die „Innsbrucker Nachrichten” als Agitator
3 ) Die Bauernschaft
A Der deutsche Bauerntag in Innsbruck
4 ) Antisemitische Tendenzen
TEIL X
SCHLUSSTEIL
1. Nachwort
Die Arbeit untersucht die Situation und das Agieren der Tiroler Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie gegen Ende des Ersten Weltkrieges unter Berücksichtigung der spezifischen tirolerischen Verhältnisse, der extremen wirtschaftlichen Notlage und der wechselseitigen Beziehungen zum staatlichen Verwaltungsapparat (Statthalterei).
1 ) Die Tiroler Bewegung und der Burgfrieden
Die Tiroler Arbeiterführer trugen die „Burgfriedenspolitik der Mutterpartei” in Wien vollinhaltlich mit, steuerten aber einen eher wankelmütiger Kurs: Spricht sich Abram noch in der ersten Reichsratssitzung für die Senkung der Militärausgaben und gegen den Militarismus aus, so unterstützen die Tiroler Sozialdemokraten doch das Ultimatum Österreich-Ungarns an Serbien und stellen sich ganz hinter die habsburgische Regierung.
Der später oft zitierte unbedingte Friedenswille und die Eigendefinition als Partei des Friedens ist also zu hinterfragen. Innerhalb weniger Tage änderte Abram 1914 seine Meinung und über Militärausgaben und Militarismus verlor er kein Wort mehr.
Zum Kampf gegen den kriegstreibenden Imperialisten, den russischen ”Blutzaren”, wurde gerufen und nach dem Kriegseintritt Italiens auf seiten der Entente im Mai 1915 der ”Volkskrieg” gegen Italien propagiert.
EINLEITUNG: Erläuterung der Forschungslage und methodische Vorbemerkungen zur Untersuchung der Tiroler Arbeiterbewegung in einer Krisenzeit.
TIROL UND DIE ARBEITERBEWEGUNG: Detaillierte Darstellung der demografischen, wirtschaftlichen und politischen Ausgangslage in Tirol sowie der Entwicklung der Arbeiterorganisationen vor dem Krieg.
BURGFRIEDEN UND HUNGER: Analyse der anfänglichen Kriegseuphorie im Vergleich zur zunehmenden Verelendung der Arbeiterschaft und dem Zerbrechen des gesellschaftlichen Burgfriedens.
DIE WIEDERBELEBUNG EINGESCHRÄNKTER POLITISCHER AKTIVITÄT: Untersuchung der politischen Lockerungen ab 1917, insbesondere der Rolle der Beschwerdekommissionen und der Versammlungstätigkeit.
FRAUENBEWEGUNG – VORARLBERG – SÜDTIROL/TRENTINO: Überblick über spezifische regionale Arbeiterbewegungen und die Rolle der Frauenbewegung unter den Extrembedingungen des Krieges.
HEXENJAGDEN: Untersuchung der staatlichen Überwachung, Bespitzelung und der Denunziationskultur gegenüber sozialdemokratischen Aktivitäten.
ZWISCHEN FRIEDENSBEWEGUNG UND HEIMATTREUE: Darstellung der Spannungsfelder zwischen internationaler Friedenspropaganda und dem patriotischen Anspruch auf Heimattreue.
DISZIPLINIERUNGSMASSNAHMEN UND STREIKBEWEGUNG: Dokumentation der staatlichen Disziplinierungsversuche, der Militarisierung der Arbeiterschaft und der Streikbewegungen, insbesondere des Jännerstreiks 1918.
TIROL ZERBRICHT: RADIKALISIERUNG UND DEUTSCHNATIONALISMUS: Analyse der gesellschaftlichen Fragmentierung, der Entstehung rechter Feindbilder und des Aufstiegs der Mittelstandsbewegung.
SCHLUSSTEIL: Synthese der Ergebnisse: Die Tiroler Arbeiterbewegung als gemäβigte Kraft in einem konservativen Umfeld.
Tirol, Erster Weltkrieg, Arbeiterbewegung, Sozialdemokratie, Statthalterei, Versorgungslage, Streikbewegung, Mittelstandsbewegung, Nationalismus, Burgfrieden, Überwachung, Jännerstreik 1918, Politische Radikalisierung, Österreich-Ungarn.
Die Diplomarbeit analysiert die Rolle, das politische Agieren und die Lebensumstände der Tiroler Arbeiterbewegung während der letzten Jahre des Ersten Weltkrieges.
Die Arbeit behandelt die soziale und wirtschaftliche Situation unter den Bedingungen des Krieges, die staatliche Repression und Überwachung, die Radikalisierung der politischen Fronten sowie das Spannungsverhältnis zwischen Arbeiterbewegung und Deutschnationalismus.
Ziel ist es, das oft unvollständige Bild der Tiroler Arbeiterbewegung während des Großen Krieges zu vervollständigen und die Dynamik zwischen den sozialen Extrembedingungen und dem politischen Verhalten zu beleuchten.
Der Autor verwendet eine primärquellenbasierte, qualitative Methode mit starkem Fokus auf Aktenanalysen aus dem Tiroler Landesarchiv sowie hermeneutische Ansätze zur Interpretation von Zeitzeugnissen und politischen Dokumenten.
Der Hauptteil erstreckt sich von der Vorgeschichte der Arbeiterbewegung in Tirol über die Auswirkungen des Krieges und des Hungers bis hin zur Radikalisierung der Gesellschaft durch die Mittelstandsbewegung und der Disziplinierungspolitik des Staates.
Tirol, Arbeiterbewegung, Erster Weltkrieg, Sozialdemokratie, Militarisierung, Radikalisierung.
Im Gegensatz zu Wien war die Tiroler Arbeiterbewegung eine vergleichsweise kleine, moderat agierende Minderheit in einer überwiegend konservativ-klerikalen und bäuerlich geprägten Gesellschaft.
Die Mittelstandsbewegung entstand 1918 als reaktionäre Massenbewegung, die soziale Gegensätze instrumentalisierte, antisemitische Feindbilder nutzte und maßgeblich zur gesellschaftlichen Polarisierung gegen Ende des Krieges beitrug.
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