Doktorarbeit / Dissertation, 2002
347 Seiten, Note: 1,00
TEIL I: EINLEITUNG
1. Einleitende Worte
1) Ziele der Arbeit
2) Fragen an die Vergangenheit
3) Formulierung einer Hypothese (mehrere Einzelthesen)
4) Aufbau der Arbeit
2. Methodologisches und Vorverständnis
1) Persönliches Geschichtsverständnis
2) Zur Arbeitsmethodik
3. Der Nachlaß Anton Müller im Brenner–Archiv
1) Weitere Primärquellen zur Person:
TEIL II: BRUDER WILLRAM
1. Biographie
1) Kindheit
2) Schulzeit
3) Kooperatorenjahre
4) Italien
5) Innsbrucker Jahre
6) Tod
2. Das literarische Schaffen Bruder Willrams
1) Vom Heimat– zum Kriegsdichter
2) Zäsur 1918
3) Mediale Präsenz
4) Episch–Dramatische Versuche
3. Ad Namensgebung
4. Zur Person Bruder Willrams
1) Der Mensch Anton Müller
2) Der Redner Bruder Willram
A) Veröffentliche Ansprachen und Predigten
B) Rhetorisches, Stilmittel, Inhalte
1) „Die Symbolik der Arbeiterfahne“
2) „Gut und Blut für unsern Kaiser!“
C) Inhaltliches
3) Willram als Politiker
4) Der Lehrer Bruder Willram
Exkurs: Bruder Willrams Frauenbild
5) Bruder Willram der Romantiker
TEIL III: DAS BEDROHTE TIROL. WURZELN REAKTIONÄR–KONSERVATIVER MENTALITÄTSSTRUKTUREN
1. Einleitung
2. Das ,Heilige Land Tirol’
Tirols Bindung an die katholische Kirche
Exkurs: Die Tiroler Diözesaneinteilung
3. Die Ängste der Macht
1) Dimensionen der Angst
2) Die Abwehrreaktion als Aggression
3) Masse und Macht
4. Politischer Katholizismus im Tirol der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
1) Der Tiroler Kulturkampf
2) Die Lagerspaltung: Konservative vs. Christlich–Soziale
Exkurs Alttiroler – Jungtiroler:
Exkurs: Tourismus und Katholizismus
A) Bruder Willram und der Bruderzwist
5. Machterhaltung und Feindschaftserwartung
6. Instrumentarien des Politischen Katholizismus in Tirol
1) Die Idyllisierung von Vergangenheit
2) Die ,Nation Tirol’ als Ausdruck kultureller Identitäten
A) Nationale Identität
B) Deutsche Internationalität
C) „Immobiles sicut patriae montes“ – Tiroler Selbstverständnis
3) Das Bündnis mit dem Herzen Jesu
A) Herz–Jesu–Verehrung
B) Eine ,Geistliche Waffe’
C) Das Herz Jesu als Abwehrinstrument
4) Der Sandwirt–Mythos
A) Mythen im Nationalisierungsprozeß
B) Der Tiroler Freiheitskampf
C) Die Kreation eines Mythos
Exkurs: Tirols schwieriges Verhältnis zur Wiener Zentrale
D) 1909 – Am Höhepunkt der Hoferverehrung
E) Der Abwehrkampf von 1809 und Tirols militärischer Sonderstatus
5) Die Tiroler Landesfeiern zwischen 1863 und 1909
Exkurs: Tirol und die Habsburger
A) 1863: Die Vereinigungsfeier
B) 100 Jahre Tiroler Freiheitskampf
6) Xenophobie
A) Feindbildproduktion
B) Der ewige Jude
(1) Willram und Antijudaismus
C) Die roten Teufel
(1) Willram und Marxismus
7. Die Techet–Affäre
8. Bruder Willrams Katholizismus
9. Zusammenfassung
TEIL IV: GOTT DER KRIEGSHERR
1. Einleitung
2. Der Krieg als Chance
Katholische Theologie im Ersten Weltkrieg
3. Katholische Kriegsvorsehungslehre
4. Das Herz Jesu im Ersten Weltkrieg
5. Die Kriegstheologie in der Praxis:
1) Kriegsgebetsbücher
6. Zusammenfassung Kriegstheologie:
7. Bruder Willrams Heiliger Kampf
8. Schadensbegrenzung
9. Gott verliert den Weltkrieg
10. Anmerkung
TEIL V: DER BLUTIGE DICHTER
1. Dichtung und Krieg
2. Die unbekannte Wirklichkeit
1) Der verhinderte Soldat
2) Der Krieger am Schreibtisch und der Soldat an der Front
Vergleich von Willrams Phraseologie mit den Kriegseindrücken von Felix Hecht
A) Blut:
B) Größe:
C) Gott:
D) Tirol und Italien:
3) Dio in guerra
Vergleich Bruder Willrams mit Giosuè Borsi
TEIL VI: "DER FEIGE WELSCHE WICHT"
1. Einleitung
2. Die Irredenta
3. Deutsche Kultur und welscher Verrat
Antiitalienische Kriegspropaganda und –dichtung im Weltkrieg
4. Wider die österreichischen Barbaren
Italienische Kriegspropaganda
1) Gabriele D’Annunzio
A) Anmerkung zur Rezeption Gabriele D’Annunzios in der Literatur
TEIL VII: BILDER VON BRUDER WILLRAM
1. Der Kriegsdichter
2. Der verschmähte Dichter
Die Zwischenkriegszeit
1) Die Heimkehrerrede
2) Karl Kraus und Bruder Willram
3) Die späten Zwanziger und Dreißiger Jahre
3. Der wiederentdeckte Dichter
Die Nachkriegsjahre
4. Bruder Willram heute
1) Bruder Willram seit dem Zweiten Weltkrieg
2) Die Kindergartenaffäre
3) Bruder–Willram–Straßen
4) Die Brunecker Stadtgalerie
5) Gedenkfeiern und Würdigungen in den letzten Jahren
6) Der Bruder–Willram–Bund
7) Universitäre Arbeiten über Bruder Willram
A) Zur Dissertation von Iris Garavelli über ihren Urgroßonkel Anton Müller
TEIL VIII: SCHLUSSTEIL
1. Nachwort
2. Testament eines Dichters
3. Kurze Anmerkung zur binären Gerechtigkeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Person Anton Müllers, bekannt unter dem Pseudonym Bruder Willram, als zentralen Repräsentanten Tiroler Mentalitätsstrukturen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ziel ist es, seine Rolle als einflussreicher Dichter, Redner und Wegbereiter eines totalitär-reaktiven Katholizismus aufzuzeigen, wobei die Arbeit in einen historischen und geographischen Kontext eingebettet ist, um die Radikalisierung und gesellschaftliche Entsolidarisierung der Zeit verständlich zu machen.
1 ) Persönliches Geschichtsverständnis:
Wichtig erscheint es mir für diese Arbeit zu sein, einige Vorbemerkungen über das persönliche Geschichtsverständnis vorauszuschicken, um die Lesart dieser Dissertation zu beeinflussen.
Ich verstehe Geschichte als magistra vitae im Sinne eines Selbsterfahrungsprozesses und eines ansatzweisen (Kennen–)Lernens der eigenen Lebenswelt, der eigenen Ansichten und – im Endeffekt – der eigenen Wurzeln, des persönlichen durchaus archaischen Erbes, der eigenen Geschichtlichkeit als urmenschlichem Wesenszug.
Giambattista Vico (1668–1744) schreibt: „In der Geschichte begreift der Mensch sich selbst, und indem er sie sich erzählt, schafft er sie sich selbst nach seinen eigenen Gesetzen.“ In diesem Kontext ist also die lebensweltliche Relevanz von Geschichte und das Bewußtsein, daß die eigene Identität immer und zwangsläufig in „symmetrischer Relation“ mit dem aus dem Vergangenen Präsenten steht, zu bedenken, denn der oben angeführte Ansatz beinhaltet zweifellos die Gefahr für den Historiker, sich selbst und seiner Arbeit im Wege zu stehen.
„Ob etwas Falsches gehört werden möge oder ob etwas Wahres nicht gehört werden möge, entscheidet die Geschichte.“ – dieser Verantwortung in der Auswahl wie auch der Bearbeitung und Darstellung des Forschungsfeldes können Historiker letztlich nur versuchen möglichst gerecht zu werden.
Einleitende Worte: Einführung in die Zielsetzung, die Forschungsfrage und den methodischen Aufbau der Untersuchung zur Person Bruder Willram.
Methodologisches und Vorverständnis: Darlegung des persönlichen Geschichtsverständnisses des Autors sowie der wissenschaftlichen Arbeitsmethodik.
Der Nachlaß Anton Müller im Brenner–Archiv: Überblick über die Quellenlage im Nachlass und deren Werdegang bis zur Archivierung.
Biographie: Detaillierte Darstellung des Lebens von Anton Müller von der Kindheit in Bruneck bis hin zu seinem Tod und Begräbnis.
Das literarische Schaffen Bruder Willrams: Untersuchung der Entwicklung seines schriftstellerischen Werks vom Heimat- zum Kriegsdichter und die Zäsur im Jahr 1918.
Ad Namensgebung: Analyse der Entstehung und Bedeutung des Pseudonyms "Bruder Willram".
Zur Person Bruder Willrams: Tiefgreifende Betrachtung des Menschen Anton Müller, seiner Rolle als Redner, Politiker, Lehrer und seinem Selbstverständnis als Romantiker.
Bruder Willram, Anton Müller, Tiroler Identität, Politischer Katholizismus, Erster Weltkrieg, Kriegspropaganda, Herz-Jesu-Kult, Andreas Hofer Mythos, Antisemitismus, Nationalismus, Tiroler Landtag, Mentalitätsgeschichte, Österreich, Radikalismus, Klerikalismus.
Die Arbeit untersucht die Person Anton Müllers (Bruder Willram) als einen prägenden Repräsentanten Tiroler Mentalitätsstrukturen um die Jahrhundertwende und den Ersten Weltkrieg.
Zentral sind der politische Katholizismus in Tirol, die Rolle von Mythen und Feindbildern im Tiroler Patriotismus sowie die Person Bruder Willrams als Wegbereiter radikaler konservativer Strömungen.
Ziel ist es, anhand der Person und Funktion Bruder Willrams die Entstehung und Verbreitung von Ängsten in einer Umbruchszeit sowie die daraus resultierenden Radikalisierungsprozesse zu verstehen.
Es handelt sich um eine mentalitätsgeschichtliche Arbeit, die qualitative Analysemethoden zur Text- und Kontextinterpretation nutzt und dabei den Fokus auf eine biographisch eingebettete Darstellung legt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Biografie Bruder Willrams, eine Analyse seines literarischen Schaffens und der Instrumentarien des politischen Katholizismus sowie die Rolle der Kriegstheologie.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Tiroler Identität, politischer Katholizismus, Kriegspropaganda, Herz-Jesu-Kult, Andreas-Hofer-Mythos und Antisemitismus.
Die Affäre dient als prägnantes Negativbeispiel für den repressiven und restriktiven Umgang mit Kritikern innerhalb der Tiroler Gesellschaft und Identitätsvorstellung zu dieser Zeit.
Die Diskussion aus dem Jahr 1986 um die Benennung eines Kindergartens nach Bruder Willram verdeutlicht die auch heute noch bestehenden Kontroversen um die öffentliche Würdigung von Personen mit NS-naher oder nationalistischer Vergangenheit.
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