Diplomarbeit, 2004
133 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Familienformen in Pflegeverhältnissen – erste Grundbegriffe
2.1. Pflegefamilie
2.2. Geteilte Elternschaft oder pathogenes Beziehungsdreieck
2.3. Konkurrierende Pflegefamilienkonzepte
2.3.1. Ersatzfamilie
2.3.2. Ergänzungsfamilie
2.3.3. Gegenüberstellung
3. Untersuchungsdesign
3.1. Erkenntnisinteresse
3.2. Datenerhebung
3.3. Datenauswertung
3.4. Wort zur Einzelfallstudie
4. Ergebnisse der empirischen Erhebung
4.1. Beschreibung der Situation
4.2. Interview der zuständigen ASD-Mitarbeiterin
4.2.1. Besuchskontakte
4.2.2. Biographische Hintergründe
4.2.3. Verhältnisse und Kontakte zur Zeit des Pflegeverhältnisses
4.2.4. Erfahrungen und Empfindungen in Abschnitten des Pflegeverhältnisses
4.3. Interview der leiblichen Mutter
4.3.1. Besuchskontakte
4.3.2. Biographische Hintergründe
4.3.3. Verhältnisse und Kontakte zur Zeit des Pflegeverhältnisses
4.3.4. Erfahrungen und Empfindungen in Abschnitten des Pflegeverhältnisses
4.4. Interview der Pflegemutter
4.4.1. Besuchskontakte
4.4.2. Biographische Hintergründe
4.4.3. Verhältnisse und Kontakte zur Zeit des Pflegeverhältnisses
4.4.4. Erfahrungen und Empfindungen in Abschnitten des Pflegeverhältnisses
4.5. Zusammenhänge / Vergleiche der Interviews
4.5.1. Besuchskontakte
4.5.2. Biographische Hintergründe
4.5.3. Verhältnisse und Kontakte zur Zeit des Pflegeverhältnisses
4.5.4. Erfahrungen und Empfindungen in Abschnitten des Pflegeverhältnisses
5. Zusammenfassung und Fazit
Die Arbeit untersucht ein Pflegeverhältnis aus den unterschiedlichen Perspektiven der beteiligten Akteure (leibliche Mutter, Pflegemutter, ASD-Mitarbeiterin). Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die Wahrnehmungen und Empfindungen dieser Personen während der verschiedenen Phasen des Pflegeverhältnisses zu entwickeln und diese explorativ miteinander in Beziehung zu setzen, um komplexe Beziehungsdynamiken sowie die Rolle des Jugendamtes kritisch zu beleuchten.
2.2 Geteilte Elternschaft oder pathogenes Beziehungsdreieck
Um einen generellen Überblick in dysfunktionale Beziehungsdreiecke zu geben, möchte ich im Vorfeld kurz darstellen, welche Ansicht Gudat (1987b) in seinem Aufsatz „Systemische Sicht von Pflegeverhältnissen – Ersatz- oder Ergänzungsfamilie“ über solche Strukturen vertritt.
Demnach ist es durchaus möglich, dass zwischen Familienmitgliedern Allianzen entstehen, unter der Bedingung, dass sie sich gegenseitig gut unterstützen können und gemeinsame Interessen verfolgen. Dieser Form der Paarbildung kann die Koalition gegenübergestellt werden. Sie entsteht nicht primär aus einem Interesse aneinander (wie bei der Allianz), sondern auf Grund eines gemeinsamen Gegners, also anlässlich Bedürfnissen gegen einen Dritten (vgl. Gudat 1987b, S. 48-49). „Solche Koalitionen findet man häufig generationsübergreifend, z.B. ein Elternteil verbündet sich mit einem Kind gegen den anderen Elternteil oder Großmutter und Kind gegen die Mutter etc. Solche Koalitionen verhindern einen befriedigenden Interessenausgleich und stellen eine permanente Quelle von Unbehagen in der Familie dar“ (Gudat 1987b, S. 48).
Außerdem gibt es die Form der Distanz, die als Konflikt bezeichnet wird. Darunter können wir dauernde und ungelöste Konflikte, also „eine Art Feindschaft in der Familie“ (Gudat 1987b, S.48) verstehen, die nicht nur vorübergehenden Charakter haben oder sich als gelegentliche Streitereien äußern.
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert den Anspruch der Sozialen Arbeit auf empathisches Handeln in Pflegeverhältnissen und skizziert das Forschungsinteresse sowie den Aufbau der explorativen Einzelfallstudie.
2. Familienformen in Pflegeverhältnissen – erste Grundbegriffe: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Pflegefamilie und diskutiert systemische Konzepte wie das pathogene Beziehungsdreieck sowie die konkurrierenden Modelle von Ersatz- und Ergänzungsfamilie.
3. Untersuchungsdesign: Das Kapitel begründet die Wahl der qualitativen Forschungsmethode, spezifisch des narrativen Interviews, und beschreibt den Prozess der Datenerhebung und -auswertung innerhalb der Einzelfallstudie.
4. Ergebnisse der empirischen Erhebung: Der Hauptteil präsentiert die Einzelergebnisse der geführten Interviews und vergleicht die Wahrnehmungen der ASD-Mitarbeiterin, der leiblichen Mutter und der Pflegemutter hinsichtlich Besuchskontakten und Biografien.
5. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Bedeutung einer vernetzten Beratung und betont die Notwendigkeit, leibliche Eltern stärker in den Beratungsprozess einzubeziehen.
Pflegeverhältnis, Einzelfallstudie, narrative Interviews, leibliche Mutter, Pflegemutter, Jugendamt, Ersatzfamilie, Ergänzungsfamilie, Besuchskontakte, pathogenes Beziehungsdreieck, Bindungstheorie, Sozialarbeit, Biografie, Rückführung, Krisenintervention.
Die Diplomarbeit widmet sich der differenzierten Betrachtung eines Pflegeverhältnisses. Im Fokus steht dabei, wie die verschiedenen Involvierten – namentlich die leibliche Mutter, die Pflegemutter und die zuständige ASD-Mitarbeiterin – die Situation der Fremdunterbringung und die damit verbundenen Beziehungsdynamiken erleben.
Zentrale Themen sind die unterschiedlichen Konzepte von Pflegefamilien (Ersatz- vs. Ergänzungsfamilie), die Entstehung pathogener Beziehungsdreiecke, die Qualität der pädagogischen Beratung sowie die Auswirkungen von Besuchskontakten auf alle beteiligten Parteien.
Das Ziel ist die explorative Rekonstruktion der Wahrnehmungsperspektiven. Es soll aufgezeigt werden, wie komplex das Beziehungsgeflecht in Pflegeverhältnissen ist und warum eine ganzheitliche Betrachtung für die pädagogische Arbeit unerlässlich ist.
Die Autorin nutzt das narrative Interview als qualitatives Forschungsinstrument. Ergänzt wird dies durch ein Aktenstudium, um die verschiedenen Perspektiven der Interviewpartner zu triangulieren und die Komplexität des Falls abzubilden.
Im Hauptteil werden die Interviews mit den drei beteiligten Personen ausgewertet. Hierbei werden Themen wie biografische Hintergründe, die Qualität der Kontakte zur Zeit der Unterbringung und die persönlichen Erfahrungen in verschiedenen Phasen des Pflegeverhältnisses detailliert rekonstruiert.
Pflegeverhältnis, Einzelfallstudie, narrative Interviews, Ersatzfamilie, Ergänzungsfamilie, Besuchskontakte, pathogenes Beziehungsdreieck und Sozialarbeit sind die prägenden Begriffe dieser Arbeit.
Das Konzept dient als systemisches Erklärungsmodell für die Spannungsfelder zwischen leiblichen Eltern, Pflegeeltern und Kind. Die Autorin zeigt anhand der Interviews auf, wie durch rivalisierende oder konflikthafte Beziehungen der Erwachsenen das Kind in Loyalitätskonflikte geraten kann.
Diese Konzepte bestimmen die Zielsetzung des Pflegeverhältnisses: Während die Ersatzfamilie die Ablösung von der Herkunft anstrebt, fokussiert die Ergänzungsfamilie auf den Erhalt bestehender Bindungen. Die Autorin verdeutlicht, wie sich diese Ausrichtung im Verlauf eines Falls stetig ändern kann.
Die Autorin kritisiert einen Mangel an kontinuierlicher und qualitativ hochwertiger Beratung. Sie plädiert dafür, dass Jugendämter präventiver agieren, die leiblichen Eltern stärker in den Blick nehmen und eine bessere Vernetzung der beteiligten Fachdienste sicherstellen sollten.
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