Examensarbeit, 2006
78 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Die historische Verortung des Antisemitismus in Wien um 1900
2.1 Übersicht über die Geschichte des Antisemitismus
2.2 Die politische Situation in Wien um 1900
2.3 Die Situation der jüdischen Bevölkerung in Wien um 1900
2.4 Der Zionismus als (Gegen-)Bewegung des europäischen Nationalismus
2.5 Die Verortung Schnitzlers in der Gesellschaft Wiens
2.6 Das Fallbeispiel „Waidhofener Beschluss“ – Ausschlussversuch gegen jüdische Studenten
3. Die psychologische Seite des Antisemitismus
3.1 Freuds Psychoanalyse und die Dekonstruktion des Ich
3.1.1 Das Ich als ein psychischer Apparat
3.1.2 Das Verhältnis Freuds zur Wiener Moderne
3.1.3. Das Verhältnis Schnitzlers zu Freud
3.2 Antisemitismus bei Horkheimer / Adorno
3.2.1 Studien zum autoritären Charakter
3.3 Theweleit: Der Symbiotiker als der deutsche Normalfall im 19. Jahrhundert
4. Der Weg ins Freie – wohin denn?
4.1 Die Thematisierung des Antisemitismus…
4.1.1 …durch den Antisemiten Josef Rosner
4.1.2 …im Urteil der Betroffenen
4.1.3 …im Spiegel der distanzierten Beobachtung Georg von Wergenthins
4.1.4 Die Frage der Wahrnehmung und Wirklichkeit des Antisemitismus
4.2 Ausdifferenzierung der Parteien und Gruppen
4.3 Reaktionsmöglichkeiten auf den Antisemitismus
4.3.1 Individualismus
4.3.2 Zionismus
4.3.3 Sozialismus / Sozialdemokratie
4.3.4 Assimilation
4.4 Figurenanalyse
4.4.1 Josef Rosner
4.4.2 Leo Golowski
4.4.3 Oscar Ehrenberg
4.4.4 Therese Golowski
4.4.5 Georg von Wergenthin
4.4.6 Heinrich Bermann
4.5 Bewertungen und Urteile Schnitzlers
4.5.1 Inwieweit wird eine Übernahme oder Kritik der Theorie von der Existenz menschlicher Rassen deutlich?
4.5.2 Werden Reaktionsmöglichkeiten auf den Antisemitismus durch Schnitzler bewertet?
4.5.3 Welche Bewertung impliziert seine psychologische Konstruktion der Figuren?
5. Professor Bernhardi – Eine Tragikomödie des Eigensinns?
5.1 Einzelfall oder Gesellschaftsbild?
5.1.1 Die Komödie im Kontext der Polyklinik Heinrich Schnitzlers und der Wiener Gesellschaft
5.1.2. Die Konstruktion des Streitfalls
5.2 Das Drama Professor Bernhardi als Komödie?
5.2.1 Die Figur Professor Bernhardi
5.2.2 Professor Bernhardis Handeln als Tragikomödie des Eigensinns
5.2.3 Die Geschehnisse um Bernhardi als Komödie
5.3 Antisemitismus und die Rolle der Kirche
5.4 Antisemitismus und die Politik
5.5 Figurenanalyse: Die Psyche potenzieller Antisemiten
5.5.1 Hochroitzpointner als autoritärer Charakter nach Adorno
5.5.2 Hochroitzpointner als Symbiotiker nach Theweleit
5.5.3 Hochroitzpointner – eine von Schnitzler konstruierte Figur
5.6 Antisemitismus – seine politische, seine religiöse und seine psychologische Seite
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Thematisierung und psychologische Fundierung des Antisemitismus in Arthur Schnitzlers Roman Der Weg ins Freie und seinem Drama Professor Bernhardi. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie Schnitzler Antisemitismus im Spannungsfeld von Gesellschaft, Politik und individueller Psychologie darstellt, ob er Auswege aus diesem Phänomen aufzeigt und welche Gewichtung den verschiedenen Ursachen innerhalb seines literarischen Werks zukommt.
2.1 Übersicht über die Geschichte des Antisemitismus
Die uns heute bekannteste Form des Antisemitismus, der rassistische Antisemitismus, auch bekannt als „Rassenantisemitismus“5, entstand auf der Basis einer bereits bestehenden Feindschaft gegenüber Juden und dem Judentum sowie dem dazukommenden Rassismus, d.h. der Vorstellung unterschiedlicher Rassen, zu denen ein Mensch von Geburt an zugehörig sei, die bestimmte Eigenarten und Eigenschaften desjenigen, dem diese oder jene Rassenzugehörigkeit zugeschrieben wird, implizieren.
Als prägender Theoretiker ist Chamberlain zu nennen, der eine „Zuchtwahl“ nach darwinistischen Grundsätzen propagierte und dabei beispielsweise „das Aussetzen schwächlicher Kinder“ als ein segenvolles Gesetz der alten Griechen und Römer sowie der Germanen bezeichnete. Er lebte zeitweise in Wien, war hier in das intellektuelle Leben gut integriert und wurde häufig von der nationalen Presse zitiert.
„Das jüdische und das arische Prinzip hielt Chamberlain für unvereinbar. Weder Assimilation noch Konversion können einen Juden zum Nichtjuden machen. Damit wurde er zu einem wichtigen Propagator des Rassenantisemitismus.“6
Um ein detaillierteres Verständnis von den unterschiedlichen Ausprägungen antisemitischen Gedankenguts in Wien um 1900 zu erlangen, scheint es sinnvoll, die einzelnen, sicherlich teilweise parallel verlaufenden, Transformationen die der Antisemitismus Bernhard Giesen7 zufolge durchlief, zu betrachten. Giesen geht davon aus, dass Antisemitismus und Rassismus mehreren Veränderungen unterlagen, bevor sie sich erst relativ spät miteinander verbanden.
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Relevanz des Antisemitismus in Schnitzlers Werk und stellt die Forschungsfrage nach dem Zusammenspiel von Gesellschaft, Politik und Psychologie.
2. Die historische Verortung des Antisemitismus in Wien um 1900: Dieses Kapitel liefert den historischen Kontext, von der Entwicklung des Rassenantisemitismus bis hin zur politischen Situation und der jüdischen Lebenswelt im Wien der Jahrhundertwende.
3. Die psychologische Seite des Antisemitismus: Hier werden theoretische Modelle von Freud, Horkheimer/Adorno und Theweleit vorgestellt, um psychologische Mechanismen antisemitischer Charaktere zu analysieren.
4. Der Weg ins Freie – wohin denn?: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen jüdischen Reaktionsmöglichkeiten auf Antisemitismus im Roman und untersucht die psychologische Motivation antisemitischer Figuren.
5. Professor Bernhardi – Eine Tragikomödie des Eigensinns?: Das Drama wird als Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strukturen, kirchlicher Macht und dem psychologischen Phänomen des Antisemitismus betrachtet.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Schnitzler keine einfachen Antworten gibt, sondern die Vielschichtigkeit des Antisemitismus durch die psychologische Konstruktion seiner Figuren offenlegt.
Arthur Schnitzler, Antisemitismus, Der Weg ins Freie, Professor Bernhardi, Wiener Moderne, Psychoanalyse, Rassismus, Zionismus, Assimilation, Psychologie, Gesellschaftskritik, Judentum, Individuum, Autoritärer Charakter, Identität
Die Arbeit untersucht, wie Arthur Schnitzler das Phänomen des Antisemitismus in seinen Werken "Der Weg ins Freie" und "Professor Bernhardi" literarisch und psychologisch verarbeitet.
Die Arbeit behandelt den historischen Antisemitismus in Wien um 1900, verschiedene jüdische Reaktionsmuster (Assimilation, Zionismus, Individualismus) sowie die psychologische Analyse antisemitischer Charaktere durch moderne Theorien.
Es wird untersucht, wie Schnitzler das komplexe Zusammenspiel von Gesellschaft, Politik und individueller Psychologie bei der Entstehung und Aufrechterhaltung des Antisemitismus in seinen Stücken darstellt.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die durch historische Kontexte sowie psychoanalytische und sozialpsychologische Theorien (Freud, Adorno, Theweleit) gestützt wird.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Handlungsweisen und die psychologische Verfassung der jüdischen wie der antisemitischen Figuren in den beiden Werken vor dem Hintergrund zeitgenössischer gesellschaftlicher Diskurse.
Wichtige Begriffe sind u.a. Antisemitismus, Wiener Moderne, Psychoanalyse, Zionismus, Assimilation, Identität und Autoritärer Charakter.
Schnitzler stellt Rosner als inkompetent und lächerlich dar. Sein Antisemitismus wird als Ausdruck eines psychologischen Bedürfnisses nach Gruppenzugehörigkeit und nicht als logisch begründbare Ideologie entlarvt.
Der Zionismus wird im Roman zwar diskutiert, aber Schnitzler zeigt die Brüche in der Argumentation der bürgerlichen Zionisten auf und präsentiert ihn keineswegs als eine für das Bürgertum real umsetzbare Perspektive.
Der Titel deutet auf die individuelle Suche eines jeden Einzelnen hin, in einer Zeit ohne allgemeine Lösung für die Bedrückung durch den Antisemitismus seinen eigenen Weg zur persönlichen Freiheit zu finden.
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