Diplomarbeit, 2002
115 Seiten, Note: 2,5
1 Pflegerisches Handeln durch Beziehungsgestaltung und Selbstbefähigung (Harms/Kühne)
2 Das bio-medizinische Krankheitsmodell in der Orientierung an Norm und Abweichung (Harms)
2.1 Beispiel 1: Die Fiebermessung (Harms)
2.2 Beispiel 2: Der Versuch der Normierung des Psychischen (Harms)
2.3 Kritische Betrachtungen: Von der Pathogenese zur Salutogenese (Harms)
3 Grundlagen der Gesundheitsförderung (Kühne)
3.1 Gesundheitsförderung (Kühne)
3.2 Gesundheitsförderung der WHO (Kühne)
3.2.1 Das Mehrebenenmodell (Kühne)
3.2.2 Aktionsfelder der Gesundheitsförderung (Kühne)
3.3 Das Modell des gesundheitlichen Bewusstseins (Kühne)
3.4 Gesundheitsziele (Kühne)
4 Pflege und Gesundheitsförderung (Harms)
4.1 Auf dem Weg von der Krankenpflege zur Gesundheitspflege (Harms)
4.1.1 Wie Wissen Lernen in der Pflege verhindern kann (Harms)
4.1.2 Pflege als gesundheitsfördernde Kraft (Harms)
5 Bezugspflege als gesundheitsfördernde Arbeitsform (Kühne)
5.1 Das Pflegemodell von Peplau als ein Verständigungsmodell (Kühne)
5.2 Patientenorientierung (Kühne)
5.3 Mitarbeiterorientierung (Kühne)
6 Empowerment: Gesundheitsfördernde Strategie und Prozess (Harms)
6.1 Empowerment : Ursprünge, Konsequenzen und Ziele (Harms)
6.2 Eine Pflegeposition: Der Empowermentprozess als Professionalisierungshilfe (Harms)
6.3 Die Perspektive der Betroffenen als „Nutzer“ (Harms)
6.4 Von der Fremdbestimmung zur Selbstbestimmung von Pflegenden und zu Pflegenden (Harms)
7 Ausblick (Harms/Kühne)
7.1 Bezugspflege: Von der Begegnung zur Beziehung (Kühne)
7.2 Empowerment: Pflege ist subjektorientiert (Harms)
8 Schlussbetrachtungen (Harms/Kühne)
Die vorliegende Diplomarbeit verfolgt das Ziel, Gesundheitsförderung im Krankenhaus aus pflegerischer Sicht zu untersuchen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Pflegekräfte durch Beziehungsgestaltung und Selbstbefähigung (Empowerment) zu einer gesundheitsfördernden Praxis beitragen können. Dabei wird insbesondere die Forschungsfrage adressiert, wie Pflege – trotz bestehender, stark medizinisch geprägter Krankenhausstrukturen – eine ganzheitliche und subjektorientierte Versorgung fördern kann, die den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit anerkennt.
2.1 Beispiel 1: Die Fiebermessung (Harms)
„Natürlich konnte man die Individuen nicht befreien, ohne sie zu dressieren“ (Foucault 1997, S. 116).
Der Griff zum Digitalthermometer etwa erscheint uns aus heutiger Sicht normal, wenn wir das Gefühl empfinden, in unserem Körper entfaltet sich eine abweichende Körpertemperatur, die uns Krankheit anzeigt.
Wissenschaftshistorisch aber ist die Frage interessant, wie diverse Fiebermessinstrumente heute wie selbstverständlich in beinahe jedem Haushalt einsatzbereit zu finden sind. In der Klinik sind vor allem Pflegekräfte zu bestimmten Tageszeiten damit beschäftigt, immer wieder durch kommunikativen und technischen Eingriff bei den Patienten, abweichende Körpertemperaturen von der sogenannten Normaltemperatur herauszufiltern und dokumentarisch für ärztliche Zwecke in die „Fieberkurve“ einzuzeichnen. War das schon immer so? Was ist der Hintergrund dieser Geschichte?
Die Medizin ordnet unter „Normaltemperatur“ gemessene Werte von 36,3 Grad Celsius – 37,4 Grad Celsius ein; alle anderen sich ergebenden Werte gelten als abweichend (vgl. Der Gesundheits-Brockhaus 1999, S. 386).
Norm ist also wertbestimmt, (...) „besonders für die Lebenswissenschaften, wo dem biologisch Normalen eine ganz eigene normative Bedeutung zuzukommen scheint“ (Hess 1999, S. 222).
Das Beispiel der Fiebermessung gilt als (historisch) eine der ersten medizinischen Techniken der Normalisierung in der Moderne, als eine Praktik, um sich durch immer mehr verfeinerte Messmethoden einen vor allem quantitativen Zugriff auf den „objektiven Körper“ zu verschaffen.
1 Pflegerisches Handeln durch Beziehungsgestaltung und Selbstbefähigung: Das Kapitel führt in die Grundproblematik ein, dass Pflege trotz ihrer Tradition ihre eigene Rolle in Bezug auf Gesundheitsförderung im Krankenhaus neu definieren muss.
2 Das bio-medizinische Krankheitsmodell in der Orientierung an Norm und Abweichung: Es wird kritisch hinterfragt, wie historische Prozesse zur Normalisierung des Körpers und des Psychischen führten und wie die Medizin ihre Deutungsmacht über Gesundheit und Krankheit festigte.
3 Grundlagen der Gesundheitsförderung: Hier werden zentrale Definitionen von Prävention und Gesundheitsförderung sowie das Mehrebenenmodell der WHO erläutert und für den Krankenhauskontext operationalisiert.
4 Pflege und Gesundheitsförderung: Das Kapitel beleuchtet den Paradigmenwechsel von der reinen Krankenpflege hin zu einer gesundheitsfördernden Kraft, die sich vermehrt pflegewissenschaftlich begründen muss.
5 Bezugspflege als gesundheitsfördernde Arbeitsform: Bezugspflege wird als eine Arbeitsform dargestellt, die durch ganzheitliche Ansätze und das Pflegemodell nach Peplau eine stärkere Patienten- und Mitarbeiterorientierung ermöglicht.
6 Empowerment: Gesundheitsfördernde Strategie und Prozess: Empowerment wird als zentrale Strategie beschrieben, um Patienten und Pflegende zu stärken und aus der Fremdbestimmung in eine eigenständige, fachlich fundierte Rolle zu führen.
7 Ausblick: Der Ausblick verknüpft die vorgestellten Konzepte wie Bezugspflege und Empowerment zu einem Fazit, das die Notwendigkeit von Beziehungsgestaltung und Kongruenz in der Pflege betont.
8 Schlussbetrachtungen: Die Autoren fassen die Erkenntnisse der Arbeit zusammen und plädieren für eine nachhaltige Integration der Gesundheitsförderung in den Krankenhausalltag als festen Bestandteil pflegerischen Handelns.
Gesundheitsförderung, Krankenpflege, Bezugspflege, Empowerment, Normalisierung, Peplau-Modell, Salutogenese, Patientenorientierung, Krankenhaus, Pflegewissenschaft, Professionalisierung, Subjektorientierung, Beziehungsgestaltung, Gesundheit, Krankheit.
Die Arbeit untersucht das Potenzial und die Notwendigkeit, Gesundheitsförderung im Krankenhaus systematisch in die pflegerische Praxis zu integrieren, weg von einem rein kurativen Reparaturbetrieb.
Die Schwerpunkte liegen auf der Kritik des bio-medizinischen Normalitätsmodells, der Implementierung von Gesundheitsförderungskonzepten der WHO und der Stärkung der Pflege durch Bezugspflege und Empowerment.
Ziel ist es, Pflegekräfte zu befähigen, den Patienten als Subjekt und nicht nur als Objekt medizinischer Diagnostik zu behandeln, um so ein wachstumsförderndes Klima zu schaffen.
Die Autoren nutzen primär eine fundierte Literaturrecherche, Reflexionen aus der eigenen Berufspraxis sowie eine interdisziplinäre Auseinandersetzung mit pflege- und sozialwissenschaftlichen Theorien.
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Grundlagen (wie das Modell der Salutogenese oder das Peplau-Pflegemodell) als auch praktische Umsetzungsstrategien wie die Bezugspflege und das Empowerment für Patienten und Mitarbeiter diskutiert.
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Empowerment, Bezugspflege, Salutogenese, Patientenorientierung und Pflegewissenschaft aus.
Das Kapitel nutzt die Fiebermessung als historisches Beispiel für medizinische Techniken der Normalisierung, die den Körper objektivieren und den Patienten auf der Skala der Norm vermessen.
Es wird als geeignetes Verständnismodell hervorgehoben, da es den Beziehungsaspekt zwischen Pflegekraft und Patient in den Mittelpunkt stellt und Phasen der Interaktion definiert, die für eine gesundheitsfördernde Pflege essenziell sind.
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