Examensarbeit, 2005
99 Seiten, Note: 1,7
1. Vorbemerkung
2. Michel Foucaults Philosophie
2.1 Das Gleiche und das Andere
2.2 Diskurse und ihre Ordnungen
2.3 Der Ursprung der Diskurse
2.4 Das totalitäre Prinzip der Macht
2.5 Das Machtdispositiv
2.6 Revision der Unfreiheit
2.7 Foucaults Stellung in der Literaturwissenschaft
3. Diskursanalyse
3.1 Gemeinsame Voraussetzungen
3.2 Historische Diskursanalyse
3.3 Interdiskursanalyse
4. Hermeneutische Analyse von Meineckes „Tomboy“
4.1 Inhaltsangabe
4.2 Analyse
4.2.1 Aufbau des Romans
4.2.2 Erzählsituation
4.2.3 Zeitstruktur
4.2.4 Sprach und Sprachstil
4.2.5 Romanfiguren
4.2.5.1 Vivian
4.2.5.2 Frauke und Angelo
4.2.5.3 Korinna
4.2.5.4 Die drei Lehrerinnen
4.2.5.5 Hans
4.2.6 Theorieexkurse
4.2.7 Leserwirkung und Autorintention
4.2.7.1 Wirkung der Romanfiguren
4.2.7.2 Einordnung in literaturwissenschaftliche Kategorien
4.2.7.3 Komik, Selbstironie und die Position des Autors
4.3 Zusammenfassung
5. Interdiskursanalyse von Meineckes „Tomboy“
5.1 Der Diskurs der Geschlechterforschung
5.1.1 Geschlechterforschung und Mode
5.1.2 Geschlechterforschung und Musik
5.1.3 Geschlechterforschung und Sexualität
5.2 Interkulturelle Diskursanalyse
5.2.1 Literatur, Musik und Film
5.2.2 Psychologie und Philosophie
5.2.3 Historie
5.2.4 Nationale Identitäten
5.3 Zusammenfassung
6. Validitätsprobe anhand Jelineks „Die Klavierspielerin“
6.1 Erste Stichprobe
6.2 Zweite Stichprobe
6.3 Dritte Stichprobe
6.4 Zusammenfassung
7. Fazit
7.1 Operativität der Interdiskursanalyse
7.2 Hermeneutik und Interdiskursivität im Vergleich
7.3 Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die praktische Umsetzbarkeit und Operationalisierbarkeit der interdiskursiven Literaturanalyse nach Jürgen Link, wobei ein Vergleich mit der herkömmlichen, hermeneutischen Interpretationsmethode gezogen wird, um deren methodische Stärken und Schwächen aufzuzeigen.
4.2.5.1 Vivian
Die Hauptfigur des Romans, Vivan Atkinson, ist 24 Jahre alt, brünett, trägt eine Jungenfrisur und wird von nahezu allen Romanfiguren verehrt. Sie lebt und studiert in Heidelberg. Das Thema ihrer Magisterarbeit - Geschlechtliches Haben, Sein und Scheinen - prägt das gesamte Denken Vivians, die alles was sie sieht, hört oder liest damit in Zusammenhang bringt (vgl. Tb: 175). Ihre Eltern, ein ehemals in Heidelberg stationierter Soldat der US-Armee und eine der Hippiegeneration nahestehenden Deutsche, haben sich getrennt und leben nun beide in den USA. Vivians einzige Verwandte in Deutschland ist ihre Großmutter, die in Hanau lebt. Von ihr wird jedoch nur in Rückblenden über Vivians Kindheit berichtet, die sich im Patrick Henry Village, einer Wohnsiedlung der amerikanischen Armee in Heidelberg, abspielte (vgl. Tb: 45).
Vivian Atkinson ist nicht nur die Protagonistin des Romans, sie gibt ihm auch seinen Titel, der Vivian wiederum charakterisiert. „Tomboy“, so verrät der Klappentext, ist ein amerikanischer Ausdruck, der ein Mädchen bezeichnet, das sich, allen Rollenklischees zum Trotz, benimmt wie ein Junge. Vivian wurde von ihren Eltern wegen ihres burschikosen Auftretens mit dem Spitznamen „Tomboy“ tituliert (vgl. Tb: 59). Die tautologische Dimension des Begriffs wird bereits im Klappentext offenbart, denn das Komposita „Tomboy“ besteht aus zwei Bezeichnungen für männliche Individuen, dem Rufnamen „Tom“ und der allgemeinen Bezeichnung „Boy“. Dieser somit doppelt männliche Ausdruck wird aber ausschließlich für Mädchen benutzt. Vivians problematisches Verhältnis zu den sozial vorgegebenen Geschlechterrollen ist also schon in ihrer Kindheit angelegt und nimmt in ihrem Spitznamen symbolische Gestalt an.
1. Vorbemerkung: Einführung in die Problematik des monopolistischen Anspruchs der traditionellen Hermeneutik und Vorstellung des interdiskursiven Ansatzes.
2. Michel Foucaults Philosophie: Detaillierte Darstellung der für die Arbeit relevanten Begriffe Macht, Diskurs, Dispositiv und Interdiskurs bei Foucault.
3. Diskursanalyse: Vergleich des historischen Diskursanalyse-Ansatzes von Bogdal und des interdiskursiven Ansatzes von Link als Gegenmodelle zur Hermeneutik.
4. Hermeneutische Analyse von Meineckes „Tomboy“: Anwendung traditioneller Analysemethoden auf den Roman, um dessen Struktur, Erzählsituation und Figurenkonstellation zu erschließen.
5. Interdiskursanalyse von Meineckes „Tomboy“: Praktische Erprobung der interdiskursiven Methode zur Identifikation der integrierten Spezialdiskurse und der kulturellen Dimension.
6. Validitätsprobe anhand Jelineks „Die Klavierspielerin“: Anwendung der interdiskursiven Methode auf einen zweiten Text, um die Universalität der Vorgehensweise zu testen.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Operativität beider Methoden und Diskussion der Komplementarität von Hermeneutik und Interdiskursanalyse.
Diskursanalyse, Interdiskursanalyse, Michel Foucault, Hermeneutik, Thomas Meinecke, Tomboy, Elfriede Jelinek, Die Klavierspielerin, Geschlechterforschung, Spezialdiskurs, Literaturwissenschaft, Machtdispositiv, Literaturanalyse, Poststrukturalismus, Diskursordnung.
Die Arbeit untersucht, wie literarische Texte durch die Integration verschiedener Wissensbereiche (Spezialdiskurse) konstruiert sind, und vergleicht dazu zwei unterschiedliche literaturwissenschaftliche Methoden.
Im Mittelpunkt stehen die Literaturanalyse, die Diskurstheorie von Michel Foucault sowie die interdiskursive Theorie von Jürgen Link, angewandt auf zeitgenössische Romane.
Das Ziel ist es, die praktische Anwendbarkeit der interdiskursiven Literaturanalyse zu prüfen und aufzuzeigen, wie sie sich zur traditionellen Hermeneutik verhält.
Es werden zwei Ansätze kombiniert: Die hermeneutische Analyse zur Erschließung der fiktionalen Ebenen und die interdiskursive Literaturanalyse zur Rekonstruktion der im Text integrierten Diskurse.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine detaillierte Analyse von Thomas Meineckes „Tomboy“ (sowohl hermeneutisch als auch interdiskursiv) sowie eine Validierung der Methode anhand von Jelineks „Die Klavierspielerin“.
Schlüsselbegriffe sind Diskursintegration, Spezialdiskurs, Interdiskurs, Machtdispositiv, Geschlechterforschung und die Unterscheidung zwischen extensiver und intensiver Diskursintegration.
Der Roman eignet sich aufgrund seiner expliziten Auseinandersetzung mit theoretischem Wissen und seiner kollagenartigen Struktur als idealer „Paradefall“ für die Anwendung der interdiskursiven Literaturanalyse.
Jelineks Roman dient als Gegenprobe zur Validierung der Methode, da er weniger explizite Verweise auf Diskurse enthält und somit die Grenzen des interdiskursiven Ansatzes bei fiktional dominierten Texten verdeutlicht.
Die Methode ist operationalisierbar und liefert wertvolle Einblicke in die Struktur von Texten, ist jedoch in ihrer Effektivität stark von der Beschaffenheit des untersuchten Werkes abhängig.
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