Diplomarbeit, 2006
85 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
1. Einführung
1.1. Zum Begriff Integration
1.2. Historischer Hintergrund
1.3. Rechtsgrundlagen
1.4. Weitere Definitionen
2. Die Einstellungen und Orientierungen von jugendlichen Aussiedlern
2.1. Sozialisation im Herkunftsland und Ethnizität
2.2. Stellenwert der Familie und Migrationserfahrung
2.3. Werteorientierungen und Einstellungen zur Bildung und Familie
2.4. Motive der Aussiedlung
3. Aufnahme in der Bundesrepublik Deutschland
3.1. Eingliederungshilfen
3.2. Sprachliche und schulische Integration
3.3. Berufliche Situation
4. Prozesse von Integration und sozialer Ausgrenzung bei jungen Aussiedlern
4.1. Die Formen der Integration
4.2. Möglichkeiten sozialer Teilhabe als Einfluss auf die Integration
4.2.1. Sprachkompetenz
4.2.2. Soziales Netzwerk und Freizeit
4.2.3. Wohnsituation
4.2.4. Finanzielle Situation
4.3. Subjektiv wahrgenommene und tatsächlich vorhandene Teilhabechancen
5. Die Auswirkungen auf die Lebenssituation junger Aussiedler
5.1. Selbstwertgefühl, psychosomatische Beschwerden, Ängste
5.2. Gewalt und Kriminalität
5.3. Erfahrung von Ausgrenzung
5.4. Kriminologische Ursachentheorien
6. Aspekte der Förderung und Beratung als Unterstützung zur Integration
7. Fazit
Diese Arbeit analysiert die Integrationsbedingungen jugendlicher Aussiedler in der Bundesrepublik Deutschland, um Ursachen für gelungene oder problematische Integrationsprozesse zu identifizieren. Dabei wird untersucht, wie sozioökonomische Rahmenbedingungen, Bildungsbiografien und individuelle Einstellungen das soziale Teilhabeverhalten und die Lebenssituation dieser Zielgruppe prägen.
2.1. Sozialisation im Herkunftsland und Ethnizität
Jugendliche Aussiedler, die aus der ehemaligen Sowjetunion in den neunziger Jahren kommen, gehörten dort der Perestrojka-Generation an. Das ist die Zeit, als sich die ökonomischen, politischen und sozialen Strukturen des Sowjetischen Systems auflösten und sich auf dem Territorium der vormaligen Sowjetunion neue Nationalstaaten konstituierten. Die Veränderungen hatten Folgen für die schulische Sozialisation, das Berufsleben, die Jugendkultur und die gesellschaftliche Orientierung der Jugendlichen. Das Bildungssystem wurde damals komplett reformiert. Die Orientierungskrise der Jugendlichen nahm einen Einfluss auf die Persönlichkeitsbildung. Die staatliche Autorität und die Orientierung am Kollektiv haben deutlich abgenommen. Die schulische und berufliche Ausbildung wurde von den Jugendlichen zunehmend geringer bewertet, da eine höhere Ausbildung keine bessere Entlohnung oder größere Karrierechancen versprach. In Verbindung mit der ökonomischen Perspektivlosigkeit verunsicherte der Werteverlust die Jugendlichen. Zur Zeiten der Sowjetunion war eine eigenständige Jugendkultur weitgehend abgelehnt. In Folge der Umstrukturierungsprozesse (Perestroika), ergab sich die Möglichkeit die Jugendkultur zu erproben, die sich zunehmend an westlichen Mustern orientierte.
Junge Aussiedler waren in ihren Herkunftsländern auf jeden Fall integriert. Sie wuchsen mit der russischen Sprache auf, der russischen Alltagsstruktur und waren durch russische Einflüsse geprägt. Die Zugehörigkeit zur deutschen Minderheit beeinflusste die Sozialisation der Jugendlichen nicht. Den Jugendlichen wurde die deutsche Sprache primär durch die Familie vermittelt. Dasselbe gild für die deutschen Traditionen. Die ethnische Zugehörigkeit war in den Herkunftsländern jedoch in den öffentlichen Bereichen (bei Aufnahme in die Hochschule oder beim beruflichen Werdegang) von Bedeutung. Ich kann daraus schließen, dass die Jugendlichen oft erst durch die Reaktion der Gesellschaft auf ihre deutsche Abstammung aufmerksam wurden.
1. Einführung: Definition des Integrationsbegriffs und Darstellung der rechtlichen sowie historischen Rahmenbedingungen für Aussiedler.
2. Die Einstellungen und Orientierungen von jugendlichen Aussiedlern: Analyse der Sozialisation im Herkunftsland, der Bedeutung familiärer Traditionen und der Ausreisemotive.
3. Aufnahme in der Bundesrepublik Deutschland: Überblick über existierende Eingliederungshilfen sowie Herausforderungen in Schule und Beruf.
4. Prozesse von Integration und sozialer Ausgrenzung bei jungen Aussiedlern: Untersuchung der Faktoren, die soziale Teilhabe ermöglichen oder als Barrieren wirken, insbesondere Sprache und Wohnsituation.
5. Die Auswirkungen auf die Lebenssituation junger Aussiedler: Diskussion psychosozialer Folgen und kriminologischer Aspekte bei problematischen Integrationsverläufen.
6. Aspekte der Förderung und Beratung als Unterstützung zur Integration: Empfehlungen für eine effektive Jugendsozialarbeit und Vernetzung der Beratungsdienste.
7. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der Integrationschancen und notwendiger politischer sowie sozialpädagogischer Anpassungen.
Jugendliche Aussiedler, Integration, Soziale Teilhabe, Deutschland, Russlanddeutsche, Migrationserfahrung, Identitätskrise, Sprachförderung, Bildungswege, Sozialarbeit, Benachteiligung, Kriminalitätsprävention, Werteorientierung, Familienzusammenhalt.
Die Arbeit analysiert die Integrationsbedingungen junger Aussiedler in Deutschland, wobei ein besonderer Fokus auf den Herausforderungen bei der schulischen, beruflichen und sozialen Eingliederung liegt.
Zentral sind die Auswirkungen der Herkunftssozialisation, die Bedeutung von Sprachkenntnissen, die Wohnsituation sowie der Einfluss von Diskriminierungserfahrungen auf das Teilhabeverhalten.
Ziel ist es, die Faktoren zu identifizieren, die zu einer erfolgreichen bzw. problematischen Integration führen, und daraus Handlungsbedarfe für die soziale Beratung abzuleiten.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Basis bestehender Studien (insb. Osteuropa-Institut München, Strobl & Kühnel) und eigener Migrationserfahrungen der Autorin erstellt wurde.
Der Hauptteil behandelt die rechtlichen Grundlagen, die soziokulturelle Ausgangslage, die Prozessfaktoren der Integration (Teilhabechancen) sowie die psychischen und sozialen Folgen, wie etwa Delinquenz.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Identitätsbildung, Marginalisierung, soziale Randständigkeit, Assimilation und institutionelle Förderung gekennzeichnet.
Sprache wird als die grundlegende Kompetenz für die soziale Teilhabe angesehen; ihre Defizite sind laut Autorin der Hauptgrund für Misserfolge in Schule und Beruf.
Die Autorin kritisiert die aktuelle Praxis der Zuweisung in Hauptschulen als unterfordernd für viele Aussiedlerjugendliche und fordert eine differenziertere Betrachtung der mitgebrachten Bildungsabschlüsse.
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