Examensarbeit, 2006
150 Seiten, Note: 1,0
A Einführende Überlegungen
1 Inhalt und Ziel
2 Aspekte der Postmoderne
B Einblicke in historische Geniekonzeptionen
C Konzeptionen der postmodernen Genies im Parfum und in Schlafes Bruder
1 Genialität der postmodernen Genies
1.1 Der postmoderne Spezialist Jean-Baptiste Grenouille
1.2 Der postmoderne Spezialist Johannes Elias Alder
2 Postmodernes Liebesleid
2.1 Grenouilles Sehnsucht nach Liebe
2.1.1 Duftverzauberung
2.1.2 Das Dilemma der Geruchlosigkeit
2.2 Elias’ aussichtslose Liebesleidenschaft
3 Postmoderner Umgang mit Gott und Religion
3.1 Grenouilles Verhältnis zu Gott und Jesus
3.1.1 Gottlosigkeit
3.1.2 Ein pervertierter Jesus
3.2 Elias’ Erfahrungen mit Gott und Religion
3.2.1 Zwischen Wille und Prädestination
3.2.2 Religiöse Allusionen
4 Postmoderne Genies zwischen Krankheit und Wahnsinn
4.1 Psychische Zerrüttungen des morbiden Grenouille
4.2 Seelische Irritationen des sensiblen Elias
5 Um Leben und Tod – postmoderne Lebensunfähigkeit
5.1 Der mordende Grenouille und sein Kampf ums Überleben
5.2 Der lebensmüde Elias und sein Wille zum Tode
6 Sprachlose Kunst und verkannte Genies – postmoderne Flüchtigkeit
6.1 Jean-Baptiste Grenouille – zwischen Kunst und Verblendung
6.1.1 Verführung und Schein
6.1.2 Unvereinbarkeit von Kunst und Leben
6.2 Johannes Elias Alder – ein zeitlebens ungeborener Künstler
6.2.1 Unerhört musikalisches Wirken
6.2.2 Im Zeichen des romantischen Künstlertums
D Abschließende Betrachtungen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Konzeption des "postmodernen Genies" anhand der Romanfiguren Jean-Baptiste Grenouille aus Patrick Süskinds "Das Parfum" und Johannes Elias Alder aus Robert Schneiders "Schlafes Bruder". Ziel ist es, die spezifische Ausprägung dieser genialen Experten, ihr Scheitern an gesellschaftlichen Normen und ihre ungewöhnliche Auseinandersetzung mit existenziellen Themen wie Liebe, Gott, Krankheit und Tod herauszuarbeiten.
1.1 Der postmoderne Spezialist Jean-Baptiste Grenouille
Mit der Figur Jean-Baptiste Grenouille, der nach Darstellung des Erzählers „den genialsten und abscheulichsten Gestalten dieser an genialen und abscheulichen Gestalten nicht armen Epoche“ (P, 5) zuzuordnen ist, kreiert Patrick Süskind ein postmodernes Genie, das mit zahlreichen Attributen des Geniedenkens des 18. und 19. Jahrhunderts versehen ist. Wie Frizen und Spancken darlegen, geschieht dies nicht wahllos, sondern indem „eine gewisse kulturhistorische Folge eingehalten“ wird. Demzufolge wird in der Konzeption Grenouilles die Genie-Ideologie zweier Jahrhunderte aufgegriffen und zugleich desillusioniert: vom Genie des Sturm und Drang, der Klassik und der frühen Romantik über das dekadente Genie des Fin de Siècle bis hin zum totalitären Genie- und Führerkult in der Moderne lassen sich Elemente im Zuge der Entwicklung Grenouilles aufzeigen.
Begabt mit einem phantastischen Geruchstalent, jedoch selbst geruchlos wird Grenouille geboren und beginnt die Welt um sich herum olfaktorisch zu erkunden, zu erschnuppern. In den Kinderjahren muss er sich noch auf die geruchliche Erfassung seiner nahen Umgebung beschränken, doch entwickelt seine hochempfindliche Nase mit der Zeit die Fähigkeit, „immer schärfer und präziser“ (P, 36) zu riechen. Synästhetisch veranlagt kann er mit Hilfe seines unglaublichen Riechorgans alle anderen Sinne nahezu ersetzen: er sieht, schmeckt, tastet mittels seiner unvorstellbaren Riechfähigkeit und ist auf diese Weise fähig, sogar die Emotionen oder gar den Charakter anderer Menschen zu erfassen. Außerdem gelingt es ihm, jeden auch nur einmalig gerochenen Duft dauerhaft in seinem geradezu unglaublichen Geruchsgedächtnis zu speichern. Grenouille sammelt Gerüche jeder Art und saugt sie gierig in sich auf, denn er will „schlichtweg alles […] besitzen, was die Welt an Gerüchen zu bieten“ hat (P, 48). Dabei wird zwischen wohlriechend oder schlecht riechend (noch) nicht unterschieden, denn jeder Geruch hat für ihn einen ganz eigenen Wert. Zudem ist er befähigt, Gerüche nicht nur in ihrer Gesamtheit wahrzunehmen, sondern sie auch noch in ihre kleinsten Geruchskomponenten zu zerlegen oder sie „sogar in seiner bloßen Phantasie untereinander neu zu kombinieren“ (P, 34). So kreiert er in seinem Inneren immer wieder außerordentliche Düfte, die so in der Realität bisher weder vorhanden noch überhaupt vorstellbar sind.
A Einführende Überlegungen: Einführung in die Thematik der postmodernen Genies und Zielsetzung der Arbeit.
B Einblicke in historische Geniekonzeptionen: Kurzer Überblick über die Wandlung des Geniebegriffs vom 18. bis zum 19. Jahrhundert.
C Konzeptionen der postmodernen Genies im Parfum und in Schlafes Bruder: Detaillierte Analyse der Protagonisten hinsichtlich Genialität, Liebeskonzepten, religiösem Verhältnis, Krankheit, Lebensunfähigkeit und künstlerischer Wirkung.
D Abschließende Betrachtungen: Zusammenführende Analyse der Übereinstimmungen und Unterschiede in der Darstellung beider Protagonisten vor dem Hintergrund der Postmoderne.
Postmoderne, Genie, Jean-Baptiste Grenouille, Johannes Elias Alder, Das Parfum, Schlafes Bruder, Genialität, Geniegedanken, Lebensunfähigkeit, Liebesleid, Religion, Krankheit, Wahnsinn, Originalgenie, Künstlerroman
Die Arbeit analysiert die Darstellung der Protagonisten in Patrick Süskinds "Das Parfum" und Robert Schneiders "Schlafes Bruder" als "postmoderne Genies" und untersucht ihre jeweiligen Konzeptionen.
Zu den zentralen Feldern gehören die Genialität der Figuren, ihr Umgang mit existentiellen Themen wie Liebe, Gott und Religion, sowie ihre Disposition zu Krankheit und Wahnsinn.
Ziel ist es, die Umsetzung der postmodernen Genieidee in beiden Werken zu untersuchen und dabei den Schwerpunkt auf den Entwurf der beiden Protagonisten Grenouille und Elias Alder zu legen.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Vergleich der beiden Romane im Kontext literarischer Epochen und der Genie-Theorie vornimmt.
Der Hauptteil gliedert sich in sechs Bereiche, die von der Ausprägung der jeweiligen Genialität bis hin zu existentiellen Aspekten wie Liebe, Religion, Krankheit, Irrsinn und Tod reichen.
Wichtige Begriffe sind Postmoderne, Genie, Genialität, Originalgenie, Lebensunfähigkeit, Liebesleid, Krankheit, Wahnsinn und die spezifischen Romanprotagonisten.
Grenouille wird als olfaktorisches Genie mit destruktivem Machtanspruch dargestellt, während Elias als musikalisches Naturgenie eine romantisch geprägte, leidvolle Entwicklung durchläuft.
Grenouille negiert Gott und Religion komplett, während Elias' gesamtes Leben als von Gott vorherbestimmt erscheint, was in ihm jedoch tiefe Glaubenskrisen auslöst.
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