Diplomarbeit, 2007
73 Seiten, Note: 2,3
Einleitung
1 Grundlagen und Begriffsdefinition
1.1 Risikoparameter und erwarteter Verlust
1.2 Unerwarteter Verlust
1.2.1 Ökonomisches Kapital
1.2.2 Verlustverteilung des Kreditportfolios
1.3 Messung von Verlustquoten
1.4 Bedeutung des Recovery–Risikos für das Risikomanagement
2 Modellierung des Recovery–Risikos
2.1 Modelltheoretischer Hintergrund
2.1.1 Der Unternehmenswertansatz nach Merton
2.1.2 Klassische Ein–Faktor–Modellierung
2.2 Das Ein–Faktor–Modell mit systematischem Recovery–Risiko
2.2.1 Modellbeschreibung
2.2.2 Modellanalyse
2.2.3 Berücksichtigung des Besicherungsgrades
2.3 Kritische Würdigung des erweiterten Ein–Faktor–Modells
3 Ergebnisse empirischer Untersuchungen zum Recovery–Risiko
3.1 Zusammenhang zwischen Ausfallrisiko und Recovery–Risiko
3.2 Empirische Erkenntnisse zu weiteren Zusammenhängen
4 Bankenaufsichtsrechtliche Behandlung des Recovery–Risikos
4.1 Grundzüge der internationalen Bankenaufsicht
4.2 Ermittlung der regulatorischen Eigenkapitalanforderung
4.3 Kritik an der Behandlung des Recovery–Risikos nach Basel II
Schlussfolgerung und kritische Würdigung
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine kritische Analyse der aktuellen Modellierungsmethodik sowie der aufsichtsrechtlichen Behandlung des Recovery-Risikos innerhalb des Ein-Faktor-Kreditrisikomodells durchzuführen und dabei die Bedeutung des Parameters für das Risikomanagement sowie die Auswirkungen aufsichtsrechtlicher Rahmenvorgaben zu beleuchten.
1.4 Bedeutung des Recovery–Risikos für das Risikomanagement
Der Verlustquote bei Ausfall kommt eine elementare Bedeutung als Input–Parameter für das Risikomanagement von Kreditinstituten zu. Je genauer die Schätzung dieses Parameters erfolgt, desto besser kann das jeweilige Institut sein Kreditrisiko quantifizieren und dementsprechend präziser kann es sein zur Absicherung gegen erwartete und unerwartete Verluste benötigtes Eigenkapital ermitteln.
Die hohe Relevanz einer möglichst genauen Kalibrierung des Risikosystems im Hinblick auf die Verlustquote bei Ausfall wird unmittelbar aus Gleichung (1.6) auf Seite 6 ersichtlich: aufgrund der multiplikativen Verknüpfung des LGD–Parameters mit den Parametern PD und EAD beeinflusst ein etwaiger Schätzfehler in Bezug auf die Verlustquote die Risikoermittlung proportional im gleichen Maße wie Fehler bei der Schätzung der Ausfallwahrscheinlichkeit oder der Forderungshöhe bei Ausfall. Eine zu niedrige Schätzung des LGD stuft das Kontrahentenrisiko als zu gering ein und kann unter Umständen zu einer unzureichenden Risikovorsorge führen. Eine zu hohe LGD–Schätzung führt zu einer zu hohen Risikovorsorge und bewirkt damit einen unwirtschaftlichen Einsatz des Eigenkapitals.
Wie eingangs erwähnt, fand dieser Teil des Kreditrisikos dennoch sowohl in der Theorie als auch in der Praxis lange Zeit vergleichsweise wenig Berücksichtigung. Anstelle der Verwendung präziser Schätzungen wurden weitgehend arbiträre Parametrisierungen hinsichtlich des LGD vorgenommen. Dementsprechend sind die Durchsetzung des Risikomanagements mit geeigneten Bewertungsmodellen sowie die Verfügbarkeit konsistenter und genauer Daten über den Verlust bei Ausfall noch immer nicht so weit fortgeschritten wie dies zum Beispiel beim PD–Parameter der Fall ist. Vielfach kommen Kreditrisikomodelle zum Einsatz, die sich durch eine fehlende endogene Modellierung des LGD kennzeichnen.
Grundlagen und Begriffsdefinition: In diesem Kapitel werden die für das Verständnis des Recovery-Risikos notwendigen Risikoparameter wie PD, EAD und LGD eingeführt sowie Konzepte wie der erwartete und unerwartete Verlust definiert.
Modellierung des Recovery–Risikos: Dieses Kapitel stellt das theoretische Fundament dar, wobei insbesondere das Ein-Faktor-Kreditrisikomodell, seine Erweiterungen sowie die Modellierung des Recovery-Risikos im Kontext systematischer Risikofaktoren im Zentrum stehen.
Ergebnisse empirischer Untersuchungen zum Recovery–Risiko: Hier erfolgt eine Aufarbeitung und Konsolidierung empirischer Studien, die insbesondere den Zusammenhang zwischen Ausfallwahrscheinlichkeiten und Recovery-Raten (PD/LGD-Korrelation) belegen.
Bankenaufsichtsrechtliche Behandlung des Recovery–Risikos: Dieses Kapitel erläutert, wie Recovery-Risiken unter Basel II regulatorisch behandelt werden und übt Kritik an der Prozyklizität und der Linearität der Eigenkapitalanforderungen.
Recovery-Risiko, Verlustquote bei Ausfall, LGD, Ein-Faktor-Modell, Basel II, Ausfallwahrscheinlichkeit, PD, regulatorisches Eigenkapital, ökonomisches Kapital, Kreditrisiko, systematische Risikofaktoren, Unternehmenswertansatz, Merton-Modell, Risikomanagement.
Die Arbeit behandelt die Modellierung und die bankenaufsichtsrechtliche Behandlung des sogenannten Recovery-Risikos, also des Risikos der Unsicherheit hinsichtlich des tatsächlichen Rückzahlungsbetrags nach einem Kreditausfall.
Die zentralen Felder sind die theoretische Modellierung mittels Ein-Faktor-Modellen, die empirische Validierung der PD/LGD-Korrelation sowie die Umsetzung dieser Konzepte innerhalb der Basel II-Regelungen.
Ziel ist eine kritische Analyse der aktuellen Modellierungsmethodik, um aufzuzeigen, wie das Recovery-Risiko präziser erfasst und regulatorisch besser abgebildet werden kann.
Es werden modelltheoretische Ansätze (insbesondere der Merton-Ansatz und darauf aufbauende Ein-Faktor-Modelle) sowie eine Auswertung existierender empirischer Literatur zur Quantifizierung von Kreditverlusten angewandt.
Der Hauptteil gliedert sich in die formale Herleitung des Ein-Faktor-Modells mit systematischem Recovery-Risiko, die empirische Evidenz für diese Zusammenhänge sowie die kritische Prüfung der aufsichtlichen Eigenkapitalvorschriften nach Basel II.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Recovery-Risiko, LGD, Basel II, Ein-Faktor-Modell und Kreditrisikomanagement charakterisieren.
Es bezeichnet eine Modellvariante, bei der im Gegensatz zum klassischen Modell nicht nur das Ausfallrisiko, sondern auch die Recovery-Rate direkt vom systematischen Risikofaktor beeinflusst wird, um zyklische Effekte abzubilden.
Kritisiert wird primär die Prozyklizität der Eigenkapitalanforderungen und die lineare Berücksichtigung des LGD, die in Krisenzeiten zu einer unerwünschten restriktiven Kreditvergabe führen können.
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