Examensarbeit, 2002
69 Seiten, Note: 1,3
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Geschichtswissenschaftliche Grundlage der vorliegenden Untersuchung
2.2 Leben und Person des David Faßmann (1683-1744)
2.3 Die Geschichte der Totengespräche und deren besondere Ausprägung durch David Faßmann
2.4 Faßmanns Zeitschrift im Kontext der Epoche der Aufklärung
2.5 Die Verbreitung und die Adressaten der Totengespräche
2.6 Das Interesse des Deutschen Reiches an Russland
2.7 Die vier Totengespräche zwischen Peter dem Großen und Ivan dem Schrecklichen
2.7.1 Ivan IV. in der 83. und 84. Entrevue
2.7.1.1 Das Titelkupfer
2.7.1.2 Inhalte und thematische Schwerpunkte
2.7.1.3 Die Darstellung (Diktion, Literarizität und Intention)
2.7.1.4 Die Quellen
2.7.1.5 Ivans Historie: ein Geschichtsbild?
2.7.2 Peter der Große in der 84., 85. und 86. Entrevue
2.7.2.1 Das Titelkupfer
2.7.2.2 Inhalte und thematische Schwerpunkte
2.7.2.3 Die Darstellung (Diktion, Literarizität und Intention)
2.7.2.4 Die Quellen
3. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht David Faßmanns Zeitschrift „Gespräche in dem Reiche derer Todten“ im Hinblick auf die Darstellung der russischen Herrscher Peter der Große und Ivan der Schreckliche. Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwiefern Faßmann durch die literarische Gestaltung dieser Totengespräche spezifische Geschichtsbilder konstruiert und dabei Stereotype sowie publizistische Intentionen der Aufklärung nutzt.
2.7.1.1 Das Titelkupfer
Die Künstler der jeweiligen Titelkupfer der Faßmannschen Totengespräche sind unbekannt. Anzunehmen ist jedoch, dass die Stiche von mehreren Schöpfern stammen, die von Faßmann selber, oder aber von seinem Verlag beauftragt wurden, die Totengespräche zu veranschaulichen und ggf. zu vertiefen.
„In den Titelkupfern konzentriert sich das gesamte Geschehen auf einen kleinen Bildausschnitt, vollgepackt mit symbolträchtigem Szenarium. Niemals haben Ornament und Symbol eine größere Bedeutung als im Barock.“ Zahlreiche Bilder, Symbole, Allegorien und Personifikationen kennzeichnen das Titelkupfer der 83. Entrevue. Dieses bedarf – aufgrund eines sehr umfangreichen Ensembles an mythologischen Figuren und zahlreicher weiterer Symbole – einer ausführlicheren Erklärung als die übrigen, noch folgenden Stiche.
Zu sehen ist ein Zirkel aus acht Personen, der sich vor einer Landschaft mit Meer, Hafen, Schiffen, Wald und stürmischem Wind gruppiert. Rechts außen befindet sich Ivan der Schreckliche. Auf der linken Seite und auf einem Thron sitzend lächelt Peter der Große den Betrachter milde an. Während Ivan etwas im Abseits sitzt, schart sich die Götterwelt um Peter I.: Neptun, Mars, Apoll, Pallas-Athene und Hermes, der etwas abseits steht. Dicht hinter Peter steht der personifizierte Tod, aus dessen Mund im amorphen Gesicht ein Schriftzug fährt: „Ich freß all` Menschens Kind wie ich sie find, doch sind die Größten die allerbesten.“ Hinter Hermes ist eine vom Wind gebeugte Zeder zu sehen, die unverkennbar mit dem unter dem Stich stehenden Vierzeiler – einem Alexandriner – korrespondiert.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das wundersame Zusammentreffen russischer Herrscher in Faßmanns Zeitschrift ein und definiert die methodische Zielsetzung der Untersuchung.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die Grundlagen, die Person Faßmanns, die Genese des Genres Totengespräch sowie spezifisch die Entrevuen zwischen Peter dem Großen und Ivan dem Schrecklichen hinsichtlich ihrer inhaltlichen und darstellerischen Ausgestaltung.
3. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass Faßmanns Arbeit als bewusst tendenziöse, literarisch gestaltete Geschichtsvermittlung im Geiste der Aufklärung zu verstehen ist.
David Faßmann, Totengespräche, Peter der Große, Ivan der Schreckliche, Aufklärung, Geschichtsbild, Geschichtsbewusstsein, Russland, Russlandbild, Literaturgeschichte, Literarizität, Entrevue, Historie, historische Quellen, Barock.
Die Arbeit analysiert die „Gespräche in dem Reiche derer Todten“ von David Faßmann und untersucht, wie dieser russische Zaren als Protagonisten fiktiver Jenseits-Gespräche zur Vermittlung eines spezifischen Geschichtsbildes instrumentalisiert.
Im Zentrum stehen die Konzepte des Geschichtsbildes und des Geschichtsbewusstseins, die Funktion des Genres Totengespräch, der Einfluss der Aufklärung auf die Publizistik sowie die spezifische Russland-Wahrnehmung des 18. Jahrhunderts.
Das Ziel besteht darin zu belegen, wie Faßmann durch selektive Quellenwahl und literarische Übersteigerung ein positives Bild Peters des Großen konstruiert, während Ivan der Schreckliche als Kontrastfigur des „barbarischen Russlands“ dient.
Die Untersuchung folgt einem induktiven Ansatz, bei dem das Primärwerk (die Totengespräche) deskriptiv nach Schwerpunkten analysiert wird, um darauf aufbauend die Darstellungstechnik und die theoretische Fundierung mittels geschichtswissenschaftlicher Kategorien zu reflektieren.
Der Hauptteil befasst sich mit der Biografie Faßmanns, den Titeln und dem Aufbau der Zeitschrift, der inhaltlichen und rhetorischen Ausgestaltung der Gespräche zwischen Peter I. und Ivan IV. sowie einer quellenkritischen Analyse der verwendeten literarischen Vorlagen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie David Faßmann, Totengespräche, Geschichtsbild, Aufklärung, Russlandbild, Literarizität und Historische Quellen definieren.
Da es sich um ein fiktives Genre handelt, ermöglicht es dem Autor große Freiheiten. Die Arbeit zeigt, dass Faßmann historische Fakten zugunsten einer unterhaltsamen und ideologisch gefärbten Darstellung subjektiv verzerrt oder erfindet.
Diese bewusste Polarität dient Faßmann dazu, das „neue“, aufgeklärte Russland unter Peter I. als Idealbild vom „alten“, barbarischen Russland unter Ivan IV. abzuheben, um so den Zeitgeist der Aufklärung zu bestätigen.
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