Diplomarbeit, 2007
134 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Strafrechtliche Grundlagen
2.1 Gesetzliche Begriffsbestimmungen
2.2 Sexueller Missbrauch von Kindern
2.3 Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen
2.4 Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern
2.5 Sexueller Missbrauch mit Todesfolge
2.6 Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger
2.7 Beischlaf zwischen Verwandten
2.8 Rechtliche Regelungen für Auslandstaten
3. Begrifflichkeiten zum Themenbereich sexueller Missbrauch
4. Definitionen des sexuellen Missbrauchs
4.1 Enge Definition
4.2 Weite Definition
4.3 Klinische Definition
4.4 Gesellschaftliche Definition
4.5 Forschungsdefinition
4.6 Feministische Definition
4.7 Entwicklungspsychologische Definition
4.8 Fazit
5. Geschichte des sexuellen Missbrauchs an Jungen
5.1 Antike
5.2 Mittelalter
5.3 17. Jahrhundert
5.4 18. Jahrhundert
5.5 19. Jahrhundert
5.6 20. Jahrhundert
5.6.1 Nationalsozialismus
5.6.2 Fünfziger und Sechziger Jahre
5.6.3 Siebziger und Achtziger Jahre
5.6.4 Neunziger Jahre
5.7 Abschließende Bemerkungen
6. Freud – von der Verführungs- zur Ödipustheorie
7. Ursachen von sexuellem Missbrauch
7.1 Feministisches Erklärungsmodell
7.2 Drei-Perspektiven-Modell
7.2.1 Handlungsmotivation
7.2.2 Verhaltensbegünstigende und -hemmende Repräsentationen
7.2.3 Handlungsmöglichkeiten
7.2.4 Kosten-Nutzen Abwägung
7.2.5 Gültigkeit des Modells für Jungen als Opfer
7.2.6 Fazit
8. Besonderheiten der männlichen Opfer
9. Häufigkeit des sexuellen Missbrauchs
10. Formen des Missbrauchs
11. Täter und Täterinnen
11.1 Typkategorien
11.1.1 Fixierter Tätertyp
11.1.2 Regressiver Tätertyp
11.1.3 Soziopathischer Tätertyp
11.2 Täterstrategien
11.3 Vom Opfer zum Täter
11.4 Frauen als Täter
11.5 Kinder und Jugendliche als Täter
12. Folgen des Sexualmissbrauchs
12.1 Kurzzeitfolgen
12.2 Langzeitfolgen
12.2.1 Modell der traumatogenen Dynamiken
12.3 Geschlechtstypische Unterschiede
12.4 Opfer ohne Symptome
12.5 Mögliche ausmaßbeeinflussende Faktoren
13. Bewältigungsstrategien
13.1 Vermeidendes Coping
13.2 Dissoziation
13.3 Ausagieren
13.4 Projektion
13.5 Kognitive Neubewertung
13.6 Widerstand, Aufdeckung und Suche nach Unterstützung
13.7 Coping und mögliche Symptome
13.8 Fazit
14. Leitlinien der Interventionen
15. Therapie von Missbrauchsopfern
15.1 Leitlinien der therapeutischen Beziehungsgestaltung
15.2 Ursachen für das Aufschieben einer Therapie
15.3 Psychoanalytische Therapie
15.3.1 Analytische Psychotherapie mit erwachsenen Opfern von sexuellem Kindesmissbrauch
15.3.2 Analytische Psychotherapie mit Kindern als Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch
15.4 Personenzentrierte Psychotherapie
15.4.1 Personenzentrierte Psychotherapie mit erwachsenen Opfern sexueller Kindesmisshandlung
15.4.2 Personenzentrierte Spieltherapie
15.5 Verhaltenstherapie
15.5.1 Verhaltenstherapie mit erwachsenen Opfern von sexuellem Kindesmissbrauch
15.5.2 Verhaltenstherapie mit Kindern als Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch
16. Präventionsstrategien
16.1 Gesellschaftliche Veränderung als Präventionsstrategie
16.2 Präventionsarbeit mit Kindern
16.3 Präventionsarbeit mit Tätern
16.4 Präventionsarbeit mit Opfern
16.5 Präventionsarbeit mit Erwachsenen
16.6 Child Assault Prevention Project
16.7 Präventionsprogramm Dunkelfeld
16.8 Fazit
17. Fazit und Schlussfolgerungen für die Soziale Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, einen fundierten Überblick über das Thema des sexuellen Missbrauchs an Jungen in Deutschland zu geben, das lange Zeit ein Tabuthema darstellte. Die Forschungsfrage untersucht zudem, welche konkreten Schlussfolgerungen sich aus der theoretischen Auseinandersetzung für das Handlungsfeld der Sozialen Arbeit ergeben, um Betroffene besser zu schützen und Unterstützung anzubieten.
5.1 Antike
Wer in der Antike aufwuchs, erlebte seine Kindheit in einer Atmosphäre von sexuellem Missbrauch. „In Griechenland oder Rom aufzuwachsen bedeutete oft, von älteren Männern sexuell mißbraucht zu werden“ (deMause, 1994, S. 71). Viele bekannte Männer wie z. B. Platon oder Sokrates priesen die Knabenliebe. Sokrates bestimmte die Knabenliebe als grundlegendes Prinzip seiner Erziehungsmethode und praktizierte diese ebenso wie auch Platon bei der Wahl seiner Nachfolger (vgl. Borneman, 1975). Der sexuelle Missbrauch kleiner Kinder durch Erzieher, Pädagogen und Lehrer war wahrscheinlich in der ganzen Antike üblich (vgl. deMause, 1994). Die Griechen glaubten an die Einheit von Theorie und Praxis in der Bildung. In der Konsequenz bedeutete dies, dass die Ausbildung der Sinne bei den Schülern nur durch die praktische Erfahrung des Geschlechtsverkehrs möglich sei.
„Also ergab sich eine Form der Erziehung, bei der Geschlechtsverkehr zwischen Erzieher und Zögling nicht nur erlaubt, sondern verlangt wurde“ (Bornemann, 1975, S. 273). Ein weiterer Hinweis auf die Verbreitung von Päderastie gibt uns der Begriff Pädagoge, welcher seinen Ursprung im Denkkreis der Knabenliebe hatte. „Der Pädagoge war der Knabenführer, der ihn durch die Knabenliebe führte“ (Bornemann, 1984, S. 387). Die Griechen waren der Überzeugung, dass die generationsübergreifende Vermittlung von Weisheit nur durch Liebe möglich sei und die Neigung eines klugen Mannes zu einem Knaben die Basis für diese Weitergabe ist (vgl. Bornemann, 1984). Diese Verbindung konnte für beide Seiten vorteilhaft sein. Denn „je schöner der Schüler, je edler sein Geist war, desto größer war die damit verbundene Ehre für den Mann, den er als Lehrer anerkannte. Und umgekehrt, je vornehmer der Mann war, desto größer die Ehre für den Knaben, den er als Schüler anzunehmen bereit war“ (Tannahill, 1986, S. 87).
1. Einleitung: Beschreibt die persönliche Motivation des Autors sowie die Relevanz des Tabuthemas „sexueller Missbrauch an Jungen“ für die Soziale Arbeit.
2. Strafrechtliche Grundlagen: Erläutert die relevanten Paragraphen des StGB bezüglich sexueller Straftaten gegen Kinder und Schutzbefohlene in Deutschland.
3. Begrifflichkeiten zum Themenbereich sexueller Missbrauch: Diskutiert die vielfältige Terminologie und die mit den Bezeichnungen verbundenen gesellschaftlichen und theoretischen Probleme.
4. Definitionen des sexuellen Missbrauchs: Stellt verschiedene Definitionsansätze vor, von engen bis hin zu gesellschaftlichen und feministischen Erklärungsmodellen.
5. Geschichte des sexuellen Missbrauchs an Jungen: Analysiert die historische Entwicklung der Gewalt gegen Jungen von der Antike bis ins 20. Jahrhundert.
6. Freud – von der Verführungs- zur Ödipustheorie: Beleuchtet Freuds historischen Sinneswandel und die Auswirkungen seiner Theorien auf die Wahrnehmung von Missbrauch.
7. Ursachen von sexuellem Missbrauch: Präsentiert das feministische Modell und das Drei-Perspektiven-Modell zur Ursachenerklärung.
8. Besonderheiten der männlichen Opfer: Analysiert, warum männliche Opfer oft nicht als solche wahrgenommen werden und welche Rollenerwartungen das Schweigen fördern.
9. Häufigkeit des sexuellen Missbrauchs: Setzt sich mit der Problematik der Dunkelziffer und Datenquellen wie der polizeilichen Kriminalstatistik auseinander.
10. Formen des Missbrauchs: Kategorisiert die Erscheinungsformen sexueller Gewalt, inklusive der Problematik des ritualisierten Missbrauchs.
11. Täter und Täterinnen: Differenziert Tätertypen, beschreibt Strategien und geht auf die Entwicklung vom Opfer zum Täter sowie die Rolle von Frauen ein.
12. Folgen des Sexualmissbrauchs: Unterscheidet zwischen Kurz- und Langzeitfolgen und thematisiert das Modell der traumatogenen Dynamiken.
13. Bewältigungsstrategien: Untersucht verschiedene Coping-Mechanismen wie Dissoziation, Ausagieren oder kognitive Neubewertung bei den Betroffenen.
14. Leitlinien der Interventionen: Definiert Grundsätze für ein professionelles Vorgehen bei Verdachtsfällen in der Sozialen Arbeit.
15. Therapie von Missbrauchsopfern: Skizziert therapeutische Ansätze wie Psychoanalyse, personenzentrierte Therapie und Verhaltenstherapie.
16. Präventionsstrategien: Diskutiert Ansätze der primären Prävention auf gesellschaftlicher, kind- und täterzentrierter Ebene.
17. Fazit und Schlussfolgerungen für die Soziale Arbeit: Zieht Bilanz über den Forschungsstand und formuliert konkrete Forderungen an die Soziale Arbeit.
Sexueller Missbrauch, Kindesmissbrauch, Jungen, Soziale Arbeit, Prävention, Täterstrategien, Traumatisierung, Opferidentität, Psychotherapie, Kinderschutz, Päderastie, Dunkelziffer, Bewältigungsstrategien, Machtgefälle, Rollenverständnis
Die Diplomarbeit widmet sich dem gesellschaftlich tabuisierten Thema des sexuellen Missbrauchs an Jungen in Deutschland und analysiert dessen Hintergründe, Folgen und Möglichkeiten der professionellen Intervention durch die Soziale Arbeit.
Die Arbeit deckt ein breites Spektrum ab, das von strafrechtlichen und historischen Grundlagen über Ursachenmodelle und Tätertypologien bis hin zu psychologischen Folgen, therapeutischen Ansätzen und konkreten Präventionsstrategien reicht.
Ziel ist es, den Informationsstand über das Thema zu verbessern, zur Enttabuisierung beizutragen und Handlungsempfehlungen für Professionelle in der Sozialen Arbeit zu formulieren, um den Kinderschutz effektiver zu gestalten.
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse wissenschaftlicher Fachpublikationen, Theorien und empirischer Studien aus den Bereichen Sozialpädagogik, Psychologie und Rechtswissenschaften.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Ursachen sexueller Gewalt, die spezifischen Dynamiken bei männlichen Opfern, Täterstrategien, die Folgen des Missbrauchs sowie verschiedene therapeutische Interventionsformen für Kinder und Erwachsene.
Zentrale Begriffe sind sexueller Missbrauch, Jungen als Opfer, Täterstrategien, Prävention, Kinderschutz, Soziale Arbeit, Traumatisierung und Bewältigungsstrategien.
Der Autor kritisiert die häufig reißerische und wenig sachliche Berichterstattung der Medien, die Stereotype verstärkt, anstatt das Wissen über Ursachen und notwendige Prävention in der Bevölkerung zu fördern.
Die Arbeit leistet Pionierarbeit, indem sie männliche Opfer explizit in den Fokus rückt und aufzeigt, wie traditionelle männliche Rollenbilder und Erwartungen an Stärke das Hilfe-Suchen und die Anerkennung als Opfer behindern.
Der Autor fordert eine aktivere, präventive Rolle der Sozialen Arbeit, bessere Arbeitsbedingungen in Jugendämtern, eine stärkere politische Lobbyarbeit sowie eine konsequente Enttabuisierung in der Ausbildung von Fachkräften.
Er sieht sie als notwendig an, kritisiert jedoch, dass sie oft zu stark die Verantwortung den Opfern aufbürden oder die Bedürfnisse von Kindern nicht kindgerecht berücksichtigen, und fordert eine stärkere Einbindung des sozialen Umfelds und der Täterseite.
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