Examensarbeit, 2006
140 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
Teil I: Konstruktivistische Erkenntnistheorie und ihre Überführung in die Pädagogik
2. Empirische Fundamente
2.1 Kognitionsbiologische Ansätze und gehirnphysiologische Argumente
2.2 Autopoietische Systeme
2.3 Sprache und Bewusstsein
3. Konstruktivistische Konsequenzen
3.1 Erkenntnistheoretische Konsequenzen
3.2 Das Viabilitätskonzept
3.3 Ethische Konsequenzen
4. Konstruktivistische Pädagogik
4.1 Anthropologische Grundlagen und die Modellierung des Subjekts
4.2 Konstruktivistische Lehr- und Lerntheorie
4.2.1 Lernen
4.2.2 Kommunizieren
4.2.3 Lehren
4.2.4 Zusammenfassung der Ergebnisse
4.3 Konstruktivistische Didaktik
4.3.1 Die konstruktivistische Unterrichtssituation
4.3.1.1 Die Modellierung der Inhalte
4.3.1.2 Die Modellierung der unterrichtlichen Beziehungen
4.3.2 Die konstruktivistische Unterrichtsgestaltung
4.3.3 Konstruktivistische Unterrichtsziele und -inhalte
4.3.4 Zusammenfassung der Ergebnisse
Teil II: Kritik der konstruktivistischen Erkenntnistheorie und ihrer pädagogischen Indienstnahme
5. Unschärfen konstruktivistischer Erkenntnistheorie
5.1 Konstruktivistische Theoriebildung zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung
5.2 Die logischen Inkonsistenzen konstruktivistischer Erkenntnistheorie
5.2.1 Die konstruktivistische Behauptung eigener Geltung
5.2.2 Der konstruktivistische Blick auf die empirischen Wissenschaften
5.3 Kritik der viabilistischen Wahrnehmungskonzeption
5.4 Zusammenfassung der Ergebnisse
6. Kritik konstruktivistischer Pädagogik
6.1 Die Konstruktivität aller Kognition und der homo materia
6.2 Kritik der konstruktivistischen Lehr- und Lerntheorie
6.2.1 Unbestimmtes Lernen
6.2.2 Aporien konstruktivistischer Kommunikation
6.2.3 Die Entprofessionalisierung der Lehre
6.3 Kritik konstruktivistischer Didaktik
6.4 Zusammenfassung der Ergebnisse
7. Schlussbetrachtungen
Die Arbeit untersucht kritisch, ob die konstruktivistische Pädagogik eine viable (tragfähige) Konstruktion darstellt. Im Fokus steht die Frage, inwieweit die Überführung erkenntnistheoretischer Theoreme in die pädagogische Praxis unter Berücksichtigung neurophysiologischer Grundlagen schlüssig ist oder ob sie logische Inkonsistenzen und soziale Problematiken verbirgt.
1. Einleitung
Der von Kösel 1995 selbstbewusst proklamierte „Paradigmenwechsel in der Didaktik“ (Kösel 1995, S. 7) beschreibt einen ersten Höhepunkt der Akzentuierung subjektiver Wirklichkeitskonstruktionen in der Pädagogik bei zeitgleicher Zurückweisung der Möglichkeit einer vom Beobachter unabhängigen Erkenntnis. Als Ausgangspunkt einer als innovativ sich gebärdenden Pädagogik wird ein erkenntnis- und wissenschaftstheoretisches Paradigma propagiert, dessen radikalste Konsequenz in der Auflösung der „substantiellen Kategorien der Moderne“ (Pongratz 2005, S. 18) besteht. Die als Mythen apostrophierten Ansprüche einer nach Wahrheit strebenden Aufklärung werden durch das konstruktivistische Verständnis menschlicher Erkenntnis bereitwillig einem „funktionalistisch vereinnahmten Pragmatismus“ (ebd. S. 20) geopfert. Die Organisationsstruktur des konstruierenden Subjekts und die funktionalen Ansprüche der umgebenden Systemzusammenhänge erneuern als die entscheidenden Instanzen aller spezifischen Gewissheiten die Bedeutung des Objektiven. Die Objektivität wird in die Sphäre des Intersubjektiven verschoben und das Erlebnis einer Wirklichkeit wird an die subjektspezifische Wahrnehmungsverarbeitung und das sich ableitende Handeln gebunden.
Während die Wahrnehmung einer zweifelsfreien Wirklichkeit in den Bereich des Unmöglichen verwiesen ist, präsentieren sich die konstruktivistische Erkenntnistheorie und die aus ihr hervorgehende konstruktivistische Pädagogik als empirisch untermauerte Konzeptionen, die mit Hilfe neurophysiologischer Argumente die scheinbar hilflosen Spekulationen traditioneller Erkenntnistheorie überwinden konnte und so eine unhaltbar gewordene europäische Denktraditionen abgelöst hat (vgl. v. Glasersfeld 1998; Siebert 2003; v. Förster/ Pörksen 2004; Reich 2005). Realität äußert sich aus konstruktivistischer Perspektive nur noch in handlungseinschränkenden Störungen, so genannten Perturbationen, deren spezifische Widerständlichkeiten den Einzelnen zur Entwicklung ausgleichender, passender oder konstruktivistisch gesprochen viabler Lösungsansätze zwingen.
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den Paradigmenwechsel des Konstruktivismus in der Pädagogik und führt die kritische Fragestellung nach der Viabilität dieser Ansätze ein.
2. Empirische Fundamente: Dieses Kapitel erörtert die neurophysiologischen und kognitionsbiologischen Annahmen, auf denen konstruktivistische Erkenntnistheorien aufbauen.
3. Konstruktivistische Konsequenzen: Hier werden die erkenntnistheoretischen und ethischen Implikationen sowie das zentrale Viabilitätskonzept dargestellt.
4. Konstruktivistische Pädagogik: Dieses Kapitel befasst sich mit der Überführung der Theorie in Anthropologie, Lehr-Lern-Theorie und Didaktik.
5. Unschärfen konstruktivistischer Erkenntnistheorie: Eine kritische Analyse der theoretischen Inkonsistenzen, insbesondere hinsichtlich des Realismus-Problems.
6. Kritik konstruktivistischer Pädagogik: Eine tiefgehende Analyse der Schwachstellen in der praktischen Anwendung, inklusive der Entprofessionalisierung der Lehre.
7. Schlussbetrachtungen: Eine zusammenfassende Bewertung, die zu einem negativen Urteil über die pädagogische Eignung konstruktivistischer Ansätze führt.
Konstruktivismus, Pädagogik, Erkenntnistheorie, Viabilität, Neurophysiologie, Didaktik, Lernprozess, Systemtheorie, Subjektmodell, Autopoiese, Perturbation, Unterrichtsgestaltung, Wissenskonstruktion, Kritik, Erziehungswissenschaft.
Die Arbeit untersucht kritisch die konstruktivistische Pädagogik, insbesondere ihre erkenntnistheoretische Fundierung und deren Überführung in pädagogisches Handeln.
Die zentralen Felder sind die erkenntnistheoretische Basis (Neurobiologie), die darauf aufbauende Lehr- und Lerntheorie sowie die didaktische Gestaltung von Unterricht.
Die Arbeit stellt die Frage, ob die konstruktivistische Pädagogik eine "viable" (funktional angemessene) Konstruktion darstellt oder ob sie auf logischen Widersprüchen und einer problematischen pädagogischen Indienstnahme basiert.
Der Autor nutzt eine logisch-kritische Analyse, die theoretische Postulate auf ihre Konsistenz prüft und ihre Auswirkungen auf das pädagogische Denken und Handeln untersucht.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des konstruktivistischen Modells (Teil I) und eine umfassende Kritik an dieser Theorie sowie ihrer pädagogischen Umsetzung (Teil II).
Wichtige Begriffe sind Konstruktivismus, Viabilität, Autopoiese, Perturbation, strukturelle Kopplung und die Kritik an der ökonomischen Instrumentalisierung von Bildung.
Der Autor kritisiert, dass das konstruktivistische Modell den Lehrenden entprofessionalisiert, indem es ihn lediglich zum Moderator eines zufälligen Lernprozesses degradiert, anstatt absichtsvolles Handeln zu ermöglichen.
Der Autor argumentiert, dass konstruktivistische Ansätze eine affirmative Anpassung des Subjekts an die Anforderungen einer neoliberalen Gesellschaft befördern und Wissen als konsumierbare Ware im Sinne der Verwertbarkeit definieren.
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