Diplomarbeit, 2005
208 Seiten, Note: 1
1.) Einleitung
2.) Über die NJALSSAGA
2.1) Einführendes zu Herkunft, Tradition, Quellenlage und Forschungsgeschichte
2.1.1) Alter, Handschriften, Ausgaben
2.1.2) Quellen
2.1.3) Schauplätze
2.2) Äquivalenzliste der in der Abhandlung vorkommenden, deutsch gebrauchten Eigennamen
2.3) Soziogramm der handlungstragenden Personen
2.4) Inhalt
2.5) Das Umfeld der Entstehung
2.5.1) Historischer Hintergrund
2.5.2) Sozialer Hintergrund
a) Der soziale Kontext der Sagaproduktion
b) Die NJÁLA und die Familie der Svínfellingar
c) Der Autor und sein Publikum
3.) Sagatradition und Erzählkunst: Auswirkungen auf Publikum und Autor. Konvention und Manipulation – unvereinbare Widersprüche?
3.1) Grundsätze der Sagatradition
3.2) Objektive Erzählweise und Rezipientenlenkung – zwei sich ausschließende Gegensätze?
3.3) Rhetorik im Dienste der Manipulation?
4.) Die FEHDE – Das Gerüst der Saga?
4.1) Verwurzelung in der Bevölkerung
4.2) Eigenheiten und Merkmale – Versuch einer Definition
4.3) Die FEHDEN der Njála
4.3.1) „Dramatische Rollen“ als Konfliktträger
4.3.2) Die Konfliktkonstellationen der Njalssaga
4.4) Grenzen und Normen, Moral und Ethik
4.4.1) Blutige Details – allzeit willkommen oder nur situationsbedingt akzeptiert?
4.4.2) Rache – Normen und Wiedergutmachung
5.) Wie stirbt „Mann“ in der Njalssaga
5.1) Todesthema HOLMGANG
5.2) Todesthema HINTERHALT
5.2.1) Analyse der Kampfsequenzen des Typus HINTERHALT
5.3) Todesthemen ATTENTAT und AFFEKT-TOTSCHLAG
5.3.1) Analyse der Kampfsequenzen des Typus ATTENTAT und AFFEKT-TOTSCHLAG
5.4) Das Todesthema ÜBERFALL
5.4.1) Analyse der Kampfsequenzen des Typus ÜBERFALL
5.4.2) Analyse der auf den Mordbrand folgenden Textstellen, um Funktion und Zugang zu Gewaltdarstellungen zu verdeutlichen
5.5) Das Todesthema SCHLACHT/GRUPPENKAMPF
5.5.1) SCHLACHT: Erläuterung und Analyse der Kampfsequenzen
5.5.2) SEESCHLACHT: Erläuterung und Analyse der Kampfsequenzen
5.5.3) LANDSCHLACHT: Erläuterung und Analyse der Kampfsequenzen
5.5.4) GRUPPENKAMPF: Erläuterung und Analyse der Kampfsequenzen
5.6) Todesthema ÜBERSINNLICHES
5.6.1) Analyse der Textstellen, in denen ÜBERSINNLICHES eine Rolle spielt
5.7) Erwähnung von Krankheit-und-Alter-Toden, Unglücken und thematisch unklare Todesdarstellungen
5.7.1) Analyse der Textstellen der Typen KRANKHEIT-UND-ALTER-TOD, UNGLÜCK und THEMATISCH UNKLARE TODESDARSTELLUNGEN
6.) Die Kampfschilderungen der Njála – Einzigartige Stilblüten oder Gemeingut der Sagatradition?
6.1) Vergleichsbeispiel I: Die LAXDÖLASAGA
6.1.1) Zur LAXDÖLASAGA
6.1.2) Komparative Analyse der Kampf- und Todesdarstellungen
6.1.3) Resümee
6.2) Vergleichsbeispiel II: Die Sturlungasaga
6.2.1) Zur STURLUNGASAGA
6.2.2) Komparative Analyse der Kampf- und Todesdarstellungen
6.2.3) Resümee
7.) Einstellung der Protagonisten zu Kampf und Todesrisiko: Vergleich mit abendländischer Denkweise und zeitgenössischer Literatur des europäischen Mittelalters
7.1) Zur Einstellung der Nordmänner
7.2) Denktraditionen des Abendlandes
7.2.1) Kampf und Tod – Fiktionale Literatur des abendländischen Mittelalters
8.) Mord, Totschlag und Christentum – ein unvereinbarer Widerspruch?
9.) Resümee
10.) Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht die Prinzipien und Bedingungen kriegerischen Handelns sowie deren Darstellung in der Brennú Njals Saga. Das Hauptziel ist die Analyse, wie Gewalt innerhalb der Erzählkonventionen der Saga legitimiert wird, welche Rolle Autor und Publikum in einer wechselseitigen Kommunikation spielen und ob sich innerhalb der Kampf- und Todesdarstellungen eine bewusste Rezipientenlenkung oder Erzählkonvention nachweisen lässt.
Kap. 54 Erster Kampf an der Krummach
[…] Þeir hljópu þá allir af baki ok sóttu at Gunnari. Hallbjörn var fremstr. "Sœk þú eigi at," segir Gunnar. "Þér vildi ek sízt illt gera en ek mun þó engum hlífa ef ek á hendr mínar at verja." "Þat mun ekki gera," segir Hallbjörn. Þú munt þó drepa vilja bróður minn ok er þat skömm ef ek sit hjá" ok lagði til Gunnars tveim höndum miklu spjóti. Gunnar skaut fyrir skildinum en Hallbjörn lagði í gegnum skjöldinn. Gunnar skaut svá fast niðr skildinum at hann stóð fastr í jörðunni en tók til sverðsins svá skjótt at eigi mátti auga á festa ok hjó með sverðinu ok kom á höndina Hallbirni fyrir ofan úlflið svá at af tók. Skammkell hljóp á bak Gunnari ok høggr til hans með mikilli øxi. Gunnar snerisk skjótt at honum ok lýstr við atgeirinum ok kom undir kverk øxinni ok hraut hon ór hendi honum út á Rangá. Gunnar leggr í annat sinn atgeirinum ok í gegnum Skammkel ok vegr hann upp ok kastar honum í leirgötuna at höfði.
[…] Da sprangen sie alle vom Sattel und griffen Gunnar an. Hallbjörn war zuvorderst. „Greif du nicht an“, sagte Gunnar: „dir zuletzt möchte ich etwas antun; aber keinen werde ich schonen, wenn ich mich meiner Haut wehren muss.“ „Das hilft hier nichts“, sagte Hallbjörn: „wirst du doch meinen Bruder erschlagen wollen: das ist eine Schande, wenn ich zuschaue!“ Und er stach mit beiden Händen nach Gunnar mit einem großen Speere. Gunnar schob rasch den Schild davor, aber Hallbjörn durchbohrte den Schild. Gunnar stieß den Schild so fest nach unten, dass er in der Erde fest stak und griff zum Schwerte so schnell wie ein Blitz und führte einen Hieb damit , und es traf Hallbjörn auf den Arm über dem Handgelenk, sodass die Hand ab war. Skamkel sprang hinter Gunnar und hieb nach ihm mit einer großen Axt. Gunnar drehte sich schnell gegen ihn und schlug mit der Hellebarde dawider: es kam in die Kehle der Axt, und sie stob aus seiner Hand in die Krummach hinaus. Gunnar stach ein zweites Mal mit der Hellebarde und durch Skamkel hindurch und schwang ihn empor und schleuderte ihn köpflings auf den Lehmpfad.
1.) Einleitung: Diese Einleitung skizziert die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der detaillierten Gewalt in der Sagasliteratur und stellt die zentrale Forschungsfrage nach den ethischen Normen und der Rezipientenlenkung innerhalb der Njalssaga.
2.) Über die NJALSSAGA: Das Kapitel bietet eine umfassende Einführung in die Herkunft, Datierung, Handschriftenlage und den sozio-historischen Kontext der Njalssaga, inklusive einer Äquivalenzliste für Eigennamen.
3.) Sagatradition und Erzählkunst: Auswirkungen auf Publikum und Autor. Konvention und Manipulation – unvereinbare Widersprüche?: Hier wird analysiert, wie mündliche Erzähltraditionen, narrative Formeln und bewusste rhetorische Techniken des Autors dazu dienen, das Publikum zu unterhalten und zu lenken.
4.) Die FEHDE – Das Gerüst der Saga?: Das Kapitel definiert die Fehde nicht nur als zentrales Strukturmodell der Saga, sondern als tief im isländischen Sozialgefüge und Ehrbegriff verwurzeltes Phänomen.
5.) Wie stirbt „Mann“ in der Njalssaga: Eine systematische Kategorisierung der verschiedenen Todesthemen (Holmgang, Hinterhalt, Attentat, Überfall, Schlacht), anhand derer die spezifischen Inszenierungstechniken für Gewalt illustriert werden.
6.) Die Kampfschilderungen der Njála – Einzigartige Stilblüten oder Gemeingut der Sagatradition?: Ein vergleichender Blick auf die Laxdölasaga und die Sturlungasaga, um zu erörtern, ob die spezifische Darstellung von Kampf und Tod in der Njalssaga als individueller Stil oder als Teil einer breiteren literarischen Tradition zu verstehen ist.
7.) Einstellung der Protagonisten zu Kampf und Todesrisiko: Vergleich mit abendländischer Denkweise und zeitgenössischer Literatur des europäischen Mittelalters: Dieser Abschnitt kontrastiert das isländische Verständnis von heldischem Verhalten und Tod mit den Denktraditionen des europäischen Mittelalters.
8.) Mord, Totschlag und Christentum – ein unvereinbarer Widerspruch?: Das Kapitel diskutiert, wie sich das christliche Weltbild des Autors und die traditionelle Gewaltlogik der Saga innerhalb des Textes begegnen und teilweise vermischen.
9.) Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, wobei betont wird, dass Gewalt in der Saga vor allem eine Funktion für die Unterhaltung und die Profilierung der Helden einnimmt.
Njalssaga, Fehde, Sagatradition, Rezipientenlenkung, Kampfesdarstellung, altnordische Literatur, mittelalterliche Rechtskultur, Narratologie, Heldenbild, Gewaltästhetik, Überfall, Hinterhalt, Christianisierung, isländischer Freistaat, Ehre.
Die Arbeit untersucht die Darstellung von Kampf, Tod und Gewalt in der Njalssaga und analysiert, wie diese Elemente narrativ eingesetzt werden, um die Leserschaft zu unterhalten und bestimmte Botschaften zu vermitteln.
Die zentralen Themen sind die Struktur der Fehde, die psychologische Inszenierung von Gewalt, die Rolle der Ehre in der Gesellschaft sowie der Vergleich mit anderen Sagas und abendländischen Literaturtraditionen.
Es wird gefragt, ob die detaillierten Gewaltschilderungen in der Njalssaga rein der Darstellung folgen oder ob sie gezielte rhetorische Mittel zur Lenkung des Publikums darstellen und wie sie sich in einen christlich geprägten Wertekontext einordnen lassen.
Die Autorin kombiniert eine tiefgehende philologische Analyse des Originaltextes mit einer narratologischen Betrachtung der Erzählstrukturen und zieht vergleichende literaturwissenschaftliche Studien (z.B. von Heusler, Lönnroth, Byock) zur Interpretation heran.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Erzählkonventionen, der Fehdestruktur, der spezifischen Todesthemen (z.B. Hinterhalt, Überfall) sowie vergleichende Analysen zu anderen Sagas und zum europäischen Mittelalter.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Njalssaga, Fehde, Kampfesdarstellung, Rezipientenlenkung und Sagatradition charakterisiert.
Frauen, insbesondere Hallgerd, fungieren oft als „Primadonnen“ oder Initiatorinnen von Fehden, die Männer zu Racheakten aufstacheln, wobei ihre eigene, direkte Beteiligung an Gewalt meist durch gesellschaftliche Normen begrenzt bleibt.
Der Mordbrand wird als klimaktisches Ereignis der Saga betrachtet, an dem sich die künstlerische Gestaltung und der bewusste Einsatz rhetorischer Mittel zur Inszenierung eines "Heldentodes" besonders deutlich zeigen lassen.
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