Examensarbeit, 2006
112 Seiten
0. Einleitung
1. Untersuchung der Monologe
1.1 Wallenstein und Macbeth
1.1.1 Wallensteins Monolog Wär’s möglich? Könnt‘ ich...
1.1.2 Macbeths Monologe
1.1.2.1 If it were done when ´tis done...
1.1.2.2 Is this a dagger which I see before me
1.1.3 Zusammenfassung
1.2 Die Räuber und Richard III
1.2.1 Franz‘ Monolog Tröste dich, Alter! Du wirst ihn nimmer...
1.2.2 Richards Monolog Now is the winter of our discontent
1.2.3 Zusammenfassung
1.3 Die Verschwörung des Fiesco zu Genua: Fiescos Monolog Was ist das? - Der Mond ist unter – der Morgen kommt feurig
1.4 Don Karlos: Posas Monolog Wär’s möglich? Wär es?
1.5 Maria Stuart: Elisabeths Monolog O Sklaverei des Volksdiensts!
1.6 Wilhelm Tell: Tells Monolog Durch diese hohle Gasse muss er kommen
2. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion und Ausgestaltung von Monologen in den Dramen von Friedrich Schiller und William Shakespeare. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der psychologischen und dramaturgischen Anlage dieser Schlüsselszenen aufzuzeigen und den wechselseitigen Einfluss sowie die literarische Verwandtschaft zwischen den beiden Autoren zu beleuchten.
1.1.1 Wallensteins Monolog Wär’s möglich? Könnt‘ ich...
Wallensteins Achsenmonolog (vgl. Borchmeyer 1988: 157) besteht aus vier Abschnitten, die klar durch Regieanweisungen voneinander getrennt sind, deren Funktion die nähere Beschreibung der Gestik und Mimik Wallensteins ist. Der erste Abschnitt des Monologs (V. 139 – 158) besteht überwiegend aus Fragesätzen, die die Bestürzung Wallensteins über seine Situation ausdrücken sollen und endet mit folgender Regieanweisung: „Er bleibt tiefsinnig stehen“ (I, 1). Im zweiten Teil (V. 159 – 179) geht Wallenstein auf seine Gedanken ein und versucht eine Prognose darüber zu geben, wie wohl seine Gegner auf sein Vorhaben reagieren werden; der zweite Teil endet damit, dass Wallenstein „Wiederum stillsteh[t]“ (I, 1). Im dritten Teil, der seinen Schluss darin findet, dass Wallenstein „heftige Schritte durchs Zimmer“ (I, 1) macht und dann „wieder sinnend stehen“ (I, 1) bleibt, macht er deutlich, dass ein Handeln seinerseits notwendig ist. Im weiteren Verlauf folgt der in diesem Monolog umfangreichste Teil (V. 194 – 217); darin beschäftigt sich Wallenstein mit der „Frage nach seiner und nach der Legitimität der bestehenden Ordnung“ (Borchmeyer 1988: 158).
Um Wallensteins Ausgangssituation in seinem Monolog nachvollziehen zu können, bietet sich am besten Goethes Beschreibung an: „Man sieht ihn rückwärts planvoll, aber frei; vorwärts planerfüllend, aber gebunden. So lange er seiner Pflicht gemäß handelte, reizte ihn der Gedanke, dass er allenfalls mächtig genug sei, sie übertreten zu können, und in dieser Aussicht auf Willkür glaubt er sich auf eine Art von Freiheit vorzubereiten; jetzt aber, in dem Augenblick, da er die Pflicht übertritt, fühlt er, dass er einen Schritt zur Knechtschaft tue“ (zit. nach H. und K. 1977: 8).
0. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Monologs als "Atemzug der Seele" ein und erläutert die Absicht, Schillers Werke in Bezug auf den Einfluss Shakespeares zu untersuchen.
1. Untersuchung der Monologe: In diesem Hauptteil werden spezifische Monologe aus den Werken beider Autoren detailliert analysiert, wobei der Fokus auf Wallenstein, Macbeth, Franz, Richard III, Fiesco, Don Karlos, Maria Stuart und Wilhelm Tell liegt.
2. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass beide Autoren ähnliche Redeformen nutzen, um individuelle Charakteristika und moralische Konflikte zu verdeutlichen, wenngleich Schiller eher in "Handlungsdramen" und Shakespeare in "Charakterdramen" denkt.
Monolog, Drama, Friedrich Schiller, William Shakespeare, Wallenstein, Macbeth, Identität, Schicksal, Handlungsentschluss, Macht, Schuld, Sein und Schein, Literaturvergleich, Handlung, Charakterentwicklung.
Die Arbeit untersucht die Monologe von Hauptfiguren in Dramen von Schiller und Shakespeare. Es wird analysiert, wie diese Figuren ihre Entscheidungen reflektieren und welche Rolle dabei externe und interne Faktoren spielen.
Zentral sind die Themen Machtstreben, Verrat, die Rolle der Vorsehung bzw. Sterne, das menschliche Gewissen sowie der Konflikt zwischen eigenem Willen und gesellschaftlichen Zwängen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich Schiller von Shakespeare beeinflussen ließ und ob sich trotz unterschiedlicher dramatischer Grundkonzepte Parallelen in der Monologführung und psychologischen Zeichnung finden lassen.
Die Autorin wendet eine detaillierte Text- und Inhaltsanalyse an, bei der primär die Monologe im chronologischen Kontext der jeweiligen Dramen interpretiert und durch Querverweise auf zeitgenössische Forschungsliteratur (wie Borchmeyer oder Clemen) gestützt werden.
Im Hauptteil werden acht prominente Monologe analysiert, unter anderem von Wallenstein und Macbeth, Franz und Richard III, sowie Fiesco, Posa, Elisabeth und Tell, wobei Gemeinsamkeiten in Bildsprache und Struktur herausgearbeitet werden.
Wichtige Begriffe sind "Wollen" und "Sollen", der ästhetische Schein, das Individuum im Konflikt, die "äußere Veranlassung" und die Funktion des Monologs als Reflexionsraum.
Die Arbeit zeigt auf, dass Helden wie Wallenstein oder Fiesco den Zufall bzw. das Glück (Fortuna) oft gegen ihre Vernunft ins Feld führen, um ihr Handeln zu rechtfertigen, während dies bei Shakespeare oft stärker in ein komplexes, schicksalhaftes Geflecht eingebettet ist.
Die Autorin legt dar, dass bei Shakespeare der Charakter die Handlung entwickelt, während bei Schiller die Geschichte den Menschen maßgeblich formt und die Handlung einem vorherbestimmten Sinngefüge folgt.
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