Magisterarbeit, 2004
104 Seiten, Note: 1.0
1. Einleitung
2. Zwischen Fiktion und Faktizität: Kulturelle und sexuelle Gewalt in der Gegenwart
2.1 „Wo Weiße sind, gibt es Essen“ – kulturelle Hierarchisierung
2.2 „Aggressive Abwehrreflexe“ – Reaktion auf indirekt vermitteltes Leiden
2.3 „Gewalt als Aphrodisiakum?“ – Reaktion auf direkt erfahrenes Leiden
2.4 „Was bleibt, ist die unglaubliche Roheit“ – Reaktion auf das Leiden der Mutter
2.5 „Dein Vorrat an einschlägigen Substantiven und Adjektiven ist erschöpft“ – Medien- und Sprachkritik
2.6 „Mehr sagt er nicht“ – Polyphonie?
3. Der Kolonialismus und die Verantwortung der Europäer
3.1 „Von einem muskulösen Träger geschultert“ – Privilegierung des „weißen“ Entdeckers
3.2 „der Erfüllung meiner geheimsten Wünsche nahe“ – Kandt und Mabruk als „koloniales Paar“
3.3 „Und wer sind Sie, junger Mann?“ – Zu Buchs Sicht auf Kandt
3.4 „…daß der Kampf für keine Seite militärisch zu gewinnen war“ – Europa zur Zeit des Ersten Weltkrieges
3.5 „Ich schreibe diese Zeilen in der Zeit nach meiner Zeit“ – Zur Funktion der Multiperspektivität
4. „Die Grundübel der Dritten Welt: Korruption, Brutalität und Ineffizienz“
4.1 Korruption: „Der Name wirkt wie ein Sesam-öffne-dich“
4.2 Brutalität: „Die Männer waren maskiert“
4.3 Ineffizienz: „Am Ende seiner zweistündigen Rede werden der Bierpreis und der Dollarkurs per Akklamation festgelegt“
4.4 Zum Motiv des Brudermords
4.5 Zur Überwindung des „Dritte-Welt“-Diskurses
5. Geschichte als Zyklus?
5.1 Zum Prolog: Kunst und Geschichte – Tilgung des Konkreten
5.2 „Angeblich ist Kabila eine Reinkarnation Mobutus“ – Wiederholung der Geschichte?
5.3 Zur Bedeutung biblischer Stoffe und Motive
5.4 Schreiben als „kollektives Unternehmen“ – Intertextualität
6. Grenzüberschreitung und Utopie
6.1 „Das Paradies ist OFF LIMITS“ – Grenzüberschreitung?
6.2 Grenzüberschreitung und interkulturelle Begegnung
6.3 „Je länger ich hierbleibe, desto weniger begreife ich“ – Grenzüberschreitung und Fremdverstehen
6.4 „Denn hätten sie es gelernt, wären sie nicht zurückgekehrt“ – Grenzüberschreitung und Tod
7. Der Schriftsteller und die Gesellschaft
7.1 „Kulturelles“ und individuelles Gedächtnis – Vermitteln und Verarbeiten
7.2 Schreiben gegen Totalitarismus und Fremdenhass
8. Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht in Hans Christoph Buchs Roman „Kain und Abel in Afrika“ die komplexe Verknüpfung von kultureller und sexueller Gewalt. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern die Erzähler mit Gewalt konfrontiert werden, wie Gewalt als Konstruktion durch einen „postkolonialen Blick“ entlarvt wird und ob eine Aussicht auf ein gelingendes interkulturelles Miteinander besteht.
„Aggressive Abwehrreflexe“ – Reaktion auf indirekt vermitteltes Leiden
Der traditionelle koloniale Diskurs ist geprägt von Dichotomien wie „Europa versus Afrika“, „Zivilisation versus Barbarei“, „Kultur versus Natur“, „Rationalität versus Irrationalität“. Diese polaren Gegensatzpaare werden im Roman ad absurdum geführt; es wird im Folgenden zu zeigen sein, wie insbesondere die Dichotomie „zivilisiertes Europa“ versus „wildes Afrika“ von Hans Christoph Buch als Konstruktion entlarvt wird.
Als der Erzähler in Ruandas Hauptstadt eintrifft, wird er in dem Hotel Mille Collines ein erstes Mal mit der Grausamkeit des Bürgerkriegs konfrontiert. Denn in diesem Hotel trifft der deutsche Schriftsteller auf den 30jährigen Tutsi Raphaël Nzeyimana.
„Ich habe eine Dummheit begangen.“ – „Was für eine Dummheit?“ – „Ich habe meine Schwester vergewaltigt.“ – „Wie bitte?“ – „Ich sagte Ihnen doch: Ich habe meine Schwester vergewaltigt. In Gikorongo, Butare Distrikt, letztes Jahr im April. Sie haben mich gezwungen, es zu tun.“ – „Wer waren sie?“ – „Interahamwe, die Hutu-Miliz. Wer sonst.“ – „Und wo ist Ihre Schwester jetzt?“ – „Sie ist tot.“ (13)
Was an diesem kurzen Dialog zunächst einmal auffällt, ist die Einseitigkeit der Sprechsituation: der „weiße“ Europäer fragt, der „schwarze“ Afrikaner – zugleich Objekt der Neugierde – antwortet.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der interkulturellen Literaturwissenschaft und Vorstellung der leitenden Fragestellungen bezüglich Gewaltstrukturen.
2. Zwischen Fiktion und Faktizität: Kulturelle und sexuelle Gewalt in der Gegenwart: Analyse der Gewalt als Ergebnis kultureller Hierarchisierungen und des „postkolonialen Blicks“.
3. Der Kolonialismus und die Verantwortung der Europäer: Untersuchung der historischen Verknüpfung von kolonialen Strukturen und heutiger Gewalt.
4. „Die Grundübel der Dritten Welt: Korruption, Brutalität und Ineffizienz“: Behandlung dieser drei Hauptfaktoren als unmittelbare Ursachen und Begleiterscheinungen von Gewalt.
5. Geschichte als Zyklus?: Reflexion darüber, ob Gewalt eine historisch zyklische Konstante darstellt und wie das Verhältnis zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu deuten ist.
6. Grenzüberschreitung und Utopie: Auseinandersetzung mit der Möglichkeit, Gewaltstrukturen durch Grenzüberschreitung zu durchbrechen.
7. Der Schriftsteller und die Gesellschaft: Analyse der Rolle des Künstlers bei der Vermittlung und Verarbeitung von Gedächtnis im Kontext gesellschaftlicher Gewalt.
8. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Thesen zur kulturellen und sexuellen Gewalt sowie zum literarischen Umgang mit Geschichte.
Hans Christoph Buch, Kain und Abel in Afrika, Kulturelle Gewalt, Sexuelle Gewalt, Postkolonialismus, Interkulturelle Literaturwissenschaft, Gedächtnis, Fiktion, Faktizität, Rwanda, Genozid, Kolonialismus, Multiperspektivität, Sprachkritik, Identität
Die Arbeit untersucht Hans Christoph Buchs Roman „Kain und Abel in Afrika“ hinsichtlich der Darstellung von kultureller und sexueller Gewalt im Kontext von Kolonialismus und Gegenwart.
Zu den Kernbereichen gehören das Spannungsverhältnis zwischen Fiktion und Faktizität, die Kritik am „postkolonialen Blick“ sowie die Analyse der Rolle von Literatur bei der Verarbeitung von Gewalt und Gedächtnis.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Buch die Dichotomie zwischen „zivilisiertem Europa“ und „wildem Afrika“ als Konstruktion entlarvt und die Verantwortung der Europäer für Gewaltstrukturen kritisch beleuchtet.
Es wird eine literatur- und kulturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die stark textnah operiert und theoretische Konzepte wie Intertextualität, Polyphonie und kulturelles Gedächtnis integriert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine textnahe Untersuchung von Gewaltkonfrontationen und eine weiterführende kulturtheoretische Analyse, die Themen wie Korruption, Brutalität und die Stellung des Schriftstellers in der Gesellschaft einbezieht.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Postkolonialismus, Kulturelle und sexuelle Gewalt, Gedächtnis, Intertextualität und das Verhältnis von Fiktion und Faktizität.
Die Arbeit betont, dass Buch durch die Darstellung von sowohl fremd- als auch selbstverschuldeten Problemen den klassischen „Dritte-Welt“-Diskurs überwindet und statt Exotismus eine „Einer-Welt“-Perspektive einnimmt.
Das Motiv des Brudermords, abgeleitet aus der biblischen Geschichte von Kain und Abel, dient als zentrales Symbol für die sich zyklisch wiederholende Gewalt, die alle am Konflikt beteiligten Gruppen als Verlierer hervorgehen lässt.
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